Firmen-Ultra in Darmstadt

Abwechslung im Training macht dieses interessanter – und ein etwas anderer Wettkampf kann daher auch nicht schaden. Bereits zum vierten Mal habe ich mich daher breit erklärt für meinen Arbeitgeber beim Firmen-Ultra-Triathlon mit zu machen.

Da das Schwimmbad in Pfungstadt derzeit saniert wird, ist die Veranstaltung nach Darmstadt umgezogen und heißt jetzt auch ein klein wenig anders: Firmen-Datterich Darmstadt. Der Datterich ist ein Stück aus der lokalen Folklore- und Theaterlandschaft.

Nicht geändert hat sich die Aufteilung des Wettkampfs: Immer Teams aus mindestens 10 und maximal 11 Personen absolvieren in Summe einen Ironman-Triathlon, also insgesamt 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,195km Laufen.  Gewertet werden immer die 10 Besten eines Teams (der elfte läuft praktisch als Redundanz mit, falls etwas schiefgeht oder zum Wettkampftag unerwartet jemand krank wird). Für den Einzelnen stehen also 380m Schwimmen, 18km Radfahren und  4,2km Laufen auf der Tagesordnung.

Insgesamt finde ich die Location in Darmstadt etwas besser, da sie weitläufiger ist, es ist nicht alles so gedrängt wie in Pfungstadt. Allerdings waren die Unterlagen nicht wirklich aussagekräftig und ein paar Schilder haben auf solchen Veranstaltungen schon echt Wunder gewirkt. So ist es am Anfang doch etwas chaotisch bis man alles findet.

Einräumen der Wechselzone kenne ich ja bereits, ich ordne alle meine Sachen so an, wie ich sie später entnehmen möchte, nur keine Zeit beim Wechseln verschenken. Für mich neu ist, dass ich dieses Jahr kein Rennrad ausgeliehen habe, den Wettkampf also auf meinem guten Tourenrad absolvieren muss – alles was mit vertretbarem Aufwand abzumontieren geht, habe ich auch abgeschraubt. Aber es bleibt doch ein signifikant höheres Gewicht übrig. Ist mir aber für das Event, bei dem es vorrangig um den Spaß und die Gemeinschaft innerhalb der Firma geht, auch nicht sonderlich wichtig.

IMG_2135Pünktlich geht es los mit dem Schwimmen, ich muss feststellen, dass ich dieses Jahr nicht so gut in Form bin – ich kann nicht wie geplant die Hälfte der Strecke im Kraulstil zurücklegen, sondern muss bereits nach 150m zum Brustschwimmen übergehen. An meiner Position innerhalb der Gruppe ändert das nichts – ich bin und bleibe auf Platz zwei. Die Schwimmbrille lege ich bei einer Wende meiner Partnerin vor die Füße, denn sie läuft leider ständig mit Wasser voll, was mich einfach nur nervt und somit nichts bringt.

Aus dem Becken in die Wechselzone – der Weg ist etwas länger und ich bemerke recht bald einen Fehler in der Vorbereitung: Ich habe es versäumt die Schuhe vorher aufzuschnüren und entsprechend „weit“ zu machen, dass man auch mit nassen Füßen gut hineinkommt. Nach etwas Quälerei stecke ich dann aber doch sicher in meinen Radschuhen mit Klick-Untersatz (das Gegenstück habe ich immerhin auch am Tourenrad) – auch die Strecke zum Rad ist etwas länger geworden.

Ich schnappe mein Rad und begebe mich auf die Strecke – vier Runden müssen wir diesmal absolvieren anstelle der früher zwei. Nicht verändert hat sich ein Ärgernis auf der Strecke: Es gibt wieder zwei U-Turns – diese rauben einem jedes Mal Schwung und kosten Kraft  – von der Unfallgefahr mal ganz zu schweigen.

IMG_2236Als weitere Erschwernis gibt es jede Menge Wind – mal ist er angenehm im Rücken und ich erreiche die 40km/h-Marke – in der Gegenrichtung geht es dafür um so schwerer. Der „Rüssel“ jeweils ans Schwimmbad zurück und an der Wechselzone hat einige nette Kurven und sorgt für Abwechslung. Zusätzlich kann ich mich jedesmal über Fotos freuen: Marion steht an der Strecke und dokumentiert das Radeln.

Recht fix habe ich die vier Runden hinter mich gebracht -gut dass ich einen Tacho habe und somit weiß wie viel Kilometer ich bereits gefahren bin – einige Leute kämpfen bereits auf dem Rad derart mit dem Laktat im Blut, dass selbst das Zählen von Runden schwierig wird.

Wieder durch die Wechselzone – diesmal nur die Schuhe wechseln, denn mit den Radschuhen läuft es sich nicht gut – und auf zu meiner Parade-Disziplin (wobei ich eigentlich ja unter 10km gar nicht erst anfange von Strecke zu sprechen) – auch hier hat sich die Rundenanzahl verändert: Hier muss man eine Runde weniger laufen, also nur noch zweimal (was das Zählen wieder deutlich leichter macht, außerdem gibt es hier Bändchen für jede Runde).

IMG_2412Die Laufstrecke ist abwechslungsreich und gefällt mir besser als die Strecke in Pfungstadt. Zwar führt sie nicht so schön durch den Wald, aber dafür durch den Stadtpark und an den Sportanlagen vorbei. Zudem gibt es einige Hügel zu bewältigen, was mir richtig Laune macht, andere verfluchen mehr oder weniger leise die Anstiege. Marion hat es auch hier wieder geschafft einen guten Platz fürs Foto-Schießen zu ergattern und macht fleißig Fotos aller Läufer die ihr bekannt vorkommen.

Ehe ich mich versehe laufe ich schon durchs Ziel – 1:06:52h stehen auf der Uhr – meinen Traum von unter 60 Minuten habe ich also nicht realisieren können, aber ich komme gefühlt jedes Jahr einen Ticken näher dran – stete Übung macht auch den Triathlon irgendwann mürbe …

Abschließend sitzen wir noch ein wenig mit den Kollegen zusammen und mache ein paar Bilder vorm Event. Chaotisch läuft es auch diese Jahr wieder beim Essen und Trinken ab – die jeweils einzigen Stände sind total überlaufen und überlastet – es bilden sich lange Schlangen, obwohl das Essen eigentlich nicht ganz verkehrt ist (ob Curry-Wurst mit Pommes nach dem Triathlon so das gelbe vom Ei ist, muss jeder für sich entscheiden).

Einen Tag später sind auch die Detailergebnisse verfügbar. 85. Mannschaft sind wir geworden – immerhin etwas und gerade noch so in der ersten Hälfte von 176 vollständig im Ziel angekommenen Mannschaften – viele waren gar nicht erst vollzählig angetreten. Mal sehen ob ich nächstes Jahr wieder dabei bin – spaßig ist die Veranstaltung ja mal auf alle Fälle.

Die 100 Kilometer von Biel

 

Nachdem der letzte Versuch in Biel die 100km zu Laufen im wahrsten Sinne des Wortes ins (Elbe-Hoch)-Wasser gefallen ist, und ich freundlicherweise einen Freistart für 2014 erhalten habe, war es nun endlich so weit: Die Bieler-Lauftage 2014 standen an. Mit jeder Menge Trainings-Einheiten und Vorbereitungsläufen (Rodgau 50km, Rennsteig 72,9km und Mannheim 42,2km) habe ich mich auf die Ultra-Distanz vorbereitet.

IMG_1030Die Anreise in die Schweiz ist kein Thema, auch wenn wir reichlich im Reiseverkehr feststecken und die ersten 50km schon mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen. Kurz vor Biel bereiten wir uns auf den Endanflug vor – gar nicht so leicht wie sich heraus stellt, denn das Kartenmaterial im Netz und in der Ausschreibung ist für einen Neuling nur bedingt tauglich. Die ganzen Umleitungen und Sperrungen sind auch nicht eingezeichnet. So wird es nervenaufreibend bis wir in der Nähe des Kongress-Zentrum uns aufteilen – Marion wartet am Auto, ich suche nach dem Anmeldeschalter. Dort bekomme ich dann auch die Info wo man eigentlich Zelten und Parken könnte (Expo-Gelände). Marion hat derweil das Parkhaus am Bahnhof mit brauchbaren Preisen entdeckt. Das liegt so gut, dass wir erst gar nicht mehr nach einer anderen Alternative suchen. Ich ziehe mich auch direkt am Auto um. Danach letzte Planungen für die Fotos an der Strecke und die Treffpunkte (wo und wann ungefähr).

IMG_1034So richtig entspannen und vorher noch einige Stunden schlafen, wie ich das in Ulm gemacht habe, klappt leider nicht. Kurz vor 22h sind wir dann am Start. Es ist deutlich voller als in Ulm, die Stimmung ist gut, aber nicht so locker und gelöst wie ich es aus Ulm kenne. Punkt 22h kracht dann auch der Startschuss. Es geht auf die erste Runde durch Biel hindurch, einmal Stadtbesichtigung im Schnelldurchlauf – da die Marathonstrecke auch hier entlang führt steht jeden Kilometer ein Schild. Ich versuche nicht zu schnell unterwegs zu sein, aber das will mir nur teilweise gelingen – der Puls ist etwas zu hoch und die Geschwindigkeit gefühlter Maßen auch – GPS habe ich ja immer noch nicht. Die Stimmung ist an einigen Stellen richtig gut, aber es gibt auch gleich zu Beginn Streckenabschnitte an denen fast nichts los ist.

Nach Kilometer 4 geht es aus der Innenstadt hinaus durch die Vororte – dort stehen reihenweise Menschen und vor allem Kinder zum Abklatschen rechts und links. Es geht auf den ersten Anstieg zu – Port heißt der Ort und ist auf dem Höhenprofil eigentlich nichts dramatisches, aber irgendwie zieht sich der Hügel (von Bergen kann man bei 495 Höhenmetern insgesamt ja nicht sprechen) verdammt in die Länge – noch jogge ich das recht gut.

Nach Port geht es weiter in Richtung Kappelen – die Bebauung lassen wir hinter uns, und es geht in die dunkle Schweizer Nacht, gut das ich meine Kopfleuchte dabei habe, ohne die wäre es jetzt schwierig. Auf dem Weg taucht dann auch das erste größere Motivationsschild auf – 10km liegen bereits hinter uns. In Kappelen wartet Marion auf mich und feuert mich an, für Bilder ist es leider zu dunkel. Vorher mache ich noch einen kurzen Stop an der Versorgung –  es gibt Brot, Riegel, Banane und Iso-Getränk – ich bin mal gespannt wie gut ich das angebotene Produkt vertrage – rebellierender Magen über 100km macht keine Freude.

Ins Dunkel entschwinden wir dann auch wieder, es geht entlang des Landstraße – dort steht wieder ein Schild:15km. Ich habe das Schild nur wenige Minuten passiert, da gibt es Rufe von hinten – die Spitze des Marathons, der eine Viertel Stunde nach uns gestartet ist, und noch dazu eine Extra-Runde in Biel laufen durften nähert sich. Von nun an überholen uns häufiger Marathonis und Halbmarathonis – denn die sind deutlich schneller unterwegs.

Für die Kurzdistanz Halbmarathon ist dann auch schon bald das Ziel in Sicht. In Aarberg geht es über die historische Brücke, eine tolle Holzkonstruktion. Es stehen jede Menge Menschen an der Strecke und die Stimmung ist absolut spitze. Für die Halbmarathonis ist auf dem Marktplatz das Ziel errreicht. Für alle anderen geht es wieder aus der Stadt raus, vorbei an der nächsten Versorgung. Zwischen Aarberg und Lyss haben wir dann auch endlich die 20km erreicht.

In Lyss warten die Begleitradler auf ihre Läufer, denn wie in Ulm begleiten die Radler erst, wenn sich das Feld etwas aufgelockert hat. Es geht im Ort eine Steigung hoch, die etwas steiler ist, ich bin anfänglich noch versucht zu joggen, aber die Ultra-Erfahrung sagt ganz klar: nichts überstürzen und langsam angehen lassen, Kräfte richtig einteilen, also die Steigung gehen.

Das nächste Ziel für mich ist Amerzwil – dort wartet Marion wieder auf mich zum Unterstützen. Dort steht auch wieder eine Versorgungsstation. Kurz nach Lyss steht im Wald eine Kontrollstelle – einmal Stempel auf die Startnummer und weiter geht es. Vor der Versorgung geht es nochmal zwei Steigungen nach oben. Ich nutze die Gelegenheit und trinke meine Flasche leer. An der Versorgung mache ich etwas langsam und nutze einen Mauervorsprung um einen Mitreisenden der unliebsamen Art los zu werden – auf dem Waldweg hatte ein Steinchen den Weg in den Schuh gefunden. Marion steht eine Kurve weiter und gibt mir seelische Nahrung für die nächsten Kilometer.

Es geht durch Grossafoltern und dann durch die Felder zum nächsten Verpflegungspunkt in Scheunenberg. Kurz davor steht ein wichtiges Motivationsschild, 30km habe ich bisher zurück gelegt, fast ein Drittel. Nach der Verpflegung, an der ich wieder Riegel, Banane und Iso auftanke geht es eine schier endlose Gerade entlang, wenn man von einigen Verschwenkungen an den Kreuzungen absieht. Es geht beständig ganz leicht bergauf, das Gegenteil von dem was gerade in meinem Kopf geschieht – dort fahre ich gefühlsmäßig Achterbahn, demenstprechend schlecht läuft es sich auch, denn jeder Langstreckenlauf beginnt im Kopf. Aber noch kann ich ohnehin nicht aussteigen. Also mache ich mal weiter. Marion kündigt per SMS den nächsten Treffpunkt an.

Die Strecke an sich wird fast nur von Läufern und Begleitradlern gefüllt, Besucher sind fast keine mehr an der Strecke zu finden. Für Motivation sorgt das 35km Schild. Zudem steht für die Marathonis das Schild für den Endspurt – 40km haben die schon in den Beinen. Dafür sind sie aber auch bald im Ziel. Das liegt im Ort Oberramsern – ich freue mich hingegen auf die nächste Versorgung, die sich direkt nach dem Marathonziel befindet. Im Ort findet dann auch endlich ein Richtungswechsel statt und es geht ein wenig bergab.

Marion erwartet mich im nächsten Ort, Mülchi, kurz vor dem Ort überschreite ich dann auch de 40km Marke. Von Marion gibt es Spezial-Nahrung für Ultra-Läufer: Gummibärchen, zudem lasse ich mir noch etwas Wasser geben, denn trotz Auffüllen an der Versorgung habe ich die Flasche schon wieder gelehrt. Noch immer fährt der Kopf ein wenig Achterbahn, aber es geht langsam etwas besser. Passend dazu ist die Strecke „the only way is up“ es geht nach dem Ort recht steil bergauf. Ich hole einen Läufer ein, der ebenfalls geht. Er ist der Meinung es sei viel zu früh zum Gehen, aber da ich die Strecke nicht kenne, macht mir das überhaupt nichts.

Nach der Steigung geht es erst mal wieder flacher weiter – ich schalte wieder auf Joggen um, zumindest bis Etzelkofen, dort raus geht es wieder über einen Bergkamm drüber. Auch diese Steigung bewältige ich wieder im Gehen, wie jetzt auch viele andere Läufer um mich herum. Klar, denn mittlerweile sind nur noch 100km Läufer oder Staffeln unterwegs – die Staffelläufer haben noch Kraft und können sich ihre Kräfte anders aufteilen. Im nächsten Gehöft steht wieder eine Versorgung bereit, zum ersten Mal erspähe ich Brühe bzw. Bouillon, leider frisch angerührt mit kaltem Wasser – geschmacklich absolut grauenhaft, aber ich weiß wie wichtig das Salz beim Langstreckenlauf ist. Also trinke ich doch gleich zwei Becher. Zum Abgewöhnen dazu gibt es dann Pepsi-Cola und Iso.

Es geht wieder durch den Wald, und es ist nun auch richtig dunkel, ohne Stirnlampe geht nichts. Ein wenig erinnert mich das Stück an die ersten Kilometer in Ulm, es fehlt anfänglich nur das Kilometerschild (in Ulm das für 10km), aber selbst das gibt es hier, 45km zeigt es. Also schon fast Halbzeit. Irgendwo auf der Strecke ist auch der innere Schweinehund im Kopf dann endlich weg, scheinbar habe ich ihm irgendwo einen Tritt verpasst, dass er sich endlich in seine Ecke verzogen hat und mich nicht mehr weiter beheligt.

In Jegenstorf gibt es schon weider etwas zu Essen und zu trinken – diesmal ist die Bouillon sogar warm, da schmeckt sie gleich mal viel besser. Die Kilometer ziehen sich nun scheints ewig, aber es geht vorran. Kurz vor dem nächsten Treffpunkt mit Marion in Kernenried ist die Halbzeitmarke überschritten. Wesentlich unspektakulärer als in Ulm, wo man zur 50km-Marke ins Donaustadion einläuft. Hier nur ein schlichtes Kilometerschild mitten im Nirgendwo. Kurz nach dem Foto-Shooting steht auch Marion bereit. Es gibt wieder Gummibärchen für mich. Marion wird nun erst einmal etwas Pause machen und wir wollen uns kurz nach Kilometer 70 wieder treffen. Für mich sind es bis dahin ja nur 20km, ich schätze vorsichtig auf 2 Stunden.

Nun habe ich ersteinmal die nächste große Versorgungsstation im Blick, Kirchberg – nicht zu verwechseln mit Iller-Kirchberg in Ulm wirklich viel gemeinsam haben die Orte dann auch nicht – Kirchberg liegt nicht auf dem Berg sondern im Emme-Tal (wobei mir endlich einmal bewusst wird wo der berühmte Käse herkommen muss). Kurz nach dem Schild für 55km überqueren wir den Fluss.

An der Versorgung greife ich überreichlich zu, zu viel wie ich wenige Meter später merke, ich verschlucke mich und wenn man schon mal am Husten ist, dann meinte der Magen auch noch seine Meinung zur bisherigen Ernährung abzugeben. Also hänge ich etwas auf halb-acht in der Botanik, danach geht es allerdings auch gleich wieder und ich laufe weiter.

Es folgt ein Stück, das liebvoll der Hô-Chi-Minh-Pfad genannt wird. Die Radler sind auf diesem Teilstück außen vor, anfänglich will ich das noch nicht so recht verstehen, denn die Strecke entlang der Emme bzw. dem Emmedamm ist ganz ähnlich dem was Ulm von Kilometer 50 bis ca. 55 zu bieten hat – grob geschottert und flach, wenn auch nicht ganz so breit. Nach einigen Kilometer wird es dann allerdings richtig übel – der Pfad läuft die ganze Zeit auf dem Damm und ist rechts und links von Wald umgeben. Überholen ist fast nicht möglich – ich reihe mich hinter einem Läufer ein. Der Untergrund ist absolut uneben und man muss höllisch aufpassen, dass man sich nicht den Knöchel vertritt.

Der Trail zieht sich scheinbar endlos hin – an einer etwas breiteren Stelle mache ich etwas langsamer und informiere Marion über den aktuellen Stand, noch liegen rund 10km bis zum nächsten Treffpunkt vor mir, ungefähr die Hälfte davon auf dem schwierigen Trail. Ich hänge mich nach der kurzen Erhohlungsphase wieder an eine Läufergruppe an, begleitet wird das von der erwachenden Vogelwelt rund um den Damm in den Büschen – es zwitschert von allen Seiten. Kurze Zeit später gibt es die nächste Versorgung, direkt unter einer Brücke – eine interessante Location, das muss man lassen. Danach wird es von der Strecke etwas besser – der Damm ist nun erst mal asphaltiert, aber immer noch recht schmal. Auch die Kulisse ist nicht unbedingt ein Augenschmaus, es geht vorbei an einer Papierfabrik, inklusive dem dazugehörigen Klärwerk.

Kurz vor der nächsten Verpflegung erfolgt die Wiedervereinigung von Läufern und Radlern, diese warten am Streckenrand und feuern jeden Läufer an der vorbei kommt, das ist echt sympathisch. Die Versorgung ist dann auch das Ende des Trails. Eine schmale Brücke überspannt die Emme, noch wenige hundert Meter geht es dann entlang des Flusses, dann geht es mit einer leichten Steigung aus dem Tal heraus. In Biberist gibt es eine Haarnadelkurve, diese leitet den Heimweg ein, nun geht es fast konsequent gen Westen nach Biel.

Die Strecke führt nun durch die Felder, immer entlang des kleinen Dorfbach, in der Ferne ist schon bald der nächste Ort zu erkennen, Lohn heißt er. Man könnte es auch als Lohn der Mühen im Emmetal bzeichnen. Kurz nach der Überquerung des Bachs gibt es wieder ein wichtiges Schild: 70km liegen hinter mir, es ist also fast nur noch eine normale Samstags-Trainingseinheit die vor mir liegt, also sollte das alles machbar sein. Weg sind die Gedankenspiele vom Anfang, es gibt nur noch eines: Nach vorne blicken, es sieht gut aus und das Ziel in machbare Nähe gerückt.

IMG_1039Nach dem Bahnübergang in Lohn geht es weiter auf den nächsten Treffpunkt mit Marion in Lüterkofen zu. Kurz vor dem Treffpunkt kündigt sich eine lästige Pflicht an – nachdem ich ständig Kalorien und Flüssigkeit in mich hinein geschoben habe, muss ich nun langsam aber sicher auch an die Entsorgungsproblematik denken, mein Verdauungstrakt macht da im wahrsten Sinne des Wortes mächtig Druck. Gut das auf einer Baustelle am Rand ein Dixi bereit steht – unverschlossen und sauber, das muss dann erst mal herhalten. Natürlich meldet sich Marion etwas besorgt genau nachdem ich gerade die Türe verschlossen habe. Ich lasse die Antwort sein, und laufe weiter, denn es kann sich nur noch um einige Minuten handeln bis wir uns sehen. Tatsächlich, nach der nächste Kurve auf einem großen Parkplatz steht Sie und freut sich, dass ich auftauche. Nochmal Gummibärchen, dann geht es weiter. Noch eine leichte langezogene Steigung, dann geht es etwas bergab an die nächste Versorgung.

Ich trinke reichlich Wasser, Iso, Cola und wieder Brühe. Auch die Flasche wird wieder aufgefüllt. Nun folgen ca. 5km relativ eben bis nach Bibern. Was mir nunmehr auch zu schaffen macht ist die Sonne, diese sorgt für angenehme Temperaturen, aber mit der Zeit wird es auch unangenehm warm. Ich ziehe die Jacke aus und binde sie mir um die Hüfte. Anfänglich noch etwas frisch gewöhne ich mich recht bald an das Laufen ohne Jacke. In Bibern erwarten uns jede Menge Menschen an der Strecke, dort ist auch die letzte Wechselstation für die Staffeln. Die Staffeln sind auch die Teilnehmer, die noch genügend Kraft haben die anstehende Steigung zu joggen. Die Ultra-Läufer um mich herum gehen alle und haben sich an der Theke noch etwas zu Futtern mitgenommen. Marion kündigt an, dass sie im nächsten Ort an einer Gefällestrecke steht. Das motiviert natürlich, und das Gefälle beginnt dann auch bald. Zudem steht nach einigen Kilometern noch ein Motivationsschild, 80km habe ich nun in den Beinen. Ich muss an Ulm denken, dort befindet sich dieser Kilometermarker an der Wilhelmsburg gemeinsam mit einer Versorgung – hier steht er, wie schon die Halbmarke irgendwo einfach an der Strecke.

IMG_1047Der nächste Ort ist Arch, irgendwie hat man im fortgeschrittenen Ultra-Marathon-Stadium komische Assoziationen, in Ulm ist es der Ort Lehr, hier Arch. In Ulm fühlt man sich leer, in Biel ist man einfach im Allerwertesten. Da hilft auch der Gedanke, dass die größeren Steigungen nun endlich hinter mir liegen nicht viel. Schon interessanter ist die Uhr an einer Tankstelle im Ort – sie zeigt kurz vor sieben Uhr in der Frühe. Das weckt Ambitionen ob es doch noch möglich ist unter 11 Stunden ins Ziel zu kommen, allerdings weiß ich auch, dass die letzten 20km noch einmal richtig Kraft kosten werden. Aber dafür steht ja Marion bereit – sie versorgt mich nochmals mit Gummibärchen, bevor es an die nächste Versorgung geht, dort greife ich auch nochmal zu, Wasser, Iso, Cola, Tee und Brühe, dazu nochmal Bananen und Müsli-Riegel. So gestärkt geht es dann an die Aare, entlang dieses Flußes oder dessen Kanal verlaufen die letzten Kilometer der Strecke bis Biel.

Auf dem Feldweg durch die Auen hänge ich mich an einen Läufer und dessen Begleitung, wir pushen uns gegenseitig Kilometer um Kilometer, für mich ist es teilweise recht hart und ich lasse ihn auch teilweise ziehen, nur um ihn kurz später dann doch wieder einzuholen. Zwischenzeitlich passieren wir Kilometer 85. Zudem gibt es eine etwas trickreiche Brücke – zwei Läufer bringen die ziemlich genau in Resonanz, was dann zu unliebsamen Effekten führt, denn entweder kommt der Boden einem beim Auftreten zu früh oder zu spät unter den Fuß, beides ist nicht so wirklich gut für die Gelenke.

In Büren gibt es wieder etwas zu trinken, es ist mittlerweile derart warm, dass meine Flasche immer gerade so von Station zu Station reicht. Dankbar fülle ich diese auf, wie üblich ungefähr 80% Wasser und 20% Iso-Getränk. Das Iso-Getränk ist mir sonst immer deutlich zu süß und geschmacklich ist es auch nicht unbedingt mein Fall. Wir queren die Aare, und es folgt eine lange Strecke immer enlang des Kanals. Sie erinnert mich an die „Schlachtergerade“ im Nürnberg, sie ist fast genauso lang. An der vorletzten Versorgung wartet nochmal Marion auf mich, ich greife nochmal Getränke und Essen ab, und schiebe mir etwas Traubenzucker und ein Bonbon in den Mund um den Zuckerspiegel hoch zu halten – nicht das mir jetzt auf die letzten Kilometer noch etwas anbrennt. Es sind jetzt weniger als 10, die noch zu laufen sind.

Die Kilometer ziehen sich gefühlt übermäßig zäh hin, im Gegensatz zu Ulm gibt es nicht die letzten 10km schon jeden Kilometer Hinweisschilder, so freue ich mich natürlich um so mehr, als ich das Schild für 95km und wenige hundert Meter später die letzte Versorgung erreiche. Die Streckenposten und einige Menschen an der Strecke motivieren – nur noch 4,5km bis ins Ziel. Das hört sich richtig gut an – und die Strecke ist noch immer flach. Ich laufe weiter, mahne mich allerdings zur Vorsicht – denn auch wenn es nur noch so wenig Kilometer sind, einbrechen kann man immer noch, wenn man sich verschätzt. So geht es wohl vielen entlang der Strecke, ich sammle immer mehr Läufer ein und werde nur noch selten von einigen flotten Staffel-Läufern überholt. Zur Sicherheit gebe ich mir nochmal einen Zuckerschub in Form eines Bonbon und Traubenzucker, noch während ich auf dem Zucker herumkaue kommt das Kilometerschild 96 in Sichtweite – noch 4km.

IMG_1064Biel ist schon mal erreicht, es geht schon durch die Vororte – noch immer entlang der Aare, ein weiteres Schild kündigt an: noch 3km bis ins Ziel. Ich mahne mich, dennoch jetzt nur nicht zu beschleunigen, denn irgendwie schwant mir, dass da noch etwas lauern könnte. Mein Bauchgefühl behält recht, kurz nachdem man von der Aare abgezweigt ist, geht es nochmal über eine Brücke – diesmal gehe ich die Steigung nicht und sammle dabei nochmal allerhand Läufer ein. Das gibt einen richtigen Schub, jedesmal wenn man noch an jemandem vorbeiziehen kann, egal wie entkräftet man eigentlich schon ist. Nach der Brücke geht es durch die Bebauung – einige Leute stehen an der Strecke und feuern an. Es geht nochmal einen knackige Steigung hoch, ich ärgere mich erst ein wenig, denn das muss ja nun nicht sein, noch auf den letzten Kilometern irgendwelche Höhenmeter-Ambitionen, aber es gibt mir ja auch nochmals die Chance einige Läufer zu überholen. Es geht entlang der Bahnstrecke, nur noch 1km liegt jetzt vor mir, runter vom Bahndamm, unter der Bahn durch, die letzten Höhenmeter des Laufs, dann wird es flach. Die letzten drei Kehrungen durch Biel hindurch ziehen sicIMG_1069h scheinbar endlos, obwohl ich laut Pulsuhr deutlich flotter laufe. Immerhin habe ich mittlerweile wieder Orientierung und sehe den markanten Turm des Kongress-Zentrums: Da muss ich hin! Nach der vorletzten Kurve stehe ich dann auch schon vor dem Turm, eine Kurve trennt mich noch vom Ziel – vorher noch durch das Bierzelt mit der Kantine wo es schon herrlich nach Essen duftet – aber egal, jetzt nochmal die Beine in die Hand genommen und durchgespurtet – nur nicht von der Zeitmessmatte täuschen lassen die da im Zelt liegt, noch war da keine Ziellinie oder eine Medaillen-Ausgabe. Das alles kommt zusammen mit dem Ziel-Tor-Bogen nach der letzten engen Kurve ins Blickfeld – nochmal Tempo steigern und dann ist es auch geschafft – 100km. Ich kann es selbst kaum glauben. Marion steht am Zieleinlauf und hat reichlich Fotos gemacht. Ich genehmige mir erst einmal zwei kühle isotonische alkoholfreie Weizenbier – lecker und erfrischend nach der ganzen Lauferei.

Jetzt ist erstmal Zeit zum Ausruhen, vor dem Congress-Zentrum verschnaufe ich etwas und versuche zu entspannen, aber die Muskulatur rächt sich nun für die ganzen Kilometer – weniger mit Krämpfen als mit Muskelkater. Nach einer Viertelstunde mache ich mich dann ganz langsam auf den Weg in Richtung T-Shirt-Ausgabe, Medaillengravur und Duschen. In der Halle ist es etwas chaotisch, aber am Ende habe ich alles was ich brauche – zwei Urkunden und ein T-Shirt. Die Medalliengravur fällt scheinbar aus, die zuständige Firma hat den Veranstalter wohl im Stich gelassen. Immerhin ist man bemüht und notiert sich die Starternummer, die Medallie soll dann nachgeschickt werden. Da man das aber noch nicht versprechen kann, soll ich meine ungravierte erst einmal behalten – zwei Medalien für einen Lauf – auch mal was neues. Mit meiner Zielzeit von 11:09:29 bin ich absolut zufrieden – persönliche Bestzeit in Biel sowieso und noch dazu deutlich schneller als in Ulm. 243. in der Gesamtklassierung von 845 angekommenen Männern, und 18. in meiner Alterklasse, in der 53 Läufer ins Ziel gekommen sind.

Die Duschen befinden sich im Untergeschoss – ich bin natürlich nicht zimperlich und nehme die Treppen, auch wenn das etwas schmerzhaft ist, aber der Schmerz vergeht ja bekanntlich, der Stolz bleibt.

Fazit zum Lauf: Biel ist mittlerweile sehr bekannt und berühmt – in diesem Jahr wurde der Abwärtstrend bei den Teilnehmern insgesamt und auch bei den 100km gestoppt – insgesamt waren 1360 Teilnehmer am Start, die 100km erfolgreich absolviert haben 1013 Läufer innerhalb des Zeitlimits. Das ist eine ganz andere Veranstaltungsklasse als Ulm, das muss man ganz klar anerkennen – mit der steigenden Läuferzahl steigt logischerweise auch der logistische Aufwand den man als Veranstalter betreiben muss.

Von der Strecke her lassen sich die beiden Läufe finde ich sehr schwierig vergleichen – ich denke jede hat ihre Berechtigung, ihre Mankos und Längen, aber eben auch echte Highlights. Biel ist insgesamt etwas urbaner geprägt als es bei der Laufstrecke in Ulm der Fall ist. Man läuft doch mehr Kilometer in dicht besiedeltem Gebiet und hat gefühlt auch etwas mehr Industrie und Kläranlagen entlang der Strecke. Ulm kann hier einige Pluspunkte mit einer eher ländlichen Strecke gut machen. In Biel ist ein Großteil der Strecke sehr gut ausgebaut – die allermeiste Zeit sind es Straßen oder breite Feldwege, oftmals sogar asphaltiert oder zumindest befestigt. In Ulm sind die meisten Wege zwar auch befestigt, aber es sind mehr Anteile die eher einem Trail-Lauf gerecht werden enthalten, was auch seinen Reiz hat. In Biel ungünstig gelöst finde ich den Emmedamm – auch in Ulm gibt es ein Stück das ähnlich ist (ab ca. 50km bis ungefähr 55km), jedoch ist das noch deutlich angenehmer da nicht ganz so dunkel und mit genügend Möglichkeiten zum Überholen und Überholen-Lassen. Der Ho-Chi-Minh-Pfad ist hingegen so schmal, das dies nicht geht, noch dazu ist es aufgrund der Auenbewaldung an einigen Stellen stockduster.

Was mir auch aufgefallen ist: In Ulm wurde mit sehr viel Liebe zum Detail die Strecke ausgestaltet und wichtige Kilometermarken mit entsprechenden Versorgungsstationen ausgestattet – klassiche Punkte sind hierbei das Donau-Stadion bei Kilometer 50 oder auch die Wilhelmsburg als Augenweide bei Kilometer 80. In Biel liegen die Kilometer irgendwo mitten im Nirgendwo – für die Strecke an und für sich unerheblich und auch ob die Versorgung nun einige Kilometer früher oder später liegt ist im Prinzip nachrangig, aber es motiviert einfach deutlich besser wenn man an solchen Punkten auch etwas zu erleben hat.

Die Versorgung ist auch deutlich unterschiedlich – während man in Ulm auf etwas wie am Rennsteig setzt, also durchaus „feste“ Nahrung mit Kuchen, Schokolade und Wurst (ganz zu schweigen vom Aufgebot bei Kilometer 75 – jeder der dort einmal gelaufen ist kennt den Punkt auch als Schlemmer-Buffet), am Rennsteig war das Angebot leicht anders aber auch abwechslungsreich und mit genügend Auswahl für jeden Geschmack. Biel hingegen gibt sich hier sehr purisitisch – Iso in zwei Varianten, Tee, Wasser, Cola, Brühe, dazu jedesmal Riegel, Banane, Äpfel. Das geht auch, was mir gut gefallen hätte wäre etwas Salz pur gewesen, so muss man das über die Brühe aufnehmen. Wenn die Brühe dann auch noch kalt ist, macht das den Geschmack nicht unbedingt besser.

Ich bin dieses Jahr ohne Begleitradler unterwegs gewesen, Marion wollte urpsrünglich als Radler mitmachen, aber schwanger so lange Strecken radeln ist einfach ein No-Go. Die punktuelle Versorgung hat auch so sehr gut geklappt.

Mittlerweile ist Montag, der Muskelkater hat sich nach dem Lauf erstaunlich in Grenzen gehalten, auch wenn ich nach dem Lauf einigen Stunden an einem Rastplatz einfach nur geschlafen habe vor lauter Erschöpfung. Treppensteigen geht schon Sonntags wieder recht gut, ein wenig merke ich es auch heute noch, aber es ist kein Vergleich zu früheren 100km-Läufen. Das Training mit der Gruppe PULT hat mich dann doch entsprechend abgehärtet.  Auch die knappe Abfolge von drei Wettkämpfen in sechs Wochen und regelmäßigem Training unter der Woche hat keine negativen Auswirkungen gehabt.

Ob ich den Lauf jedes Jahr machen möchte weiß ich noch nicht, das muss ich erst noch sehen, wie sich die Laufambitionen fürs nächste Jahr entwickeln – außerdem muss ich ab Oktober ja auch auf meinen anstehenden Nachwuchs Rücksicht nehmen. Das erschwert die Teilnahme an Wettkämpfen dann doch ein wenig. Aber man wird sehen.

 

Wochenend-Urlaub rund um den Rennsteiglauf (72,9km)

Lange hat es gedauert, lange habe ich mir den Lauf am Rennsteig aufgespart, aber dieses Jahr sollte es dann soweit sein. Zwar hatte ich ihn nicht von Anfang an im Plan, aber spätestens als meine Partnerin Vorbereitungen getroffen hat am 17.04.2014 auf die Supernatural Convention „Asylum 12“ zu fahren, war für mich klar: Sie Supernatural, für mich Supermarathon. Also ein Wochenenden mit dem jeweiligen Hobby – warum nicht.

Den ersten Teil der Anfahrt können wir noch gemeinsam zurück legen – zusammen mit einer Freundin fahre ich Marion nach Frankfurt an den Flughafen. Da es keinen Sinn macht von dort aus wieder nach Mannheim zu fahren, nur um einen halben Tag später wieder gen Norden auf zu brechen, geht es für mich weiter nach Eisenach bzw. Herleshausen. Der Verkehr ist herrlich flüssig, keinerlei Stau oder sonstwas – wenn ich das mit dem vergleiche was ich vor einigen Jahren auf der gleichen Routen freitags mehrfach erleben musste, hat sich das frühe Aufstehen echt gelohnt. Als ich Frankfurt hinter mir lasse ist es gerade mal kurz nach 8h in der Frühe. T-22h bis zum Start in Eisenach. Dennoch mache ich kurz nach dem Kirchheimer Dreieck eine etwas längere Pause – das frühe Aufstehen habe ich irgendwie nicht mehr so drauf wie früher. Aber ich habe ja Zeit und nach einer halben Stunden „Power-Napping“ fahre ich ganz entspannt weiter die letzten knapp hundert Kilometer bis Eisenach.

Die Startnummernausgabe ist erst ab 14:00h geöffnet – ich nutze die Zeit mir ein zweites Frühstück zu gönnen. Die Kalorien brauche ich dann aber nicht erst am nächsten Tag sondern fast direkt im Anschluss: Wenn man schon mal an solch historischen Orten ist, sollte man dort nicht nur durchrennen sondern sich diese auch anschauen. Also mache ich eine kurze Tour durch Eisenach mit Ziel an der Wartburg. Natürlich laufe ich den Berg hoch und nehme nicht das Auto oder den Bus – es sind vom Zentrum 1,5km und einige saftige Höhenmeter, aber so ein ganz leichtes Training zur Einstimmung sind sicherlich nicht verkehrt.

Die Wartburg ist einen Besuch wert, die Führung ist gut gemacht und geht trotz 9 EUR Eintritt absolut in Ordnung. Man erhält einen tollen Einblick in die verschiedenen Räumlichkeiten und das Leben auf der Burg im Mittelalter – alles andere als angenehm. Eine Altersklasse M40 oder W40 hätte es damals wohl seltenst gebraucht, die Lebenserwartung lag bei ca. 30 Jahren. Zudem versucht die Fremdenführerin ein wenig eine Vorstellung für die Mobilität von damals zu schaffen: Motorisierung gab es nicht – und Luther ist wohl vor der Bibelübersetzung ins Deutsche durch fast ganz Deutschland herum gekommen – gewandert. An die 1500km lassen sich historisch nachweisen. Spontan kommt mir der Song von den Proclaimers – I would (walk 500 miles). Im Text heißt es: „I would walk 500 miles .. and I would walk 500 more….“ umgerechnet kommt man dann auf um die 1600km. Auch wenn das für einen normalen Wettkampf keine machbare Distanz ist – das TransEuropeFootrace oder TransAmerica zeigen klar: über mehrere Tage verteilt geht fast jede Distanz. Aber zurück auf die Wartburg – so richtig schockieren kann die Schilderung nur etwa die Hälfte der anwensenden Personen. Die andere Hälfte sind alles Teilnehmer am Rennsteiglauf über 72,9km – gut zu erkennen an den Sportschuhen und den Champion-Chips am Schuh.

Kurz nach der Führung melden sich Helga und Heinrich bei mir, sie sind ebenfalls in Eisenach eingetroffen. Wir verabreden uns an der Startnummernausgabe – so haben die beiden Zeit alles im Hotel zu regeln und etwas zu entspannen, während ich eine erste Übung in bergablaufen mache. An der Ausgabe ist es voll, aber es geht doch sehr zügig voran. Immerhin müssen rund 1700 Leute ihren Beutel mit Startnummer und Zusatzinfos abholen. Zu dritt machen wir noch einen Bummel durch die Innenstadt, ich gönne mir einen kleinen Snack in Form von Thüringer Bratwürsten. Bei einem italienischen Restaurant reservieren wir für den Abend noch einen Platz – ich muss mich dann auf den Weg machen. Mein Hotel liegt etwas außerhalb in Herleshausen ca. 15km von Eisenach entfernt (wenn man wollte könnte man sich vor dem Wettkampf schonmal warmlaufen (auch wenn es dann immer noch nicht für einen 100er reicht – da müsste man auch den Weg zurück mitmachen …). Das Hotel Schneider bietet alles was der Läufer für den Rennsteiglauf braucht: Ein Bett und vor allem ein frühes Frühstück – für den Rennsteiglauf gibt es einen Extras-Service: Bereits ab 4:30h in der Frühe gibt es Frühstück für die Sportler. Zum Abendessen fahre ich dann wieder nach Eisenach zum Nudeln essen, damit für den kommenden Tag auch die Kohlenhydratspeicher vollständig gefüllt sind. Da ich den Lauf nur aus Beschreibungen und Berichten kenne weiß ich nicht genau auf was ich mich einstellen soll – aber das ist ja bei jeder erstmaligen Teilnahme der Reiz. Um wirklich ausgeruht zu sein, lassen wir den Abend nicht all zu lang werden, um kurz nach acht am Abend bin ich im Hotel und gehe ins Bett.

Der Wecker holt mich zuverlässig aus dem Bett – normalerweise dusche ich ja nach dem Sport und nicht davor – aber diesmal brauche ich eine kalte Dusche um erst mal wach zu werden. Dann geht es schon viel leichter: Laufklamotten an, ich entscheide mich für meine Ultra-Wettkampf-Hose (eine altbewährte graue Leggins – nicht modisch aber praktisch) und das Teilnehmer-Shirt der ersten Ulmer-Laufnacht (mein erster 100km Lauf). Weiteres Equipment neben den Schuhen: Pulsuhr, lange dünne Jacke und Getränkegürtel. Den Sack für ans Ziel packe ich mit allem notwendigen: Handtuch, Seife und trockener Bekleidung inklusive winddichter Jacke. Nach dem Frühstück geht es nach Eisenach, parken und zum Start laufen. Dort warten bereits die Tranfer-LKW für die Bekleidungsbeutel. Ich gebe meinen Beutel ab und begebe mich ins Startfeld. Obwohl ich Ausschau halte, sehe ich Helga vor dem Start nicht, aber halb so wild – im Ziel haben wir einen festen Treffpunkt ausgemacht. Es ist kurz vor sechs Uhr, es ist leicht windig und doch recht frisch. Ich bin froh um Jacke und lange Hose.

Pünktlich um 6:00h fällt der Startschuss, und das Feld kommt langsam in Bewegung – auf dem ersten Kilometer durch die Fußgängerzone stockt es immer mal wieder ein wenig, es sind einfach zu viele Läufer auf zu wenig Straße. Aber bereits am Stadttor wird es besser. Dort beginnt der Anstieg zum eigentlichen Rennsteig. Der Wanderweg beginnt nämlich ca. 10km außerhalb von Eisenach und die Laufstrecke vereinigt sich erst an der „hohen Sonne“ mit dem Wanderweg. Es geht in Serpentinen nach oben und aus Eisenach heraus in die Felder und Wälder. Der Untergrund ist teilweise asphaltiert, teilweise geschottert und es gibt die ersten Trailpassagen bereits vor Kilometer 2. Auf diesem Stück gibt es auch immer mal wieder etwas Rückstau, wenn der Pfad zu schmal ist. Aber alles läuft sehr ordentlich ab, keiner drängelt oder schiebt. Auf den breiteren Forstwegen sortiert sich das Feld dann langsam. Aber selbst an der ersten Versorgung bei Kilometer 6,9 am Waldsportplatz ist das Feld noch gut beieinander.

Noch geht es stetig weiter bergauf, erst kurz vor der Einmündung auf den Rennsteig geht es ein wenig bergab. Ich schaue immer mal wieder auf die Pulsuhr und mahne mich, ja nichts zu überstürzen und vor allen Dingen aufzupassen – denn die kurzen Passagen auf den schmalen Pfaden sind doch nicht ohne. An der nächsten Versorgung gibt es warmen Tee – eine Wohltat für die doch etwas klammen Finger. Die erste Stunde ist schon rum und ich fühle mich noch immer gut. Auch die Stimmung im Feld ist gut, und es läuft einfach so vor sich hin. Scheinbar geht es einigen Läufern wie mir selbst: Wir sind alle noch nicht so ganz wach – wer bricht sonst Samstags früh um kurz nach sieben Uhr schon durch den Wald um mehr als 42,195 Kilometer zu laufen …

Ein erstes kleineres Problem kündigt sich an – ich habe meinen Füßen etwas zu viel Luft gelassen – bei der Abwärtspassage merke ichdeutlich wie ich mir langsam aber sicher eine Blase laufe … bevor das weiter geht mache ich einen Stopp und ziehe die Bindung etwas fester – gar nicht so leicht mit klammen Fingern. Dabei fällt mir dann auch die Startnummer in die Hände … da ich sie unter der Jacke getragen habe, ist sie total durchgeweicht und die Sicherheitnadeln sind ausgerissen – an wieder anpinnen ist nicht zu denken, dafür fehlt das Gefühl in den Fingern – also packe ich die Nummer in die Tasche und muss sie nun jedesmal rausholen wenn es Fotos gibt. Aber auch das geht. Der Chip am Fuß sorgt ja für die korrekte Zeitnahme.

Auf die nächste Versorgung an der Glasbachwiese freue ich mich besonders: Dort hat sich Heinrich mit Kamera positioniert und diesmal klappt es auch mit der Kommunikation, ich drehe vor der Kamera noch einige Runden bis ich alles beisammen habe was ich an der Versorgung mitnehmen wollte: Tee, Schmalzbrot und zum ersten mal den Haferschleim mit Blaubeeren. Erster Eindruck: Sieht komisch aus. Zweiter Eindruck: Sehr praktischer Engergiedrink mit angenehmen Geschmack. Für auf den Weg gibt es noch ein Stück Banane mit Salz (damit ich keine Krämpfe bekomme – Erfahrung macht klug). Vor der Versorgung ging es erst gefühlt zum ersten Mal etwas länger sachte bergab. Aber danach geht es natürlich auch wieder hoch, diesmal ein richtig trailiges Stück mit Waldboden und Wurzeln.

Noch jogge ich tapfer jede Steigung hoch, sie sind alle nur „Scheinbuckel“ wie Peter von Peter Ultra Lauf Treff (PULT) es nennen würde – sie werden zum Ende hin alle flacher. An der Getränkestelle am Dreiherrenstein haben wir bereits die ersten zwanzig Kilometer zurück gelegt und haben deutlich an Höhe gewonnen. Ich bin mittlerweile etwas mehr als zwei Stunden unterwegs. Kurz nach der Wasserstelle geht es dann zum ersten Mal ans Eingemacht – es geht dem großen Inselsberg entgegen. Im Kopf läuft die Melodie aus Jim Knopf & Lukas der Lokomotiv-Führer „eine Insel mit zwei Bergen … denn wo es einen großen Inselsberg gibt, gitb es natürlich auch einen kleinen Bruder dazu. Die Strecke nach oben ist sehr steil und ich schalte in einer Kehre um auf Gehen, das ist aber kein Problem, denn um mich rum kann das Ding auch sonst keiner Joggen. Es geht in den Nebel, es wird feucht und kühl, teilweise hatte man vorher schon immer mal wieder den Atemhauch einiger Läufer gesehen. Kurz vor dem Inselsberg rutsche ich dann auf einer Wurzel weg und küsse den Boden. Aber nichts passiert – aufstehen und weiterlaufen – es tut auch nichts weh – nur die Hände sind schmutzig – aber Wasser aus der Trinkflasche drüber und abgespült – schon ist die Welt wieder in Ordnung und ich dank Adrenalinkick auch richtig wach. Wir laufen derweil weiter im Nebel an den Sendeanlagen vorbei.

Nach der Kuppe geht es richtig kräftig bergab bis an die nächste Versorgung 26,8km liegen hinter mir. Also etwas mehr als ein Drittel, das motiviert mich. Die Strecke ist nunmehr vergleichsweise flach – es gibt immer mal wieder ein paar Höhen und Senken, aber insgesamt sehr gut und entspannt zu laufen. Im Kopf rumort es etwas ob ich das überhaupt schaffen kann, wenn das so weiter geht, denn die Muskeln melden ganz klar, dass sie die Idee mit den Bergläufen zwar toll finden, aber mittlerweile die Grenze des Trainings fast erreicht ist. Aber es gibt erstmal nur eine Richtung und die heißt weitermachen. So kommt denn nach einer Kuppe ein Betonweg und kurz nach dessen Beginn das ersehnte Motivationsschild: 30km sind geschafft, jetzt ist es nur noch minimal mehr als ein Marathon – und Marathon kann ich laufen, also alles im Lot. Ich muss an meine Kollegen denken die sich wohl gerade eben auf eine neue Runde mit PULT aufgemacht haben. Mal sehen was die nächstes Mal berichten – 73km werden sie wohl keine laufen.

Das nächste innerliche Ziel setze ich mir bei der Halbzeit – an der Ebertswiese bei Kilometer 37,4 – das ist zwar etwas mehr als die Halbzeit, aber so ist das bei Landschaftsläufen – man muss auch den Platz für die Versorgung haben. Die Strecke ist noch immer leicht wellig, aber es lässt sich alles noch ganz gut laufen. Sogar das Wetter macht langsam mit, nachdem es lange Zeit grau und bedeckt war, spitzt nun an einigen Stellen schon die Sonne durch. Der Wind ist zwar immer noch frisch, aber mit der Sonne läuft es sich dann doch gleich viel angenehmer. Ein erstes Hinweisschild kündigt den nahenden Verpflegungspunkt an: Noch ein Kilometer. An der Versorgung mache ich etwas länger Pause – gönne mir ausreichend Wasser, Tee, Isogetränk, Schmalzbrot und Wiener Würstchen – ja all das kann man essen während einem Lauf.

Nach der Versorgung geht es erst mal wieder etwas steiler bergauf, ich nutze die Zeit mich etwas zu sortieren während ich den Anstieg hochgehe (wie fast alle um mich herum auch). Gefühlt ist es ja nicht mehr weit bis zur Marathon-Marke – nur noch etwa fünf Kilometer. Es geht weiter auf dem Bergrücken entlang – immer mal wieder gibt es eine Lichtung – ich ziehe die Jacke aus und binde sie mir um die Hüfte. Im ersten Moment ist das etwas frisch, gerade wenn der Wind mal wieder kräftig pfeift, aber in der Sonne wäre es mir jetzt in der Jacke zu warm.

Nächste Getränkestelle ist die neue Ausspanne nach insgesamt 40,8km. Dorthin geht es wunderbar bergab, aber nach der Versorgung auch gleich wieder entsprechend bergauf. An dieser Stelle erkenne ich, warum das wohl Rennsteig heißt: Entweder man rennt bergab oder man steigt bergauf. Ein Zwischending gibt es sehr sehr selten. Aber wenn alle gehen, dann ist es ja auch erträglich – nicht so wie wenn ständig Leute an einem vorbeiziehen (das frustriert eher). Ich kann dank passendem Training auch im Gehen noch recht flott den Berg hoch und hole dabei selbst immer wieder Läufer ein. Das Feld ist immer noch zusammenhängend, auch wenn die Abstände zwischen den Läufern mittlerweile deutlich länger geworden sind.

Nachdem die Marathonmarke hinter mir liegt peile ich nun innerlich den Grenzadler als nächsten „magischen“ Punkt an – dort wartet wieder Heinrich. Noch bevor ich an der Neuhöfer Wiese zum nächsten Mal Energie tanken kann – mache ich einen Abstecher in die Botanik – das ist das praktische am Lauf immer quer durch den Wald … es gibt fast ständig die Option der sanitären Erleichterung rechts und links des Weges. So erleichtert läuft es sich dann doch viel besser.

An der Neuhöfer Wiese gibt es dann wieder allerlei zu Futtern – wenn ich nicht wüsste das es biologisch unmöglich ist, würde ich fast sagen: Ich bin schwanger – denn die Kombinationen des Essens werden jetzt richtig abenteuerlich – gesalzene Banane kannte ich ja schon, aber gesalzenes Nutella-Brot ist noch ne Stufe besser. Dazu wieder reichlich Tee und Iso. Cola spare ich mir noch auf, damit der Koffeinschub erst am Schluss kommt. Für auf den Weg noch eine Art Hartwurst zum Kauen und schon geht es weiter – erst recht eben, aber bald kommt die nächste Steigung an der wieder alle gehen.

Den nächsten Versorgungspunkt hört man schon von weitem – dort ist die Stimmung richtig gut und es stehen viele Leute die anfeuern an der Strecke – ist auch verständlich, denn mittlerweile ist es irgendetwas um elf Uhr herum – die meisten Leute haben also ihr Samstagsprogramm gestartet. Schon etwas länger begleiteten uns weitere Strecken: Die Wanderer und auch die Nordic-Walker. Wobei das mit den Stöcken teilweise schon problematisch bis nervig sein kann. Vor allem wenn man dann immer den direkten Vergleich der Leute sieht die es richtig und schwungvoll machen und denen die die Stöcke nur als Deko benutzen. Ja man fühlt sich schon etwas erhaben wenn man nach mehr als 45km noch an Leuten locker flockig vorbeiziehen kann. Auch so kann Motivation aussehen.

Nun ist es wirklich nicht mehr weit bis zum Grenzadler – nicht einmal 4km sind noch zu bewältigen. Allerdings gibt es auch auf dieser Strecke nochmal Trailanteile, diesmal auch mit Fango-Einlage und nassen Schuhen. Aber das Wetter macht ja immer mehr auf, wenn jetzt noch der Wind etwas nachließe dann wäre es ein wunderschöner Sommerlauf. Aber andererseits ist es auch angenehm dass es nicht zu heiß ist. Als wir uns dem Grenzadler und somit Oberhof nähern kreuzen wir mehrfach die Trainingsstrecken der Biathleten bzw. der Langläufer auf Skiern. Langlaufen kann auch anders aussehen, nämlich so wie wir das gerade machen. Zur Versorgung geht es nochmal ein kleines Trailstück bergab, ich erspähe schon von weitem Heinrich und setze nach Möglichkeit mein Lächeln auf. Aber die Wiese ist schon gut zertrampelt und dank der vielen Feuchtigkeit superglitschig. Daher konzentriere ich mich lieber auf das Laufen denn auf das Lächeln.

Nun sind es nicht mal mehr zwanzig Kilometer – ich schaufle nochmal reichlich Kalorien in mich hinein, Haferschleim, gesüßter Tee und Salz, nochmal kurz Heinrich Zeichen geben, dass alles ok ist und schon geht es weiter. Ich habe das Profil nicht mehr genau im Kopf, aber eine Gruppe neben mir schaut gerade in die Profilkarte – so bekomme ich mit, dass die letzte große Steigung bei Kilometer 61,2 liegen soll – also nicht mal mehr 9km vor uns – also ungefähr die Hälfte der verbleibenden Strecke. Ich teile mir also meine Kräfte entsprechend ein und mahne mich zur Vorsicht. Nach knapp vier Kilometern gibt es nochmal etwas zu trinken, auch Bier wird angepriesen, aber ich lasse es dann doch sein.

Es geht nochmal eine langgezogene Steigung nach oben – immer den höchsten Punkt der Strecke an Plänckers Aussicht im Kopf. Ich motiviere mich damit, dass es nur noch etwas mehr als drei Kilometer bis zu diesem Punkt sind, danach soll es größtenteils abwärts gehen. Am höchsten Punkt liegen dann tatsächlich rechts und links der Strecke noch zwei kleine Schneehäufchen – damit hätte ich nun Mitte Mai nicht mehr gerechnet – aber es zeigt wie frisch das Klima hier oben doch sein kann. Ganz im Gegenteil zu dem wie das Wetter aktuell ist – in der Sonne ist es fast schon zu warm, zudem schwitzt man als Läufer nach der Steigung natürlich um so mehr. Aus der Flasche hole ich mir noch eine Portion Erfrischung.

Nun geht es rasant bergab – die vorletzte Versorgung vor dem Ziel in Schmücke wartet. Die Strecke parallel zur Straße ist nochmal übersäht mit Wurzeln und Stolperfallen – aber irgendwie kann ich das trotzdem sehr gut laufen. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern – immer mehr gehen auch bergab. Die Wiese vor Schmücke ist nochmal eine Herausforderung: nass, glitschig und absolut uneben. Ich greife nur kurz bei der Cola zu und schon geht es weiter. Die Aussicht, dass es nunmehr nicht mal mehr 10km sind, beflügelt mich doch ganz erheblich.

Kurze Zeit später kommt schon das Schild für Kilometer 65. Ich blicke auf die Uhr – fast genau 7 Stunden bin ich unterwegs als ich das Schild passiere. Im Kopf läuft die Rechenmaschinerie an – geplant hatte ich etwas zwischen 6 und 7 Minuten pro Kilometer. Wie schnell ich tatsächlich bin kann ich nur grob abschätzen – ich laufe ohne großen technischen Schnickschnack wie GPS oder Fußsensor. Grob angenähert laufe ich etwas um die 6:30 min/Kilometer. Also mal kurz überschlagen: Noch 8 km, mal 7 Minuten – die 8h Marke sollte also auf alle Fälle drin sein, zumal es ja stetig bergab geht. Ich bin schon versucht es einfach laufen zu lassen, aber ich mahne mich zur Vorsicht: Das dicke Ende kommt womöglich noch. Optimistisch rechne ich mit 6 min/km und komme somit auf 42 Minuten bis ins Ziel – es könnte also auch noch für die 7:45 reichen – wenn ich mich ein wenig beeile und nichts unvorhergesehenes kommt.

Das kommt kurz vor der Versorgungsstelle Kreuzwege, es geht nochmal eine Steigung hoch, nachdem es vorher ganz ordentlich bergab geht. Die Stelle heißt praktischer Weise auch noch Mordfleckenwand. Das sagt doch schon alles. An der Versorgung gibt es noch einen Schluck Cola, aber ich halte nicht mehr an, zu verlockend ist das nahende Ziel. Nur noch rund 5km! Das beflügelt mich noch weiter – und es geht immer noch weiter bergab. Zudem motiviere ich mich anhand der Kilometrierung des Halbmarathons, da der ins gleiche Ziel einläuft sollte das ungefähr passen, auch wenn die Kilometerangaben sich nicht so ganz decken wollen. Aber so hat man immerhin jeden Kilometer den man geschafft hat einen Hinweis. Wie weit es dann noch ist kann man sich auch ausrechnen.

Im Tal kann man außerdem seit langem mal wieder etwas anderes als Wiesen und Felder sehen – da stehen tatsächlich Häuser – die Strecke führt immer näher an die Zivilisation heran. Noch drei Kilometer – ich schaue nicht mehr auf die Uhr sondern laufe zügig weiter – über die gesperrte Straße noch eine Kehre und dann beginnt schon gleich Schmiedefeld. Die Menschen stehen an der Strecke und feuern an, die Stimmung ist gigantisch. Auf den letzten Kilometern nehme ich gefühlt mehr als ein Dutzend Läufer mit – viele müssen gehen – ich kann mir nicht ganz erklären warum, es geht doch fast ständig bergab und die Strecke ist wunderbar breit. In Schmiedefeld gibt es noch einen kleinen Buckel, der allerletzte kleine Anstieg vor dem Ziel – garniert mit dem Schild für Kilometer 72 – jetzt kann ich nochmal richtig loslaufen. Das Portal zum „Einsortieren“ der Klassen kommt, ganz klar: Mir gehört die mittlere Spur für Supermarathon – in der Ferne ist das Ziel schon zu sehen. Es geht bergab und ich sehe noch einen Läufer vor mir auf den letzten Metern. Also nochmal die Beine in die Hand genommen, den kriege ich auch noch. Durchs Ziel und anhalten – geschafft. Bruttozeit 7:46:06 – es könnte also gereicht haben.

Im Ziel treffe ich Endere wieder, ihn hatte ich beim Rodgaulauf getroffen und zwischenzeitlich hatte er mich überholt – er ist schon seit ca. 15 Minuten im Ziel. Aber mir ist das völlig egal. Ich hole mir nochmal Tee und etwas zu Essen. Danach informiere ich Marion per SMS – zumindest versuche ich es – ich muss feststellen, dass wohl die meiste Zeit des Laufes kein Netz vorhanden war – der Akku ist fast leer und bricht beim Versand der SMS vollständig zusammen. Ob es geklappt hat, weiß ich erst mal nicht.

Die Organisation im Ziel ist super – auf der Gepäckwiese hole ich meinen Beutel und begebe mich zur Dusche – dort ist es zwar voll, aber jeder kommt mal dran. Frisch geduscht hole ich dann mein Finisher-Shirt, die Urkunde und das Gratis-Köstritzer ab. Beim Anstellen für die Urkunde erspähe ich dann auch schon Heinrich, dank Hut und großem Stativ ist er auch in großen Menschenmassen gut zu finden. Er gibt mir die Info, das Helga wohl noch etwas braucht und ich daher wohl noch etwas warten muss bis das Spezial-Taxi nach Eisenach fährt. Aber das ist halb so wild – ich lege mich auf die Wiese und entspanne einfach nur. Zur weitern Stärkung hole ich mir dann zwischenzeitlich eine Bratwurst und esse meine mitgebrachten Gummibärchen.

Helga kommt nach etwas mehr als 10 Stunden ins Ziel – auch das eine sehr achtbare Leistung – Heinrich weckt mich rechtzeitig und so kann ich nochmal kräftig anfeuern als sie aufs Ziel zuläuft.

Insgesamt: Ein toller Lauf, auch wenn ich sagen muss, dass ich im Nachhinein mich an wenige Passagen direkt erinnern kann. Die Versorgung ist super, die Organisation läuft wie geschmiert und die vielen Leute an der Strecke die einen immer wieder anfeuern – das macht einfach Laune. Der Lauf kommt auf alle Fälle auf die Liste der zur Wiederholung empfohlenen Wettkämpfe. Ob es gleich nächste Jahr ist muss ich noch sehen, das hängt sehr stark davon ab, was mein anstehender Nachwuchs bis dahin so macht – wenn ich den Lauf mache, habe ich mir vorgenommen ihn auf alle Fälle die letzten Meter durchs Ziel zu tragen – mal schauen ob das was wird.

 

Weinstraßen-Marathon 2014

Nur alle zwei Jahre findet der Weinstraßen-Marathon in der Pfalz statt. Nachdem ich schon einmal dabei war, und mir der Lauf sowohl landschaftlich als auch von der Stimmung an der Strecke her sehr gut gefallen hat, war klar: Da mache ich wieder mit. Nicht so ganz eingeplant waren bei der Anmeldung zwei Faktoren: Einerseits der kurze zeitliche Abstand zum Urlaub (nur ca. 1,5 Wochen) und eine Verletzung am Fuß, knapp eine Woche vor dem Event. Dennoch habe ich mich nicht abhalten lassen. Um es gleich klarzustellen: Ich habe auf Doping verzichtet – entweder es geht oder ich gebe auf, das war die Prämisse.

Auf alle Fälle war mir von vorneherein klar: Es wird ein Genußlauf und kein Lauf um eine Bestzeit, das konnte ich angesichts der Vorbereitung, der Verletzung und auch dem Höhenprofil der Strecke auch nicht erwarten.

Die Anreise ist sehr kurz, in knapp 30 Minuten bin ich am Parkplatz, von dort aus geht es mit dem Shuttle nach Bockenheim an den Start. Startnummer und Unterlagen abholen, Tasche abgeben und schon ist man startbereit. Im Gegensatz zum letzten Mal gibt es diesmal Startnummern mit integriertem Chip, anstelle des Championchips – das merke ich allerdings erst als ich mich mit einigen Leuten am Start unterhalte. Bleibt nur zu hoffen, dass die Zeitmessung durch den Championchip nicht durcheinander kommt, aber es laufen ja auch genügend andere Läufer mit, die ihn dauerhaft im Schuh eingebunden haben.

Pünktlich um 10:00h steigt eine weiße Rauchsäule vor der dem Haus der deutschen Weinstraße auf – der Startschuss. Ich habe mich vorsichtshalber weit hinten angestellt, von daher dauert es noch gefühlt eine kleine Ewigikeit bis ich die Startlinie überquere. Ganz bewusst lasse ich mich nicht gehen, sondern laufe gezielt im Pulk langsam mit – ein wenig macht sich der Fuß bemerkbar, aber die gute Stimmung an der Strecke macht das locker wett.

Es geht durch die enge Hauptstraße von Bockenheim auf das Ortsende zu, dort ist der erste Weinberg, sprich die erste Steigung in der Strecke. Hier kommt es zur ersten nennenswerten Umsortierung des Feldes – ich fühle mich gut und arbeite mich nach vorne durchs Feld. Trotz der Verletzung kann ich mein Tempo auch in der Steigung ganz gut halten, wobei ich auch immer mal wieder einen Blick auf die Pulsuhr werfe, zu klar und deutlich sind mir die Bilder von vor zwei Jahren im Kopf, bei denen ich mich am Anfang habe verleiten lassen um kurz nach der Hälfte einen herben Einbruch zu erleben. Als Richtwert laufe ich um die 5:30-5:40 – also deutlich langsamer als ich einen Marathon im Flachen angehen würde, aber auch deutlich schneller als ich es bei den 100km Läufen angehen lasse.

Kurz nach Kilometer 2 treffe ich meine Vereinskollegin Lore, sie macht heute nur einen Halbmarathon und lässt es auch gemütlich angehen. Immerhin wirbt der Lauf ja auch damit ein Genuß-Marathon zu sein. Auch ich nehme mir das zu Herzen und lenke meinen Blick immer mal wieder weg von der Strecke in die Landschaft. Im Vergleich zum Urlaub vor rund 14 Tagen in den USA ist die Natur hier bereits deutlich weiter – die Bäume blühen in allen Farben und das herrliche Wetter mit Temperaturen im zweistelligen Bereich – so kann man den Lauf wirklich genießen.

Nach der ersten Kuppe geht es nach Asselheim, die berüchtigte Asselheimer Wand hinunter, die es am Ende auch wieder hochgeht – abwärts ist die aber noch kein Problem, zumal ja gerade mal etwas mehr als 3km gelaufen sind. In Asselheim selbst steht schon die erste Versorgungsstation, ich lasse das Gedränge rechts liegen und bezwinge die langgezogene Steigung durch den Ort. An deren Kuppe ist man schon in Grünstadt und es geht langsam wieder bergab ins Zentrum.

Kurz vor der nächsten Versorgung hole ich Jürgen ein, mit ihm laufe ich regelmäßig Samstags durch den Odenwald. Er begleitet seinen Bruder über den Halbmarathon, an der Versorgung machen die beiden Pause, ich laufe weiter. Den Durst stille ich erst einmal aus meinem Gürtel. Aus Grünstadt raus gibt es etwas seltenes entlang der Strecke – sie ist ausnahmsweise mal fast eben, bis es kurz nach der Autobahnunterquerung wieder hügelig wird.

In sanften Wellen geht es durch die Weinberge, die Steigungen spürt man zwar, aber sie sind nicht dramatisch. Kurz vor Kleinkarlbach geht es steil bergab. Am Ende des Gefälles steht eine wichtige Entscheidung an – Halb- oder Vollmarathon. Ich biege rechts ab, ich mache heute keine halben Sachen. Der Fuß gibt seit einigne Kilometern Ruhe, das ist ein gutes Zeichen. Kurz nach der Trennung führen die Strecken nochmal zusammen an einer Versorung vorbei. Ein Wechsel ist hier zwar möglich, allerdings nur mit Disqualifikation, denn im Vergleich zur Marathonstrecke müssen die Halbmarathonis ein Schleifchen mehr durch Kleinkarlbach laufen, etwa einen Kilometer. Nach der Versorgung ist die endgültige Trennung angesagt. Ich kenne die Kreuzung noch vom letzten Mal: nach links weg als Marathoni und man steht vor der nächsten steilen Steigung. Das Ortsschild spricht Bände: Es geht nach Bobenheim am Berg.

Nachdem Bobenheim erreicht ist, wird es wieder etwas flacher, man ist auf dem Berg und es geht weiter mit Bergen: Der nächste Ort ist Weisenheim am Berg. Dort wartet auch schon wieder ein Team an der Versorgungsstation – ich greife ordentlich zu bei Banane und Apfelstückchen. Apfel mag ich zwar eigentlich, aber irgendwie liegen mir die hinterher für einige Kilometer doch etwas im Magen. Ich laufe mit einer kleinen Gruppe die sich kurz vor Leistadt wieder zerstreut. Mittlerweile sind die Abstände dann doch etwas größer geworden, man läuft bei weitem nicht mehr so beengt wie zu Beginn im Feld. So erreiche ich Leistadt – dort fülle ich nochmal Wasser nach, 15km habe ich jetzt geschafft. Mehr als ein Drittel und noch läuft es sich sehr angenehm.

Nach Leistadt muss man ein wenig aufpassen – es geht bis zum südlichen Wendepunkt der Strecke in Bad Dürkheim eigentlich nur bergab, und das auch noch nahezu konstant. Wer nicht gewohnt ist lange abwärts zu laufen bekommt es hier in den Oberschenkeln zu spüren. Ich selbst achte darauf nicht schneller zu werden, auch wenn die Strecke es ja eigentlich gut hergeben würde – ich weiß dass der anstrengende Teil noch vor mir liegt, ganz getreu dem Motto: „What goes up must come down“, gilt hier das Analoge: „Was man runter läuft muss man hinterher auch wieder hoch …“. Die Strecke liegt relativ frei zwischen den Weinbergen und die Sonne heizt mir auch ganz schön ein – ich nutze die entspannte Phase des Laufens zum Trinken. In Bad Dürkheim gibt es einen kleinen Anstieg in der Innenstadt bevor man die Versorgung erreicht. Dort greife ich wieder Energie und Wasser ab.

Nun folgt ein sehr unterhaltsamer Abschnitt der Strecke: Es geht durch den Kurpark von Bad Dürkheim – dort sind jede Menge Menschen unterwegs – und machen richtig Stimmung, an jeder Bank sitzen Leute und feuern die Leute an, mit Klatschen, Klopfen, Laola-Wellen und Kuhglocken. Richtig klasse. Ab dem Gradierwerk wird es dann wieder etwas ruhiger – ich muss mich ein wenig konzentrieren, nicht das ich wie bei der Rheintalquerung jetzt ins Schwimmbad zur Sauna und Entspannung abbiege. Mit dem Ende des Gradierwerks ist auch die Halbmarathon-Marke erreicht. Diesmal ist der Umbau am Kurpark fertig, man muss also nicht mehr durch eine Baustelle laufen.

Was nun folgt ist eine weniger schöne Teilstrecke, entlang der Bundesstraße gilt es ein Schleifchen von ca. 4 km zu bewältigen. Alles relativ flach, die höchste Erhebung ist die Brücke über die Bundesstraße. Nach dieser Brücke gibt es schon wieder eine Versorgungsstation, ich greife dankbar zu, denn bald geht es ja wieder bergauf, da ist jede Energieform recht. In Sichtweite des Gradierwerks geht es dann wieder weg von der Bundesstraße, anfänglich noch flach, aber spätestens wenn man in Ungstein ankommt merkt man die Steigung. Die Hauptstraße zieht sich scheinbar endlos den Berg hoch. Es ist keine starke Steigung, aber eben lang. Als Krönung gibt es kurz vor Kallstadt noch einmal Nachschlag und die Strecke wird deutlich steiler. Dafür kann man im Ort auch wieder auftanken – die Versorgungstationen stehen immer dann bereit wenn man sie braucht und auch aufnahmefähig ist. Ich könnte während einer langen Steigung keine Banane essen, jetzt wo es einigermaßen flach ist.

Das ändert sich nach dem Ortsausgang natürlich gleich wieder – in der Ferne kann man schon die Halle der Winzergenossenschaft Herxheim am Berg sehen – die steht oben auf dem Berg und mahnt einen gleich: Da musst du auch noch hoch … Ich denke zurück an den letzten Marathon hier, und fühle mich richtig gut: Im Gegensatz zu damals kann ich noch joggen, wenn auch langsam. Gegenüber der Winzergenossenschaft gibt es nochmal was zu trinken – nicht wie man erwarten könnte heimischen Wein oder Traubensaft – nur Wasser. Aber auch das erfrischt. Auf den Wein muss man noch etwas warten – etwas mehr als 2 km. Mit einem kleinen Schlenker geht es durch den Ort Dackenheim – es geht ganz leicht bergab, das lässt sich angenehm laufen. Kurz nach der Versorgung in Dackenheim, auf der Kuppe am Golfplatz steht dann der Eimer mit dem Highlight der Strecke: Der Riesling-Schwamm. Letztes Mal ging es mir so schlecht, da wollte ich das nicht riskieren – diesmal greife ich zu. Ergebnis: Lecker, aber das Trinken aus dem Schwamm muss man vorher wohl noch üben, so einfach ist das nicht und wenn man nicht aufpasst landet ein Teil ungewollt auf dem Trikot.

Derart gestärkt überschreite ich die 32km Marke – jetzt sind es nur noch 10km, also kein Drama mehr was die Streckenlänge betrifft. Es geht wieder ganz leicht abwärts in den nächsten Ort an der Weinstraße: Kirchheim. In einigen Zacken geht es durch die Bebauung, und wieder auf Kleinkarlbach zu. Kurz nach dem Ortsausgang steht die Feuerwehr vor ihrem Gerätehaus und sperrt die Straße, es geht wieder in die Weinberge – erstmal runter bis an den Eckbach und natürlich nach der Brücke auch wieder bergauf. Viele Läufer müssen hier gehen. Ich kann noch langsam joggen und sammle immer wieder Läufer ein, was mich irgendwie innerlich motiviert. Noch dazu steht mitten in der Steigung das Schild für Kilometer 34 – was weiter motiviert. Bald darauf ist man wieder auf der Strecke die ich vor einigen Stunden in die Gegenrichtung entlang gekommen bin. Noch einen knappen Kilometer weiter kommt die Wiedervereinigung mit der Halbmarathon-Strecke – es riecht schon förmlich nach Zieleinlauf, auch wenn es noch fast 6km sind.

Langsam füllen sich die Straßen mit Schaulustigen, mit jedem Schritt den man in Richtung Grünstadt-Zentrum tut werden es mehr. Im Zentrum ist die Stimmung dann auf dem Hochpunkt, ich tanke nochmal Iso-Getränke und Banane bevor es wieder etwas einsamer wird an der Strecke. Es geht nun wieder, man ahnt es schon: bergauf – eine langgezogene Steigung führt an den Ortseingang von Asselheim. Bis an die Asselheimer Wand geht es dann wieder konstant abwärts – vorbei an Kilometer 39 – „noch 3km und eine Steigung lautet mein Mantra“. Nachdem das Wasser aus der Versorgung getrunken ist, ist sie auch schon da, die Asselheimer Wand – der berüchtigte Anstieg rund 2,5km vor dem Ziel. Viele müssen hier gehen, ich will mich aber nicht unterkriegen lassen und jogge stoisch weiter – immer die Kuppe und die Straßenmarkierungen im Blick. Endlich erreiche ich die Abzweigung auf die Bundesstraße – alles was jetzt an Steigungen folgt sind nur noch „Scheinbuckel“ und werden bei der Betrachtung der Strecke nicht weiter beachtet. Zudem sind es nur noch 2 km die es jetzt zu laufen gilt.

Diese laufe ich so entspannt wie möglich, die Steigung hat doch ihren Tribut gefordert, aber auch die Sonne macht sich auf der offenen Strecke nun um so mehr bemerkbar – gut das ich an der Versorgung nochmal meine Gürtelflasche aufgefüllt habe. Eigentlich erwarte ich meine Familie und meine Freundin kurz vor dem Ziel. Aber diesmal stehen sie schon bei Kilometer 41, direkt am Ortseingang in Bockenheim. Kurze Motivation, ein „High-Five“ und weiter geht es – meine Getränkeflasche fällt mir bei der Aktion aus dem Gürtel, aber sie wird gleich eingesammelt – so erleichtert laufe ich den letzten Kilometer ins Ziel. Die Anzeige lässt mich hoffen: 4:03h lese ich aus der Entfernung ab – bis ich im Ziel bin sind es etwas mehr 4:04:11 brutto – ich hoffe, das mein Start weit hinten mich doch noch die 4h-Marke knacken lässt. Wie sich später herausstellt leider nicht – ganze 36 Sekunden zu langsam – das schmerzt etwas, aber egal der Lauf war landschaftlich einfach toll und unter den gegeben Vorraussetzungen bin ich einfach froh es geschafft zu haben.

Duschen und Massage sind wieder hervorragend organisiert, da es deutlich weniger Marathonis als Halbmarathon-Läufer waren ist der große Ansturm auch schon durch als ich dort vorbeikomme. Frisch geduscht geht es mit meiner Freundin zurück ans Auto – ein Stück weit fahren wir noch die Strecke des Laufs ab um den Tag dann in Bad Dürkheim in einer Winzergaststätte ausklingen zu lassen. Natürlich mit Riesling-Schorle und den drei wichtigen Pfälzer Spezialitäten: Leberknödel, Saumagen und Bratwurst. Dazu Kartoffelbrei und Sauerkraut – alles was dem Läufer wieder Energie gibt. Wenn alles gut läuft bin ich in zwei Jahren auch wieder dabei!

Rheintalquerung 2014 – 43km durch die Rheinebene

Zum zweiten Mal für mich hieß es am vergangenen Wochenende: Von der Bergstraße an die Weinstraße. Eine kleine Gruppe von rund 20 Läufern nimmt diese Strecke traditionell im Februar in Angriff. Das ganze hat keinerlei Wettkmapf-Charakter sondern ist vielmehr als eine Sonderform einer langen Laufeinheit zu sehen. Die Organisation findet dabei rein privat statt. Ähnlich wie beim Amberger Ultra Lauf (AULA) gibt es an vorab definierten Stellen entlang der Strecke Versorgung mit Getränken und Verpflegung. Auf dem Weg sind vier solche Stopps verteilt, im Abstand von rund 10 km – je nachdem was die Bebauung und die Geographie gerade zuläst – man ist als Läufer da ja doch etwas flexibel. Abschluss in Bad Dürkheim bildet der Besuch in der Therme bzw. Sauna, um wieder aufzutauen.

Für mich beginnt die Vorbereitung bereits am Vorabend: Nachdem mein Spezial-Schoko-Kuchen bereits letztes Jahr sehr gut ankam, gab es diesmal bereits vorab viele Anfragen ob ich den auch wieder mitbringe. Klar mache ich das. Viel bedarf es eigentlich nicht für den Kuchen, aber Einkaufen muss ich dennoch was fehlt. Ein Blick in den Schrank sagt mir: Verzierung (Smarties) ist noch da … zumindest sugeriert die Rolle das. Wie sich nach dem Backen herausstellt ist die Packung zwar da, aber nicht mehr viel darin … also gibt es weniger Smarties auf dem Kuchen, dafür brauche ich die noch vorhandenen restlichen Weihnachts-Zucker-Streusel in verschiedenen Formen und Farben auf … so sieht der Kuchen hinterher immer noch richtig gut aus.

Los geht es am nächsten Tag um kurz nach sieben: Mit dem Läufertaxi der Familie Müller geht es mit Stopp in Heddesheim weiter zum Startpunkt in Leutershausen. Dort warten bereits die ersten Läufer auf den Start. Losgehen soll es um 8:00h. Bis kurz vor dem Start unterhalten wir uns, während der Kleinbus mit Gepäck und Verpflegung bestückt wird.

Pünktlich starten wir dann den Lauf mit der Unterquerung der Bergstraße in Leutershausen – erstes Ziel ist die Versorgungsstation in Ilvesheim am Neckar-Kanal. Es geht über die Autobahn und die Eisenbahn, durch die Randbezirke von Heddesheim – das Wetter ist wunderbar, die Sonne scheint, ein wenig Wind und Temperaturen um die 10°c. So lässt es sich aushalten. In Heddesheim hat Frank noch einen Foto-Posten stationiert, da die Strecke praktisch fast bei ihm vor der Haustüre vorbei läuft.

Schneller als mancher glauben kann haben wir den ersten Versorgungspunkt in Ilvesheim erreicht – ich genehmige mir ein Stück Kuchen und einen guten Schluck Tee bevor es weiter geht.

Den folgenden Streckenabschnitt kenne ich nur zu gut – wenn auch in entgegengesetzter Richtung – entlang des Neckarkanals sind wir regelmäßig von der DJK aus unterwegs – wenn auch eher im Sommer, aber das Wetter würde aktuell ja dazu passen. Mit langer Hose und langem Trikot plus Jäckchen bin ich schon fast zu warm angezogen.

In Feudenheim geht es über die Schleuse und auf der anderen Neckarseite weiter – in der Ferne das MVV-Hochhaus – kurz dahinter liegt schon der nächste Versorgungspunkt am Brückenkopf der Kurt-Schuhmacher-Brücke, die letzte Versorgung bevor es nach Rheinland-Pfalz geht.

Auf der Brücke bekommen wir einen leichten Vorgeschmack für die noch bevorstehenden rund 28km – es windet ganz ordentlich und ich bin froh, als wir wieder in der Bebauung in Ludwigshafen sind. Im Stadtteil Hemshof heißt es aber auch aufpassen – reihenweise liegen Tretminen in Form von Hunderückständen auf der Straße – so schlimm wie auf keinem anderen Streckenabschnitt.

Es folgt eine Strecke für den Kopf: Immer parallel zur Bahntrasse geht es nach Oggersheim – schnurgerade aus über mehrere Kilometer. Die Stimmung ist gut, und so ist diese Strecke schneller überwunden als ich gedacht hätte. Insgesamt läuft es besser als beim letzten Mal, zumindest für mich. Das Feld der Läufer hat sich zwischenzeitlich sehr gestreckt – im Zentrum Oggersheims machen wir einen Halt und warten auf den Rest. Letztes Jahr ging es uns ähnlich und die ersten Schneeflocken fielen vom Himmel. Dieses Jahr ist es dafür zu warm, aber es zieht sich langsam doch etwas zu. Einer unserer langsameren Mitläufer steigt notgedrungen aus und lässt sich vom Versorgungsbus abholen – er hat die Strecke ein wenig falsch eingeschätzt und ist heute einfach nicht so gut drauf, als das er sie jetzt durchbeißen könnte. So geht es weiter, und wir lassen kurze Zeit später die Gemarkung Ludwigshafens hinter uns.

Das nächste Ziel heißt Ruchheim – dort steht nach 12km dann auch wieder der Versorgungsbus. Der Kuchen findet mittlerweile gut Anklang – ich habe ettliche Fragen nach dem Rezept. Auch für mich gibts noch ein Stück des Energiespenders und ordentlich warmen Tee bevor es weiter geht. Mittlerweile haben wir eine fast geschlossene Wolkendecke und der Wind pfeift unangenehm, vor allem wenn man wie vor Ruchheim durchs offene Feld ohne größeren Windschutz läuft.

Wir überqueren die Autobahn und erreichen wenige Minuten später das östliche Ende von Maxdorf – das Dorf ist ein typisches Straßendorf was die Ausdehnung betrifft. Es zieht sich mehrere Kilometer bis man am Westende angekommen ist. Immerhin laufen wir nicht entlang der Hauptstraße sondern in der Bebauung. Es ist mittlerweile um die Mittagszeit herum und so wabern uns immer wieder interessante Küchengerüche entgegen, die einen doch irgendwie vom Laufen ablenken. Obwohl es Vorschläge gibt einfach die nächste Küche mit der Mannschaft zu stürmen besinnen wir uns eines Besseren – der Versorgungsbus ist ja auch nicht mehr so weit. Im direkt angrenzenden Birkenheide verfehle ich mit der Vorausgruppe eine Abzweigung – was sich aber als nicht dramatisch heraus stellt, die beiden möglichen Pfade vereinigen sich nach etwas mehr als einem Kilometer von selbst wieder, direkt in Sichtweite der letzten Verpflegung vor Bad Dürkheim.

Ein letztes Mal greife ich bei Kuchen und Tee zu, dann geht es auf die Schluss-Etappe, noch einmal durchs freie Feld. Nach einem leichten Rechtsschwenk ist dann auch schon Bad Dürkheim in der Ferne zu sehen. Noch sind es etwa 6 Kilometer bis ins Zentrum an das Gradierwerk der Saline, aber mit einem Ziel vor Augen läuft es sich gleich nochmal leichter – da kann auch das etwas trostlose Gewerbegebiet nicht mehr bremsen. Es geht in einigen Kurven durch die Randlagen der Stadt – sowie der Blick auf das Gradierwerk frei wird, gibt es auch die wichtigste Meldung der GPS-Läufer: Die 42,2km sind geschafft – Marathondistanz. Ich fühle mich noch richtig gut, ich bin fast versucht zu sagen: „Lasst uns gleich noch einen laufen…“ aber ich lasse es. Den letzten Kilometer bis an die Weinstraße geht es entlang des Gradierwerks.

Nach etwas mehr als 5h sind wir am Ziel unserer Trainingseinheit – im Salinarium heißt es Aufwärmen und entspannen – meine Freundin stößt von Speyer nach ihrem Training zu uns, was mich natürlich total glücklich macht. Gemeinsam verbringen wir zwei entspannte Stunden in Sauna und Solebecken bevor es in der Gaststätte „zum Faß“ (untergebracht im größten Fass der Welt) zum Abendessen geht.

Für einige Läufer ist das Training damit noch nicht vorbei – sie übernachten in Bad Dürkheim und laufen am Sonntag wieder zurück nach Leutershausen. Eigentlich bin ich ja für solcherlei Exkursionen auch zu haben, aber für mich steht am Sonntag ein anderes Training auf dem Programm: Möbel- und Kistentragen – der Umzug meiner Freundin zu mir rückt näher. Da muss man eben Prioritäten setzen. Auf alle Fälle kommt die Rheintalquerung (egal in welcher Form) für das kommende Jahr wieder mit in die Planung. Dann hoffentlich auch wieder mit genügend Smarties für den Kuchen :O

 

RLT Ultra-Marthon – von wegen Rodgau „Monotones“

Das neue Jahr ist gestartet – das Training läuft und läuft (im wahrsten Sinne des Wortes) – nur die Wettkämpfe lassen noch auf sich warten. Eigentlich ist es ja auch noch etwas arg kühl für einen Wettkampf und nicht die klassische Zeit – wer sich zu Jahresbeginn einen guten Vorsatz genommen hat, der ist jetzt noch nicht so weit einen größeren Wettkampf durchzuziehen. Aber wer schon im Training ist und „nur“ über Weihnachten etwas „aktive Regeneration mit verstärkter Kalorienaufnahme“ gemacht hat, der lauert ja schon förmlich auf die ersten Chancen.

Bisher habe ich meine Saison frühestens im Februar in Groß-Gerau über 10km gestartet. Letztes Jahr hat mich eine ordentliche Grippe davon abgehalten in Rodgau gleich zu Jahresbeginn einen Testlauf für Biel zu absolvieren – ob das damals schon ein Vorhinweis auf den Einsatz an der Elbe war? – Egal, schon vor Weihnachten haben wir das in der Laufgruppe in den Kalender eingetragen. Mit einem Ziel trainiert es sich ja bekanntlich leichter. Rodgau ist für mich der erste Ultra des Jahres in der näheren Umgebung – etwas mehr als 100km mit dem Auto – das ist definitiv machbar.

Aus der Anmeldung wusste ich schon: Es sind etwas mehr als 1000 Leute angemeldet für diesen Ultra-Lauf entsprechend voll ist es auf den Parkplätzen aber wir finden doch noch einen Platz, gut dass wir als Fahrgemeinschaft angerückt sind. Auf den Support durch meine Freundin Marion muss ich dieses Mal verzichten, sie hat selbst eine Vereinsveranstaltung im Laufe des Tages – aber bei den Temperaturen an der Strecke stehen, ist auch nicht jedermanns Sache (auch wenn die Organisatoren die Supportler gegen eine Spende an der Versorgung teilhaben lassen – sehr löblich).

Vor dem Lauf noch eine kurze Abstimmung – die Gruppe um Peter Müller (auch bekannt als P.U.L.T. = Peters Ultra LaufTreff) ist bunt gemischt und so teilen wir uns auf – einige wollen nur ankommen oder kündigen gleich zu Beginn an, nur 40km oder ggf. einen Marathon mitzumachen – die große andere Gruppe peilt anfänglich mal die 5:45 min/km an. Eine Besonderheit des Laufs im Rodgau: Es ist ein Rundenlauf – jede Runde 5km, 10 Runden sind zu absolvieren. Jeder der nach mehr als 15km aussteigt wird aber in der entsprechenden Streckenlänge separat gewertet – auch nicht verkehrt, falls es nur ein Testlauf ist, kann man wenn es hart auf hart kommt elegant aussteigen. Vor dem Start gibt es eine kleine Aufwärm-Übung: Vom Parkplatz bis an den Start geht es erst einmal 1km durch den Wald – schon der Kilometer kommt mir etwas langezogen vor, ich hoffe innerlich, dass die anderen offiziell vermessen sind.

Pünktlich um 10:00h ist Start und die Masse setzt sich in Bewegung. Noch ist das Feld dicht gedrängt und beim Überqueren der Matte staut es ein wenig, aber nach und nach kommt alles ins Laufen. Ich orientiere mich – Jürgen, Frank und Harald sind alle dicht bei mir und wir geben ein wenig Gas. Frank ist noch etwas kalt und daher schlagen wir ein geringfügig schnelleres Tempo an, damit ihm nicht kalt wird. Auf den ersten Kilometern sind wir mir 5:30min/km unterwegs. Aber es läuft sich ja so locker, also lassen wir es laufen. Nach 800m kommt die Versorgungstation und es geht ins freie Feld – es ist mit Temperaturen um den Gefrierpunkt recht frisch und ein leichter Wind kühlt zusätzlich. Kurz nachdem es wieder in den Wald geht, passieren wir bereits Kilometer 2 – na das ging ja fix. Bei Kilometer 2,5 steht ein weiteres Zelt mit Musik für die Läufer, an der Kreuzung geht es auf eine kurze Pendelstrecke damit pro Runde auch wirklich 5km zusammen kommen. Kurz nach der Pendelstrecke steht auch schon das Kilometerschild 3km – superfix und lockerleicht bisher. Natürlich immer noch deutlich zu schnell – mittlerweile sind wir bei nur noch etwas mehr 5min/km und ich mahne ganz vorsichtig, doch etwas langsamer zu machen. Aber warum nicht laufen wenn es gut läuft? Es geht im Zick-Zack durch eine paar Wiesen bevor die Strecke wieder im Wald verschwindet. Im Gegensatz zu letztem Jahr, als überall Eis und Schnee lagen haben wir dieses Jahr jede Menge Matsch, der natürlich durch die Läufermassen auch noch schön breit getreten wird. Bei Kilometer 4 geht es eine kleine Steigung hoch – nicht wirklich viel, laut Höhenmesser sind es pro Runde nur um die 10hm. Aber ich ahne schon, dass dieser Buckel am Ende sich um so höher anfühlen wird. Noch ein paar Schlenker und schon geht es auf die Start-Ziel-Gerade. Die gut sichtbare rote LED-Uhr spitzt schon aus der Ferne durch das Geäst.

In Runde zwei greife ich gleich mal bei der Ernährung zu – Banane und Keks, das halbwegs gemütlich gekaut und schon ist man wieder bei Kilometer zwei – aus der Entfernung schallt und da schon „Cotton Eye Joe“ entgegen. Wieder nix von wegen „Rodgau Monotones“ mit „Die Hesse komme“ – aber es sind ja noch einige Runden bis zum Ziel. Ich laufe ein gutes Stück mit anderen Läufern – Frank hat sich vorne abgesetzt, Jürgen sehe ich jedesmal auf der Pendelstrecke, Harald ist auch irgendwo unterwegs.

Runde drei hänge ich mich an ein paar nette Läufer, einer aus Heilbronn – Tempo weiterhin deutlich unter 5:30 min/km.Aber noch ist es recht gut zu laufen, auch wenn die Strecke langsam doch etwas monoton wird. Runde vier gibt es wieder Kekse und Banane wie jede Runde, da ich selbst etwas zu trinken am Gürtel habe, entfällt der Stopp am Getränkestand. Die kleine Gruppe zerfällt, ich ziehe an der Verpflegung schneller wieder von dannen. Bei Kilometer 4 haben sie mich dann wieder eingeholt. Irgendwo entlang der Strecke sammle ich auch Frank wieder ein. Jürgen hält weiter Abstand, auch wenn der scheinbar kürzer wird.

Runde vier läuft weiterhin richtig gut für mich, ich werde immer noch schneller obwohl ich eigentlich langsamer machen wollte. Naja kann man nichts machen. Langsam wird die Strecke aber tatsächlich langweilig bzw. monoton. Immerhin rolle ich langsam das Feld von hinten auf, es sind also immer Läufer vorhanden an die man sich langsam „ransaugen“ kann. Das motiviert natürlich ungemein. Auch die fünfte Runde vergeht one irgendwelche nennenswerten Beschwerden oder Veränderungen – ich futtere weiterhin jede Runde Banane und Kekse, dazu Apfelsaftschorle. Aber die Motivation lässt langsam nach. Ich versuche mich damit aufzuheitern, dass die Hälfte ja schon geschafft ist und 25km die noch vor mir liegen ja nur ein wenig mehr als eine Trainingseinheit sind.

Auf Runde sechs ist es deutlich zu merken: Jürgen holt langsam aber sicher auf – ich weiß nur nicht ob er schneller oder ich langsamer werde. Aber es sind ja nur noch 20km als ich durchs Ziel laufe – nicht mal mehr ein Halbmarathon, ja fast noch nicht mal eine richtige Trainingseinheit – aufgeben: Jetzt nicht mehr. An der Versorgung ist es etwas voll in dieser Runde – ich erwische gerade keine Kekse sondern nur Banane. Aber das sollte ja eigentlich auch reichen – weit ist es ja nicht mehr. Was mir auffällt: Der Wind hat ein wenig aufgefrischt, auf den Passagen durch die Felder wird es merklich frisch in meiner dünnen Bekleidung. Ich laufe mittlerweile meinen ganz eigenen Pace, irgendwie findet sich keiner in meiner Geschwindigkeitsklasse. Aber immer noch jede Menge Leute. Auch die erste Frau hat zwischenzeitlich überholt, aber es ist ja auch ein Testlauf für mich. Die Platzierung ist mir im Prinzip egal, das Wichtigste ist immer noch das Ankommen.

Immerhin: Runde sechs ist gemeistert, weiter geht es mit Runde 7. Immerhin schon 35km gelaufen – die Marathon-Marke kann man schon fast sehen (genauer gesagt kommt man jede Runde an der entsprechenden Markierung vorbei, aber sie zählt natürlich nur in Runde 9). Ich motiviere mich – bis ins Ziel komme ich auf alle Fälle nochmal, und wegen drei läppischer 5km-Runden werde ich jetzt nicht mehr aufgeben, auch wenn es mittlerweile härter wird, aber noch fühle ich mich ganz passabel.

Runde acht beginnt ganz gut, aber ich merke, dass ich langsam Federn lassen muss – ich habe etwas mehr Durst und bediene mich an meiner Flasche – nur um dann festzustellen, dass die fast leer ist. Das ist natürlich gerade etwas blöd, aber weit ist die nächste Versorgung ja eigentlich nicht. Trotzdem: ich werde langsamer und Jürgen zieht an mir vorbei. An der Verpflegung tanke ich ein wenig, aber ich bin so fertig, dass es gar nicht recht flutschen will. Immerhin bin ich ja nun in der Marathonrunde – noch ein klein wenig mehr als 9km liegen vor – mir. Also Kopf hoch und durchbeißen. So zumindest die Theorie. Die geht aber nur bis zur nach der Marathon-Marke auf – bei Kilometer 43 streikt mein Körper endgültig und ich muss frustriert gehen. Immerhin finde ich einen anderen Läufer dem es ähnlich geht – er hat sogar noch eine Runde mehr vor mir. Gegenseitig motivieren wir uns und schieben uns so langsam aber sicher in Richtung Verpflegung – eine Runde ist es noch, die will ich dann auch noch machen, der Ehre halber wenigstens ankommen. Was ich bisher vergessen hatte beim Esssen: Elektrolyte, insbesondere Salz. Das merke ich nun um so mehr, bei jedem Versuch auch nur ganz vorsichtig wieder anzujoggen zucken die Waden und machen mir klar: Mach weiter und es krampft richtig.

An der Versorgung mache ich dann Nägel mit Köpfen: Jede Menge Wasser, warmer Instant-Tee, Iso-Getränk, Cola – dazu Bananen und Salz-Cracker. Danach der vorsichtige Versuch wieder anzulaufen, es sind ja nur noch 4,2km – also ein Zehntel Marathon. Nach anfänglichen Protesten aus der Wadengegend läuft es dann docch wieder – wenn auch nicht mehr mit ganz so hohem Tempo. Ich beginne mich auf den Zieleinlauf vorzubereiten. Nochmal die Pendelstrecke, danach sind es nur noch 2km. Letzte abgelesene Zwischenzeit war irgendetwas um 4:10h – im Kopf überschlage ich was angesichts des Gehens bis an die Versorgung noch drin sein könnte – die 4:30h sind definitiv nicht zu erreichen – die 4:40h wären es wohl mit einem Sprint, was aber nicht mehr geht – aber 4:45 sollten machbar sein. Ganz vorsichtig steigere ich wieder das Tempo. Rein in den Wald und die einzige kleine Steigung hoch – noch 1km, ich mahne mich dazu nicht zu sprinten sondern die Kräfte einzuteilen. Endlich kommt die Zieluhr in Sicht – und passend zu meiner wieder hergestellten Form läuft gerade „All right now“ von Free … beim Spurt über die Ziellinie muss ich dann doch mitgrölen – laut und schräg, denn nun ist ja wirklich alles in Ordnung, ich bin im Ziel, ich hab es geschafft.

Die Verpflegung im Ziel ist richtig gut, auch wenn ich wenig Hunger habe – Malzbier, Weizenbier alkoholfrei, Limonade, Tee – was das Läuferherz begehrt. Ich hole meine Tasche und ziehe mir ob der Kälte gleich mal ein frisches langes Trikot und eine trockene Jacke über, die Wettkampfklamotten sind absolut durchnässt. Kurz nach mir trifft Frank ein – auch er hat es geschafft und war im Endeffekt nur wesentlich langsamer. Ich ärgere mich ein wenig über den „Anfänger-Fehler“ mit zu wenig Essen und Trinken, irgendwie muss ich mir wohl doch mal einen Ernährungsplan für solche Aktionen zusammenstellen. Harald lässt noch auf sich warten, aber mir wird es zusehens kalt, trotz der Folienjacke die es im Ziel gibt (sehr praktisch!). Also machen wir uns langsam auf den Weg zur Halle und zum Auto. Ich habe für Haralds Fahrzeug natürlich keinen Schlüssel und da drin liegt mein Handy sowie das Duschzeug. Immerhin mein Notfall-Set aus Handtuch und Duschgelproben habe ich bei mir. Da Harald uns auch am Auto noch nicht eingeholt hat, hinterlasse ich meine Startnummer mit einer Nachricht und begebe mich zum Duschen. Die gibts leider auch nur in Ultra-Form: entweder ultrakalt oder ultraheiß in homäopathischen Dosen. Es reicht fürs notwendigste. Zudem treffe ich Jürgen wieder. Am Auto ist dann auch Harald eingetroffen – ich ziehe endlich wieder richtig warme Klamotten an bevor es heimgeht. Was eine Wohltat.

Insgesamt muss ich sagen: Ein interessanter, gut organisierter und gut besuchter Lauf. Leider mit der Zeit wegen der Runden dann doch auch „Monoton“ wie die passende Band. Aber ich halte mir den definitiv einmal im Hinterkopf, immerhin ist es eine der ersten Veranstaltungen im Jahr, bei der man sehen kann was von der Ultraform aus dem Vorjahr noch übrig ist.

Laufbericht LGA-Indoormarathon

Die Laufsaison neigt sich dem Ende, draußen ist es kalt, nass und bis auf wenige Trainingstermine ist es einfach nur noch ungemütlich draußen unterwegs zu sein. An Wettkampf denkt da kaum noch ein Läufer. Aber es gibt durchaus Alternativen: Eine davon ist der LGA-Indoormarathon mit garantiert gutem Wetter. Wie der Name schon andeutet, findet das ganze Indoor statt. Aber einfach in einer Sporthalle laufen wäre ja öde und langweilig. Dem begegnet der LGA-Indoor-Marathon mit einer ausgewöhnlichen Location: Gelaufen wird in den Büro-Gebäuden der Landesgewerbeanstalt. Zu laufen sind 55 Runden, verteilt zwei Stockwerke, somit sind jede Runde zwei Treppenhäuser zu bewältigen: Einmal runter und natürlich auch wieder hoch.

Anreise nach Nürnberg ist ja für mich als ehemaliger Einwohner (habe dort zwei Praxissemester verbracht und dabei mit der Lauferei angefangen) kein Problem. Auch den Weg zur LGA finde ich mittlerweile ohne Probleme. So kann ich bereits am Samstag nachmittag meine Startunterlagen abholen. Im Gegensatz zum letzten Jahr habe ich mir diesmal tatkräftige Unsterstützung in Form meiner Freundin Marion mitgenommen. Sie wird den Lauf mit Fotos dokumentieren und mich seelisch „über die Runden“ bringen und anfeuern.

Den Abend vor dem Lauf geht es in die Alstadtbrauerei zum Carbo-Loading. Diese Brauerei hat mir mal jemand bei meinen Praxissemestern genannt, und sie ist immer noch ein echt heißer Tipp, wenn man gut essen will und vor allem gutes Bier genießen. Mindestens 4 Sorten gibt es zur Auswahl und alle sind super lecker und gut isotonisch, also genau das richtige für vor einem Marathon. Da kann ich auch verschmerzen, dass es keine Pasta im klassischen Sinne gibt.

Nach dem Frühstück im Hostel in der Nürnberger-City (mit Blick auf die Laufstrecke des Stadtlaufs) geht es zum Start. Alles wie immer bestens organisiert. Marion nimmt ihre Foto-Position ein, und ich beginne mit dem Warmlaufen, auch um die optomael Einstellung für die Kamera zu finden. Trotz scheinbar heller Beleuchtung ist es verdammt dunkel um Bilder zu machen, vor allem wenn die Läufer sich auch noch so schnell bewegen (was nunmal in der Natur des Läufers liegt).

Ich treffe Helga und Heinrich, beide sind dieses Jahr nicht dabei. Ich bin somit der einzige Läufer von Helgas Lauffreunden, der in diesem Jahr teilnimmt. Natürlich treffe ich auch Erwin aka Lionheart Bittel. Wir unterhalten uns auf dem Weg zum Start, natürlich gab es auch wieder die oblkigatorische Einweisung: rechts Laufen, links überholen und in den Treppenhäusern ist Überholverbot.

IMG_8640Ich habe mir vor dem Start noch ausgerechnet, das ich etwa 4:15 Minuten pro Runde (also 767 Meter) laufen muss um auf eine Zielzeit von 3:50h zu erreichen. Aber ich werde mich aber nicht verrückt machen lassen und laufe mit dem Start der Masse los. Recht bald finde ich meinen Rhythmus, meine Pulsuhr sagt mir: Alles ok. Aber irgendwie habe ich latent Durst, und das bereits auf den ersten Runden. Aus meiner Erfahrung weiß ich: Einfach auf den Körper hören, und so erbame ich mich bei der dritten Runde und „entjungfere“ die Versorgungsstation mit einem Becher Wasser. Auf der Runde drauf gibt es dann noch eine Runde ISO hinterher.

In den ersten Runden sortiert sich das Feld sich noch etwas, es streckt sich vor allem. Das ist auch gut so, denn so gibt es keine Staus mehr vor den Treppenhäusern oder zumindest nur noch sehr selten. Es läuft alles einfach, selbst die Treppen fallen mir (noch) recht leicht.

So vergehen die ersten zehn Runden, schneller als ich mir das vorgestellt habe. Natürlich liegt das auch an der Motivation, Marion macht entweder Fotos (auf denen gebe ich mir Mühe nicht übermäßig abgekämpft zu wirken. Nach der Umrundung des Aufzugs an der Katine vorbei stehen Helga und Heinrich und feuern kräftig an.

Ehe ich mich versehen habe, bin ich 18 Runden gelaufen, Marion gratuliert mit einer Notiz auf ihrer Tafel: „Endlich volljährig“. Kurze Zeit später bin ich bereits eine Stunde unterwegs – also knapp ein Viertel der Strecke. Bisher hatr mich Erwin nur wenige Male überrundet. Also ist er entweder dieses Jahr deutlich langsamer oder ich bin verdammt schnell. Ich habe es mir verkniffen Rundenzeiten selbst zu nehmen mit der Pulsuhr. Stattdessen orientiere ich mich an der großen Anzeige – so ganz falsch kann ich aber nicht liegen was die Geschwindigkeit betrifft. Grob überschlagen bin ich bei irgendwas um die 4-5 Minuten, das passt ganz gut mit dem Plan zusammen.

Runde für Runde nähere ich mich der Halbzeit bei 28 Runden. Ich versuche zwischenzeitlich mich nicht aufs zählen zu konzentrieren, aber gelegentlich erhasche ich dann doch einen Blick auf die Rundenanzeige. 30 Runden habe ich noch vor mir, die Halbzeit ist also zum Greifen nah. Ich greife zur Energieversorgung: Banane in handlichen Stücken – mit zunehmender Strecke gelingt es mir nicht mehr so recht einen einzelnen Happen zu greifen, irgendwie sind es immer gleich zwei die ich in der Hand habe. Auch sonst merke ich langsam den typischen Marathon-Effekt bzw. allgmein Ausdauer und Langzeitanstrengung: Man bekommt eine Art Tunnelblick – durch die Flure wird der Eindruck noch weiter verstärkt. Die Halbzeit fliegt dann irgendwie an mir vorbei, Marion hält mir die Tafel mit der frohen Botschaft hoch. Nun gut, ich bin ja auch schon fast zwei Stunden unterwegs – mein Gefühl beim Blick auf die Uhr sagt mir: „Sollte machbar sein, zumindest die Zeit vom letzten Jahr wieder einzustellen“. Der Blick auf die Pulsuhr sagt mir auch: Soweit alles in Ordnung, auch wenn der Puls bei der Veranstaltung leider nur eine geringe Aussagekraft hat: Ich kenne mein Diagramm ja recht gut, beim LGA sieht das immer aus wie mit Haiffischflossen – jedesmal am Treppenhaus steigt der Puls um dann langsam wieder abzuflachen, wenn die Belastung nachlässt.IMG_8761

IMG_8976Schon wieder sind ettliche Runden vergangen, zwischenzeitlich ist die Marke von zwei Stunden überschritten, also auch zeitlich für mich Halbzeit. Ich gewöhne mir wieder einen gewissen Turnus an: Alle 4 Runden etwas trinken, alle 6 Runden etwa etwas Engergie. Als es noch 24 Runden sind, muss ich spontan an die ganzen vorweihnachtlichen Dinge aus Nürnberg denken: vor allem an einen Adventskalender. Der für Läufer beim LGA ist allerdings etwas kurios: Hinter jedem der 24 Türen steckt ein Treppenhaus … und immer das gleiche … ;-). Spätestens ab der Runde ist es mit dem „einfach laufen lassen“ vorbei – ich beginne (mal wieder viel zu früh) die Runden zu zählen und mich zu motivieren. Marion zeigt mir das auch an und betätigt sich bei 20 Runden als Nummern-Girl: „Noch 20 Runden“ … Ich mahne mich dazu mich keinenfalls gehen zu lassen und konstant weiter zu laufen, auch wenn es gerade schwerfällt.

Ab nun finden sich auch die Läufer der Down-Syndrom-Staffel auf der Strecke – hier heißt es zusätzlich Rücksicht nehmen und nach Kräften anfeuern und motivieren, eine tolle Leistung die hier sowohl die Teilnehmer als auch deren Begleiter hier zeigen. Auch ich motiviere mit, soweit ich die Puste dazu habe, denn auf einigen Strecken ist es doch etwas stickig geworden. Vor allem das Wechselbad der Temperaturen im Foyer macht mir etwas zu schaffen – erst wird es feucht warm auf dem Weg zum Wendepunkt um den Aufzugsschacht und an der Kantine vorbei, kurz darauf pfeift es unangenehm kalt von draußen herein ins Foyer – brr…

Ab 15 Runden vor Schluss belohne ich mich und pushe mich nochmal: Ich greife zur Cola, deutlich früher als beim Marathonlauf: Dort hole ich mir den Zucker und Kofein-Schock erst 5km vor dem Ziel, hier liegen noch etwa 11km vor mir – also definitiv keine Strecke mehr vor der ich mich fürchten müsste, vielmehr doch eher eine „kurze“ Trainingseinheit mit ein paar zusätzlichen Höhenmetern. Mittlerweile fallen mir vor allem aber die positiven Höhenmeter doch etwas schwerer – die Treppen „hochtippeln“ klappt nicht mehr ganz so häufig, und ich bin fast froh gelegentlich in langsamere Läufer hinein zu laufen wenn es die Treppen hochgeht, dann habe ich dank Überholverbot wenigstens eine Chance zum Luftholen. Was mir dennoch erstaunlich gut gelingt ist das „Wiederanlaufen“ nach dem Treppenhaus – im vergangenen Jahr ging das in den Endrunden nur noch sehr mühsam, diesmal komme ich damit besser zurecht. Ich habe mir aber auch eine etwas andere Technik angewöhnt. Anstelle gleich wieder mit größtmöglicher Beschleunigung auf die Laufgeschwindigkeit zu kommen, nehme ich mir eine Türe als Marke – die liegt rund 20m nach dem Treppenhaus, so habe ich zumindest mal das Gefühl Energie zu sparen.

IMG_9111Mit Runde 12 beginnt die innere Uhr zu laufen – ich stelle mir bildlich eine Uhr vor und schiebe jedesmal den Zeiger 5 Minuten zurück (eigentlich ja nur um die 4 Minuten, so lange brauche ich ungefähr pro Runde) … das motiviert mich mental. Zudem kündigt mir Marion die ersehnte Spezial-Versorgung an: Bei noch 10 Runden gibt es Domino-Steine, eine Nürnberger-Spezialität die ich fast kiloweise verfuttern kann. Leider erweisen die sich als nicht ganz marathontauglich – ich verschlucke mich beinahe beim Verzehr. Daher bleibt es erst mal bei einem und einem großen Schluck Cola an der Versorgungsstelle.

IMG_9129Nun geht eigentlich alles recht fix, auch weil ich mir immer wieder „Belohnungspunkte“ auslobe – alle zwei Runden gibt es was an der Versorgung – wahlweise ISO oder Wasser, bei Runde 50 nochmal Cola. Die Beine werden langsam richtig schwer und ich verwünsche (wie in jedem Jahr) das Treppenhaus. Erwin überholt mich auf seiner letzten Runde noch einmal, er ist bereits auf seiner letzten, dennoch motiviert er mich natürlich, ich habe noch vier Treppenhäuser aufwärts vor mir (ich lege den Punkt zum runterzählen immer ans Ende dieser kraftraubenden Stelle, der restliche Zieleinlauf ist dann ja nicht mehr schwer und topfeben. Drei Runden vor Schluss gibts nochmal Cola, den Rest beiße ich einfach so durch. Irgendwie kann ich es noch gar nicht fassen, ich schaue zur Sicherheit nochmal auf die Rundenzählung: Aber es stimmt nur noch zwei Mal die Runde, also auch nur noch zwei Treppenhäuser. Ich verschärfe ganz vorsichtig das Tempo, da mittlerweile deutlich weniger Läufer auf der Strecke sind, kann ich mich diesmal durchgängig links halten. Mit richtig gutem Gefühl geht es auf die letzte Runde – hier bin ich schon fast versucht frühzeitig zum Endspurt über zu gehen, aber ich mäßige mich noch ein klein wenig. Zu deutlich sind mir die Erinnerungen an die vergangenen Jahre, als ich es etwas zu früh habe laufen lassen und dann fast das Treppenhaus nicht mehr hochgekommen bin. Diesmal geht die Rechnung aber auf: Nach dem Treppenhaus lege ich nochmal einen Spurt ein, es ist ja nun wirklich gleich geschafft. Rum um die Ecke und durch das Zeitmess-Portal durch. Marion empfängt mich kurz hintendran.

Am Ende sind es 3:49: 47 – somit habe ich mein geplantes Ziel von 3:50 auch erreicht und zwar sogar ziemlich exakt. Dass der vor mir in der Alterklasse dann nur 6 Sekunden schneller war und es somit sogar aufs Treppchen geschafft hat, fuchst mich ein wenig, denn die 6 Sekunden hätten ja eigentlich auch noch drin sein müssen. Aber sei es drum – ich bin immerhin nicht letzter in meiner Klasse und auf Platz 18 im Gesamteinlauf und Platz 16 bei den Gesamt-Herren, da kann ich doch echt nicht maulen. Vor allem bei meiner doch eher „laschen“ Trainingsvorbereitung, mit nur 2x die Woche trainieren, und selbst da fast keine Intervalltrainings und erst recht keine richtig langen Strecken. Merke: für nächstes Jahr doch ein wenig mehr trainieren.

Der Termin fürs nächste Jahr ist auch schon gesetzt bei mir, immerhin feiert der LGA-Indoormarathon seinen 10. Geburtstag – er soll diesmal bereits Samstag am Abend starten und hinterher soll es eine ordentlich Party geben. Das klingt alles sehr positiv, aber es schwingt auch eine etwas traurige Nachricht mit: Da sich der Marathon werbe- und aufwandsmäßig nicht rechnet wird kommendes Jahr wohl der vorerste letzte Marathon in der LGA stattfinden. Das ist schade, denn die Stimmung ist echt klasse, und alle Beteiligten geben sich immer große Mühe und sind mit viel Herzblut dabei. Denn wo sonst kann man bei schlechtem Wetter dennoch ungestört und trockenen Fußes einen Wettkmapf austragen? Das Wetter außerhalb war übrigens absolut richtig für den Indoor-Marathon – als ich das Gebäude verlasse regnet es wie schon die ganze Veranstaltung über.

Filmkritik – Sein letztes Rennen

Bereits beim Stadtlauf in Nürnberg bin ich auf den neuen Film mit Dieter Hallervorden aufmerksam geworden – Erwin (Lionheart) Bittel hatte lustige Bilder davon gemacht, als er vor dem Plakat posierte – ich hoffe mal nicht, dass Lionheart so bald sein letztes Rennen bestreitet.

Nun lief der Film bereits einige Zeit in den Kinos und ich habe mal wieder just-in-time die Kurve bekommen ihn mir noch anzuschauen. Erwartungen hatte ich direkt keine, ich habe mich einfach auf einen unterhaltsamen Abend gefreut – und als Ultra-Marathoni sind die Trainingspausen mit Lauf-Filmen doch gut erträglich. Zwar weiß ich aus der Vergangenheit, dass Dieter eher für Satire bekannt ist, und um einiges kommt man ja einfach nicht herum. Aber ich habe nur bedingt erwartet, dass es in Bully-Herbig-Manier vom Schuh des Manitus genauso in dem Film mit der Komik und Satire einfach hintereinander weggeht.

Jeder Läufer kennt ja das Problem, dass man in jedem Lauf auch mal Phasen hat bei denen es anstrengend wird, sei es wegen des Streckenprofils oder vom Kopf her, somit wäre ein Lauffilm der nur die positiven Seiten zeigt ja auch furchtbar langweilig.

Auch wenn der Filmtitel eine Lauffilm impliziert, so ist die Thematik im Ganzen doch eine andere. Es geht um die alternde Gesellschaft in Deutschland und den Umgang mit alten Menschen. Der ehemalige Marathon-Superstar Paul Averhoff ist alt geworden und hat seit Jahren keinen Wettkampf mehr bestritten. Etwas was ich mir bei Läufern eigentlich nur vorstellen kann, wenn es gesundheitlich nicht mehr geht, aber die Vielzahl älterer Teilnehmer bei fast jeder größeren Veranstaltung zeigt mir eigentlich: Wer regelmäßig weiter trainiert ist auch im hohen Alter noch fit, wenn es auch nicht mehr reichen mag ganz vorne in den Spitzengruppen mitzumischen. Ich habe Respekt vor jedem der sich der Herausforderung eines Laufes stellt (egal ob Volkslauf, Halbmarathon, Marathon oder Ultra-Marathon), und um so mehr Respekt vor denjenigen die sie bezwingen (egal in welcher Zeit, wichtig ist das Durchhalten und ankommen). Aber nun gut, es gibt sicherlich für alles Gründe, auch dafür nicht mehr regelmäßig zu trainieren.

Zu Beginn des Filmes erfahren wir, dass die Lebensgefährtin Margot Averhoff –  welche Paul Averhoff früher als Trainerin zur Seite stand – gesundheitlich angeschlagen ist, sie bricht in der Küche zusammen. Nachdem dies nicht zum ersten Mal geschehen ist, drängt die Tochter darauf, dass ihre Eltern ins Altenheim gehen, da sie keine Zeit hat sich um die Pflege der Eltern zu kümmern. Leider ein sehr häufiges Szenario in der heutigen Arbeitswelt – eine Doppelbelastung mit Pflege der Eltern und Job steht kaum jemand heute auf lange Sicht durch. Auch muss man natürlich sehen, dass die junge Generation auch eigene Bedürfnisse und Wünsche hat.

So endet das Ehepaar im Altenheim, aber schnell wird klar: Das ist nicht wirklich zielführend, vielmehr ist das Heim die letzte Station auf dem Weg aus dem Leben zu scheiden. Genauso wird sie auch betrieben, möglichst effizient und mit allen Notständen die man aus der Pflege so kennt: ungelerntes Personal, zu wenig Zeit etc. Das ist natürlich nix für jemanden der weiß was es heißt draußen unterwegs zu sein und aktiv zu sein.

So beginnt Paul sich wieder zu berappeln und vor lauter Frust gibt er beim Essen bekannt, dass er beim Berlin-Marathon starten will. Es folgt was folgen muss: Training und die Rebellion im Altenheim – wenn sie auch leider nicht so ausgeht wie man es sich im ersten Moment denkt. Margot verstirbt überraschend einige Tage vor dem Rennen. Daraufhin fällt Paul ersteinmal in eine tiefe Krise, leider verwehrt ihm das Altenheim jegliche sinnvolle Betreuung – stattdessen wird er ruhig gestellt und im Bett fixiert. So einfach kann man sich Hilfe machen und Arbeit sparen.

Zusammen mit einem Heimbewohner und einen engagierten Pfleger gelingt Paul gerade noch rechtzeitig die Anreise zum Start beim Marathon. Den Rest verrate ich jetzt hier mal besser nicht…

Insgesamt ein sehr rührender Film, das muss man lassen. Er macht vor allen Dingen nachdenklich wie wir mit der alternden Gesellschaft umgehen wollen und wie wir als Nachfolgegeneration mit unseren Eltern umgehen wollen. Ich bin kein Fan von irgendwelchen Alten-Sammelheimen, auch unseren Großeltern und allen Angehörigen blieb das zum Glück erspart. Aber ich bin auch realistisch: In der heutigen Arbeitswelt ist es beinahe unmöglich sich in Eigenregie um die Eltern kümmern zu können. In vielen Familien wird es dadurch erschwert, dass sich die Last auf zwei oder auch nur vier Schultern verteilt. Kommen dann noch längere Distanzen zwischen den Familienteilen hinzu wird es sehr schnell beinnahe unmöglich oder nur mit sehr hohem Aufwand.

Da das Altern ein schleichender Prozess ist, bin ich der Meinung man muss den älter werdenden Menschen Hilfe anbieten, aber Ihnen diese nicht aufzwingen – niemand wird gerne bevormundet. Viele Menschen haben einen gewissen Stolz den sie auch als Würde empfinden. Dieser verbietet es dem Individum erst einmal sich helfen zu lassen. Gerade wenn es um Dinge geht, die eigentlich trivial sind oder jahrelang einfach dazu gehörten. Das fängt mit dem Kochen und Wäschewaschen an und hört bei eigenständiger Mobiltät auf. Sich selbst eingestehen zu müssen das etwas nicht mehr so bleiben kann wie es ist, ist mit Sicherheit nicht einfach. Hier verhält es sich wie beim Laufen: Einfach von jetzt auf gleich aufhören, das kann nicht gelingen, genauso wenig wie von jetzt auf gleich eine Ultra zu laufen. Unterstützung da wo es gewünscht oder notwendig ist, ansonsten soviel Würde und Eigenständigkeit wie möglich. Die aktuellen Angebote wie betreutes Wohnen oder auch das Mehr-Generationen-Quatier sind hier denke ich erfolgversprechende Ansätze.

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Film aus Sicht eines Läufers: 12 Wochen Vorbereitung sind der Standard für einen grundlegend trainierten Läufer. Das kann man mit etwas Willen und Abstrichen in der Zielzeit auch auf 8 Wochen verkürzen, aber das ist schon wirklich ambitioniert. Von daher ist das gewählte Szenario schon etwas grenzwertig und keinenfalls für den Laufanfänger zur Nachahmung empfohlen (dann schon eher etwas in der Art „von null auf 42“ – innerhalb eines Jahres). Auch im fortgeschrittenen Alter sollte man sich ausreichend Zeit für die Vorbereitung nehmen, vor allem aber auch eine entsprechende Betreuung haben. Kontakte sollte man als ehemaliger Olympia-Teilnehmer dafür eigentlich noch irgendwo haben. Die Ausrüstung ist auch etwas kurios, aber es sollte machbar sein, mit einer derartigen Ausstattung einen Marathon zu bestehen – es gibt ja auch Leute die barfuß einen Marathon bestreiten, und früher ging es ja auch, mit weit weniger ausgfeiltem Schuhwerk als heute.

Die Bilder von der Laufstrecke sind beeindruckend und reißen einen als Läufer durchaus mit, wenn man weiß wie schwer es sich anfühlt, jenseits der 30km. Sehr schön dargestellt fand ich die Unterstützung an der Strecke: Aus Erfahrung weiß ich: Ohne die ist jeder Lauf um ein vielfaches anstrengender. Gegen Ende der Strecke hin, sind dem Regisseur dann aber doch die Pferde ein wenig durchgegangen – wie dargestellt ist Paul mit Sicherheit nicht der schnellste Läufer, schlägt sich aber wacker im hinteren Mittelfeld, so würde ich es zumindest einmal einschätzen. Selbst ganz hinten wäre man nicht so verlassen und allein wie im Film dargestellt, ferner würde doch auch mindestens ein Begleitradler als Besenfahrzeug irgendwo in der Nähe sein – wie gut es hinten laufen kann, darüber berichtet Erwin ja häufiger einmal (besonders am Stadtlauf in Nürnberg). Auch die zwischenzeitlich gezeigte Uhr zur Zeitnahme scheint mir etwas sehr optimistisch für einen einsamen Schlussläufer: bei 3:34h ist nach meiner Erfahrung das dicke Hauptfeld im Einlaufen, und auch bei um die 4h sind sicherlich noch mehr Läufer im Zielbereich unterwegs. Das will ebensowenig passen wie ein immer noch voll besetztes Olympia-Stadion zum Einlauf des Helden.

Insgesamt: Sehenswert und zum Nachdenken anregend, aber durchaus auch mit heiteren und sportlichen Momenten. So und jetzt mach ich Schluss – ich muss noch meine Laufschuhe schnüren, damit ich nicht einroste …

Mein Traditionslauf – Stadtlauf in Nürnberg 2013

Viele Dinge wiederholen sich jedes Jahr: Ostern, Weihnachten und ganz wichtig: zwischendrin der Tag der deutschen Einheit oder auch der Tag des Nürnberger-Stadtlaufs. Seit ich teilnehme findet er am dritten Oktober statt. Es ist der einzige Lauf an dem ich seit dem Start meiner Laufkarriere jedes Jahr teilgenommen habe – und ich habe nicht vor diese Serie abreißen zu lassen.

Dieses Jahr bot es sich sogar um so mehr an, nach Nürnberg zu fahren – der Brückentag am Freitag zur Erholung, Sightseeing und Freunde treffen in Nürnberg. Eine Neuerung war mir dieses Jahr schon vorab bekannt: Meine Freundin würde sich an die Strecke stellen und Bilder machen – ein echter Service den ich echt zu schätzen weiß. Als wir die Foto-Spots besichtigen sind gerade schon die 10km-Läufer unterwegs – am Ende ein alter Bekannter: Erwin Bittel macht wieder den Schlussläufer. Ich geselle mich zu ihm und laufe mich schon mal einige Meter warm, zudem erste Fotos.

IMG_6175

Das Team von Sportscheck, Mika-Timing und dem TSV Katzwang ist sehr gut eingespielt, alles läuft wie am Schnürchen – auch die Wetterbestellung hat dieses Mal geklappt: Es ist herrlich sonnig, im Schatten zwar etwas frisch und an einigen Stellen windig, aber insgesamt doch perfektes Wettkampfwetter. Kurz vor dem Start treffe ich dann noch Helga und Heinrich von „Helgas Lauffreunden“ – die Betriebslaufgruppe mit der alles in Nürnberg einmal seinen Anfang genommen hat. Beide können erkältungs- und verletzungsbedingt nicht mitlaufen, obwohl sie das gerne würden. Ein wenig Läufer-Smalltalk und ich reihe mich ins Startfeld ein – leider etwas zu spät, ich bin deutlich hinter dem Pacemaker für 1:44h – als Ziel habe ich mir die 1:45h als Obegrenze, als realistisch etwas um die 1:40h vorgenommen.

IMG_6191Die Laune im Startblock ist richtig gut, jeder fiebert dem Start entgegen und natürlich sind wieder alle in den Sportscheck-Farben unterwegs: knallorange, damit die Läufer auch bei schlechter Witterung definitiv nicht übersehen werden. Mit den letzten Minuten steigt die Spannung, und dann gibt es doch eine Panne – eine die wir schon einmal hatten: Aus dem „Stadtlauf“-Portal ist die Luft raus – im wahrsten Sinne des Wortes: das aufblasbare Tor ist zie      lsicher wenige Sekunden vor dem Start in sich zusammen gesackt. Die Läufer und Kommentatoren nehmen es mit Humor, und mit einigen Minuten Verzögerung kann es dann doch losgehen.

IMG_6195Mit der 7. Teilnahme kenne ich die Strecke schon fast im Schlaf – von diversen Trainingseinheiten die ich um den Wöhrder-See und entlang der Pegnitz schon absolviert habe ganz zu schweigen. Praktischerweise geht es die ersten 2 Kilometer auf breiten Hauptstraßen, das gibt mir die Chance langsamer Läufer zu überholen und mich im Feld passend einzusortieren. Es geht vorbei am Hauptbahnhof und entlang des Marientorgrabens an die Pegnitz. Die Kilometer fliegen fast an mir vorbei und ich merke, dass ich gut in der Zeit liege,  um die 4:30Min liegen die Kilometerzeiten. Das passt alles und es läuft sich dennoch sehr angenehm – ich habe nicht das Gefühl schon am oberen Limit zu laufen. Kurz nach dem Abzweig aufs Prinzregenten Ufer ist der erste Foto-Termin für mich, also schön lächeln und ein wenig auf sich aufmerksam machen – die Aussage „ich bin der mit dem organenen Shirt“ hilft beim Stadtlauf in keinster Weise bei der Erkennung eines Läufers… Aber es klappt – die ersten Fotos sind im Kasten, trotz des noch immer sehr dichten Feldes, auf Höhe des Foto-Spots habe ich auch endlich den 1:44h Pacemaker eingeholt – hinter dem klebt schon fast eine dicke Traube Läufer, vornedran wird es etwas lichter.

IMG_6207Durch das Publikum angefeuert geht es auf den ersten Versorgungspunkt zu, und es gibt vorher noch eine kleine Überraschung: Die Strecke wurde leicht geändert, anstelle unter einer der großen Verkehrsadern hindurch (wo es im ersten Durchlauf immer recht eng war), geht es diesmal auf selbiger bis zum Abzweig auf den Fuß- und Radweg an der Pegnitz. Am Altersheim ist ordentlich Stimmung, ich greife bei ISO und Wasser zu, die Getränkeflasche habe ich dieses Jahr daheim vergessen. Die Sonne scheint herrlich und wärmt, das merkt man vor allem auf dem nun folgenden schattigen Kilometern. Die Zeiten sind weiterhin voll im Rahmen und ich überlege kurzfristig etwas mehr Gas zu geben, aber die Erfahrung sagt: Diesem Drang sollte man erst auf der Zielgeraden nachgeben. Die Kraft brauche ich dann auch für die erste Steigung bei Kilometer 4 – es geht über die Pegnitz und nach einer Kehre geht es am anderen Pegnitz-Ufer wieder zurück in Richtung Stadt. Ich motiviere mich mit dem nächsten Foto-Spot kurz nach Kilometer 7. Das hilft auch gegen den teilweise recht kräftigen Gegenwind. Ebenfalls motivierend: Die Strecke ist flach, das Publikum ist vielzählig und die nächste Versorgung kommt auch gleich – dort gibts wieder Wasser und ISO für mich. Fast direkt danach gibts dann auch das nächste Foto und weiter Motivation.

Nun geht es wieder in die Altstadt von Nürnberg, durch ein Tor in der Stadtmauer, über die Insel Schütt in der Pegnitz, an deren Ende lauert eine kleine Gemeinheit der Strecke: Die Nonnengasse, auch als Nonnensteig oder Heartbreak-Hill bekannt – auf diesem kurzen Stück überwindet man den Höhenunterschied zwischen Pegnitz und Lorenzkirch – viele Läufer müssen hier gehen. Dieses Jahr ist die Steigung noch etwas entschärft – aufgrund einer Baustelle muss man eine kleine Extra-Schleife laufen, diese kommt mir ein ganz klein wenig weniger steil vor. Oben Luft holen, Blick auf die Pulsuhr und nur nicht im Tempo nachlassen, wenn es an der Lorenzkirche vorbei geht – vor der Kirche steht immer viel Publikum, dort haben sich Helga und Heinrich postiert und feueren mich lautstark an.

Im Zick-Zack geht es durch die Innenstadt, diese wirkt ein wenig verlassen, klar es ist Feiertag, da sind die Geschäfte zu und somit außer den Läufern und ihren Fans nur wenige unterwegs. Mittlerweile habe ich den Kilometer 9 passiert und es geht auf den Frauentorgraben am Opernhaus zu – der Graben reicht bis auf U-Bahn-Niveau mit Einblick in die Haltestelle, der Start-Ziel-Bereich liegt auf Straßenebene in der Gegenrichtung – mit Schwung komme ich diesmal un die Haarnadelkurve auf die Start-Ziel-Gerade (das Tor steht immer noch wie eine 1), nur der Gegenwind pfeift um so heftiger – aber egal, man hat ja das Zwischenziel vor Augen. Direkt dahinter gibt es dann nochmal Wasser und für mich eine Banane – ungewohnt: die ist nicht geschnitten sondern am Stück – bei vollem Tempo eine Banane schälen und essen ist auch etwas für fortgeschrittene Läufer, aber nach rund 500m sind die Kohlenhydrate und Mineralien im Magen angekommen und stehen zur Versorgung der Muskeln auf der 2. Runde bereit – noch etwa 10km sind es. Was mir allerdings auffällt: Im Eventbereich ist es vergleichweise ruhig und wenig los – viele Besucher sind wohl ob der windigen und kühlen Witterung (wenn man nicht läuft) schon wieder auf dem Heimweg.

IMG_6213Wieder geht es runter an die Pegnitz, diesmal mit einem leicht anderen Schwenk direkt auf den Radweg – der ist schmaler als die Straße bei der ersten Runde, aber das Feld hat sich deutlich gestreckt. Bei Kilometer 12 gibts wieder ein Foto und laute Anfeuerungsrufe – viele Spaziergänger und Familien stehen an den sonnigen Stellen des Radwegs und feuern die Läufer an, was das Zeug hält. Fast schon zu früh kommt die nächste Versorgung in Sicht, nochmal Schmierstoffe für die Muskeln aufnehmen bevor es einen Kilometer später wieder über die Pegnitz-Brücke geht. In der 2. Runde gilt es eine kleine Zusatzschleife zu laufen, damit die 21,1km auch voll werden.

Das Wetter meint es weiterhin gut mit den Läufern, es ist sonnig und wir haben für die Strecke zurück in die Stadt sogar Rückenwind, damit läuft es sich gleich nochmal leichter. Noch immer kann ich Läufer vor mir überholen, auch wenn gelegentlich von hinten mittlerweile der ein oder andere Sprinter angeschossen kommt und vorbei zieht. Viele sehe ich aber an der Versorgunsstation an der Wöhrder Wiese wieder, die machen dort Stop, während ich einfach noch ein Wasser abgreife und es im Laufen so gut es geht in mich hinein schütte, ein nicht unerheblicher Teil geht aber auch daneben, aber das Trikot ist ohnehin schon durchgeschwitzt.IMG_6236

Bei Kilometer 18 suche ich erst mal etwas verdattert nach meiner Freundin, aber sie hat die Seite gewechselt – während ich vollkommen fokusiert auf den rechten Rand der Strecke schaue winkt sie dann doch von der linken Seite – ein letzter kräftiger Anfeuerungsruf „wir sehen uns im Ziel“ und schon läuft es sich wieder leichter – wohl auch weil es nur noch 3 km bis dorthin sind. Etwas langsamer bin ich geworden, ich gebe daher noch etwas Gas, bei 3km kann ja nicht mehr viel passieren (das reicht ja bei mir nicht mal mehr zum Aufwärmen). Noch liegen aber auch die Steigungen an der Lorenzkirche und die Senke vor dem Opernhaus vor mir – also nicht volle Kanne laufen, Reserven lassen. Mit diesem Mantra bezwinge ich den Nonnensteig und immer noch habe ich nicht das Gefühl, wie sonst beim Stadtlauf, am Ende meiner Kräfte zu sein als ich oben ankomme. Auf halber Höhe an der Lorenzkirche steht ein Motivationsschild: 19km sind geschafft – nur noch zwei sind zu bewältigen. Ich steigere weiterhin behutsam das Tempo. Es geht durch die Fußgängerzone und kurz vor Kilometer 20 riecht es dann auch noch lecker nach Essen – Pommes, Burger – der Körper meint: „Lass Pause machen“, der Kopf gibt klar Kontra: „Noch ein Kilometer, dann ist Pause und vorher nicht“.

stadtlauf_nuernberg_211_km_halbmarathon_startnr_99999Noch immer steigere ich das Tempo, oberhalb des Frauentorgrabens stehen Helga und Heinrich, ich sehe sie nicht, aber ich höre Helga ganz deutlich: „Auf, noch nen Endspurt Kai!“ – gesagt getan, ich verschärfe das Tempo noch ein Stückchen und überhole weitere Läufer.  Nun gilt es nur noch die Steigung aus dem Graben heraus zu überstehen – ich höre innerlich Peter von meiner Laufgruppe sagen „Das ist nur ein Scheinbuckel, der scheint nur so steil….“ und siehe da, so anstrengend ist es doch gar nicht. Sicherlich hat auch das freigesetzte Adrenalin seinen Anteil daran – nach der Spitzkehre gehts es aufs Ziel zu. Das Tor steht immer noch, und ich gebe nochmal alles – leider sind keine Läufer in Reichweite an die ich mich noch „ransaugen könnte“, also muss ich gegen die Uhr an der Strecke anlaufen – 1:37:32h zeigt sie beim ersten Anblick – da sind es noch wenige Meter bis zur Ziellinie – ich hole nochmal alle Reserven raus und rausche durchs Ziel – geschafft! Noch dazu deutlich schneller als ich mir vorgenommen hatte, da muss ich nächstes Jahr wohl die Zeiten noch weiter nach unten schrauben. Am Ende sind es netto 1:37:44h das freut mich natürlich. Aber genauso freue ich mich auf die Versorgung im Ziel, das gebotene Menü ist immer sehr reichhaltig, vom obligatorischen Wasser, ISO, Bananen, Äpfeln bis hin zu alkoholfreiem Weizen, Müsliriegeln und Kuchen ist alles geboten was das Läuferherz nach 21,1km begehrt.

Dennoch fällt mir auch hier auf: Es müssen dieses Jahr etwas weniger Läufer gewesen sein, oder zumindest die Verteilung des Feldes ist deutlich anders – wo sonst dichtes Gedränge und bald kein Durchkommen war, ist es diesmal erfrischend leer – man hat jede Menge Platz um an alle Versorgungstische heran zu kommen – oder liegt es vielleicht doch an der flotten Zeit? Mir soll es recht sein, es muss nicht jeder Lauf so überlaufen sein wie der Berliner Marathon. Das schönste kommt aber zum Schluss: Meine Freundin empfängt mich nach der Versorgung mit offenen Armen – allein für diesen Moment hat sich der Lauf gelohnt.  Da ist selbst das technische Problem des ausgefallenen Boilers in der Dusche eine Viertelstunde später völlig nebensächlich, wenn auch sehr erfrischend.

Fazit: Nürnberg, ich komme wieder: Zum Stadtlauf kommendes Jahr und in einem Monat schon zum LGA-Indoor-Marathon, dem wetterunabhängigen Marathon mit Hamsterrad-Effekt.

Wet wet wet – Firmenultra-Triathlon in Pfungstadt

Alle Jahre wieder lädt mein Arbeitgeber zur Teilnahme am Pfungstädter Firmen Ultra ein. Zu bewältigen ist pro Teilnehmer ein Zehntel des berühmten Ironmans auf Hawaii. Also 380m Schwimmen, 18km Radfahren und 4,2 Kilometer laufen. Insgesamt also sogar weniger als der Fitness-Triathlon, an dem ich in Ladenburg teilgenommen habe.

Die letzten Jahre war das immer eine recht angenehme und spassige Veranstaltung mit den Kollegen und einer kleinen Support-Gruppe. Interessant die Mitarbeiter auch mal bei anderen Gelegenheiten kennen zu lernen als ständig nur im geschäftlichen Bereich.

Dieses Jahr war es wieder genauso geplant, auch wenn das ambitionierte Ziel einmal mehr als drei Teams (bestehend aus 10 gewerteten Teilnehmern + 1 Reserve-Teilnehmer als Puffer) nicht erreicht wurde. Im Gegenteil, wir haben wieder bis kurz vorm Start darum zittern müssen, dass wir auf insgesamt 30 Teilnehmer kamen, aber es hat dank viel Engament denn doch noch geklappt. Ebenfalls neu für mich: Meine Freundin begleitet mich zur Teilnahme und kümmert sich um die „Pressearbeit“ – sprich es gibt auch mal Fotos von der Strecke 🙂 – hierfür ganz ganz herzlichen Dank, auch wegen der unten näher beschriebenen Umstände des Wettkampfs.

Was dieses Jahr nicht mitspielen wollte, war das Wetter. Bisher hatten wir das Glück bei angenehmen bis warmen Temperaturen, aber niederschlagsfrei am Wettkampf mitzumachen. Bereits beim Aufstehen morgens ist der Himmel grau und es ist vergleichweise kühl. So richtig Wettkampf-Stimmung will bei mir da nicht aufkommen. Aber gemeldet ist gemeldet und so mache ich mich auf den Weg nach Pfungstadt, diesmal nicht mit dem Zug und Rad sondern mit dem Auto. Eine gute Entscheidung wie sich später zeigen sollte. Auch auf dem Weg wird das Wetter nicht besser und der sonst gut erkennbare Odenwald an der Bergstraße hüllt sich an diesem Morgen in dicke Wolken.

Insgesamt ist die Veranstaltung in Pfungstadt recht gut eingespielt, aber im Vergleich zu anderen Events hakt es im Ablauf doch etwas. Dafür kann der Veranstalter nur bedingt etwas, vielfach sind die Platzverhältnisse einfach sehr sehr knapp. Das führt zu einem recht strikten Zeitplan – unter anderem kann man die Rennräder erst 30 Minuten vor dem Start im Wasser einchecken, auch die Wechselzone ist entsprechend getaktet – das ist zwar verständlich aber leider einfach nur unpraktisch, da teilweise weite Wege vom Firmen-VIP-Bereich bis zum Parkplatz zurück zu legen sind. Hier wäre es besser wenn ausreichend Platz für eine kombinierte Wechselzone wie in Ladenburg (dort zieht man sich vor seinem Rad um) vorhanden wäre und man auch frühzeitig einchecken könnte. Zudem nervt die teamweise Zwangsanmeldung – so muss man auf Nachrücker warten bis man alle Räder einchecken kann. Wettkämpfer die sich gerne etwas akribischer auf den Wettkampf vorbereiten – Wechselzone optimieren und evtl. etwas Aufwärmen – sind hier etwas ausgebremst. Dazu kommen noch die Wege in die Umkleide und die fehlenden direkten Zugänge zur Wechselzone – gegen Mittag wurde hier dankenswerter Weise etwas Abhilfe geschaffen.

Pünktlich geht es um 10:45 für unser Team los. Schon vor dem Start stellt sich heraus, dass ich wohl zur Spitzengruppe beim Schwimmen gehöre. Eine Position die ich eigentlich nicht sonderlich mag. Dennoch ergibt es sich nach nicht einmal 50 Metern, dass ich ganz vorne voran schwimme, ungewohnt – aber was will man machen. Laut Zeitmessung benötige ich nur etwas mehr als 8 Minuten für die 380m und verlasse als erster das Becken. Dabei nagen Zweifel an mir ob ich mich nicht verzählt habe. In Ladenburg hatte ich das Problem nicht, dort wird anhand unterschiedlich farbiger Badekappen durch Helfer an der Bahn mitgezählt und auch angesagt wann man auf der letzten Runde ist. Auch diesmal will es mir nicht gelingen die Strecke komplett im Kraulstil zu schwimmen. Nach rund 150m ist die Luft raus und ich stelle auf Brustschwimmen um (und rechne dabei jederzeit damit überholt zu werden, was nicht passiert …). Immerhin gibt es für mich angenehme Musik im Hintergrund: Survivor und burning heart, da schwimmt es sich fast schon wie von selbst 😉

IMG_5661

Weiter gehts es zur Wechselzone – raus aus der nassen Badehose rein in Trikot, Radhelm, Brille, Handschuhe, Radlerhose und natürlich Klick-Schuhe für aufs Rennrad. Das Rennrad habe ich mir auch dieses Jahr wieder ausgeliehen. Ich fasse mal wieder den Entschluss mir endlich ein eigenes zuzulegen, auch um besser trainieren zu können. Aber egal woher das Rad kommt, nach wenigen Minuten sitze ich im Sattel, von meinen Teamleuten habe ich nur flüchtig welche ankommen sehen, als ich den Wechselbereich verlassen habe. Die Radstrecke ist eine Pendelstrecke mit einem „Rüssel“ als Zubringer und Rückkehrstrecke. Ich finde relativ fix in ein Tempo das mir behagt und von dem ich den Eindruck habe, es ausdauernd treten zu können. Im Hinterkopf habe ich dabei ständig, dass ja auch noch 4,2km Laufen vor mir liegen und die Waden dafür noch fit sein sollten. Damit das gelingt trinke ich während den 18km auf dem Rad reichlich vom eingepackten ISO-Getränk. Diesmal ist es nicht so warm, dass ich meinen Camelback dabei habe. Auch fahre ich wieder ohne Tacho, was nicht optimal ist – ein wenig mehr Kontrolle und Ansporn wäre mir lieber gewesen.
Nach rund 6km auf dem Rad wird es ungemütlich – erste Regentropfen sammeln sich auf meiner Brille – mit den schmalen Rennradreifen ist das insbesondere bei den 4 U-Turns Vorsicht und somit geringeres Tempo als sonst angesagt. Windschattenfahren wird dieses Jahr zum ersten Mal überwacht und auch geahndet – auf der Radstrecke patrolieren Kampfrichter auf dem Motorrad. Bei mir ist das nicht notwendig – irgendwie fahre ich in einer Lücke – die nächstschnelleren sind zu weit vorne und hinter mir kommt bis auf einige wenige Turbo-Fahrer auch nichts. Am Ende der ersten Runde bin ich schon gut durchfeuchtet, der Regen ist stärker geworden und umfasst nun die gesamte Radstrecke. Auch habe ich das Gefühl, der Wind würde ständig aus einer anderen Richtung kommen, und immer irgendwie von vorn. Immer wieder überholt mich Oli aus meinem Team, ich hole ihn aber auch immer wieder ein, zumindest bis zum vierten U-Turn, auf der leichten Steigung kann ich nicht mehr mithalten und lasse ihn ziehen. Auf dem Rückweg zum Schwimmbad habe ich zum ersten Mal das Gefühl wirklich Rückenwind zu haben, es läuft erstaunlich leicht trotz leichter Steigungen. Am Schwimmbad rechtzeitig aus den Klicks raus und dann das Rad den Helfern in die Hand drücken bevor es weiter geht zur Wechselzone.

Diesmal ist es nicht viel – den Helm, Brille und Handschuhe sammle ich bereits im Joggen zum Wechselplatz zusammen. Dann nur noch Schuhe tauschen und weiter gehts zu meiner eigentlichen Paradedisziplin: Laufen. Zu bewältigen sind 3 Runden durch den Wald und das Schwimmbad. Das Wetter hat absolut kein Einsehen, ganz im Gegenteil: Der Regen nimmt noch zu, die Helfer an der Strecke stehen schon im Regencape da, die meisten Sportler noch in Trikots. An der Strecke steht meine Freundin und schießt Fotos – ein kurzes „high-five“ und ich verschwinde auf die erste Runde. Bereits jetzt merke ich, dass der Boden im Schwimmbad gut durchgeweicht ist – teilweise ist die Wies schon fast rutschig. Gut, dass im Wald Schotterpiste vorherrscht, da bleibt die Traktion länger erhalten. Kurz nach dem Schwimbad sammle ich Oli wieder ein. Er entgegnet mir „du schon wieder …“ – ich kann darüber nur Schmunzeln und ziehe an ihm vorbei. Die erste Runde laufe ich recht locker und zügig, bin fast ständig dabei Läufer zu überholen. Im Schwimmbad muss man aufpassen – die Wiese ist jetzt schon richtig glitschig, der U-Turn am Rundenende säuft fast schon ab. Wie ich später erfahre legt es dort auch den einen oder anderen Läufer auf die Nase. Meine Freundin feuert mich an und macht wieder Bilder, an er Versorgung hole ich mir einen Becher Wasser zum Trinken, Abkühlung brauche ich dieses Jahr nicht – ich bin mittlerweile vollständig eingeweicht. Auch die zweite Runde kann ich flott absolvieren – einen Kommentar an das Team der Feuerwehr kann ich mir nicht verkneifen – ich überhole sie als THW-Helfer, sowas passiert im Einsatz äußerst selten. Ich nutze die Gelegenheit zum Necken … „bis ihr ankommt ist das Feuer aus ….“ und lasse ihn hinter mir. Im Bad falle ich bald selbst auf die Schnauze, die Wiese ist fast wie Schmierseife, zumindest da wo sie noch nicht zertrampelt ist und eher an die Strecke des Fischermans-Friendlaufs denn an eine normale Triathlon-Veranstaltung erinnert. Ich denke mit leichtem Schrecken an die Teams die noch bis nachmittags hier unterwegs sein werden – eher ein Traillauf den eine Fun-Veranstaltung für Firmen, wenn man es sich überlegt.

IMG_5711

Ich hole mir das zweite Rundenbändchen in gelb ab (hier hat der Veranstalter in den letzten Jahren dazu gelernt – das klappt reibungslos) und gehe auf die letzte Runde. Auch diesmal kann ich mir einen Kommentar nicht verkneifen – der Teilnehmer der evangelischen Kirche nimmt es aber mit Humor als ich ihn frage ob er seine Bestellung für gutes Wetter bei seinem Herrn zu spät eingereicht hat … kurz danach sind die Qualen vorbei und ich laufe durchs Ziel. 1:06 Minuten war ich unterwegs – nicht ganz so schnell wie in den vergangenen Jahren, aber für die Witterungsverhältnisse bin ich eigentlich ganz zufrieden, wenn auch vollständig durchnässt.

Da hilft nur eines um sich nicht zu erkälten: möglichst zügig unter die warme Dusche und trockene Bekleidung anziehen. Damit wird das Wetter etwas erträglicher, aber nach dem üblichen gemeinsamen Zusammensitzen und ein wenig Ausklingen lassen ist keinem zu Mute. Dafür ist es einfach viel zu nass und kühl. Um mich etwas aufzuwärmen gibt es noch eine Curry-Wurst mit Pommes, bevor es nach Hause geht – ins Trockene.

Fazit: Wet wet wet – dreimal nass, davon einmal gewollt und zweimal ungewollt. Insgesamt wieder eine interessante Veranstaltung, aber bei besserem Wetter macht es für alle mehr Spaß – egal ob Teilnehmer oder Zuschauer. Für die Verhältnisse kann der Veranstalter nur bedingt etwas, dennoch besteht in meinen Augen noch Luft nach oben um die Veranstaltung weiter zu verbessern – das reicht vom Check-In der Räder bis hin zur Optimierung der oftmals unnötig verschlungenen Wege und auch der sehr späten Reaktion auf die schlammigen Zustände der Laufwege mit mehreren Eimern Sand. Bleibt insgesamt zu hoffen, dass im kommenden Jahr das Wetter wieder besser ist.