Gelita Trail Marathon – MTB&Run 30km

In der Rhein-Neckar-Region dreht sich aktuell vieles um den Erfinder des Fahrrads, den Herrn Drais – immerhin 200 Jahre alt wird seine Erfindung in diesem Jahr. Aus diesem Grund gab es schon beim Mannheim Marathon das Angebot “Bike&Run”. Der gleiche Veranstalter zeichnet auch für die Durchführung des Gelita Trail Marathons in Heidelberg verantwortlich. Daher gab es etwas kurzfristig ein neues Angebot “MTB&Run” aufgrund des Jubiläums. In Mannheim war das Angebot über die Halbmarathon-Strecke als Rad/Lauf-Team sehr beliebt. Allerdings gab es dort auch keine Trail-Passagen.

Frank aus unserer Ultralaufgruppe hatte angefragt ob sich jemand vorstellen könnte ihn zu begleiten bei diesem Event. Er fährt seit einiger Zeit ein wenig Mountainbike und wollte es einfach als Fun-Veranstaltung einmal ausprobieren. Ich habe mich dazu bereit erklärt, klar mit der Aussage: “Nur zum Spaß haben”. Immerhin habe ich ja am 3. Oktober meine jährliche Verpflichtung in Nürnberg über die 21,1km. Daher war eigentlich klar: Das wird ein anspruchsvoller Trainingslauf, aber ob ich den jetzt im Wettkampf oder in der Gruppe mache – das macht für den Trainingseffekt keinen Unterschied. Die Resonanz auf das Angebot war sehr verhalten, ob es das Ganze daher nochmal gibt weiß ich nicht. Eine Woche vor dem Start waren ganze drei Teams gemeldet, am Start standen dann am Ende vier Teams. Jeweils ein Biker und ein Läufer sind bereit die 30km und 1000hm anzugreifen.

Zur Sicherheit mussten wir noch etwas warten, nachdem der dritte und letzte Startblock der reinen Läufer aufgebrochen war. Um 11:15 fiel für uns dann auch der Startschuss – für uns ein absolutes Novum: Wir stehen direkt an der Startlinie als es losgeht. Ein Team setzt sich recht schnell als Spitze nach vorne ab. Die anderen drei Teams bleiben erst einmal lustig beisammen, es wird etwas gewitzelt und erzählt. Die ersten Höhenmeter gibt es an der bekannten alten Brücke in Heidelberg. Alles noch recht locker, es geht dann auch erst mal gemütlich noch am Neckar entlang durch die Bebauung.

Direkt nach dem ersten Kilometer ist Schluss mit lustig, es kommt der erste Anstieg, rauf auf den Philosophenweg. Das ist ein recht beliebter Wanderweg den viele aus dem Umland kennen, der sich langsam den Berg hochzieht und einen schönen Blick auf die Altstadt und das Schloss bietet. Wir benutzen einen der vielen Quereinstiege, die haben es natürlich in sich. Ich kenne den Anstieg den wir hochgehen recht gut, vor etwas einem Jahr bin ich ihn mit Baby-Jogger hinunter gewandert – ich weiß also was auf mich zukommt. Frank hat auf dem Rad echt Mühe mitzukommen, als ich auf den Philosophenweg einbiege ist er weit hinter mir. Ich überlege kurz, aber da es nun erst einmal bergab geht, ist es logisch einfach weiter zu laufen. Wenige Minuten später rollt er auch schon locker und lässig auf dem Rad von hinten heran.

Es geht locker bergab auf Asphalt bis kurz vor die Bismarck-Säule, ab dort geht es wieder kontinuierlich bergauf – teilweise kann ich das noch recht gut joggen, merke aber dass ich mich richtig einteilen muss, daher gehe ich die steileren Passagen. Das nächste Zwischenziel ist die Thingstätte oberhalb Heidelbergs. Der seit dem Morgen über den Bergen hängende Nebel macht sich nun richtig eindrucksvoll bemerkbar – es man sieht nicht all zu weit während man durch den nebeligen Wald läuft. An der Thingstätte selbst wartet eine erste echte Hürde für Frank, die Strecke führt über die Bühne und dann die Ränge hinauf – alles Treppen vom Feinsten. Immerhin stehen trotz des widrigen Wetters jede Menge Menschen an der Strecke und motivieren. Wieder einmal verliere ich Frank, da ich die Treppe deutlich flotter hochkomme (klar ich muss ja auch kein Rad schleppen). Wir sind nun auch endgültig auf das Schlussfeld der Läufer aufgelaufen – um uns herum wimmelt es und wir müssen immer wieder warnen, dass da ein berechtigter Radfahrer kommt.

Nach dem Anstieg ist erst einmal ein wenig Erholung angesagt – es geht fast stetig bergab – teilweise auf Wirtschaftswegen aber auch immer wieder Trails – die Strecke macht mir richtig Laune. Ob Frank das genauso sieht weiß ich zu dem Zeitpunkt nicht, aber die Strecke empfinde ich schon als Läufer als anspruchsvoll. Zur Wegekreuzung “Zollstock” geht es wieder ganz leicht bergan, danach geht es einen absolut verschlammten und aufgewühlten Trail hinunter – man sieht noch recht deutlich dass vor kurzem noch Forstarbeiten durchgeführt wurden. Ich kann in dem Abschnitt noch einige Leute überholen. Unter anderem Lore Mair aus meiner eigenen Laufgruppe der DJK. Sie hat sich für die volle Distanz mit 1500hm gemeldet. Für mehr als ein kurzes Hallo reicht es aber auch nicht, denn ich muss mich total auf den glitschigen Weg konzentrieren – teilweise drifte ich das Ganze ähnlich wie die Abraumhalden beim Pyramides Noires in Frankreich (mit dem Unterschied dass es dort im losen Geröll besser und kontrollierter geht). Kurz danach kommen wir an einer mir vertrauten Stelle vorbei – der Parkplatz Mühltal ist ein beliebtes Ausflugsziel und aus einer der vielen Richtungen dort sind wir beim Training auch schon mehrfach gekommen. Hier steht auch die erste Versorgungsstation, ich greife ordentlich zu bei Iso und Energieriegel – die sind diesmal irgendeine Mischung Schoko-Banane-Kokos – das ist recht gut zu kauen, zum Runterspülen muss ich nur mit wenig Wasser aus dem Rucksack nachhelfen.

Nun geht es wieder stetig bergan – es geht das Mühlbachtal hinauf, das ist recht langezogen und wird zum Ende hin immer steiler. In der Steigung holt mich Frank zusammen mit einer anderen Begleitradlerin wieder ein. Erste Zwischenbilanz – wir haben schon deutlich mehr als ein Viertel der Höhenmeter geschafft, und das bereits bei Kilometer sieben. Ich kann fast das gesamte Mühltal durchweg noch joggen, auch wenn es gegen Ende immer anstrengender wird. In der Nähe der Quelle geht der breite Forstweg dann in einen Trail über und wird nochmal deutlich steiler, als es nach oben zur Kreuzung “sieben Wege” geht. Die im Tal abgezweigte Marathonstrecke fädelt an dieser Stelle wieder ein und hat eine Zusatzschleife von ca. sieben Kilometern absolviert.

Ein freundlicher Helfer informiert mich, dass es jetzt nur noch ein Kilometer bis zum Höhepunkt ist am weißen Stein ist. Für Frank kommt nun eine Abwechslung – aufgrund von Auflagen gibt es zwei Abschnitte die nicht mit dem Rad befahren werden dürfen. Das Rad muss hier geschoben werden (ein wenig erinnert mich das an die Begleitradler in Biel, die entlang des Emmedamms nicht fahren dürfen – dort gibt es für die Radler allerdings eine Ausweichstrecke anstelle des Schiebens). Aber so richtig fahren wollte ich den Abschnitt auch nicht: ziemlich viel Geröll und doch recht steil. An einer Kreuzung mit einem Forstweg steht eine Helferin mit ihrem Nachwuchs, der bietet eine große Schüssel mit Gummibärchen an – ein super Service und angesichts des Sponsors der ja die Grundlage für diese Leckereien herstellt hätte ich diese ja fast auch an den Versorgungen erwartet. Viele meiner Ultraläufe habe ich mit Gummibärchen als Ernährung bestritten. Es geht dann nochmal kurz bergauf an den weißen Stein. In der Steigung überhole ich den Radler des ausgebüchsten Teams – auch er muss hier noch schieben. Zusammen mit dem Erreichen der Versorgungsstation am Gipfel hat auch die Radschiebestrecke ein Ende. Frank ist etwas weiter hinter mir, aber da es nun wieder flacher wird und leicht bergab, laufe ich nach dem Energietanken etwas weiter und nutze auch meinen Vorsprung um einmal in die Büsche zu gehen. Aufgrund des Nebels kann man immer noch nicht weit blicken und am Gipfel ist die Spitze des Aussichtsturms auch nicht zu sehen. Der eine Halbzeitpunkt liegt jetzt definitiv hinter uns: der für die Höhenmeter – bei den Kilometern sind wir erst bei 11km angekommen.

Frank holt mich auf den Wirtschaftswegen dann auch wieder ein, die Freude ist allerdings nur recht kurz, denn es folgt eine weitere kurze Passage in der das Rad geschoben werden muss. Frank bleibt diesmal allerdings näher bei mir. Das Feld ist relativ dicht, teilweise könnte ich auf den Trails schneller aber es fehlt der Platz, ich bin mir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher wie weit wir bereits im Startblock vor uns vorgedrungen sind – ich vermute recht stark, dass es sich vorwiegend um Läufer des Half-Trails mit 30km Länge handelt. Die Marathonis haben wir aufgrund der Schleife wahrscheinlich überholt. Immer mal wieder kommt auch ein Läufer von hinten angeschossen – wie sich herausstellt sind das die Staffeln – klar die sind noch knackig frisch nach den Wechselstationen. Gefühlt viel zu früh taucht auch schon wieder eine Verpflegung auf, der Parkplatz Langer Kirschbaum ist dazu umfunktioniert.

Es folgt ein Stück Strecke das wie aus dem Bilderbuch auch vom Rennsteig stammen könnte – breiter geschotterter Forstweg stetig leicht bergab. Frank könnte es jetzt locker laufen lassen, muss ja aber etwas Rücksicht auf mich nehmen – ich biete ihm zwar an bis zur nächsten Abzweigung vorzuradeln aber er bleibt lieber als Begleiter da, abgesehen von einer kurzen Pause in der auch er einmal für die Düngung des Waldes sorgen muss. Auf der Strecke haben wir an einigen Stellen Abwechslung beim Wetter – es ist zwischendrin einmal nicht neblig under Oktober zeigt sich von seiner goldenen Seite. Besonders malerisch ist der Blick ins Neckartal gen Heidleberg – wohlwissend, dass wir da wieder hinmüssen. Kurz vor Schlierbach geht es nochmal ein Stück Trail. Immer wieder holt uns ein Duo ein und kann vorbei ziehen. Die sind bergab etwas besser zu Fuß als ich es gerade bin. Aber mir ist das recht gleich, denn es ist ja nur ein Trainingslauf. Das steile Stück bis nach Schlierbach hinein geht mächtig auf die Oberschenkel. Ich plane auf alle Fälle schon einmal ein, an der nächsten Verpflegung meine Salztabletten zu nutzen – nichts ärgerlicher als wieder Krämpfe auf den letzten Kilometern.

In Schlierbach heißt es erst mal wieder Lauftechnik umstellen von bergab auf leicht bergan bzw. eben. Kurz nach der Brücke hat sich Marion mit dem Rest der Familie postiert, ich nehme die erst nach einem lauten Ruf wahr – ich bin wohl doch schon etwas im Laktat-Koma angekommen, in dem Zustand ist an aktives Denken und Wahrnehmen leider nicht zu denken. Wie ich später erfahre hat mein Handy zwischenzeitlich eine Fehlfunktion, weshalb Nachrichten von mir an Marion (z.B. am weißen Stein) oder von ihr über die potentiellen Foto-Stellen nicht durchkommen Marion nimmt ein nettes Video auf. Auf der Rückseite des Bahnhofs (nach ein paar Treppen die Frank mal wieder Tragen bzw. Schieben darf) ist die nächste Versorgung – ich greife diesmal zu Cola und nochmals reichlich Energieriegeln. Zudem gibt es einen Schwung Salz, so richtig gut klappt das mit dem Schlucken noch nicht, aber ich bekomme sie mit reichlich Wasser runter bevor sie sich vollständig im Mund auflösen. Außerdem ist die Sonne jetzt am Durchbrechen, ich packe daher die Jacke noch in der Rucksack – etwas frisch im ersten Moment aber angesichts der nun folgenden Steigung doch ganz gut. Frank hatte zwischenzeitlich in der bergab-Phase das gegenteilige Problem: aufgrund des Fahrtwinds und der fehlenden Bewegung war ihm doch recht frisch, trotz Jacke und Arm- und Beinlingen. Auf der Brücke waren es 23km laut Beschilderung. Es liegen also noch etwa 7 km vor uns, und laut Frank noch ca. 250 Höhenmeter. Also alles im machbaren Bereich.

Die Steigung aus Schlierbach heraus gehe ich, das ist mir einfach zu steil zum Joggen. In einigen Metern Entfernung vor uns ist wieder das Pärchen unterwegs mit dem wir uns ständig abwechseln. Als es in den Wald geht, können wir wieder einmal bergauf überholen. Auf dem Forstweg kann ich auch wieder recht gut Joggen. Es geht nun aber wieder gefühlt ständig nach oben, auch wenn es immer wieder kurze Abschnitte gibt, die es wieder etwas bergab geht. An einem Wechsel zwischen bergab und bergauf steht ein weiteres Motivationsschild: 26km liegen hinter uns, also noch vier Kilometer zu laufen. Laut Frank noch etwas um die 100hm zu bewältigen. Das Duo liegt aktuell hinter uns, und vor uns taucht auch der Spitzenläufer des MTB&Run auf – etwas entkräftet, genauso wie sein Radfahrer. Bei Kilometer 27,5 (laut Karte) ist noch eine letzte Verschärfung der Steigung für etwa 800m eingebaut. Joggen geht da nicht mehr, ich muss zurückschalten auf Gehen. Frank kämpft sich mit dem MTB Meter für Meter voran, auch er hat es hier nicht leicht. Irgendwo auf der Strecke haben wir auch den bisher Führenden überholt, wenn uns nicht alles täuscht – wir sind uns aber nicht sicher.

Als es endlich flacher wird gibt es die letzte Geschicklichkeitsherausforderung – für die Marathonis geht es steil nach oben die Himmelsleiter hoch zum Königsstuhl. Für den Halftrail und die MTB&Run geht es ein kurzes Stück auf selbiger steil und rutschig bergab. Es ist der erste Moment an dem ich festhalten muss: Lieber würde ich das Ding gerade nach oben laufen, denn nach dem Anstieg bin ich absolut nicht trittsicher auf den ungleichen Stufen. Angesichts der deutlich erhöhten Gefahr hat ein Streckenposten am Einstieg Frank auf eine Umleitung geschickt. Die ist zwar etwas länger und eigentlich nicht offizieller Teil der Strecke, allerdings fände ich es aus Sicherheitsgründen absolut unverantwortlich den Radler die Himmelsleiter das Rad hinunter tragen zu lassen. Schon als Läufer habe ich alle Mühe nicht zu stürzen, vom Aufwand und der Gefahr für andere Teilnehmer hier noch ein Rad zu tragen mal ganz zu schweigen. Ich verbuche das unter Erkenntnisse der ersten Durchführung – man kann nicht auf Anhieb alles voraussehen und beim zweiten Mal sind sicherlich derartige Problemstellen auch sauber gelöst.

Am Fuß der Himmelsleiter wird es dann deutlich einfacher – jetzt sind die Wege erst mal asphaltiert, Frank ist noch nicht da, aber laut Schild sind wir bei 29km angelangt. Ich lasse es laufen, denn auf der Straße hat Frank sicherlich keine Mühe mich einzuholen. Kurz bevor es in den Schlossgarten geht hat er mich dann auch wieder eingeholt. Der letzte Kilometer zieht sich ganz ordentlich, es geht im Zickzack durch den Schlossgarten und am Schloss vorbei. Auf den letzten Serpentinen sind nochmal Treppen vorhanden, vor denen leider nicht gewarnt wird – Frank muss beim Versuch vor mir eine der Haarnadelkurven zu nehmen ziemlich abrupt Abbremsen und Absteigen um die Stufen sicher zu überwinden. Wir überholen noch jede Menge Läufer, ich lasse es nun nochmal richtig krachen. Wir haben uns mal als Ziel gesetzt gehabt unter 3:30h ins Ziel zu kommen, aktuell sieht es gut aus, es sogar unter 3:15h zu schaffen.

Mit viel Schwung verlasse ich die Serpentinen am Schloss und rein in die Altstadt – das Kopfsteinpflaster mahnt mich zur Vorsicht, angesichts des Regens könnte es etwas glitschig sein – aber es geht alles gut und schließlich sind wir auf der Zielgeraden, der Hauptstraße Heidelbergs auf dem Weg zum Karlsplatz. Ich gebe nochmal richtig Gas und auch Frank holt nochmal alles raus. Kurz vor dem Ziel gilt es noch einen Randstein zu meistern, der ist doch recht hoch. Hier würde ich mir für weitere Durchführungen als Veranstalter etwas einfallen lassen, z.B. anböschen mit Sand oder eine Holzrampe. Es geht noch einmal um den Brunnen und dann sind wir auch schon im Ziel. Geschafft! Im Ziel werden wir schon von einer Journalistin erwartet, die unsere Eindrücke der ersten Durchführung abfragt. Zudem ist Fanks Frau Michaela im Zielbereich und versorgt uns während der Befragung mit Getränken und etwas zum Essen. Von ihr erfahre ich dann auch, dass Marion unterwegs ist und in Kürze mit dem Nachwuchs eintreffen will. Das ist für mich wichtig, denn im Wind wird es langsam aber sicher sehr frisch und Marion bringt mir meine Wechseljacke mit. Frank hat es tatsächlich auch noch fertig gebracht sich auf den letzten Metern einen Platten einzufahren, es muss wohl auf der Zielgeraden oder bei der Umrundung des Brunnens passiert sein, denn vorher war noch alles in Ordnung – absoluter Glücksfall für uns. Wir hätten zwar flicken können, aber knapp vor dem Ziel hätte uns das sehr viel Zeit gekostet und Aufholen wäre wohl auch nicht mehr drin gewesen.

Mit etwas Nachdruck schaffen wir es zu klären, dass es noch eine Siegerehrung geben wird – aber erst rund eine Stunde nachdem wir im Ziel sind – welche Platzierung wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber zumindest ein Podestplatz ist uns sicher. Das haben wir nun wirklich nicht alle Tage und wollen uns das auch nicht nehmen lassen. Wir nutzen die Zeit uns ein wenig zu trocknen und etwas aufzuwärmen. Marion bleibt mit dem Nachwuchs im Restaurant während Michaela, Frank und ich nochmal zum Zielbereich aufbrechen – im Gegensatz zu uns gab es für die Zuschauer keine Versorgungsstationen.

Bei der Ehrung können wir es dann kaum fassen: Wir haben es tatsächlich auf Platz eins geschafft – das hatte ich bisher noch nicht, und Frank auch nicht. Noch nicht mal in der Altersklasse und nun im Gesamtfeld. Wahnsinn! In 3:12:12 haben wir die 1000hm und 30km zurückgelegt. Wobei wir uns natürlich auch darüber im Klaren sind, dass es bei einem größeren Teilnehmerfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit anders ausgesehen hätte. Hier mache ich mir keinerlei Illusion. Es gibt einen netten Sandstein für die erstplatzierten, zudem jeweils eine Flasche Wein. Wobei man auch hier merkt, dass die Veranstalter nicht ganz auf dem Team-Charakter eingestellt sind: Anfänglich gibt es nur eine Flasche Wein fürs Team – das wird aber kurzerhand korrigiert, auch weil die drittplatzierten schon nicht mehr zur Verleihung da sind. schade eigentlich.

Ob ich den Lauf in dieser Form im kommenden Jahr nochmal machen werde, steht noch in den Sternen, auf alle Fälle mal ein außergewöhnliches Training mit einem außergewöhnlichen Erfolgserlebnis. Ich kann mir aber auch vorstellen, das nächste Mal auf die volle Distanz mit allen Schikanen zu gehen – auch wenn meine Erfolgsaussichten dann natürlich deutlich geringer sind, aber die Strecke ist auf alle Fälle sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll.

 

 

 

Stadtlauf Nürnberg 2017

Drei Viertel des Jahres sind rum, und für mich dieses Jahr damit auch die Wettkampf-Saison beim Laufen. Der letzte Wettkampf für mich war der Stadtlauf am 3. Oktober in Nürnberg. Mittlerweile ist dies ein echter Traditionslauf bei mir geworden. Diesmal war ich schon zum elften Mal in Folge dabei. Über die Jahre haben sich einige Veränderungen ergeben, sowohl bei der Organisation als auch bei mir. Daher gleicht bisher kaum ein Jahr dem anderen. Bei den ersten Teilnahmen gab es noch eine manuelle Zeitmessung mit “ungefähr”-Zeitangaben und gedruckten Urkunden im Zielbereich. Mittlerweile ist seit mehreren Jahren eine professionelle Zeitmessung am Start. In diesem Jahr bin ich einmal wieder alleine in Nürnberg, auch wenn sich der 3.10. als genereller Feiertag diesmal sogar für ein verlängertes Wochenende angeboten hätte. Aber mit einem Säugling und einem kleinen Kind wäre das insgesamt in Stress ausgeartet, also fahre ich einmal wieder mit meinem Altfahrzeug die altbekannte Strecke wie zu Studentenzeiten. Stilecht bin ich natürlich wieder ökologisch korrekt unterwegs und habe meine Fahrt per Mitfahrzentrale angeboten.

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SRH Dämmermarathon Mannheim

Heimspiel für mich – der SRH-Marathon in Mannheim findet direkt vor der Haustür statt und noch dazu ist es der Lauf mit dem alles läuferische einmal begann. Klar dass ich dieses Jahr auch wieder dabei bin. Allerdings ist das Training deutlich anders ausgefallen als bisher – Nora und Karo sind im vergangenen Herbst erstmals 10km Wettkampf gelaufen, diesmal soll es der Halbmarathon werden. Alex konnte im Herbst nicht teilnehmen und absolviert ihren ersten Wettkampf über 10km. Für das eigene Training blieb da etwas weniger Zeit – zumal es ja auch parallel noch das Projekt “Nachwuchs 2.0” mit allen notwendigen Vorbereitungen zu stemmen galt. Der nahende Geburtstermin war natürlich auch ein Thema für den Wettkampf selbst – mit Handy und Alarm-App ausgerüstet war ich bereit den Wettkampf an jeder möglichen Stelle zu unterbrechen wenn die Geburt einsetzen sollte. Die Strecke führt praktischerweise auch noch an unserer Wunschklinik vorbei – von dort ist es aber nur noch 1km bis ins Ziel. Ich träumte von einem übermäßigen Zielsprint, aber es sollte alles anders kommen.

Die Tage vor dem Wettkampf hat es geregnet was das Zeug hält, aber zum Wettkampf ist schönstes Wetter. Zusammen mit noch ein paar Läufern aus meiner Ultra-Laufgruppe geht es in Richtung Startblock – Marion und Glen begleiten uns. Ich reihe mich optimistisch mit Frank im Bereich des 3:30h Pacemakers ein. Es hat ja im letzten Jahr mehrfach geklappt mit unter 3:30h ins Ziel zu kommen. Der Start erfolgt wie seit einigen Jahren in Blöcken, bis wir an der Reihe sind vergehen schon einmal knapp 9 Minuten. Es geht dann aber recht zügig los, dank GPS von Frank pendeln wir uns halbwegs ein. Allerdings verlieren wir uns schon bald in der dichten Läufermasse – egal ich komme irgendwie in Schwung und die Zeiten sehen gut aus: immer um die 4:50 min/km das passt für mein Ziel.

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Weltkulturerbelauf Bamberg

Ungerade Jahreszahl – daraus folgt: Es findet ein ganz besonderer Lauf statt: Der Weltkulturerbelauf in Bamberg. Heuer war ich zum 5. Mal dabei, der Lauf ist mittlerweile fest im Kalender eingeplant. Einplanen muss man unter Anderem auch die Anmeldung. Die Teilnehmerzahl ist stark limitiert, für den Halbmarathon als Königsdistanz sind nur 3000 Startplätze verfügbar. Pünktlich nur wenige Minuten nach der Freischaltung der Anwendung merkt man das auch ganz deutlich: Der Server ist total überlastet – immerhin muss man heute keine Nachtschicht mehr einlegen um ab 0:00h die Registrierung zu starten – ab 6h in der Frühe ging es diesmal los.

Die letzte Teilnahme habe ich in wenig guter Erinnerung, was nicht an den Organisatoren lag sondern vielmehr am Wetter. Es hat damals genau einmal am Tag geregnet – von morgens bis Abends ohne irgendwie auch nur aufhören zu wollen. Für die Fans natürlich absolut bescheiden, zumal Marion damals zum ersten Mal ausprobiert hat wie es mit Kinderwagen und kleinem Kind klappt eine Laufveranstaltung zu besuchen. Alles andere als angenehm, zumal auch die vielen Cafés und Restaurants dann natürlich zu hatten, der Lauf ist ja Sonntags.

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LGA Indoormarathon Nürnberg 2016

img_2120Es ist November, das Wetter ist absolut nicht lauftauglich – an Wettkämpfe ist eigentlich gar nicht mehr zu denken. Es sei denn, man läuft nicht im Freien. Auf die Spitze treibt das jedes Jahr der LGA-Indoor-Marathon in Nürnberg. Gelaufen wird in den Büro-Gebäuden bzw. Gängen des TÜV Rheinland. Um auf die volle Marathondistanz zu kommen sind 55 Runden zu bewältigen. Damit es nicht nur langweilige Flure gibt, ist jeder Runde auch noch ein Treppenhaus abwärts und natürlich auch eines wieder aufwärts zu bewältigen. Jeweile eine Etage, 22 Stufen runter und 22 auch wieder hoch.

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Rennsteiglauf 2016

Bereits im vergangenen Jahr reifte in der Ultra-Gruppe um Peter (auch bekannt als PULT) die Idee 2016 mal wieder am Rennsteiglauf teilzunehmen. Mit dabei waren “alte Hasen”, die den Lauf mit seinen 72,9 bereits kennen aber auch Neulinge wie Uwe, der in Thüringen seinen ersten Ultra bestreiten wollte. Bereits sehr früh hatten wir uns für eine Unterkunft in der Nähe von Eisenach gemeldet, die kannte ich auch schon vom letzten Mal vor zwei Jahren. Zudem sind noch einige weitere Läufer mit gereist, die sich an den ebenfalls angebotenen Strecken des Halbmarathons bzw. der 17km Wanderung versuchen wollten.

IMG_5877Die Anreise gestaltete sich diesmal etwas langwieriger, angefangen vom Packen – man muss nicht mehr nur für sich oder für zwei packen, nein man muss für die ganze Familie packen, inklusive Kinderwagen und Reisebett für den Nachwuchs. Beim letzten Lauf wusste ich bereits das ich Papa werde – es kommt einem verdammt lange vor, dabei ist es gerade mal zwei Jahre her. Zudem haben wir dann doch noch einen Teil des Wochenend-Peaks auf der Autobahn erwischt – fast einen Marathon lang ging es nur im Stop&Go-Modus voran.

Die Abholung der Unterlagen in Eisenach geht dann aber sehr fix und wir treffen uns mit der Gruppe auf dem Marktplatz in Eisenach. Etwas hinderlich ist es, dass einige Teilnehmer erst einmal nach Oberhof an den Start des Halbmarathons müssen, denn nur dort gibt es deren Startunterlagen. Das Hotel liegt für diesen Zweck absolut in der falschen Richtung, mal sehen ob wir das vielleicht beim nächsten Mal etwas günstiger gelegenes finden. Zum Abendessen gibt es den im Startgeld enthaltenen Kloß mit Rotkraut und später noch eine Portion Nudeln.

Da der Lauf bereits um 6h in der Frühe startet, müssen wir sehr zeitig aufstehen, daher gibt es kein großes Abendprogramm. Ich bemerke gegen Abend, dass der Nachwuchs wohl für die Pfingstferien noch eine nette Kita-Erkältung angeschleift hat, die sich nun auch bei mir breit machen will. Verzichten will ich auf den Start aber dennoch nicht, ggf. mache ich etwas langsamer. Die Nacht schlafe ich dann auch nicht so besonders.

Um 4:00h ist aber ohnehin Schluss mit Schlafen, bereits 30 Minuten später gibt es ein Sportler-Frühstück mit reichlich Kalorien. Kurz nach fünf machen wir uns auf den Weg zu den verschiedenen Startpunkten, eine Gruppe nach Oberhof, die andere nach Eisenach. Marion fährt uns fast bis an den Start, wir sind mehr als pünktlich und können in aller Ruhe noch unsere Beutel für den Zielbereich an den bereitstehenden LKW abgeben.

IMG_5798Pünktlich um 6h kracht der Startschuss in die Morgenluft. Traditionell wird der Start musikalisch mit dem Rennsteiglied untermalt. Ich habe immer noch den Verdacht, dass dies einzig dazu dient, die Läufer möglichst schnell vom Marktplatz zu scheuchen. Kurz hinter der Startlinie sehe ich noch Heinrich von Helgas Lauffreunden mit Kamera an der Strecke stehen, einmal kurz Winken und schon spült es mich mit der Läuferschar durch die Fußgängerzone von Eisenach – durchs Stadttor und dann gleich scharf rechts die erste Steigung hinauf. Dort steht auch das bekannte “Ortsende-Schild” Eisnach / Schmiedefeld (72km) – denn bis Schmiedefeld geht es durch keinerlei Ortschaft.

So recht in Schwung kommen will ich noch nicht – bereits kurz nachdem wir in den Feldern sind, benötige ich erst einmal einen Baum um den hastig eingenommen Kaffee wieder los zu werden. Danach läuft es sich erst mal deutlich entspannter. Es geht weiter bergan, am Burschenschaftsdenkmal vorbei durch die Felder. Die Erkältung meldet sich mehrere Male mit kräftigem Husten zu Wort, ich frage mich ob es wirklich eine gute Idee war zu starten. Aber jetzt gibt es sowieso erst mal nur eine Richtung und die ist gen Osten und im Zweifelsfall leicht ansteigend.

Nach 5km treibt es mich erneut in die Büsche – der Magen-Darm-Trakt meldet sich unmissverständlich zu Wort und fordert seinen Tribut. Aber als Ultra-Läufer ist das wichtigste Ausstattungsdetail ja die mitgeführten Blätter Toiletten-Papier. Deutlich erleichtert verlasse ich das Gebüsch, es läuft nun schon deutlich besser. Kurz darauf taucht auch die erste Versorgungstation an der Einmündung auf den Rennsteig auf. Ich greife bei Obst und Tee zu.

Die Strecke ist nun erstmal etwas mehr Trail, wird aber bald wieder zu einem breiten Wirtschaftsweg, von vielen Teilnehmern auch liebevoll “Waldautobahn” genannt. Wir sind bereits mehr als eine Stunde unterwegs – anhand der Kilometerschilder (diese hängen nur alle 5km) versuche ich meine Geschwindigkeit abzuschätzen, irgendetwas um die 7 bis 8 min/km werde ich wohl benötigen – mehr gibt die Strecke und auch die Tagesform nicht her. Angesichts der Erkältung und dem Marathon in Mannheim eine Woche zuvor habe ich keinerlei Ambitionen eine neue persönliche Bestzeit aufzustellen – Ankommen ist wie immer das Wichtigste.

IMG_5802An der Glasbachwiese steht Marion mit dem Nachwuchs und macht fleißig Fotos – für mich gibt es ein wenig Brot, Haferschleim und Tee. Es folgen ca. 10km in denen es auf Trails immer weiter auf den ersten Höhepunkt der Strecke zugeht: Der große Inselsberg ist der zweithöchste Punkt der gesamten Supermarathon-Strecke. Ich lasse es weiter gemütlich laufen, der Weg ist hier besonders trailig, jede Menge Wurzeln und Geröllbrocken. Je näher man dem Inselsberg kommt um so steiler wird die Steigung. Ab einem gewissen Punkt gehen alle Läufer, weil es schlichtweg nicht mehr zu joggen ist. Ganz so schlimm wie im vergangenen Jahr beim Pyramides Noires, wo man teilweise auch die Arme zum Vorankommen brauchte ist es aber nicht. Stellenweise habe ich den Weg als Bachbett oder Hohlweg in Erinnerung, das trügt nicht, auch andere Läufer berichten, dass die Strecke hier wohl “aufgefüllt” wurde.

Es geht weiter steil bergan und endlich taucht auf der linken Seite auch die Umzäunung des Sendemastes auf – eine Reihe Leute steht an der Strecke und feuert kräftig an. Auf der Kuppe sind dann auch die 25km erreicht – immerhin mehr als ein Drittel der Strecke liegt hinter mir. Nun geht es aber erstmal richtig steil bergab wieder vom Berg hinunter – ich bin heilfroh um das Training vor zwei Wochen im Odenwald – dort haben wir genau nochmals solche Abstiege geübt. Kurz nach der Steigung gibt es die nächste Versorgung. Als ich diese gerade wieder verlasse treffe ich auf Uwe Raststätter aus unserer Trainingsgruppe – bei ihm läuft es gerade richtig gut, nur fühlt er sich etwas zu warm angezogen. Wir unterhalten uns ganz nett, die Kilometer verfliegen so viel leichter.

IMG_5844Am Heuberghaus steht Marion und macht wieder fleißig Fotos, Uwe nutzt die Chance seine zu warme Kleidung abzustreifen, ich mache etwas langsamer, merke aber, dass ich eigentlich gerade richtig schön im Fluss bin. Also laufe ich einfach mal weiter – ein Schild kündigt bereits die Halbzeit-Station an der Ebertswiese an – noch etwas mehr als 6km liegen bis dahin vor mir. Die Strecke führt auf den Wirtschaftswegen durch den Wald. Die Steigungen halten sich derweil erst einmal in Grenzen. Vor der Halbzeit gibt es nochmal eine Getränke-Station, ich greife wieder reichlich zu, und entledige mich eines Steinchens, dass sich vor einigen Kilometern in den rechten Schuh eingeschlichen hat.

Das nächste Ziel ist ganz klar, die Ebertswiese mit der umfangreichen Versorgung. Noch immer hole ich Läufer ein und überhole diese. Das Wetter ist sonnig, einzig der kalte und bisweilen böige Wind stört etwas. Kurz vor der Ebertswiese stehen jede Menge Menschen an der Strecke und feuern uns an – unter anderem mit dem Hinweis, dass die nächste Versorgung nicht mehr wirklich weit ist. Mein Blick fällt dabei auch auf einen der Wanderwegweiser – laut diesen sind es noch knapp 20km bis zum Grenzadler, dem nächsten größeren Ziel nach der Ebertswiese.

An der Ebertswiese mache ich etwas länger Rast, ziemlich genau die Länge von “die da” – von den Fanta4, das läuft gerade an, als ich einlaufe und verklingt als ich gut gestärkt die Station wieder verlasse – zu Essen gibt es wie immer reichlich. Ich greife bei Haferschleim, Wienerle mit Senf und Banane zu, letztere nehme ich mit auf den Weg. Zudem natürlich jede Menge Salz. Der Weg führt nach der Versorgung recht steil bergan – da kann man die Banane in aller Ruhe essen und dennoch Kilometer machen.

IMG_5853Es dauert gar nicht mehr lange, da taucht auch schon die nächste Getränke-Stelle an der neuen Ausspanne auf – an der steht auch wieder Marion bereit und macht Fotos. Nach der Versorgung geht es erst mal ganz ordentlich den Buckel hoch – hier gehen auch wieder fast alle Teilnehmer, auf der Kuppe gibt es einen Aussichtsturm – leider habe ich nicht die Zeit mir das Panorama anzuschauen. Immerhin, der Weg wird danach wieder etwas flacher und ich laufe wieder an. Den Abschnitt habe ich recht gut im Gedächtnis – leider weiß ich auch, dass der Rennsteig bald seinem Namen wieder alle Ehre machen wird – entweder man rennt oder man steigt. Gut das nach dem Anstieg auch wieder eine Versorgungstation kommt. Diesmal gibt es Schmalzbrot, Tee, Apfelsaftschorle und natürlich wieder gesalzene Banane für mich.

Was nun folgt ist eine recht lange Durststrecke, zumindest kommt es mir fast endlos vor – immerhin die 45km Marke haben wir kurz nach der Versorgung passiert – es sind also nicht mal mehr 30km bis ins Ziel. Dafür will und will das 50km Schild irgendwie gar nicht auftauchen – ich unterhalte mich mit einem Läufer-Pärchen, das meint auch, dass wohl jemand das Schild als Andenken mitgenommen hat, laut GPS wäre es an der aktuellen Kuppe gerade soweit gewesen. Wir philosophieren noch kurz darüber ob man als Läufer am Grenzadler eher neue Füße oder neue Beine braucht und ob die dort vielleicht passende “Ersatzteile” gibt. Da taucht dann doch das verlustig geglaubte Schild auf. Noch 23km liegen also vor uns – ein klein wenig mehr als ein Halbmarathon.

Am Gustav-Freytag-Stein gibt es nochmal Getränke, ich lasse mir meine Flasche mit Tee und Apfelsaftschorle auffüllen – bis zum Grenzadler ist es nun ja auch nicht mehr weit. Die ersten Ausläufer von Oberhof bzw. des Olympia-Stützpunkts kündigen an, dass es nicht mehr weit sein kann. Mehrfach kreuzen wir die Trainingsstrecke der Langläufer. Die Schilder sind etwas irritierend, dort steht “Sportler haben Vorrang” – ich frage mich kurz, ob es wohl eine Rangfolge innerhalb der Sportler gibt – aber da kein Schnee liegt kommt auch keiner auf Skiern daher.

IMG_5872Am Grenzadler wollte sich eigentlich Marion postieren, ich sehe sie aber leider nicht – an der Versorgung gibt es dann wieder meine Spezial-Verpflegung: Schokoaufstrich auf Toastbrot mit ordentlich Salz, leider fehlt die Gurke zum Garnieren. Noch 18km liegen vor mir und ich informiere vorsichtshalber Marion per Handy, dass ich am Grenzadler bereits durch bin. Die Strecke muss man sowieso gerade wieder etwas gehen, die Steigung zieht sich doch etwas hin. Immerhin weiß ich, dass es nur noch knappe 9km bergan geht, dann ist der höchste Punkt der Strecke erreicht. Am Rondell ca. 2km nach dem Grenzadler steht dann doch Marion mit dem Foto bereit, wie sich später herausstellt hatte sie das Rondell für den Grenzadler gehalten.

Bevor man Plänckerers Aussicht am großen Beerberg erreicht gibt es an der Sommerwiese nochmal eine Versorgung. Der Weg führt nun durch eine Senke auf einer breiten Schneise parallel zur Straße. Reichlich uneben, und es geht ganz klar nach oben. Ich unterhalte mich kurz mit einem weiteren Läufer, er hat für Berichte die passende Ausrüstung dabei, eine Actioncam. Ich schleife zwar die ganze Strecke mein Handy mit, aber es ist mir einfach zu umständlich es jedes Mal aus der Rückentasche der Jacke heraus zu kramen. Die Actioncam kommt daher auf die Wunschliste. Als die Steigung noch etwas steiler wird, trennen sich unsere Wege wieder, ich kann weiter joggen oder zügig gehen und der Blick auf die Uhr sagt mir: Zeitlich bin ich ähnlich unterwegs wie vor zwei Jahren – und das trotz der Zielsetzung: Erst mal nur ankommen.

Etliche Höhenmeter später ist auch endlich der höchste Punkt der Strecke erreicht. Kurz davor steht ein weiteres Motivationsschild: 60km liegen hinter mir. Also nur noch knapp 13km zu laufen. Davon das allermeiste sogar abwärts. Leicht beschwingt laufe ich weiter. Als zusätzliche Orientierung dienen mir die Schilder für den ab Oberhof gestarteten Halbmarathon – die haben zwar noch etwas Versatz, da sie eine Schleife mehr laufen, aber als Orientierung über den dicken Zehen reicht es allemal. Kontinuierlich nähern wir uns der nächsten Versorgung in Schmücke – diese ist bei vielen Läufern beliebt, gibt es dort doch ein leckeres Bier als Getränk. Ich blicke auf die Uhr und entscheide mich dann, die Station nur zu durchlaufen, stattdessen trinke ich einen großen Schluck aus meiner Flasche. Weit ist es nun ja nicht mehr, als Bestätigung taucht fast direkt nach der Schmücke auch das 65km-Schild auf. Noch 8km, ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich ziemlich genau 7h unterwegs bin. Ob brutto oder netto weiß ich leider nicht mehr. Im Kopf überschlage ich, das ich deutlich unter 6 min/km brauchen müsste um meine Zeit von vor zwei Jahren einzustellen. Angesichts der Strecke ist das aber unwahrscheinlich. Dennoch gebe ich vorsichtig etwas Gas.

Die Kilometerschilder des Halbamarthons stimmen jetzt bezüglich der noch zu laufenden Kilometer mit dem Supermarathon überein, der Vorteil ist, sie hängen jeden Kilometer. Es geht vorbei an “Mordfleck”, noch 7km. Nach einer Haarnadelkurve geht es erst mal weiter schön bergab, bis an die Mordflecken-Wand. Das ist die letzte signifikante Steigung der Strecke, die ich in Erinnerung habe. Direkt zum Anfang der Steigung steht das nächste Kilometer-Schild – noch 5km liegen vor mir. Ich motiviere mich, dass es nun ja wirklich keinen Grund mehr zum Abbrechen gibt. Gehen ist in der Steigung aber ganz klar erlaubt – nur nicht zu früh verausgaben. Meine Flasche ist nun auch leer. Gut, dass es am Bierfleck/Kreuzwege nochmal Getränke gibt. Ich mache kurz langsam, fülle die Flasche mit Tee und Cola auf und weiter gehts.

An einem Baum an der Strecke ist Kilometer 69 angesprüht, die letzten 4km sind angezählt. Langsam schießen die Glückshormone durch den Körper. Ich überhole noch eine ganze Reihe Wanderer und Nordic-Walker und auch einige wenige Läufer. Der Kilometer zieht sich scheints ewig hin, trotz dass es ganz klar bergab geht. Kurz vor der nächsten Straßenkreuzung dann die Erlösung, das nächste Schild und es zeigt – 19km für die Halbmarathonis. Ich habe also wohl das Schild für die 70km und die 18km für die Halbmarathonis übersehen oder es fehlt tatsächlich. Ist mir jetzt auch egal – denn zwei läppische Kilometer, das geht jetzt auch noch irgendwie. Ich lasse es etwas mehr laufen. Der Blick auf die Uhr sagt mir: Neue Bestzeit kann ich vergessen, es sei denn ich würde jetzt irgendwoher noch den kenianischen Turbo auspacken und mit um die 3min/km ins Ziel sprinten. Das geht definitiv nicht mehr.

Es taucht etwas lange vermisstes auf, es geht tatsächlich mal wieder in eine Siedlung – Schmiedefeld ist also schon einmal erreicht. An der Strecke stehen mehr und mehr Menschen und peitschen die Läufer förmlich ins Ziel. Ein kleiner Anstieg lauert noch auf uns, bevor es an den Sportplatz geht. Dort heißt es dann richtig einreihen für den Zieleinlauf. Ich gebe nochmal alles, schaue mich entlang der Menschenmassen um, aber Marion ist nirgendwo zu sehen. Warten will ich natürlich auch nicht … also endlich rein ins Ziel. Geschafft! 72,7km und 3249 Höhenmeter (gesamt) liegen hinter mir. Meine letzte Zeit habe ich nur knapp verfehlt, etwa 3 Minuten langsamer war ich. Das liegt für mich aber immer noch im Rahmen, ganz zu schweigen von den Widrigkeiten wie der Erkältung und dem vergleichsweise kalten Wind und nicht zu vergessen, eine Woche vorher bin ich noch einen Marathon als Wettkampf in 3:27 gelaufen. Am Ende werde ich 390er im Gesamtfeld und 43. in der Altersklasse. Insgesamt kommen am Ende 1721 Läufer ins Ziel, in der Altersklasse sind es 127. Somit bin ich insgesamt doch recht weit vorne dabei. Beim nächsten Mal werde ich noch etwas gezielter trainieren, dann klappt es auch mit einer neuen persönlichen Bestzeit.

Im Zielbereich versorge ich mich mit reichlich Cola und warmen Tee. Das tut richtig gut, kurz nach mir trifft auch Uwe Rastätter im Ziel ein. Von Marion habe ich immer noch nichts gehört oder gelesen. Der Versuch sie per Handy zu kontaktieren scheitert, das Netz ist ob der vielen Menschen einfach total überlastet. Man sollte den Mobilfunkanbietern hier einmal Bescheid geben, es gibt ja durchaus Möglichkeiten ein Areal mit mobilen Sendern zusätzlich zu versorgen. Bei Open-Air-Festivals kommt diese Technik erfolgreich zum Einsatz, da sollte es am Rennsteiglauf ja auch kein größeres Problem geben. Ich hole meine Tasche mit den trocknen Klamotten ab und versuche den Rest der Gruppe (vor allem die Halbmarathonis und die Nordic-Walker zu erreichen, denn die sind schon länger im Ziel). Gerade als ich mich dann etwas ratlos zur Dusche aufmachen will, erreicht mich endlich Marion. Es gab scheints einen größeren Stau in Schmiedefeld und sie musste sehr weit außerhalb parken. Das wird dann wohl unsere Lockerungseinheit für nach dem Lauf. Kurze Zeit später finden sich auch die restlichen Team-Mitglieder an.

Es dauert noch eine ganze Weile bis die anderen Läufer von PULT auch im Ziel sind. Jürgen ist nach 9:50 im Ziel, zeitgleich mit Frank und Uwe Rösch. Etwas später, mit 10:12 treffen auch Gudrun und Peter gemeinsam im Ziel ein. Ich bin leider zu erschöpft um noch Bilder zu machen.

Fazit: Der Rennsteiglauf ist ein sehr schöner und vor allem für die Läufer sehr gut organisierter Lauf. Für den Zielbereich müssen wir uns in den kommenden Jahren etwas anderes einfallen lassen, denn das Verkehrschaos in Schmiedefeld selbst ist absolut gigantisch und der Marsch an den Parkplatz macht nach 73km auch keine Freude mehr. Vielleicht nehmen wir nächstes Mal doch das Shuttle-Angebot an.

 

SRH Dämmermarathon Mannheim 2016

IMG_5754Den Marathon direkt vor der Haustüre, noch dazu den mit dem die ganze Lauferei mal ihren Anfang genommen hat, kann man natürlich nicht auslassen. Selbst wenn auch auf dem Plan für nächste Woche ein Ultra-Marathon am Rennsteig ansteht – eine bessere “letzte Trainingseinheit” gibt es wohl kaum. Lange Strecke und man muss sich keine Gedanken über die Verpflegung machen, geschweige denn einen Rucksack mit sich herumschleifen. Noch dazu bekommt unser Verein als Dank für die Besetzung von Streckenposten und einer Wasserstation vom Veranstalter ein kleines Kontingent an Freistarts spendiert. Ich stelle mich da immer hinten an – wer seinen ersten Marathon laufen möchte oder besondere Ambitionen hat, darf hier gerne zugreifen. Aber verfallen lassen muss man das Angebot ja auch nicht. Leider gibt es auch dieses Jahr wieder etwas organisatorische Probleme und ich bin nur für den Halbmarathon gemeldet … zähneknirschend zahle ich die Ummelde-Gebühr, aber halbe Sachen mache ich ja nur noch in Ausnahmefällen. Update: Die Probleme konnten nach kurzer Rücksprache unbürokratisch gelöst werden, so etwas lobe ich mir.

Das Wetter will dieses Jahr auch nicht so recht mitspielen – am Tag vor dem Lauf geht ein Regenguß über der Region nieder, der sich gewaschen hat – ich hoffe dabei inständig, dass uns eine Absage aufgrund des Wetters wie 2006 erspart bleibt. Immerhin: am 14.05. ist es dann doch trocken und in der Sonne kann man es aushalten. Es geht aber schon den ganzen Tag ein recht frischer Wind und mit Sonne ist es beim Dämmermarathon so eine Sache – nur wenn man zur Elite gehört könnte man es schaffen noch bei Tageslicht anzukommen (oder man läuft nur einen flotten Halbmarathon). Erstmals im Angebot ist in diesem Jahr neben dem Team-Marathon auch noch ein Solo-10km-Lauf der recht gut angenommen wird. Den Start des Laufes verfolge ich noch bevor ich versuche, mich in den Startblock einzureihen. Der ist absolut überfüllt und die Kennzeichnung ist nicht erkennbar. So stehe ich in der Nähe des 4:00h Pacemakers.

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Jahresrückblick 2015

Schon wieder kurz nach Weihnachten – allerhöchste Zeit das Jahr nochmal einmal zu betrachten bevor es zu Ende ist.

In gewisser Weise endet das Jahr ganz ähnlich wie es begonnen hat – ich bin mal wieder krank – zu Beginn des Jahres habe ich nach dem Ende der Elternzeit gleich die erstbesten grippalen Infekte von Arbeit mitgebracht. Weihnachten hat es mich wieder flach gelegt – ich hoffe nicht das es eine unschöne Tradition wird – auf den Ausflug in die Notaufnahme zu Heiligabend kann ich verzichten.
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Marathon Eurodistrict Strasbourg

IMG_5386Nachdem ich dieses Jahr ja schon in Molsheim beim Marathon du Vignoble d’Alsace teilgenommen habe, ist mir natürlich auch der Marathon in Strasbourg und Kehl ins Auge gefallen, zudem gab es gleich zwei Berichte von Team Bittel – einen von Andrea und einen von Bernadette – das las sich alles recht gut. Noch dazu wenn man es mit einem Versuch bei Oma für den Nachwuchs kombinieren kann. Den Marathon gibt es noch nicht all zu lange, von daher ist auch die Teilnehmerzahl insgesamt überschaubar, noch dazu findet am gleichen Tag der Marathon in Frankfurt statt, was für viele der Abschluss der Laufsaison ist. Aber ich scheue ja doch ein wenig diese Mega-Veranstaltungen – wenn es schon mehr als 10 Minuten dauert bis man nach dem Startschuss über die Startlinie kann, dann weiß man dass man bei einer ganz großen, professionellen Veranstaltung dabei ist – wo wirklich auf alles und jedes geachtet wird. Für Bestzeiten sicherlich nicht verkehrt, aber ein wenig Flair drum herum darf es dann doch schon sein. Continue reading

Stadtlauf und Kurzurlaub in Nürnberg

Es ist wieder Anfang Oktober, also höchste Zeit für mich wieder einmal nach Nürnberg zu reisen – denn immerhin habe ich jetzt schon 6 Jahre in Folge am Stadtlauf teilgenommen – jeder Jahr seit ich begonnen habe aktiv zu Laufen.

Zudem  verbindet mich ob meiner zwei Praxissemester in Nürnberg doch auch noch einiges mehr mit der Stadt. Seit der Nachwuchs auf der Welt ist hat es nicht meht geklappt, in der fränkischen Metropole vorbei zu schauen – ganz im Gegensatz zu früher, wo ich im Laufe eines Jahres doch immer mal wieder in der Region und dann natürlich auch in der Stadt war.

Was liegt also näher, als nach knapp einem Jahr einen Kurzurlaub mit Familie und Stadtlauf zu machen. Definitiv eine neue Epoche für mich, denn vieles was bisher einfach so möglich war muss man mit einem Kleinkind doch etwas mehr planen. Das fängt schon beim Auto packen an – so voll war der Kleinwagen sonst nur zu Beginn der Praxissemester. Und in meinen Gedanken war die Fahrt früher auch schneller und entpsannter zu bewerkstelligen – momentan sind irgendwie ständig Baustellen und altersbedingte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Früher fand ich die Strecke recht locker zu fahren, diesmal ist es einfach nur noch lästig.

Als Hotel haben wir nach den guten Erfahrungen vor zwei Jahren wieder das Five Reasons ausgewählt, das ist eine Mischung aus Hotel und Hostel – preislich echt super, zumal es bis zum Start/Zielbereich noch nicht einmal 300m sind. Einziger Nachteil sind die fehlenden Parkplätze in der Nähe – denn das Hotel richtet sich bewusst an die etwas jüngere Generation aus aller Welt – die reisen meist nicht mit dem Mitwagen an, sondern mit Flugzeug, Bus oder Bahn – alle Verkehrsträger sind recht gut an das Hotel angebunden, die U-Bahn liegt noch nicht einmal drei Gehminuten entfernt. Das Auto stellen wir daher nach dem Ausladen im P+R Parkhaus Herrnhütte ab – ähnlich wie ich das auch immer während meiner sonstigen Besuche gemacht habe. Mit einem Mehrtagesticket sind wir dann sehr günstig und flexibel unterwegs.

Den Donnerstag Abend nutze ich um einer altbekannten Location vorbei zu schauen – beim Gasthof “grüne Au – zum Brezn Wirt” – dort habe ich einige Abende mit der Laufgruppe “Helgas Lauffreunde” verbracht. Inklusive spannender Heimfahrten durch den Nürnberg Wald und um den Brunner Berg – Wildschweinrotten bei Nacht inklusive. Als Spezialität gibt es noch immer allerhand leckeres vom Buchengrill – ich esse wie fast immer die Spareribs.

Den Freitag beginnen wir gemütlich – mit eine Kaffee bei Black Bean, direkt neben dem Sportscheck – nach dem Frühstück kann ich dann auch gleich meine Startunterlagen abholen – da ich es diesmal vorab machen kann, habe ich sogar die Auswahl bei den T-Shirts, als Abwechslung nehme ich diesmal ein Singlet – auch weil die Temperaturprognose erwarten lässt, dass man nochmal ganz kurz laufen kann.

Bei einem kurzen Bummel durch die Stadt bleiben wir natürlich am Laden für Kinder und Jungebliebene (auch Lego Store genannt) hängen – sowohl der Nachwuchs als auch der Papa kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus – und für beide gibt es zumindest noch eine Kleinigkeit.

Den Nachmittag verbringen wir im Tiergarten bei schönstem Wetter – zu meiner Praktikumszeit hatte ich es nie geschafft dort vorbei zu schauen, dabei ist ein Besuch sehr lohnenswert. Auch der Sohnemann ist von den verschiedenen Tieren sehr angetan. Während einer ausgiebigen Mittagspause mit Picknick beschließen wir, den geplanten Start der Lebkuchen-Saison ausfallen zu lassen. Traditionell mache ich zum Stadtlauf noch einen Abstecher zum Fabrikverkauf von Pfann. Während des zweiten Praxis-Semesters war ich dort ja schon Stammkunde. Wir werden daher wohl diesmal online bestellen und liefern lassen – es sei denn wir kommen in der Vorweihnachtszeit nochmal nach Nürnberg – noch wissen wir das nicht.

IMG_3714Samstag ist dann endlich der Lauf für mich – bereits beim 10km Lauf treffe ich mich mit einem alten Bekannten – Erwin Bittel (Lionheart) läuft auf wieder mit – wie immer als Besenläufer. Wir unterhalten uns kurz und machen noch einige Fotos. Bevor es für mich losgeht steht nochmal Fütterung der Raubtiere auf dem Programm – wie so häufig will es nicht so ganz flüssig klappen mit dem Füttern aus dem Gläschen. Es wird also ein klein wenig hektisch an den Start, aber es ist ja nicht weit bis an die Startlinie.

IMG_20151003_131830Kurz vor dem Start gebe ich Marion noch meine Jacke – auch wenn es im ersten Moment etwas frisch ist, mit dem Singlet, so ist mir doch klar: Mit Jacke wäre es zu warm. Wenige Minuten später fällt dann auch endlich der Startschuss – ich habe mich mal wieder viel zu weit hinten eingereiht wie ich feststellen muss: Der Pacemaker für 1:45 ist noch deutlich vor mir – und auch wenn ich weniger Zeit zum Trainieren hatte, viel langsamer als diese Zeit will ich eigentlich nicht laufen.

Daher starte ich auf den ersten Kilometern eine recht rasante Aufholjagd. Kurz nach Kilometer 1 hole ich einen andersfarbigen Läufer ein, der nicht wie alle anderen in orange läuft, sondern ein Trikot aus Biel trägt. Das habe ich auch im Koffer dabei, falls es mir noch zu einer Einheit auf meiner alten Laufstrecke gereicht hätte – allerdings nicht von diesem Jahr sondern von 2014. Wir unterhalten uns ein paar Takte, bevor ich mich seitlich rechts halte um am Prinzregenten-Ufer nach Marion mit der Kamera Ausschau zu halten. Leider hat es ihr wohl doch zeitlich nicht mehr ganz gereicht. Aber egal – denn ein anderes Ziel habe ich jetzt auch erreicht: Der 1:45 Pacer liegt hinter mir – und das Feld wird langsam lichter.

Die Strecke führt nun immer schön am Wöhrder See bzw. der Pegnitz entlang – kurz nach dem dritten Kilometer gibt es eine Versorgung vor dem Altenheim. Ich greife flugs bei Iso und Wasser zu, ohne das Tempo zu drosseln – zwischenzeitlich hatte ich schon gedacht auf der anderen Seite des Sees die Spitzengruppe gesehen zu haben, aber das wäre dann doch ein wenig verwunderlich. Es kommt die erste Steigung des Laufs, die Brücke über die Pegnitz in Richtung Business-Tower – ich lasse nicht locker und ich merke, dass die vielen Trainingseinheiten mit PULT und Scheinbuckeln(tm) Wirkung zeigen – ich werde fast nicht langsamer und noch dazu kann ich wie bisher Läufer einholen. Aber ich bin auch froh, dass es nun gleich wieder abwärts und in Richtung Innenstadt geht – die 180°-Kehre in der Strecke ist sehr markant wenn auch unangenehm zu laufen. Etwas mehr als 5km liegen schon hinter mir.

Ich habe mir für dieses Jahr kein festes Ziel vorgenommen, dementsprechend laufe ich wie ich mich fühle und vermeide ganz bewusst den hektischen Blick auf die Uhr um meine Kilometerzeiten zu ermitteln. Das klappt leider nur bedingt, denn heute läuft gefühlt jeder dritte Läufer mit einem sprechenden Smartphone herum, das jeden Kilometer ansagt wie schnell man gerade ist und welche Zielzeit das ergibt, zusammen mit weiteren Infos und etwas Werbung. Für mich ist das absolut lästig, wer es braucht soll diese Geräte und Software gerne nutzen, aber Kopfhörer sind noch vor den Smartphones erfunden worden und funktionieren sogar in Kombination mit diesen. Nur gut, dass sich das Feld weiter lichtet und damit die Abstände etwas größer werden.

IMG_3729An der Wöhrder Wiese steht die nächste Versorgungstation, diesmal gibts nur Wasser für mich. Wenige hundert Meter danach ist Foto-Shooting angesagt – Marion steht mit dem Nachwuchs an der Strecke, direkt bei Kilometer 7. Ein Drittel ist also schon gelaufen, das motiviert. Weniger motivierend finde ich, dass ich einige kleine Steinchen in beiden Schuhen habe – beim Ultra-Marathon wäre das ein klarer Fall: Anhalten, rausschütteln, Schuhe schnüren und weiter gehts – bei meinem aktuellen Tempo will aber meine Position nicht riskieren, also Zähne zusammenbeißen.

Es geht jetzt wieder in die Stadt hinein – über die Insel Schütt, auf den Nonnensteig zu. Dieser Anstieg ist bei vielen Läufern des Stadtlaufs berühmt berüchtigt – wobei ich sagen muss, dass er mit der kleinen Verschwenkung, die es seit einigen Jahren gibt, etwas entschärft wurde, wenn auch vor allem für den Kopf. Sonst freute man sich über das Kilometerschild 8 und sah direkt einem schnurgeraden Anstieg entgegen. Aber auch hier hat das Training seine Wirkung getan – schneller als ich es erwartet habe bin ich oben angekommen – direkt hinter der Lorenzkirche. Jetzt geht es erst einmal flach weiter durch die Innenstadt – vor der Kirche stehen viele Zuschauer und feuern lautstark an – in den folgenden Straßen wird es dagegen schon fast wieder einsam.

Die nächste markante Stelle ist am Sternentor – dort geht es aus der Bebauung in den Stadtgraben, kurz davor hat sich Heinrich positioniert und macht fleißig Fotos. Seinem Gesichtsausdruck und der Gestik nach schließe ich, dass ich recht flott unterwegs bin, er wirkt etwas überrascht mich so früh zu sehen. Aber jetzt heißt es für mich erst einmal konzentrieren, denn die Strecke führt auch aus dem Stadtgraben wieder hinaus – das sind nicht viele Höhenmeter, aber ich weiß wie diese sich anfühlen können. Aber ich bin scheints wirklich gut drauf und trainiert, denn auch diese Steigung kommt und geht einfach, ohne dass ich irgendwelche Problemchen oder Wehwehchen hätte.

10km liegen mit dem Durchlauf durch den Start/Ziel-Bogen hinter mir, die Bruttozeit zeigt etwas mehr als 47 Minuten. An der Versorgung greife ich nochmal ISO ab – auf die sonst übliche Banane verzichte ich. Ich überlege kurz ob ich es riskieren soll, noch einen Zahn zuzulegen, aber ich lasse dann doch recht schnell bleiben. Es läuft aktuell gut so wie ich laufe, jetzt auf Biegen und Brechen mehr zu wollen, das wäre wohl vermessen. Also laufe ich weiter so wie ich mich fühle – und ehe ich es mich versehe sind es nur noch 10km zu laufen – ich motiviere mich mit “a piece of Cake” als Gedanken.

IMG_3747Die Strecke schwenkt wieder an die Pegnitz ein, diesmal auf einer leicht anderen Streckenführung als bei der ersten Runde – da sich das Feld hier bereits deutlich gestreckt hat, muss man nicht mehr zwingend auf der breiten Straße laufen, der landschaftlich deutlich schönere Fuß- und Radweg direkt an der Pegnitz reicht nun mehr als aus. Auf Höhe der Wöhrder Wiese stehen jede Menge Zuschauer und motivieren die Läufer – Marion steht mit der Kamera bereit und mach wieder Bilder – es reicht aber dennoch für ein kurzes Abklatschen.

Ich fokusiere mich auf die nächste Versorgungs-Station – dieses Jahr habe ich keinen Versorgungsgürtel bei mir und ich merke, dass jetzt gerade etwas Flüssigkeit gut wäre, aber so weit ist es ja auch nicht mehr – Kilometer 13 fliegt an mir vorbei und damit kommen auch schon die Helfer mit den Bechern in Sichtweite. Wasser und Iso gemischt gibt es für mich, kaum habe ich es getrunken, geht es mir auch gleich besser.

Jetzt nur nicht übertreiben, es sind ja noch ein paar Kilometer – aber ich hole noch immer Läufer ein, und das motiviert mich natürlich. Die Steinchen im Schuh werden aber auch nicht weniger – jeder Schritt tut ein klein wenig weh und ich merke, dass ich nicht gerade optimal auftrete. Aber jetzt lohnt es sich erst recht nicht mehr. Nach der Brücke geht es ja schon zurück – erstaunlicher Weise fehlt auch dieses Jahr die sonst übliche Zusatzschleife bei Kilometer 15. Nicht viel aber jedesmal lästig. Ich bin mir nicht sicher ob hier nicht etwas bei der Einweisung der Helfer schiefgelaufen ist, aber insgesamt wird es wohl schon stimmen. Noch 6 Kilometer, es geht schön flach entlang der Pegnitz, und ich versuche ein wenig mehr von der Stimmung mitzunehmen – denn das Wetter ist weiterhin traumhaft bei nahezu optimalen Lauftemperaturen.

An der Versorgung greife ich nochmal zu, es sind jetzt noch etwa 4km zu laufen und die beiden Steigungen in der City liegen noch vor mir. Aber auch in der zweiten Runde gelingt mit der Anstieg an die Lorenzkirche sehr locker – eventuell bin ich auch von der Volksmusik getrieben die dort zum Anfeuern (oder Abschrecken) aus einem Radio dudelt. Der härteste Anstieg liegt also hinter mir, jetzt nur nicht zu schnell werden, auch wenn es nur noch 3km sind.

IMG_3815Kurz vor dem Graben steht wieder Heinrich um Bilder zu machen, oberhalb des Grabens an der U-Bahn-Station hat sich Marion postiert. Ich mach durch reichlich Winken auf mich aufmerksam – weniger als 1km noch, und nur noch eine an und für sich harmlose Steigung hoch. Rum um die Haarnadelkurve und man ist auf der großen Zielgraden am Opernhaus – ich mobilisiere nochmal alles was ich habe und kann noch einige Läufer einholen, auch wenn diese das nicht so ohne weiteres zulassen wollen.

Ich fühle mich einerseits ausgepowered aber auf der anderen Seite denke ich: “Das wars ja schon …”. Am Ende stehen 1:34:39 als Netto-Zeit fest, für mich eine sehr respektable Zeit, ich bin mir nicht sicher ob ich jemals schneller war – egal ob in Nürnberg mit den Steigungen oder auf einem flacheren Kurs. Insgesamt bin ich 175er Mann im Ziel (insgesamt 183er) und in der Altersklasse reicht es für Platz 40. Ich überlege ob ich nächstes Jahr nicht doch mal explizit auf die 1:30h trainieren sollte, an die Spitze in meiner Altersklasse brauche ich aktuell nicht zu denken – da fehlen mir mehr als 15 Minuten. Nach dem Ziel kann ich mich dann auch endlich um die Steinchen in den Schuhen kümmern, ich habe mir bei der ganzen Aktion zwei dicke Blasen am Ballen gelaufen. Merke: Nächstes Mal wieder mehr Sorgfalt in der Vorbereitung…

IMG_3848Insgesamt ist der Lauf wie immer sehr gut organisiert und viele Teilnehmer nehmen nicht zum ersten Mal teil. Zudem hat bisher fast immer das Wetter mitgespielt. Zu verbessern gibt es eigentlich nur noch Details, so kam es mir an einigen Stellen vor, dass die Helfer nicht ganz ausreichend auf das eingestellt waren was da auf sie zukommt. Unter anderem Anweisungen länger auf der Straße zu laufen – sowas mag bei den langsameren Läufern noch halbwegs wirken, aber im vorderen Drittel bringt das rein gar nichts – hier läuft jeder möglichst nahe an der Optimal-Linie. Wenn das nicht die vorgesehene Strecke ist, dann muss entsprechend abgesperrt werden. Läufer sind hier absolute Herdentiere und es wäre ja auch fatal die Optimierungen nicht zu nutzen die ein anderer nutzt.

Nächstes Jahr bin ich selbstverständlich wieder mit von der Partie, dieses Jahr war es meine 9. Teilnahme in Folge (erstmalig war ich 2007 dabei) – ich habe dann also definitiv etwas zu feiern und einen zusätzlichen Ansporn für eine gute Zeit.