Weltkulturerbelauf Bamberg

Ungerade Jahreszahl – daraus folgt: Es findet ein ganz besonderer Lauf statt: Der Weltkulturerbelauf in Bamberg. Heuer war ich zum 5. Mal dabei, der Lauf ist mittlerweile fest im Kalender eingeplant. Einplanen muss man unter Anderem auch die Anmeldung. Die Teilnehmerzahl ist stark limitiert, für den Halbmarathon als Königsdistanz sind nur 3000 Startplätze verfügbar. Pünktlich nur wenige Minuten nach der Freischaltung der Anwendung merkt man das auch ganz deutlich: Der Server ist total überlastet – immerhin muss man heute keine Nachtschicht mehr einlegen um ab 0:00h die Registrierung zu starten – ab 6h in der Frühe ging es diesmal los.

Die letzte Teilnahme habe ich in wenig guter Erinnerung, was nicht an den Organisatoren lag sondern vielmehr am Wetter. Es hat damals genau einmal am Tag geregnet – von morgens bis Abends ohne irgendwie auch nur aufhören zu wollen. Für die Fans natürlich absolut bescheiden, zumal Marion damals zum ersten Mal ausprobiert hat wie es mit Kinderwagen und kleinem Kind klappt eine Laufveranstaltung zu besuchen. Alles andere als angenehm, zumal auch die vielen Cafés und Restaurants dann natürlich zu hatten, der Lauf ist ja Sonntags.

Continue reading

Stadtlauf Nürnberg 2016 – 10 jähriges Jubiläum

img_8501Kaum zu Glauben, es ist schon wieder Oktober. Und ebenfalls kaum zu Glauben: Seit mehr als 10 Jahren laufe ich. Angefangen hat alles 2007 in Nürnberg mit Helgas Lauffreunde, damals noch bei Lucent Technologies. Einer der ersten Wettkämpfe über die Halbmarathondistanz war dann klar: Stadtlauf Nürnberg. Seither war ich jedes Jahr am 3. Oktober dabei. Davon konnten mich weder meine Diplomarbeit (ich habe meine Rückkehr aus den USA extra so eingerichtet, dass ich zum 3.10. wieder in Nürnberg sein kann) noch die bevorstehende Geburt meines ersten Kindes abhalten können (die sportliche Herausforderung war in diesem Fall gerade noch rechtzeitig zum Start zu kommen – passiert ist in der Zeit dann doch nichts). Dieses Jahr bleibt sogar noch Zeit sich kurz mit Erwin von Team Bittel zu unterhalten.

img_8495Entgegen meiner langjährigen Erinnerungen meint es dieses Jahr das Wetter nicht gut mit der Veranstaltung – ich hatte zwar auch mal Hagel bzw. ein kurzes Schneetreiben bei sehr frischen Temperaturen, aber diesmal ist das Wetter einfach nur erbärmlich. Es regnet vor dem Lauf schon eine ganze Weile, die 10km Läufer (unter anderem Heinrich) tun mir richtig leid – sie laufen in einer Regenpause los, dann aber direkt in einen Wolkenbruch hinein.

Ich flüchte mit Marion und Glen in ein Café um halbwegs trocken zu werden – aus dem Hotel haben wir schon ausgechecked, das wäre in direkter Nähe zum Start. Kurz nach eins mache ich mich dann auf den Weg zum Start – mit sehr gemischten Gefühlen: Glen ist wegen des Wetters nicht wirklich gut gelaunt und auch Marion ist etwas angekratzt. Immerhin der Regen hat zwischenzeitlich aufgehört – aber schönes Wetter ist immer noch anders.

img_8469Pünktlich um 13:30 kracht der Startschuss und es geht los. Ich habe mich mal optimistisch in den vorderen Startblock bei ca. 1:40h Zielzeit eingereiht. Damit entfällt diesmal das lästige Überholen langsamerer Läufer, auch wenn ich mir ob meines eher geringen Trainings (momentan läuft bei uns der Vorbereitungskurs zum 10km Herbstlauf – da bin ich als Trainer und Begleiter gefragt) nicht sicher bin, ob ich das überhaupt durchhalten kann. Zudem habe ich noch immer kalte Zehen und Finger.

Auf den ersten Kilometern wird mir dann langsam warm – Marion hat sich auch an der Strecke, in Höhe des Hauptbahnhofs postiert. Zügig gehen die Kilometer vorrüber und ehe ich es mich versehe sind wir kurz nach Kilometer 3 schon am Altenheim am Ufer des Wöhrder Sees, die erste Versorgungsstation. Ich greife mir einen Becher Iso, trotz Regen habe ich reichlich Durst. Der Kaffee vorher rebelliert noch etwas im Magen.

Ich richte den Blick nach vorne, immerhin ist der Wendepunkt ja nun nicht mehr weit weg. Über die Brücke geht es langsam bergan auf die andere Pegnitz-Seite. Die Zuschauer in diesem Bereich halten sich ob des Wetters in Grenzen. Kurz nach der Brücke liegen auch schon 5km hinter mir – fast ein Viertel.

img_8516Die Strecke führt nun entlang der Pegnitz wieder in die Stadt hinein, ich merke dabei, dass wir ganz ordentlich Gegenwind haben, am Hochhaus kurz vor der Wöhrder Wiese pfeift es ganz kräftig um die Ecke. Dafür sind jetzt auch wieder mehr Besucher an der Strecke. Es folgt die nächste Versorgungs-Station, ich greife beim Iso zu. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt: Alles im Lot, auch wenn ich keine direkte Angabe per GPS habe, im Kopf überschlagen bin ich deutlich unter 5 min/km. Kurz vor der Insel Schütt steht Marion und macht fleißig Bilder.

img_8522Es folgt die erste Bergwertung der Strecke (und eigentlich auch die einzige wirklich heftige Steigung): Es geht hinter der Lorenz-Kirche den sogenannten Nonnensteig nach oben. Ich erinnere mich, wie mich der bei der ersten Teilnahme ziemlich eiskalt überrascht hatte – heute bin ich gut darauf vorbereitet. Zudem steht am Fuß noch ein Motivationsschild: 8km liegen bereits hinter mir.

Nach der Steigung heißt es für mich: Tempo wieder aufnehmen, auch wenn ich gefühlt in der Steigung nicht viel langsamer geworden bin. Vor der Kirche ist richtig viel los, das Wetter zeigt sich nun von der schönen Seite. Es geht eine Schleife durch die Fußgängerzone Nürnbergs – in den Cafés stehen die Menschen und feuern kräftig an. Das gibt Schwung und schon erreiche ich den Stadtgraben unterhalb des Opernhauses. Hier geht es hinunter bis auf U-Bahn-Niveau und kurz vor dem Start-Zielbereich dann auch wieder nach oben und eine 180°-Kehre. Nicht optimal, aber auch an diese “Spezialität” habe ich mich gewöhnt.

Beim Durchlauf durch den Start/Ziel-Bogen läuft “Gangstas paradise” – mein Kopf dichtet spontan Textzeilen um “we’ve been running most of live, running in the gangstas paradise …”.  Die Uhr zeigt 46 Minuten brutto an, die 1:30h kann ich mir somit nicht mehr vorstellen, aber ich bin deutlich schneller als ich gedacht hatte. Jetzt heißt es konstant bleiben in der zweiten Runde.

Diesmal geht es nicht oben am Prinzregenten-Ufer entlang der Pegnitz sondern auf dem etwas schmaleren Weg direkt am Ufer. Das Feld hat sich mittlerweile derart auseinander gezogen, dass genügend Platz für jeden Läufer ist. Teilweise habe ich doch recht ordentliche Lücken zu überbrücken bis die nächste Gruppe eingeholt ist. Aber ich kann noch immer überholen. Gelegentlich kommen auch schnellere Läufer von hinten. Am Altersheim gibt es nochmal Iso. Kurz davor ist Kilometer 13 erreicht und noch bevor es auf die Brücke über die Pegnitz geht, sind zwei Drittel der Strecke geschafft.

Die Zeit ist immer noch absolut im Rahmen, ich fühle mich noch immer richtig fit, also lasse ich es weiter laufen. Nach der Brücke gab es früher noch eine kleine Extra-Schleife, diese ist seit einigen Jahren mit einigen kleinen Streckenmodifikationen aber weg gefallen. Am östlichsten Punkt der Strecke steht auch das nächste Kilometer-Schild. Noch 6km liegen vor mir. An der Strecke ist nun etwas weniger los als auf der ersten Runde – kein Wunder, das Wetter zieht sich wieder etwas zu und es ist schon als Läufer recht frisch, zumal ich mittlerweile meine Windjacke um die Hüfte gebunden habe. An der Wöhrder Wiese gibt es nochmals Iso für mich, bevor es an die letzten 5km geht.

Im Kopf hake ich Kilometer für Kilometer und wichtige Streckenstücke ab – “noch 5km, ein Nonnensteig und einmal U-Bahn-Station”. Der Nonnensteig ist das nächste “Highlight” der Strecke – irgendwie zeitigt aber mein seltenes Bergtraining mit den Ultra-Läufern dann doch noch etwas Wirkung: Ich kann die Steigung auch beim zweiten Durchlauf recht gut hochjoggen ohne viel Tempo herausnehmen zu müssen. Das Beschleunigen um die Lorenz-Kirche herum ist etwas kraftraubend, aber auch das klappt recht gut. Noch zwei Kilometer liegen vor mir.

img_8574Wie auch schon bei der ersten Runde steht Heinrich kurz vor dem Stadtgraben bereit und macht Fotos – laut ihm bin ich mal wieder viel zu schnell. Noch etwas weniger als ein Kilometer (und eine U-Bahn-Station) … Auf Höhe der Station steht eine Samba-Band und heizt den Läufern nochmal richtig ein. Marion steht auf einer der Brücken und macht noch einige Fotos. Jetzt gibt es nicht mehr viel zu verlieren – ich sauge mich so gut es geht immer an den nächsten Läufer heran. Insbesondere nach der Spitzkehre ist das gar nicht so einfach, aber das Ziel ist ja in Sichtweite. Nochmal lächeln fürs Foto und dann bin ich auch schon im Ziel. Etwas mehr als 1:33h stehen auf der Uhr als brutto-Zeit. Für mich ist da schon fast klar: Es müsste zumindest für eine neue persönliche Bestzeit gereicht haben. Die Netto-Zeit beträgt am Ende 1:32:59. Nicht ganz die Traummarke von 1:30h aber auf die müsste ich wohl doch etwas mehr trainieren.

Kurz nachdem ich im Ziel bin, fängt es dann auch wieder erst leicht, dann immer heftiger an zu regnen. Ich futtere reichlich Bananen und lasse mir trotz des Wetters das angebotene alkoholfreie Hefeweizen schmecken. Der Platz vor der Oper ist schon fast menschenleer als dort auf dem Weg zur Gepäckrückgabe und zu den Duschen vorbei komme. Eines hat sich auch die letzten Jahre nicht geändert – der Boiler in der Schulumkleide ist chronisch überfordert, es gibt für mich zum Abschluss also nur eine kalte Dusche, passend zum Wetter.

Am Abend geht es noch mit Helga und Heinrich zum Kohlenhydrate-Auftanken – diesmal nicht in die Pizzeria, sondern gut fränkisch in den “Doktors Hof” – Helga ist ebenfalls mit ihrer Zeit von ein klein wenig mehr als 2:10h sehr zufrieden und auch Heinrich hat mit sehr guten 1:08 die 10km bewältigt.

Stadtlauf und Kurzurlaub in Nürnberg

Es ist wieder Anfang Oktober, also höchste Zeit für mich wieder einmal nach Nürnberg zu reisen – denn immerhin habe ich jetzt schon 6 Jahre in Folge am Stadtlauf teilgenommen – jeder Jahr seit ich begonnen habe aktiv zu Laufen.

Zudem  verbindet mich ob meiner zwei Praxissemester in Nürnberg doch auch noch einiges mehr mit der Stadt. Seit der Nachwuchs auf der Welt ist hat es nicht meht geklappt, in der fränkischen Metropole vorbei zu schauen – ganz im Gegensatz zu früher, wo ich im Laufe eines Jahres doch immer mal wieder in der Region und dann natürlich auch in der Stadt war.

Was liegt also näher, als nach knapp einem Jahr einen Kurzurlaub mit Familie und Stadtlauf zu machen. Definitiv eine neue Epoche für mich, denn vieles was bisher einfach so möglich war muss man mit einem Kleinkind doch etwas mehr planen. Das fängt schon beim Auto packen an – so voll war der Kleinwagen sonst nur zu Beginn der Praxissemester. Und in meinen Gedanken war die Fahrt früher auch schneller und entpsannter zu bewerkstelligen – momentan sind irgendwie ständig Baustellen und altersbedingte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Früher fand ich die Strecke recht locker zu fahren, diesmal ist es einfach nur noch lästig.

Als Hotel haben wir nach den guten Erfahrungen vor zwei Jahren wieder das Five Reasons ausgewählt, das ist eine Mischung aus Hotel und Hostel – preislich echt super, zumal es bis zum Start/Zielbereich noch nicht einmal 300m sind. Einziger Nachteil sind die fehlenden Parkplätze in der Nähe – denn das Hotel richtet sich bewusst an die etwas jüngere Generation aus aller Welt – die reisen meist nicht mit dem Mitwagen an, sondern mit Flugzeug, Bus oder Bahn – alle Verkehrsträger sind recht gut an das Hotel angebunden, die U-Bahn liegt noch nicht einmal drei Gehminuten entfernt. Das Auto stellen wir daher nach dem Ausladen im P+R Parkhaus Herrnhütte ab – ähnlich wie ich das auch immer während meiner sonstigen Besuche gemacht habe. Mit einem Mehrtagesticket sind wir dann sehr günstig und flexibel unterwegs.

Den Donnerstag Abend nutze ich um einer altbekannten Location vorbei zu schauen – beim Gasthof “grüne Au – zum Brezn Wirt” – dort habe ich einige Abende mit der Laufgruppe “Helgas Lauffreunde” verbracht. Inklusive spannender Heimfahrten durch den Nürnberg Wald und um den Brunner Berg – Wildschweinrotten bei Nacht inklusive. Als Spezialität gibt es noch immer allerhand leckeres vom Buchengrill – ich esse wie fast immer die Spareribs.

Den Freitag beginnen wir gemütlich – mit eine Kaffee bei Black Bean, direkt neben dem Sportscheck – nach dem Frühstück kann ich dann auch gleich meine Startunterlagen abholen – da ich es diesmal vorab machen kann, habe ich sogar die Auswahl bei den T-Shirts, als Abwechslung nehme ich diesmal ein Singlet – auch weil die Temperaturprognose erwarten lässt, dass man nochmal ganz kurz laufen kann.

Bei einem kurzen Bummel durch die Stadt bleiben wir natürlich am Laden für Kinder und Jungebliebene (auch Lego Store genannt) hängen – sowohl der Nachwuchs als auch der Papa kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus – und für beide gibt es zumindest noch eine Kleinigkeit.

Den Nachmittag verbringen wir im Tiergarten bei schönstem Wetter – zu meiner Praktikumszeit hatte ich es nie geschafft dort vorbei zu schauen, dabei ist ein Besuch sehr lohnenswert. Auch der Sohnemann ist von den verschiedenen Tieren sehr angetan. Während einer ausgiebigen Mittagspause mit Picknick beschließen wir, den geplanten Start der Lebkuchen-Saison ausfallen zu lassen. Traditionell mache ich zum Stadtlauf noch einen Abstecher zum Fabrikverkauf von Pfann. Während des zweiten Praxis-Semesters war ich dort ja schon Stammkunde. Wir werden daher wohl diesmal online bestellen und liefern lassen – es sei denn wir kommen in der Vorweihnachtszeit nochmal nach Nürnberg – noch wissen wir das nicht.

IMG_3714Samstag ist dann endlich der Lauf für mich – bereits beim 10km Lauf treffe ich mich mit einem alten Bekannten – Erwin Bittel (Lionheart) läuft auf wieder mit – wie immer als Besenläufer. Wir unterhalten uns kurz und machen noch einige Fotos. Bevor es für mich losgeht steht nochmal Fütterung der Raubtiere auf dem Programm – wie so häufig will es nicht so ganz flüssig klappen mit dem Füttern aus dem Gläschen. Es wird also ein klein wenig hektisch an den Start, aber es ist ja nicht weit bis an die Startlinie.

IMG_20151003_131830Kurz vor dem Start gebe ich Marion noch meine Jacke – auch wenn es im ersten Moment etwas frisch ist, mit dem Singlet, so ist mir doch klar: Mit Jacke wäre es zu warm. Wenige Minuten später fällt dann auch endlich der Startschuss – ich habe mich mal wieder viel zu weit hinten eingereiht wie ich feststellen muss: Der Pacemaker für 1:45 ist noch deutlich vor mir – und auch wenn ich weniger Zeit zum Trainieren hatte, viel langsamer als diese Zeit will ich eigentlich nicht laufen.

Daher starte ich auf den ersten Kilometern eine recht rasante Aufholjagd. Kurz nach Kilometer 1 hole ich einen andersfarbigen Läufer ein, der nicht wie alle anderen in orange läuft, sondern ein Trikot aus Biel trägt. Das habe ich auch im Koffer dabei, falls es mir noch zu einer Einheit auf meiner alten Laufstrecke gereicht hätte – allerdings nicht von diesem Jahr sondern von 2014. Wir unterhalten uns ein paar Takte, bevor ich mich seitlich rechts halte um am Prinzregenten-Ufer nach Marion mit der Kamera Ausschau zu halten. Leider hat es ihr wohl doch zeitlich nicht mehr ganz gereicht. Aber egal – denn ein anderes Ziel habe ich jetzt auch erreicht: Der 1:45 Pacer liegt hinter mir – und das Feld wird langsam lichter.

Die Strecke führt nun immer schön am Wöhrder See bzw. der Pegnitz entlang – kurz nach dem dritten Kilometer gibt es eine Versorgung vor dem Altenheim. Ich greife flugs bei Iso und Wasser zu, ohne das Tempo zu drosseln – zwischenzeitlich hatte ich schon gedacht auf der anderen Seite des Sees die Spitzengruppe gesehen zu haben, aber das wäre dann doch ein wenig verwunderlich. Es kommt die erste Steigung des Laufs, die Brücke über die Pegnitz in Richtung Business-Tower – ich lasse nicht locker und ich merke, dass die vielen Trainingseinheiten mit PULT und Scheinbuckeln(tm) Wirkung zeigen – ich werde fast nicht langsamer und noch dazu kann ich wie bisher Läufer einholen. Aber ich bin auch froh, dass es nun gleich wieder abwärts und in Richtung Innenstadt geht – die 180°-Kehre in der Strecke ist sehr markant wenn auch unangenehm zu laufen. Etwas mehr als 5km liegen schon hinter mir.

Ich habe mir für dieses Jahr kein festes Ziel vorgenommen, dementsprechend laufe ich wie ich mich fühle und vermeide ganz bewusst den hektischen Blick auf die Uhr um meine Kilometerzeiten zu ermitteln. Das klappt leider nur bedingt, denn heute läuft gefühlt jeder dritte Läufer mit einem sprechenden Smartphone herum, das jeden Kilometer ansagt wie schnell man gerade ist und welche Zielzeit das ergibt, zusammen mit weiteren Infos und etwas Werbung. Für mich ist das absolut lästig, wer es braucht soll diese Geräte und Software gerne nutzen, aber Kopfhörer sind noch vor den Smartphones erfunden worden und funktionieren sogar in Kombination mit diesen. Nur gut, dass sich das Feld weiter lichtet und damit die Abstände etwas größer werden.

IMG_3729An der Wöhrder Wiese steht die nächste Versorgungstation, diesmal gibts nur Wasser für mich. Wenige hundert Meter danach ist Foto-Shooting angesagt – Marion steht mit dem Nachwuchs an der Strecke, direkt bei Kilometer 7. Ein Drittel ist also schon gelaufen, das motiviert. Weniger motivierend finde ich, dass ich einige kleine Steinchen in beiden Schuhen habe – beim Ultra-Marathon wäre das ein klarer Fall: Anhalten, rausschütteln, Schuhe schnüren und weiter gehts – bei meinem aktuellen Tempo will aber meine Position nicht riskieren, also Zähne zusammenbeißen.

Es geht jetzt wieder in die Stadt hinein – über die Insel Schütt, auf den Nonnensteig zu. Dieser Anstieg ist bei vielen Läufern des Stadtlaufs berühmt berüchtigt – wobei ich sagen muss, dass er mit der kleinen Verschwenkung, die es seit einigen Jahren gibt, etwas entschärft wurde, wenn auch vor allem für den Kopf. Sonst freute man sich über das Kilometerschild 8 und sah direkt einem schnurgeraden Anstieg entgegen. Aber auch hier hat das Training seine Wirkung getan – schneller als ich es erwartet habe bin ich oben angekommen – direkt hinter der Lorenzkirche. Jetzt geht es erst einmal flach weiter durch die Innenstadt – vor der Kirche stehen viele Zuschauer und feuern lautstark an – in den folgenden Straßen wird es dagegen schon fast wieder einsam.

Die nächste markante Stelle ist am Sternentor – dort geht es aus der Bebauung in den Stadtgraben, kurz davor hat sich Heinrich positioniert und macht fleißig Fotos. Seinem Gesichtsausdruck und der Gestik nach schließe ich, dass ich recht flott unterwegs bin, er wirkt etwas überrascht mich so früh zu sehen. Aber jetzt heißt es für mich erst einmal konzentrieren, denn die Strecke führt auch aus dem Stadtgraben wieder hinaus – das sind nicht viele Höhenmeter, aber ich weiß wie diese sich anfühlen können. Aber ich bin scheints wirklich gut drauf und trainiert, denn auch diese Steigung kommt und geht einfach, ohne dass ich irgendwelche Problemchen oder Wehwehchen hätte.

10km liegen mit dem Durchlauf durch den Start/Ziel-Bogen hinter mir, die Bruttozeit zeigt etwas mehr als 47 Minuten. An der Versorgung greife ich nochmal ISO ab – auf die sonst übliche Banane verzichte ich. Ich überlege kurz ob ich es riskieren soll, noch einen Zahn zuzulegen, aber ich lasse dann doch recht schnell bleiben. Es läuft aktuell gut so wie ich laufe, jetzt auf Biegen und Brechen mehr zu wollen, das wäre wohl vermessen. Also laufe ich weiter so wie ich mich fühle – und ehe ich es mich versehe sind es nur noch 10km zu laufen – ich motiviere mich mit “a piece of Cake” als Gedanken.

IMG_3747Die Strecke schwenkt wieder an die Pegnitz ein, diesmal auf einer leicht anderen Streckenführung als bei der ersten Runde – da sich das Feld hier bereits deutlich gestreckt hat, muss man nicht mehr zwingend auf der breiten Straße laufen, der landschaftlich deutlich schönere Fuß- und Radweg direkt an der Pegnitz reicht nun mehr als aus. Auf Höhe der Wöhrder Wiese stehen jede Menge Zuschauer und motivieren die Läufer – Marion steht mit der Kamera bereit und mach wieder Bilder – es reicht aber dennoch für ein kurzes Abklatschen.

Ich fokusiere mich auf die nächste Versorgungs-Station – dieses Jahr habe ich keinen Versorgungsgürtel bei mir und ich merke, dass jetzt gerade etwas Flüssigkeit gut wäre, aber so weit ist es ja auch nicht mehr – Kilometer 13 fliegt an mir vorbei und damit kommen auch schon die Helfer mit den Bechern in Sichtweite. Wasser und Iso gemischt gibt es für mich, kaum habe ich es getrunken, geht es mir auch gleich besser.

Jetzt nur nicht übertreiben, es sind ja noch ein paar Kilometer – aber ich hole noch immer Läufer ein, und das motiviert mich natürlich. Die Steinchen im Schuh werden aber auch nicht weniger – jeder Schritt tut ein klein wenig weh und ich merke, dass ich nicht gerade optimal auftrete. Aber jetzt lohnt es sich erst recht nicht mehr. Nach der Brücke geht es ja schon zurück – erstaunlicher Weise fehlt auch dieses Jahr die sonst übliche Zusatzschleife bei Kilometer 15. Nicht viel aber jedesmal lästig. Ich bin mir nicht sicher ob hier nicht etwas bei der Einweisung der Helfer schiefgelaufen ist, aber insgesamt wird es wohl schon stimmen. Noch 6 Kilometer, es geht schön flach entlang der Pegnitz, und ich versuche ein wenig mehr von der Stimmung mitzunehmen – denn das Wetter ist weiterhin traumhaft bei nahezu optimalen Lauftemperaturen.

An der Versorgung greife ich nochmal zu, es sind jetzt noch etwa 4km zu laufen und die beiden Steigungen in der City liegen noch vor mir. Aber auch in der zweiten Runde gelingt mit der Anstieg an die Lorenzkirche sehr locker – eventuell bin ich auch von der Volksmusik getrieben die dort zum Anfeuern (oder Abschrecken) aus einem Radio dudelt. Der härteste Anstieg liegt also hinter mir, jetzt nur nicht zu schnell werden, auch wenn es nur noch 3km sind.

IMG_3815Kurz vor dem Graben steht wieder Heinrich um Bilder zu machen, oberhalb des Grabens an der U-Bahn-Station hat sich Marion postiert. Ich mach durch reichlich Winken auf mich aufmerksam – weniger als 1km noch, und nur noch eine an und für sich harmlose Steigung hoch. Rum um die Haarnadelkurve und man ist auf der großen Zielgraden am Opernhaus – ich mobilisiere nochmal alles was ich habe und kann noch einige Läufer einholen, auch wenn diese das nicht so ohne weiteres zulassen wollen.

Ich fühle mich einerseits ausgepowered aber auf der anderen Seite denke ich: “Das wars ja schon …”. Am Ende stehen 1:34:39 als Netto-Zeit fest, für mich eine sehr respektable Zeit, ich bin mir nicht sicher ob ich jemals schneller war – egal ob in Nürnberg mit den Steigungen oder auf einem flacheren Kurs. Insgesamt bin ich 175er Mann im Ziel (insgesamt 183er) und in der Altersklasse reicht es für Platz 40. Ich überlege ob ich nächstes Jahr nicht doch mal explizit auf die 1:30h trainieren sollte, an die Spitze in meiner Altersklasse brauche ich aktuell nicht zu denken – da fehlen mir mehr als 15 Minuten. Nach dem Ziel kann ich mich dann auch endlich um die Steinchen in den Schuhen kümmern, ich habe mir bei der ganzen Aktion zwei dicke Blasen am Ballen gelaufen. Merke: Nächstes Mal wieder mehr Sorgfalt in der Vorbereitung…

IMG_3848Insgesamt ist der Lauf wie immer sehr gut organisiert und viele Teilnehmer nehmen nicht zum ersten Mal teil. Zudem hat bisher fast immer das Wetter mitgespielt. Zu verbessern gibt es eigentlich nur noch Details, so kam es mir an einigen Stellen vor, dass die Helfer nicht ganz ausreichend auf das eingestellt waren was da auf sie zukommt. Unter anderem Anweisungen länger auf der Straße zu laufen – sowas mag bei den langsameren Läufern noch halbwegs wirken, aber im vorderen Drittel bringt das rein gar nichts – hier läuft jeder möglichst nahe an der Optimal-Linie. Wenn das nicht die vorgesehene Strecke ist, dann muss entsprechend abgesperrt werden. Läufer sind hier absolute Herdentiere und es wäre ja auch fatal die Optimierungen nicht zu nutzen die ein anderer nutzt.

Nächstes Jahr bin ich selbstverständlich wieder mit von der Partie, dieses Jahr war es meine 9. Teilnahme in Folge (erstmalig war ich 2007 dabei) – ich habe dann also definitiv etwas zu feiern und einen zusätzlichen Ansporn für eine gute Zeit.

Weltkulturerbelauf Bamberg 2015

Nur alle zwei Jahre findet der Weltkulturerbelauf in Bamberg statt – jedes Mal ist er dafür innerhalb weniger Stunden komplett ausgebucht, wegen der engen Gassen gilt ein Teilnehmerlimit. Um so schöner, dass es auch dieses Jahr für mich geklappt hat einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Ist es doch der Traditionslauf für “Helgas Lauffreunde” – die kleine Laufgruppe mit der ich einstmals “Laufen gelernt” habe.

In zwei Jahren ändert sich eine Menge – bei der letzten Teilnahme war noch nicht einmal zu erahnen, dass ich Papa sein werde – daher habe ich diesmal auch meine Familie persönliche Support-Crew dabei. Damit es etwas weniger stressig wird, haben wir auch noch einen Zwischenstopp bei meiner Schwester in Würzburg eingeplant – dank Feiertag bietet sich das natürlich an. Für weitere Entspannung sorgen Helga und Heinrich von Helgas Lauffreunde – sie holen für die Gruppe schon am Vortag die Startunterlagen ab – somit müssen wir nicht schon vor Mittag in Bamberg sein, nur um die Unterlagen zu holen. Noch etwas hat sich verändert: In Bamberg wird fleißig gebaut: Zielsicher steuere ich (wie bisher immer) das P+R Parkhaus Breitenau an (direkt an der Autobahn, von dort mit dem Shuttle-Bus ist der Plan) – nur leider existiert das Parkhaus nicht mehr … stattdessen gibt es eine Parkmöglichkeit im Industriegebiet vor einer großen Baumarkt-Kette und von dort einen Shuttle – wer die FAQ vorab liest ist klar im Vorteil.

Und noch ein Novum gibt es, allerdings eines der weniger erfreulichen Art: Zum ersten Mal haben wir beim Weltkulturerbelauf schlechtes Wetter. Schon auf der Anfahrt hat es immer wieder Schauer gegeben, aber im Gegensatz zu den vergangenen Malen will es auch bis Bamberg nicht aufhellen – sonst hat es immer geklappt: Egal wie widrig das Wetter auf der Strecke war, zum Lauf war dann alles sonnig.

Bereits am Shuttle-Bus treffe ich Robert von der Laufgruppe, gemeinsam ziehen wir durch Bamberg zur Umkleide, dort trennen wir uns erst einmal, denn ich habe mich bereits am Auto umgezogen. Wir finden bei der Gelegenheit gleich passende Stellen für den Fan-Tross (Mama und Sohnemann) zum Anfeuern bei ca. Kilometer 17. Am vereinbarten Treffpunkt am Start warten bereits Helga und Heinrich. Übermäßig viel Zeit für einen Schwatz und Austausch haben wir nicht, auch nach dem Lauf werden wir uns angesichts des Wetters wahrscheinlich nicht wieder treffen (im Wind kühlt man doch sehr schnell aus und eine Erkältung will sich keiner holen). Außerdem habe ich wie immer das Problem den letzten Shuttle-Bus noch zu erreichen, der fährt um 19:00h, der Halbmarathon startet als letzter Lauf um 15:30. Wenn man von einem langsamen Läufer ausgeht der ca. 3h für die Strecke benötigt wird es mit Bekleidung abholen und Duschen doch recht knapp – zumal die Wege zwischen den Stationen in Bamberg nicht unbedingt die kürzesten sind. Hier wäre es schön wenn der Shuttle-Bus auch noch länger verkehren würde – dann würde ich mir auch überlegen den Abend noch in Bamberg zu verbringen. Kurz vor dem Start noch ein Gruppenfoto, dann versuchen wir uns im Startbereich aufzustellen – ich komme nicht so weit vor, wie ich das gerne würde, angepeilt habe ich etwas um die 1:45h als Zielzeit, im Startpulk komme ich allerdings gerade so bis auf Höhe des Blocks 2:00h, danach ist es einfach zu dicht. Aber dank Netto-Zeitmessung ist mir das ja eigentlich egal und am Anfang sind die Wege noch breit genug, dass ich ggf. auch überholen kann.

Der Startschuss kracht und es tut sich erst einmal gar nichts … es dauert fast 9 Minuten bis ich über die Startlinie komme. Durch den schmalen Durchlass verteilt sich das Läuferfeld danach aber recht gut – man kann sich in aller Ruhe “einsortieren”. Ehe ich es mich versehe ist der erste Kilometer an mir vorbeigeflogen und es geht die erste Steigung hinauf – an der Strecke selbst ist trotz des immer noch regnerischen Wetters jede Menge los – die Leute lassen sich die gute Laune einfach nicht verderben – ganz getreu dem Motto: “Es gibt kein unpassendes Wetter, nur die falsche Bekleidung”. Das erste Zwischen-Ziel in Bamberg ist für mich (und viele andere) immer die Altenburg – die höchste Erhebung der gesamten Strecke (etwas mehr als 380 Meter über N.N. also rund 140 Höhenmeter gegenüber dem Start) auf dem Weg dorthin gibt es aber bereits einige An- und Abstiege – an die meisten kann ich mich noch erinnern und von daher die Kräfte richtig einteilen. Die Altenburg verschwindet fast schon in den Wolken – über dem Läuferpulk steigt auf dem letzten Anstieg gut sichtbar Dampf auf – auch ich bin nach den 5km auf Betriebstemperatur gekommen.

Nach der Burg geht es erst einmal entspannt bergab – gut dass ich mittlerweile regelmäßig im Odenwald trainiere – so fällt mir das bergablaufen vergleichsweise leicht und ich kann weiterhin jede Menge Läufer überholen. Es geht wieder in die Bebauung von Bamberg hinein – diverse Kurven und Steigungen inklusive – hier kommen mir einige “neu” vor bzw. ich hatte sie so nicht mehr im Gedächtnis. So etwa den Kilometer 7 – dort ist immer Stimmung und jedesmal ein anderes lustiges Plakat – diesmal mit der Aufschrift “Ziel …. in 14km” – und es stehen trotz Nieselregen immer noch fast überall Menschen an der Strecke. Andere Stellen hingegen habe ich in bester Erinnerung unter anderem den Ausflug über die Insel zwischen den Regnitz-Armen.

Nun folgt eine lange flache Passage – es geht entlang der Regnitz in den Luisenhain – insgesamt ist das der eher ruhige Teil der Strecke, nachdem man in den Gassen an jeder Ecke angefeuert wurde. Ich mache mich schon auf einen langwierigen, nassen bis eintönigen Teil gefasst (auch wenn mir etwas Ruhe und ein gleichmäßiger Untergrund gerade ganz recht sind). Aber weit gefehlt – auch im Luisenhain trotzen etliche Menschen dem schlechten Wetter und feuern die Läufer lautstark an – da merkt man als Läufer fast nicht mehr, dass es regnet – echt eine super Atmosphäre.

Kurz vor dem Inselspitze zwischen den beiden Regnitz-Armen erreiche ich Kilometer 11 – in diesem Jahr fliegen die Kilometer nur so an mir vorbei – ich kann mich erinnern, dass ich mich schon deutlich mehr gequält habe. Kurzer Blick auf die Pulsuhr – alles ok und die Zeit ist absolut im Rahmen – Bestzeit ist angesichts des Strecken-Profils ohnehin nicht zu erwarten. Kurz vor der Schleuse ist nochmal ein echtes Highlight an der Strecke: eine Samba-Band trotz dort dem widrigen Wetter und heizt den Läufer und sich selbst ganz ordentlich ein. Danach schwenkt die Strecke parallel zur Regnitz ein – am Ufer entlang geht es wieder in Richtung Bamberg-City. Auch hier ist die Stimmung großartig – immer wieder Menschen an der Strecke die einen weiter antreiben. So fliege ich auch am Kilometer 14 vorbei – zwei Drittel und die Zeit ist immer noch super.

Langsam aber sicher nähert sich die flache Phase des Laufs ihrem Ende – es geht weg von der Regnitz, ganz leicht bergauf – noch etwas mehr als 5 Kilometer liegen vor mir. Diesmal klappt es auch mit dem Abgreifen des Rauchbieres, das es kurz nach Kilometer 16 gibt – an der Versorgung sind diesmal transparante Becher im Einsatz – man kann also zielstrebig den richtigen Tisch ansteuern und einen Becher mit dem leckeren Iso-Getränk greifen. Sonst habe ich immer nur das Ende des Tresens erwischt – dort gibt es aber nur Wasser. Das nehme ich diesmal aus der Gürtelflasche, denn etwas zum Runterspülen brauche ich dann doch. Über die Kettenbrücke geht es in die Altstadt – am Kilometer 17 halte ich Ausschau nach dem Fan-Block, aber der ist nicht da – ich vermute, dass ich mal wieder “zu schnell” war, der Blick auf die Uhr bestätigt mir das für den Moment auch erst einmal. Nach einigen Kurven sehe ich immerhin nochmal Heinrich an der Strecke stehen, er macht fleißig Fotos. Noch etwas mehr als drei Kilometer sind zu bewältigen. Ich weiß aus Erfahrung, dass der Lauf ein “dickes Ende” hat: Kurz vor dem Ziel geht es nochmal den Bischofsberg hoch – nur etwa 20 hm hoch und auch wieder runter – aber man hat ja auch schon einige Kilometer in den Beinen, noch dazu jede Menge Kopfsteinpflaster.

Aber ich bin gut trainiert und nehme die Steigung ab Kilometer 19 dann doch recht gelassen hin (auch weil ich weiß, dass sie bald ein Ende hat) – als Ultra-Läufer habe ich dann auch noch die notwendigen Konditionsreserven um direkt nach der Steigung wieder anziehen zu können – kleinere Senken nutze ich gekonnt zum Schwung holen soweit das irgendwie möglich ist. Runter vom Berg und rein die Menschenmassen: Ab Kilometer 20 ist die Strecke komplett mit Menschen gesäumt – noch immer ist das Wetter feucht und es nieselt, aber die Stimmung kocht derart, dass man fast meint die Regentropfen kommen erst gar nicht am Boden an. Ich setze zum Schlusssprint an und sauge mich noch an eine ganze Menge Läufer heran – nur noch die Kurve am Marktplatz und durch den Zielbogen. Die Zieluhr zeigt brutto 1:48 an – da kann ich echt zufrieden sein.

Die Versorgung im Ziel ist wie immer in Bamberg ausgezeichnet – Obst, Gebäck und alkoholfreies Weizenbier – da bleibt kein Wunsch offen. Bei schönem Wetter warte ich sonst im Zielbereich auf die weiteren Läufer von Helgas Lauffreunden, aber diesmal wird mir bereits nach 10 Minuten im Regen und Wind doch etwas kalt und ich mache mich auf den Weg zur Umkleide. Dort wartet bereits Marion auf mich. Flugs duschen und dann wollen wir eigentlich nur noch heim – das Wetter ist noch etwas ungemütlicher geworden.

Auf dem Weg zum ZOB für den Shuttle-Bus sehen wir noch den letzten Läufer auf der Strecke (er wird am Ende etwas länger als 3h brauchen) – am Shuttle-Stopp ist es rappelvoll – wir lassen zwei Busse fahren, beim dritten zwängen wir uns samt Kinderwagen mit hinein. Es ist mir irgendwie unverständlich, dass die Verkehrsbetriebe in Bamberg alle zwei Jahre mit dem Ansturm der Läufer überfordert sind – zwei Shuttle-Busse zu den zwei P+R-Möglichkeiten sind zu den Spitzenzeiten einfach zu wenig. Getopt wird die ganze Sache dann nur noch durch den Kreislauf-Kollaps einer Teilnehmerin im Bus – gut das ich auch ausgebildeter Ersthelfer bin, auch wenn ich auf die Aktion mit samt Nothalt des Bus gerne verzichtet hätte. Wenige Minuten später geht es ihr schon wieder besser und die Fahrt geht weiter bis an den Parkplatz.

Fazit: Auch bei schlechtem Wetter ist in Bamberg die Stimmung beim Lauf erstklassig. Für die Fans ist das Wetter natürlich eine zusätzliche Belastung, denn wer steht schon gerne im Regen nur um einige wenige “Verrückte” zu sehen, die sich trotz “Sauwetter” über die 21,1km antun? All den Helfern und Unterstützern sei hier nochmals ganz herzlich “DANKE!” gesagt für Ihr Engagement. Wenn alles klappt, sehen wir uns in 2 Jahren wieder – dann hoffentlich auch wieder bei besserem Wetter.

Stadtlauf Nürnberg 2014

Ja ist den schon wieder Oktober … ja ist es und somit für mich wieder höchste Zeit nach Nürnberg aufzubrechen. Immerhin der einzige Lauf an dem ich seit 2007 jedes Jahr teilgenommen habe – sogar bei der Planung für meine Rückkehr aus den USA und dem Abschluss meines Studiums hatte ich den Lauf berücksichtigt. So gar nicht auf dem Schirm hatte ich den Lauf allerdings bezüglich des Geburtstermin meines Sohnes. Von daher lief die Planung diesmal sehr spontan ab. Kurz vor knapp habe ich mich noch angemeldet – weniger als 12h vor dem Start. Denn: Es hätte ja passieren können, dass mein Nachwuchs den Tag der deutschen Einheit zum Tag der Familien-Vereinigung (oder Vervollständigung?) nutzen möchte.

So bin ich dann auch recht knapp und nach reiflicher Überlegung in Mannheim aufgebrochen um die knapp 300km Fahrstrecke zurück zu legen. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass man es normalerweise in 3h gut schafft. Nur diesmal war echt der Wurm drin – ständig Staus und stockender Verkehr bereits wenige Kilometer nach Mannheim und es wurde nicht besser. Gut, dass ich noch rechtzeitig von der Vollsperrung der A6 gehört habe – dank Ortskenntnis zweige ich gerade noch am Stauende in Schwabach ab und fahre über die Landstraße. Die Strecke kenne ich als Alternative seit meinem Praxis-Semester. Dennoch wird die Zeit knapp – Gegen die Uhr schon vor dem Wettkampf – das ist nervig. Noch 30 Minuten bis zum Start als ich in Röthenbach ins Parkhaus fahre – mit der U-Bahn geht es dann zügig und fast schon entspannt bis ans Opernhaus. Unterlagen abholen (und wie jedes Jahr ein orangenes Trikot) – noch flott in die Tiefgarage, die Tasche unterstellen und auf zum Start. Ich bin gespannt ob der Lauf genauso zügig weiter geht wie er gerade schon anfängt.

Auf dem Weg zum Start treffe ich noch kurz Erwin und sage auch beim Team Bittel kurz “Hallo” bevor ich mich auf die Suche nach den Mitstreitern aus meiner Praktikumszeit, Helgas Lauffreunde, mache. Leider ist die Suche “in der Nähe des 2:00h-Pacers” nicht erfolgreich. Ein letzter Blick aufs Handy – in Mannheim ist alles ruhig, noch kein Baby-Alarm. Beherzt setze ich mich mit der Masse nach dem Startschuss in Bewegung – immer mit dem Hintergedanken – das Handy kann dich jederzeit aus dem Rennen holen… Ich musste versprechen, dass ich bei Anruf so schnell als möglich nach Mannheim komme. Es bleibt die Hoffnung, dass es auf der zweiten Runde nach dem Wendepunkt an der Pegnitz passiert, dann ist die schnellste Option einfach der Strecke zu folgen (von einigen Minuten die man am Opernhaus in die U-Bahn noch abknapsen könnte, aber wegen 500 fehlenden Metern ein “DNF” (did not finish) wäre einfach nur peinlich.

Ehe ich es mich versehe sind wir schon an der Pegnitz und ich überhole den Pacemaker mit 1:45. Ich frage mich innerlich ein wenig ob ich das Tempo durchstehen kann, aber irgendwie pusht mich der Gedanke mit dem Handy einfach nach vorne. Schon kommt die erste Versorgung am Altersheim in Sicht – kurz danach geht es über die erste Steigung. Alles fliegt heute schon fast an mir vorbei. Ich schau auch nur kurz auf die Uhr – der Puls liegt da wo ich ihn vermutet habe: Viel zu hoch, aber irgendwie will ich heute nicht nach Puls laufen müssen. Vorbei an den Hochhäusern an der Wöhrder Wiese, um die Baustelle dort herum – und schon wieder eine Versorgung – ich greife kurz bei ISO zu ohne Tempo abzubauen.

Es geht in die Innenstadt auf die erste und einzige große Steigung des Laufs zu: Der Nonnensteig hinter der Lorenzkirche. Kurz davor steht wie immer das 8km-Schild. Mehr als ein Drittel ist schon geschafft – und das Handy hat sich noch nicht gemeldet. Der Nonnensteig ist zwar steil, aber nach meiner Trailerfahrung beim Churfrankenlauf ist er fast nur ein “lauwarmer Aufguss”. Ich kann auch oberhalb durch die City recht flott wieder Tempo aufnehmen. Schon geht es auf das Opernhaus zu, nicht mehr lange und Runde zwei beginnt. Heinrich (ebenfalls Helgaslauffreunde, er hat vorher am 10,5km Lauf teilgenommen) steht kurz vor der Senke an der U-Bahn-Station und macht Fotos.

Beim Durchlauf werfe ich einen Blick auf die Brutto-Zeit: Rund 50 Minuten sind seit dem Start verstrichen. Ich liege für meine Ambition: “Ein kurzer Trainingslauf” doch recht gut in der Zeit. Wieder geht es am Bahnhof vorbei an die Pegnitz – 11km habe ich bereits hinter mir. Ich denke ein wenig an letztes Jahr, da stand an der Pegnitz meine Partnerin und machte Fotos. Kurz nach Kilometer 13 fasse ich nochmal ISO und Wasser nach, bisher kein Anruf und selbst wenn er jetzt käme würde ich wohl ob der Masse Läufer hinter mir schlecht rumdrehen können … Kurz darauf erschreckt mich etwas: Es klingt wie mein Handy, aber es ist nur ein Passant, der mit einer Plastiktröte fast genau den Ton und die Frequenz meines Wehen-Alarms getroffen hat. Und ich hatte schon ans Handy gegriffen – um zu merken, dass es nicht vibriert… Es geht wieder über die Brücke und ich mache mich auf die Extra-Schleife gefasst, aber wegen der Baustellen und einer kleinen Änderung am Nonnensteig ist dieses Schleifchen dieses Jahr nicht notwendig. Stattdessen kann ich mich richtig über das 15km Schild freuen – von nun an ist sicher: Zu Ende bringen werde ich den Lauf.

Das gibt innerlich nochmal einen gigantischen Motivationsschub den ich so nicht für möglich gehalten hätte. Von nun an fliegen die Kilometerschilder förmlich an mir vorbei – ehe ich es mich versehe stehe ich wieder vor dem Nonnensteig, kurz vor Kilometer 19 – das Schild dazu findet sich fast direkt nach dem Anstieg und noch vor der Lorenzkirche. Ich nehme nochmal alles zusammen was ich habe – nur nicht langsamer werden. Innerlich verfluche ich es, heute keinen Traubenzucker griffbereit zu haben, da muss ich jetzt einfach so durch – aber 2km sind ja für mich keine Distanz mehr.

Kurz nach der 20km-Marke steht nochmal Heinrich – ich gebe ihm kurz Antwort wo wir uns nach dem Lauf treffen wollen und mache mich auf die letzte Senke zu bezwingen. Aus der Senke geht es vom U-Bahn-Niveau auf Straßenniveau garniert mit einer 180°-Kurve mit der man auf die Zielgerade einbiegt. Dort sehe ich den Zielbogen und schon bald auch das 21km Schild: Ich gebe nochmal richtig Gas – die Energie fliegt mir irgendwie gerade so zu. Geschafft – und das ohne klingelndes Handy – 1:40 lese ich auf der Brutto-Uhr ab, gar nicht so verkehrt für einen kurzen Trainingslauf.

Ich hole etwas Luft und treffe im Zielbereich kurz Heinreich, er geht dann wieder an seine Foto-Stelle um die restlichen Läufer von Helgas Lauffreunde zu fotografieren. Ich trinke ausgiebig ISO und gönne mir etwas zu Essen. Zudem melde ich mich kurz per Textnachricht bei Marion – an Telefonieren ist in dem Trubel hinter dem Ziel nicht zu denken. Es ist vergleichsweise leer im Zielbereich, man kommt noch sehr gut an alle Stände heran – ich decke mich mit Apfelsaftschorle und reichlich alkoholfreien Weizenbier ein. Lange verweilen kann ich nicht – ich soll ja wieder nach Mannheim sobald ich fertig bin, auch wenn die letzte Meldung weiterhin heißt: alles ruhig.

Ich hole meine Sachen und versuche Heinrich zu finden – am Foto-Standort ist er nicht mehr, dafür kommt Robert gerade die Strecke entlang. Wir treffen uns kurz darauf hinter der Ziellinie wieder. In den wenigen Minuten dazwischen rufe ich kurz in Mannheim an: Weiterhin alles in bester Ordnung, kein Grund zu übermäßiger Eile. Wir finden dann auch recht bald Helga und Heinrich im Versorgungsbereich. Wir unterhalten uns noch kurz, bevor wir alle Richtung Straßenbahn bzw. U-Bahn machen. Das Abendessen in der Pizzeria fällt dieses Jahr leider aus (auch wenn das immer sehr lecker und kohlenhydratreich ist). Die U-Bahn bringt mich zügig wieder ins Parkhaus. Noch kurz die verschwitzten Sachen gegen etwas trockenes tauschen, damit ich mich auf der Fahrt nicht erkälte, dann schwinge ich mich auch schon wieder auf die Autobahn (das Auto kennt den Weg aus Praxis-Semester ja immer noch von selbst…).

Auch auf der Strecke bis Mannheim bleibt das Handy ruhig – auch als ich diesen Bericht schreibe ist es noch immer nicht so weit, es kann also beim Traditionslauf in Nürnberg am 3. Oktober für mich bleiben, auch wenn ich jetzt erst mal keine größeren Planungen für die Saison mehr habe und mich dann voll und ganz auf den Papa-Athlon (oder wie nennt man die Vaterschaft als Läufer sonst?) konzentrieren kann.

Mein Traditionslauf – Stadtlauf in Nürnberg 2013

Viele Dinge wiederholen sich jedes Jahr: Ostern, Weihnachten und ganz wichtig: zwischendrin der Tag der deutschen Einheit oder auch der Tag des Nürnberger-Stadtlaufs. Seit ich teilnehme findet er am dritten Oktober statt. Es ist der einzige Lauf an dem ich seit dem Start meiner Laufkarriere jedes Jahr teilgenommen habe – und ich habe nicht vor diese Serie abreißen zu lassen.

Dieses Jahr bot es sich sogar um so mehr an, nach Nürnberg zu fahren – der Brückentag am Freitag zur Erholung, Sightseeing und Freunde treffen in Nürnberg. Eine Neuerung war mir dieses Jahr schon vorab bekannt: Meine Freundin würde sich an die Strecke stellen und Bilder machen – ein echter Service den ich echt zu schätzen weiß. Als wir die Foto-Spots besichtigen sind gerade schon die 10km-Läufer unterwegs – am Ende ein alter Bekannter: Erwin Bittel macht wieder den Schlussläufer. Ich geselle mich zu ihm und laufe mich schon mal einige Meter warm, zudem erste Fotos.

IMG_6175

Das Team von Sportscheck, Mika-Timing und dem TSV Katzwang ist sehr gut eingespielt, alles läuft wie am Schnürchen – auch die Wetterbestellung hat dieses Mal geklappt: Es ist herrlich sonnig, im Schatten zwar etwas frisch und an einigen Stellen windig, aber insgesamt doch perfektes Wettkampfwetter. Kurz vor dem Start treffe ich dann noch Helga und Heinrich von “Helgas Lauffreunden” – die Betriebslaufgruppe mit der alles in Nürnberg einmal seinen Anfang genommen hat. Beide können erkältungs- und verletzungsbedingt nicht mitlaufen, obwohl sie das gerne würden. Ein wenig Läufer-Smalltalk und ich reihe mich ins Startfeld ein – leider etwas zu spät, ich bin deutlich hinter dem Pacemaker für 1:44h – als Ziel habe ich mir die 1:45h als Obegrenze, als realistisch etwas um die 1:40h vorgenommen.

IMG_6191Die Laune im Startblock ist richtig gut, jeder fiebert dem Start entgegen und natürlich sind wieder alle in den Sportscheck-Farben unterwegs: knallorange, damit die Läufer auch bei schlechter Witterung definitiv nicht übersehen werden. Mit den letzten Minuten steigt die Spannung, und dann gibt es doch eine Panne – eine die wir schon einmal hatten: Aus dem “Stadtlauf”-Portal ist die Luft raus – im wahrsten Sinne des Wortes: das aufblasbare Tor ist zie      lsicher wenige Sekunden vor dem Start in sich zusammen gesackt. Die Läufer und Kommentatoren nehmen es mit Humor, und mit einigen Minuten Verzögerung kann es dann doch losgehen.

IMG_6195Mit der 7. Teilnahme kenne ich die Strecke schon fast im Schlaf – von diversen Trainingseinheiten die ich um den Wöhrder-See und entlang der Pegnitz schon absolviert habe ganz zu schweigen. Praktischerweise geht es die ersten 2 Kilometer auf breiten Hauptstraßen, das gibt mir die Chance langsamer Läufer zu überholen und mich im Feld passend einzusortieren. Es geht vorbei am Hauptbahnhof und entlang des Marientorgrabens an die Pegnitz. Die Kilometer fliegen fast an mir vorbei und ich merke, dass ich gut in der Zeit liege,  um die 4:30Min liegen die Kilometerzeiten. Das passt alles und es läuft sich dennoch sehr angenehm – ich habe nicht das Gefühl schon am oberen Limit zu laufen. Kurz nach dem Abzweig aufs Prinzregenten Ufer ist der erste Foto-Termin für mich, also schön lächeln und ein wenig auf sich aufmerksam machen – die Aussage “ich bin der mit dem organenen Shirt” hilft beim Stadtlauf in keinster Weise bei der Erkennung eines Läufers… Aber es klappt – die ersten Fotos sind im Kasten, trotz des noch immer sehr dichten Feldes, auf Höhe des Foto-Spots habe ich auch endlich den 1:44h Pacemaker eingeholt – hinter dem klebt schon fast eine dicke Traube Läufer, vornedran wird es etwas lichter.

IMG_6207Durch das Publikum angefeuert geht es auf den ersten Versorgungspunkt zu, und es gibt vorher noch eine kleine Überraschung: Die Strecke wurde leicht geändert, anstelle unter einer der großen Verkehrsadern hindurch (wo es im ersten Durchlauf immer recht eng war), geht es diesmal auf selbiger bis zum Abzweig auf den Fuß- und Radweg an der Pegnitz. Am Altersheim ist ordentlich Stimmung, ich greife bei ISO und Wasser zu, die Getränkeflasche habe ich dieses Jahr daheim vergessen. Die Sonne scheint herrlich und wärmt, das merkt man vor allem auf dem nun folgenden schattigen Kilometern. Die Zeiten sind weiterhin voll im Rahmen und ich überlege kurzfristig etwas mehr Gas zu geben, aber die Erfahrung sagt: Diesem Drang sollte man erst auf der Zielgeraden nachgeben. Die Kraft brauche ich dann auch für die erste Steigung bei Kilometer 4 – es geht über die Pegnitz und nach einer Kehre geht es am anderen Pegnitz-Ufer wieder zurück in Richtung Stadt. Ich motiviere mich mit dem nächsten Foto-Spot kurz nach Kilometer 7. Das hilft auch gegen den teilweise recht kräftigen Gegenwind. Ebenfalls motivierend: Die Strecke ist flach, das Publikum ist vielzählig und die nächste Versorgung kommt auch gleich – dort gibts wieder Wasser und ISO für mich. Fast direkt danach gibts dann auch das nächste Foto und weiter Motivation.

Nun geht es wieder in die Altstadt von Nürnberg, durch ein Tor in der Stadtmauer, über die Insel Schütt in der Pegnitz, an deren Ende lauert eine kleine Gemeinheit der Strecke: Die Nonnengasse, auch als Nonnensteig oder Heartbreak-Hill bekannt – auf diesem kurzen Stück überwindet man den Höhenunterschied zwischen Pegnitz und Lorenzkirch – viele Läufer müssen hier gehen. Dieses Jahr ist die Steigung noch etwas entschärft – aufgrund einer Baustelle muss man eine kleine Extra-Schleife laufen, diese kommt mir ein ganz klein wenig weniger steil vor. Oben Luft holen, Blick auf die Pulsuhr und nur nicht im Tempo nachlassen, wenn es an der Lorenzkirche vorbei geht – vor der Kirche steht immer viel Publikum, dort haben sich Helga und Heinrich postiert und feueren mich lautstark an.

Im Zick-Zack geht es durch die Innenstadt, diese wirkt ein wenig verlassen, klar es ist Feiertag, da sind die Geschäfte zu und somit außer den Läufern und ihren Fans nur wenige unterwegs. Mittlerweile habe ich den Kilometer 9 passiert und es geht auf den Frauentorgraben am Opernhaus zu – der Graben reicht bis auf U-Bahn-Niveau mit Einblick in die Haltestelle, der Start-Ziel-Bereich liegt auf Straßenebene in der Gegenrichtung – mit Schwung komme ich diesmal un die Haarnadelkurve auf die Start-Ziel-Gerade (das Tor steht immer noch wie eine 1), nur der Gegenwind pfeift um so heftiger – aber egal, man hat ja das Zwischenziel vor Augen. Direkt dahinter gibt es dann nochmal Wasser und für mich eine Banane – ungewohnt: die ist nicht geschnitten sondern am Stück – bei vollem Tempo eine Banane schälen und essen ist auch etwas für fortgeschrittene Läufer, aber nach rund 500m sind die Kohlenhydrate und Mineralien im Magen angekommen und stehen zur Versorgung der Muskeln auf der 2. Runde bereit – noch etwa 10km sind es. Was mir allerdings auffällt: Im Eventbereich ist es vergleichweise ruhig und wenig los – viele Besucher sind wohl ob der windigen und kühlen Witterung (wenn man nicht läuft) schon wieder auf dem Heimweg.

IMG_6213Wieder geht es runter an die Pegnitz, diesmal mit einem leicht anderen Schwenk direkt auf den Radweg – der ist schmaler als die Straße bei der ersten Runde, aber das Feld hat sich deutlich gestreckt. Bei Kilometer 12 gibts wieder ein Foto und laute Anfeuerungsrufe – viele Spaziergänger und Familien stehen an den sonnigen Stellen des Radwegs und feuern die Läufer an, was das Zeug hält. Fast schon zu früh kommt die nächste Versorgung in Sicht, nochmal Schmierstoffe für die Muskeln aufnehmen bevor es einen Kilometer später wieder über die Pegnitz-Brücke geht. In der 2. Runde gilt es eine kleine Zusatzschleife zu laufen, damit die 21,1km auch voll werden.

Das Wetter meint es weiterhin gut mit den Läufern, es ist sonnig und wir haben für die Strecke zurück in die Stadt sogar Rückenwind, damit läuft es sich gleich nochmal leichter. Noch immer kann ich Läufer vor mir überholen, auch wenn gelegentlich von hinten mittlerweile der ein oder andere Sprinter angeschossen kommt und vorbei zieht. Viele sehe ich aber an der Versorgunsstation an der Wöhrder Wiese wieder, die machen dort Stop, während ich einfach noch ein Wasser abgreife und es im Laufen so gut es geht in mich hinein schütte, ein nicht unerheblicher Teil geht aber auch daneben, aber das Trikot ist ohnehin schon durchgeschwitzt.IMG_6236

Bei Kilometer 18 suche ich erst mal etwas verdattert nach meiner Freundin, aber sie hat die Seite gewechselt – während ich vollkommen fokusiert auf den rechten Rand der Strecke schaue winkt sie dann doch von der linken Seite – ein letzter kräftiger Anfeuerungsruf “wir sehen uns im Ziel” und schon läuft es sich wieder leichter – wohl auch weil es nur noch 3 km bis dorthin sind. Etwas langsamer bin ich geworden, ich gebe daher noch etwas Gas, bei 3km kann ja nicht mehr viel passieren (das reicht ja bei mir nicht mal mehr zum Aufwärmen). Noch liegen aber auch die Steigungen an der Lorenzkirche und die Senke vor dem Opernhaus vor mir – also nicht volle Kanne laufen, Reserven lassen. Mit diesem Mantra bezwinge ich den Nonnensteig und immer noch habe ich nicht das Gefühl, wie sonst beim Stadtlauf, am Ende meiner Kräfte zu sein als ich oben ankomme. Auf halber Höhe an der Lorenzkirche steht ein Motivationsschild: 19km sind geschafft – nur noch zwei sind zu bewältigen. Ich steigere weiterhin behutsam das Tempo. Es geht durch die Fußgängerzone und kurz vor Kilometer 20 riecht es dann auch noch lecker nach Essen – Pommes, Burger – der Körper meint: “Lass Pause machen”, der Kopf gibt klar Kontra: “Noch ein Kilometer, dann ist Pause und vorher nicht”.

stadtlauf_nuernberg_211_km_halbmarathon_startnr_99999Noch immer steigere ich das Tempo, oberhalb des Frauentorgrabens stehen Helga und Heinrich, ich sehe sie nicht, aber ich höre Helga ganz deutlich: “Auf, noch nen Endspurt Kai!” – gesagt getan, ich verschärfe das Tempo noch ein Stückchen und überhole weitere Läufer.  Nun gilt es nur noch die Steigung aus dem Graben heraus zu überstehen – ich höre innerlich Peter von meiner Laufgruppe sagen “Das ist nur ein Scheinbuckel, der scheint nur so steil….” und siehe da, so anstrengend ist es doch gar nicht. Sicherlich hat auch das freigesetzte Adrenalin seinen Anteil daran – nach der Spitzkehre gehts es aufs Ziel zu. Das Tor steht immer noch, und ich gebe nochmal alles – leider sind keine Läufer in Reichweite an die ich mich noch “ransaugen könnte”, also muss ich gegen die Uhr an der Strecke anlaufen – 1:37:32h zeigt sie beim ersten Anblick – da sind es noch wenige Meter bis zur Ziellinie – ich hole nochmal alle Reserven raus und rausche durchs Ziel – geschafft! Noch dazu deutlich schneller als ich mir vorgenommen hatte, da muss ich nächstes Jahr wohl die Zeiten noch weiter nach unten schrauben. Am Ende sind es netto 1:37:44h das freut mich natürlich. Aber genauso freue ich mich auf die Versorgung im Ziel, das gebotene Menü ist immer sehr reichhaltig, vom obligatorischen Wasser, ISO, Bananen, Äpfeln bis hin zu alkoholfreiem Weizen, Müsliriegeln und Kuchen ist alles geboten was das Läuferherz nach 21,1km begehrt.

Dennoch fällt mir auch hier auf: Es müssen dieses Jahr etwas weniger Läufer gewesen sein, oder zumindest die Verteilung des Feldes ist deutlich anders – wo sonst dichtes Gedränge und bald kein Durchkommen war, ist es diesmal erfrischend leer – man hat jede Menge Platz um an alle Versorgungstische heran zu kommen – oder liegt es vielleicht doch an der flotten Zeit? Mir soll es recht sein, es muss nicht jeder Lauf so überlaufen sein wie der Berliner Marathon. Das schönste kommt aber zum Schluss: Meine Freundin empfängt mich nach der Versorgung mit offenen Armen – allein für diesen Moment hat sich der Lauf gelohnt.  Da ist selbst das technische Problem des ausgefallenen Boilers in der Dusche eine Viertelstunde später völlig nebensächlich, wenn auch sehr erfrischend.

Fazit: Nürnberg, ich komme wieder: Zum Stadtlauf kommendes Jahr und in einem Monat schon zum LGA-Indoor-Marathon, dem wetterunabhängigen Marathon mit Hamsterrad-Effekt.

Wallensteinlauf in Altdorf bei Nürnberg

Nach einigen stressigen Ereignissen der letzten Wochen war ich ja echt erholungsbedürftig – gut das ich schon seit dem Weltkulturerbelauf in Bamberg im Mai meinen Lauffreunden aus Nürnberg versprochen hatte am Wallenstein-Halbmarathon in Altdorf teilzunehmen. Die Veranstaltung an sich kannte ich ja bereits, allerdings vor zwei Jahren nur als Zuschauer, am Vortag war damals der Altmühlseelauf über die Bühne gegangen und an ein “doppeltes Lottchen” (also aus 2x Halbmarathon in zwei Tagen ein Marathon-Wochenende zu machen) hatte ich damals keine Lust und war viel zu ausgepowert, daher damals nur Bilder vom Zieleinlauf.

Nun denn, einer der Stresspunkte beschäftigte mich erst mal doch noch: Eigentlich hatte ich ein gemeinsames Wochenende mit meiner Freundin geplant, aber da das mal wieder auf Eis liegt (welches mächtig Risse hat), war ich alleine unterwegs. In Stadtteil Kornburg, in dem meine vertraute Herberge liegt war Kerwe – nicht schlecht, dann kann  man gleich am Freitag Abend mit dem Carbo-Loading beginnen.

Den geplanten Besuch des Tierparks habe ich mir nicht nehmen lassen. Immerhin war ich jetzt schon so häufig in Nürnberg, und hatte sogar jeweils ein Semester im Sommer und Winter Zeit den Park zu besichtigen und hatte es nicht geschafft. Mit Helga und Heinreich als kompetente Führer war der Samstag sehr kurzweilig. Der Park ist sehr schön angelegt und man könnte darin wohl auch locker verschiedene Läufe mit reichlich Höhenmetern machen, ohne das es langweilig würde. So groß hatte ich ihn mir dann doch nicht vorgestellt. Aber ich weiß jetzt, dass ein Besuch definitiv auch ein weiteres Mal lohnt.

Abends ging es dann noch zur Startnummern-Ausgabe und Nudelparty. Ein zusätzliches Highlight waren die Kinder-Läufe über 400 und 1000m – einfach drollig anzuschauen und die Athleten von morgen zu bestaunen. Das kostenlose Nudelangebot wurde von allen Anwesenden Läufern und Begleitern mit viel Begeisterung angenommen – beinahe wären den Veranstaltern die Nudel und die Sauce ausgegangen. Zwischenzeitlich bildete sogar eine recht eindrucksvolle Schlange vor der Nudelausgabe. Klar, so einen Service gibt es eben nicht bei allen Läufen.

All zu lange sind wir denn auch nicht mehr geblieben, denn der Lauf startet sehr früh: Bereits um 8:00h in der Frühe ist der Start. Also nix wie morgens raus aus den Federn, Sachen packen und los gehts. Nachts hatte ich noch überlegt wie ich den Lauf angehen will – das Höhenprofil versprach einige Abwechslung – also nur nicht frühzeitig das Pulver verschießen. Außerdem wollte ich diesen Landschaftslauf ja bewusst zur Erholung machen, daher habe ich meine Ambitionen deutlich nach unten geschraubt und mir irgendetwas unter 2h vorgenommen, wenn es gut läuft sollten es unter 1:45 werden. Für mich sehr ungewohnt nicht mit einer neuen Bestzeit als Ziel in einen Lauf zu gehen. Ausgerechnet hatte ich mir Kilometerzeiten von 5:10 bis 5:30 min/km – irgendwo der Preisklasse, erfahrungsgemäß kann ich bei diesem Tempo entspannt laufen.

Fast schon überpünktlich krachte der Startschuss und die rund 300 Läufer setzten sich in Bewegung. In einigen Kurven und mit ersten Höhenmetern garniert geht es durch Altdorf. Bereits nach einem Kilometer merke ich, dass ich die Streckenbeschreibung wohl verkehrt herum interpretiert habe, zumindest was die Strecke nach einem kurzen gemeinsamen Stück auf das Stadttor betrifft. Aber halb so wild – wie rum man das nun läuft ist ja eigentlich egal und die Versorgungsstationen kommen eben dann etwas anders. Versorgung, ein gutes Stichwort: Es war schon beim Start angenehm warm – gut dass ich genügend Wasser am Mann mit mir herum trage. So konnte ich bereits lange vor der ersten Versorgung mal etwas “Schmiermittel” nachtanken. Das war auch bitter nötig, denn die Kilometerzeiten waren alles andere als die geplanten “etwas mehr als 5 Minuten pro Kilometer” … Der erste Kilometer flog an mir mit 4:06 Minuten vorbei … und auch die nächsten wurde es nur sehr allmählich besser. Andererseits bot sich die Strecke auch wirklich an: In Serpentinen ging es die ganze Zeit eigentlich stetig bergab, mal mehr mal weniger. Schmerzlich rief ich mir das Diagramm der Höhenmeter in den Kopf: Da war irgendwo ein großer Anstieg mit dabei und so viel wie wir bergab unterwegs waren würde der wohl richtig kräftig ausfallen. Irgendwo ziemlich in der Mitte wusste ich noch.

Mit Kilometer 5 klappte es dann auch mal endlich im Zielzeitfenster zu landen – ein wenig mehr als 5 Minuten bei ganz leicht ansteigendem Kurs. Insgesamt eine wirklich schöne Landschaft – mit der gefundenen Geschwindigkeit kann ich mich nun auch dieser ausführlicher widmen. Es geht durch Wälder und Auen, durch verschiedene Ortschaften und überall ist trotz der frühen Uhrzeit richtig Stimmung an der Strecke. In Schleifmühle biegt der 12km Lauf ab, für die Halbmarathonis geht gerade aus weiter durch die schöne Landschaft. Immer wieder gibt es kleiner Anstiege zu bewältigen und ich mahne mich zur Vorsicht, die nur nicht hochzuspurten.

Die Strecke quert die A3 unter einer Autobahnbrücke und danach geht es richtig kräftig bergauf, Kilometer 9 ist erreicht. Ich denke darüber nach ob das jetzt alles an Steigungen war oder nicht und bleibe weiter vorsichtig – insgemein stecke ich mir einen Marker bei Kilometer 15 – danach dürfte es nach meiner Erinnerung keine größeren Steigungen mehr geben. In Pühlheim steht wieder eine Versorgungsstation, genau richtig am Ende der Steigung – ich packe mir zwei Becher Wasser und kippe mir einen gleich mal über. Auf den sonnigen Abschnitten der Strecke ist es fast schon unangenehm heiß: Erinnerungen an die Strecke der Ulmer Laufnacht zwischen Kilometer 70 und 75 kommen hoch – dort ist es gefühlt auch immer unerträglich war (es sei denn es regnet). In sanftem Bogen geht es nun weiter gen Hegnenberg, ein kleines Waldstück beschattet die nächste Steigung zumindest zu Beginn, das macht sie erträglicher. Aus dem Wald heraus geht es den Berg hoch – der Name des Ortes ist Programm. Die Streckenführung erinnert mich unwillkürlich an den Kunzenbach am Kalten Herrgott, eine meiner häufigen Trainingsetappen im Odenwald.

Ab der Ortsmitte geht es dann langgezogen bergab, auch nicht ganz einfach zu laufen, länger Phasen bergab muss man auch ein wenig trainieren. Wieder unterqueren wir die Autobahn, der Wald drum herum spendet etwas Schatten bevor man in der Ferne schon Altdorf sehen kann. Nun geht es entlang der Landstraße durch die Sonne, ich schwitze fürchterlich, aber die Landschaft verliert dadurch keinenfalls ihren Reiz. Auch meine Kilometerzeiten sind jetzt absolut im Soll – in den Steigungsstrecken hatte ich zwischenzeitlich mal etwas mehr als 5:30, aber ein wenig Reserve habe ich mir ja heraus gearbeitet mit den Sprint-Kilometern zu Beginn.  Mittlerweile sind 15km geschafft – die Steigungen liegen also alle hinter mir. Nun liegt noch eine kleine Schleife durch den Wald vor mir, einige etwas in die Länge gezogene Anstiege gilt es noch zu bewältigen, aber mit Kilometer 16 verlasse ich den kühlen Wald und stehe schon direkt in Altdorf. Jetzt ist es ja auch nicht mehr weit bis ins Ziel.

Am Ortseingang stehen jede Menge Leute im Vorgarten – es gibt einen Kommentar zur Hitze und ich entgegne: “Wo ist der Gartenschlauch?” – wie ich auf den Bildern der Veranstalter später sehen kann, wurde das doch prompt als Verbesserung umgesetzt. Die Dusche am Wegesrand ist eine tolle Sache, die ich aus Bamberg kenne und nicht mehr missen möchte wenn es mal wieder heiß wird. Nun liegt die Altstadt von Altdorf vor mir, wie für mittelalterliche Städte üblich liegt sie etwas erhöht. Die Kilometer bis zum unteren Stadttor ziehen sich etwas hin, denn es geht schnurgerade stetig aufwärts. Im Stadtkern wird es besser, dort ist das Altstadtfest und die ersten Buden rüsten sich für den Ansturm, dazu etwas Musik die mich die Steigung zum oberen Stadttor förmlich hinauf trägt.

Noch etwas mehr als zwei Kilometer – und noch immer geht es ein klein wenig bergauf – die Straßen in der Stadt sind schon gut aufgeheizt, das Laufen fällt langsam etwas schwerer bei der Hitze. Aber jetzt lasse ich nicht mehr locker. Auf die Uhr habe ich schon gar nicht mehr groß geschaut. Prompt verpasse ich auch irgendwie das Schild für den Kilometer 20, aber die Umgebung wird langsam vertraut, weit ist es nicht mehr bis zur Mittelschule. Dankenswerter Weise führt die Strecke dann zur Schule hin auch noch mal etwas bergab und ich kann nochmals Läufer einsammeln bevor es auf die Ehrenrunde ins Stadion geht. Ziel erreicht und das in 1:42 irgendwas – also ist doch alles ok.

Noch kurz etwas warten und sich an der reichlichen Verpflegung laben: Obst in jeder erdenklichen Form, Wasser, ISO – was das Herz begehrt. Dann zum Duschen und zur Massage, erstaunlicherweise habe ich nur in den Waden Probleme, nicht jedoch wie ich gedacht hätte in den Oberschenkeln. Zur Siegerehrung gibt es dann noch ein reichhaltiges Kuchenbuffet, dazu bavarian Iso-Drink in Form von alkoholfreiem Weizenbier.

Fazit: Ein sehr schöner Lauf, der kommt auf die Liste für nächstes Jahr 😉

Weltkulturerbelauf Bamberg 2013

Alle zwei Jahre nur findet der Weltkulturerbelauf in Bamberg statt – immer in den ungeraden. Seit ich einmal dabei war,will ich nicht nur wegen des Wiedersehens mit Helgas Lauffreunden aus meiner Praktikumszeit in Nürnberg hin. Die Strecke ist sehr schön, aber auch anspruchsvoll. Aufgrund der engen Passagen gilt ein striktes Teilnehmerlimit von 3.700 Läufern auf der Halbmarathondistanz, somit hatte ich mich schon im Oktober, nur wenige Stunden nach der offiziellen Öffnung der Anmeldung registriert – bereits 48h war Schluss.

Die letzte Woche war das Wetter alles andere als erbaulich, und auch die Anfahrt verhieß mir nichts Gutes – immer stärkere Bewölkung, bis hin zu Nebelbänken auf der Autobahn – alles keine Dinge die mich jetzt wirklich 100% motiviert hätten. Aber wie so oft: Über Franken scheint die Sonne – und kurz vor Bamberg reißt der Himmel auf. Zwar ist es noch etwas windig aber insgesamt ideales Laufwetter.

Am Auto stelle ich dann fest, dass ich doch etwas in Mannheim vergessen habe: Meine persönliche Getränkeversorgung – normalerweise bin ich nicht ohne Getränkegürtel oder gar Camelback unterwegs – einfach weil ich weiß, dass ich immer dann Durst habe wenn gerade nichts in Reichweite ist. Aber alles Ärgern hilft nichts – laufen wir halt ohne, wird schon werden. Ebenso ärgerlich gestaltet sich das Parkticket-System im P+R-Parkhaus. Gemäß der offiziellen Empfehlung habe ich nicht mehr als notwendig an Wertgegenständen im Auto – nur leider nimmt der Automat für den Parkschein im Parkhaus keine Geldscheine an – Kleingeld reicht auch nicht … und mit der EC-Zahlung erhalte ich zweimal eine Fehlermeldung. Das muss doch nicht sein … Liebe Veranstalter, liebe Stadtwerke Bamberg: Lasst euch da für in zwei Jahren bitte etwas einfallen! Gerne kann ich auch das Parkticket bereits bei der Anmeldung buchen und dafür zahlen. Allemal besser als rumsuchen zu müssen wer denn nun wechseln kann. Irgendwie ist das P+R-Parkhaus auch merkwürdig: Man kann ohne Parkschein zu ziehen rein und raus – warum das Modell mit Schranken und zentralen Automaten in Bamberg noch nicht Schule gemacht hat ist mir nicht erklärlich. Immerhin klappt das Shuttle leidlich – auch wenn der Bus rappelvoll ist – auch dieses Phänomen tritt nicht zum ersten mal auf, der Lauf wird zum 6. Mal ausgetragen, da könnten sich einige Dinge schon mal so ergeben haben.

Passend zum ausgemachten Termin treffe ich Helga und ihren Mann Heinrich in der Nähe des Starts, Helga hat freundlicherweise wieder eine Sammelabholung der Unterlagen durchgeführt, so muss ich nicht bis 12:00h am Logistikzentrum sein und dann gefühlte Ewigkeiten noch Zeit totschlagen. Die Abgabe meines Gepäcks ist schnell erledigt, die Maria-Ward-Schule steht dafür dieses Jahr auch wieder zur Verfügung und der Check-In geht reibungslos und zügig. Noch bevor ich meine Sachen abgebe trinke ich einen ordentlichen Schluck Wasser, es ist mittlerweile angenehm warm und viele Teile der Strecke liegen in der Sonne.

Bis zum Start unterhalten wir uns alle noch recht gut, ich überlege noch aufs Klo zu gehen oder noch einen Schluck zu trinken vor dem Start, entscheide mich aber dagegen – keine so brilliante Idee wie sich zeigen wird … Pünktlich um 15:30h gibt es den Startschuss – ich benötige aber immer noch fast vier Minuten bis ich über die Startlinie komme – so voll ist es. Den ersten Kilometer will ich eigentlich ruhig angehen lassen, aber der fehlende Besuch auf dem stillen Örtchen macht sich schon negativ bemerkbar – so richtig ruhig und konzentriert will ich nicht werden. Immerhin gibt es bald genügend Abwechslung an der Strecke – bereits nach dem ersten Kilometer beginnt die Bergwertung – fast meint man in Rom zu sein: 7 Hügel gilt es zu erklimmen. Aber zusammen mit der Hitze merke ich, dass auch der zusätzliche Schluck Wasser vor dem Start wohl doch ratsam gewesen wäre. Irgendwie bin ich doch ein Komfort-Läufer: Mit der Flasche am Halfter sind solche Situationen kein großes Ding. Flasche raus und Durst stillen. So muss ich mich gedulden bis ich oben an der Burg bin. Das Panorama über die Stadt entschädigt mich indes für meine Mühen. Es ist ein herrlicher Frühjahrstag mit angenehmen Temperaturen und alles steht in voller Blüte. Einfach herrlich.

Die letzte Steigung zur Burg hats nochmal in sich, und ich merke wie gut man ohne Wasser laufen kann bzw. wenn man latent Durst hat – Performance und Runners-High fühlen sich anders an. In der Burg gibts endlich Wasser – ich kippe mir recht hastig drei Becher in den Rachen. Zumindest der akute Durst ist damit erst mal gestillt – aber ich weiß auch, dass es wohl kaum reichen wird, dafür resobiere ich Wasser zu langsam. Also erst mal Zähne zusammenbeißen, immerhin geht es jetzt erst mal bergab. Auf der Strecke ins Tal suche ich mir dann auch noch einen Busch – mit dem zusätzlich verfügbaren Wasser ist der hydrostatische Überdruck noch weiter gestiegen – die restlichen 15km stehe ich so nicht durch. Reichlich erleichtert geht es dann weiter.

Es geht in Richtung City – auch hier gibt es noch reichlich Hügel, immer mal wieder ein wenig hoch, ein wenig runter, aber der schwerste Brocken liegt hinter mir. Dafür ist der Durst schon wieder mein Begleiter – das Wasser scheint förmlich verdampft. Aber die nächste Versorgung lässt noch etwas auf sich warten: Erst bei Kilometer 9 gibt es wieder Wasser. Auch hier greife ich reichlich zu. Nun geht es auf den für mich schönsten Teil der Strecke, mit einigen Schleifen geht es durch den Hain von Bamberg. Rechts von mir der linke Pegnitzarm, die Vögel tragen neben den vielen Leuten an der Strecke mit zur Stimmung bei. Die Kilometer fliegen nun irgendwie fast an mir vorbei – ich habe meinen Pace gefunden. Auch liegt ja die Halbzeit mit Kilometer 12 schon hinter mir, jetzt ist es nur noch Kopfsache. Bei Kilometer 13 gibt es wieder Wasser – wieder lange ich kräftig zu um den Durst zu bekämpfen. Allerdings ist einer der Becher reichlich kalt, so habe ich mit Zitronen gehandelt und schleppe die nächsten vier Kilometer Magenkrämpfe mit mir herum. Aber Aufgeben ist jetzt auch keine Option mehr – dafür ist auch die Stimmung an der Strecke einfach zu gut.

Entlang des rechten Pegnitzarms geht es wieder auf die Stadt zu, je näher man dem Zentrum kommt um so belebter wird es rechts und links der Strecke. Die Leute machen eine echt gigantische Stimmung – und so langsam lassen die Krämpfe in der Magengrube nach. Kurz vor Kilometer 15 geht es weg von der Pegnitz und wieder in die Bebauung – auch bekannt als “Braurei-Schleife” – leider schaffe ich es auch dieses Jahr nicht, die Kurve so zu laufen, dass ich etwas von dem Radler abbekomme, diesmal blockiert ein langsamerer Läufer den Weg auf den Radler zu … bis ich ihn überholt habe bin ich wieder nur beim Wasser – schon wieder, aber auch nicht verkehrt, zumindest wenn ich nach meinem Durst gehe.

Nun geht es auf den Bischofsberg zu, natürlich in jeder Menge Schleifen durch die Altstadt, man soll ja auch etwas vom Weltkulturerbe sehen wenn man schon mal da ist. Nochmal gibt es eine Versorgungsstation, wieder greife ich Wasser ab, bevor es an die letzte größere Steigung hoch geht. Ich mahne mich zur Vorsicht, aber es sind ja auch nur noch 3km – vor lauter Konzentration übersehe ich die Schilder für die Kilometer und wundere mich: Da müsste doch schon längst eines gekommen sein … Aber die Strecke ist ja vermessen, da kann nichts schiefgehen. Auch bei den folgenden Gefällestrecken bin ich wieder froh um mein regelmäßiges Training im Exotenwald, ich habe es mittlerweile richtig gut drauf, es bergab richtig laufen zu lassen und den Schwung in die nächste Steigung mitzunehmen. Das Kopfsteinpflaster macht es aber nicht gerade leichter die Füße sauber aufzusetzen.

Nach dem Bischofsberg sind es noch etwa 800m, und die Stimmung an der Strecke kocht richtig. Jetzt ist mir klar: Ankommen ist auf alle Fälle drin und ich gebe nochmal ein wenig Gas, auch wenn ich gerne etwas mehr Endspurtpower gehabt hätte. Sei es drum, mit dem Einbiegen auf die Zielgerade sehe ich die Uhr, und die zeigt: 1:49:5x, ich raffe mich nochmal auf, und laufe exakt mit dem Umspringen auf 1:50:00 der Bruttozeit über die Ziellinie. So richtig freuen kann ich mich adhoc noch nicht – mein Magen bedankt sich erst mal für die Wasserkur … mit einem ordentlichen Husten. Die Sanis sind schon etwas besorgt, aber es geht dann doch recht schnell wieder. Zur Versöhnung gibts dann erst mal bavarian Iso-Drink: Alkoholfreies Weizen. Das bekommt mir nach dem vielen Wasser deutlich besser. Merke: Nochmal passiert mir das nicht mit der Getränkeversorgung – sowohl mit der Eigenversorgung als auch mit der Versorgung und Entsorgung vor dem Lauf.

Mit reichlich Obst und Gebäck fülle ich meine leeren Speicher wieder auf, bevor es in Richtung Gepäckausgabe geht. Dabei mache ich eine weitere unbequeme Erfahrung: Ich habe wohl mal wieder nicht genügend Elektrolyte während des Laufs gehabt – leichte Krampfansätze in den Waden sind die Folge – die rechte Fußunterseite macht dann mit der Drohung auch noch richtig ernst … Sehr praktisch dass es eine kostenfreie Massage gibt – einmal richtig durchkneten lassen – besonders den immer wieder krampfenden Muskel im Fuß … die Physiotherapeutin hat das richtig gut drauf – zielsicher weiß sie welche Sehnen da betroffen sind – auch wenn es im ersten Moment ganz ordentlich schmerzt – danach wird es besser.

Damit es weiterhin so bleibt gehe ich noch zur Dusche – allerdings barfuß, das tut richtig gut wie ich merke – mit jedem Schritt wird es besser. Nach dem Lauf treffe ich wie vereinbart noch Helgas Lauffreunde an der “dicken Berta”  – so richtig Hunger hat allerdings keiner mehr, daher trennen wir uns bald darauf – und ich erwische mal wieder den letzten Shuttle-Bus nach Breitenau.

Fazit: Der Lauf ist Kult und ich möchte ihn auf keinen Fall missen. Aber in zwei Jahren gehe ich das hoffentlich etwas professioneller an, ich weiß ja dass ich es eigentlich kann. Man muss nicht gerade in Bamberg für irgendeinen Wüstenlauf trainieren und nach meinen Erfahrungen muss ich für solche Veranstaltungen ohnehin erst noch etwas üben…

Nachtrag: Mittlerweile habe ich auch die Ergebnisse: 1:46:55 – ganz ok für mich. Betroffen macht mich jedoch die Meldung über den Todesfall während des Laufes. Ein Läufer ist im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke geblieben. Mein Beileid den Angehörigen und mein Dank an alle Helfer die Ihr bestes gegeben haben.

 

Altmühlseelauf – Läufer geduscht …

Seit 5 Jahren bin ich nun laufenderweise unterwegs – ein wichtiger Schritt zum Langstreckenläufer war der erste Halbmarathon. Den habe ich anno 2007 in Unterwurmbach/  Gunzenhausen am bzw. um den Altmühlseelauf absolviert. Seitdem ist der Lauf bei mir fest im Programm. Zumindest das Drum-Herum hatte ich diesmal ausgiebig vorab organisiert – Übernachtung in Nürnberg – Treffen mit Helga’s Lauffreunden und auch die Weiterfahrt Richtung Landshut zum Bundesjugendlager der THW-Jugend. Nur eines habe ich vergessen: Die Anmeldung für den Lauf – naja kein Ding, bis eine Stunde vor dem Start sind noch Nachmeldungen möglich.

In Nürnberg bin ich noch am Grübeln ob ich denn jetzt wirklich fahren soll – das Wetter ist nicht astrein, immer mal wieder Regenschauer und ich habe derzeit keine Verpflichtung dort hin zu gehen, da ja die Anmeldung fehlt. Aber ich gebe dem inneren Schweinehund kurzerhand einen Tritt und er verkriecht sich jaulend in die Ecke, während ich mich auf den Weg aus Nürnberg raus, dem Altmühlsee entgegen mache.

Die Fahrt entlang der B466 ist jedes Jahr für eine Überraschung gut, jedes Jahr wird ein anderes Teilstück saniert – und so gibt es jedes Jahr eine andere Streckenführung oder Umleitung.  Aber ich habe ja reichlich Reserve bei der Zeit gelassen. Den Weg auf die Parkplatzwiese finde ich ja schon fast blind.

Es ist noch etwas hin bis zum Start, aber langweilig wird einem nicht – Erwin Bittel als Chef vom Team-Bittel ist ja da – man unterhält sich, scherzt und dann geht es auch schon weiter mit ein wenig Aufwärmen. Etwas das ich sonst eher ausfallen lasse. Erwin will natürlich auch wieder Fotos machen, muss dann aber feststellen: So ohne Akku-Ladung funktioniert die Digicam nicht – kurzerhand drücke ich ihm meine in die Hand – ich komme beim Laufen eh nicht zum fotografieren …

Angepeilt hatte ich ganz grob die 1:40 als Zielzeit – hieße also im Schnitt ca. 4:45 min/km mal sehen ob das hinhaut – angesichts der doch etwas laxen Vorbereitung ist das vielleicht doch etwas ambitioniert. Ich werde es erleben/erlaufen.

Am Start trenne ich mich vom restlichen Bittel-Team um etwas weiter vorne starten zu können – Erwin hat die Losung 2h ausgegeben. Los geht es wie immer oberhalb des Sportplatz, eine leichte Senke am Parkplatz vorbei und dann gleich eine der ersten Steigungen in der insgesamt sehr flachen Strecke. In Unterwurmbach selbst ist einiges los – jede Menge Menschen säumen die Strecke und begleiten den Lauf mit Kuhglocken, Trommeln und allem was das Läuferherz sonst noch höher schlagen lässt.

Herzschlag: Gute Stichwort – ein Blick auf den Pulsmesser sagt: Alles ok, die Zeiten sind im Rahmen mit 4:40 und dann sogar ein Kilometer mit 4:29 – da muss ich doch wieder etwas drosseln. Es geht aus Unterwurmbach raus, dem See entgegen, der dem Lauf den Namen gibt. Damit es auch ein Halbmarathon wird, ist noch eine kleine Extra-Schleife eingebaut – aber was sehe ich da: Schon das Kilometerschild 4 – das ging ja flugs und noch fühle ich mich fit wie ein Turnschuh.

Kurz nach Kilometer 5 geht es unter der Bundesstraße durch und den Damm am See nach oben – damit sind alle größeren positiven Steigungen überwunden – von ein paar sanften Wellen im Verlauf um den See abgesehen – aber das als Steigung zu bezeichnen widerstrebt mir dann doch erheblich.

Und das ist auch schon das “Fragment” eines Kilometerschilds: Der Wind hat wohl die aufgebrachte Beschriftung herunter geweht, aber man kann ja auch mitzählen – 7km liegen nunmehr hinter mir, ein Drittel geschafft. Die Zeiten sind immer noch im Rahmen, aber ich werde irgendwie doch wieder langsamer – egal, Spaß soll der Lauf ja auch noch machen.

Nach der Getränkestelle am Kilometer 8 geht es weiterhin auf dem Damm entlang – der Untergrund ist nunmehr aber nicht mehr asphaltiert sondern geschottert – mir ist das ziemlich egal, es läuft sich auf beiden Untergründen gut. In der Entfernung sehe ich etwas, dass mir dann doch etwas Sorgen bereitet: Die Wolken werden immer dunkler – und man kann auch die typischen Regenschlieren schon erkennen. Noch habe ich die Hoffnung, dass es vorbei gezogen ist bis wir  in dem jetzt wohl verregneten Bereich angekommen sind.

Passend fast genau zur Halbzeit bekomme ich die ersten Tropfen ab – erst ein leichter Nieselregen, dann wird es immer mehr, und binnen kürzester Zeit bin ich vollkommen eingeweicht und der Weg wird zum Slalomlauf um die Pfützen herum. Die Schuhe quietschen und der Wind peitscht einem ganz ordentlich ins Gesicht. Aber Umkehren oder Abbrechen ist jetzt auch keine Alternative mehr. So jogge ich weiter mit dem schwer gewordenen Schuhen und hoffe, dass die Blasen nicht so übermäßig werden – immerhin habe ich ja noch Andenken dieser Form an die Ulmer Laufnacht vor rund 4 Wochen …

Vorbei geht es an den nächsten Verpflegungsstationen – immer noch im strömenden Regen – ich greife ein wenig ISO und Cola ab und schon geht es weiter. Kilometer 14 ist genommen – nur noch ein Drittel der Strecke liegt vor mir – die Lust ist mit dem Regen etwas dahin und auch die Zeiten haben sich verschlechtert, um die 5 min/km habe ich mich jetzt eingependelt. Sei es drum – jetzt heißt es nur noch Ankommen, auch wenn mich immer wieder Läufer überholen. Durch den Regenguss ist auch die Menge Zuschauer entlang der Strecke deutlich zurück gegangen – einzig an den Getränkestellen ist noch ein wenig was los – an dieser Stelle ein dickes Lob an die Helfer die dem schlechten Wetter trotzen und die Läufer versorgen.

In der Ferne ist Gunzenhausen zu sehen, und über den See spannt sich malerisch ein Regenbogen, während der Regen langsam nachlässt. Fast sieht es so aus als würde der Regenbogen im Sportheim des TV Unterwurmbach enden, ich glaube die wären aber nicht begeistert wenn man anfangen würde den Sportplatz auf der Suche nach dem legendären Goldtopf umpflügt …

Endlich, nach irgendwie gefühlten kaugummiartigen Kilometern kommt der Abstieg vom Damm – der See ist umrundet – jetzt sind es noch zwei Kilometer bis ins Ziel. An der Versorgung am Fuß des Damms greife ich nochmal Cola und Iso ab, dass muss dann bis ins Ziel reichen. Der Weg ist mit vielen Pfützen übersät, aber es ist eh alles nass – da macht es auch nichts mehr aus das eine oder andere Gewässer mit zunehmen. Kurz nach der Unterführung unter der B466 hindurch steht die Brühe über die gesamte Breite – zum drüberspringen fehlt mir die Kraft, also einfach direkt durch …

Die letzte Wasser-Station lasse ich kurzerhand einfach aus – am Ende der Straße steht schon das Kilometerschild 20 – nur noch ein popeliger Kilometer – allerdings will und will der diesmal nicht enden. Ich bin sichtlich erleichtert als die Brücke kurz vor dem Parkplatz endlich auftaucht – noch ein kleiner Zacken bergab und wieder bergauf ist fällig – bergab mit nassen Schuhen ist absolut ekelhaft … da gefällt mir bergan deutlich besser. Und da bin ich auch schon wieder auf der Zielgeraden – leider funktioniert die Uhr über dem Zieleinlauf nicht – die ist wohl auch “abgesoffen” von daher bleibt mir erst mal nur “schätzen” – irgendwas um die 1:45h werden es wohl sein. Nicht ganz das was ich geplant hatte, aber bei dem  Sauwetter immer noch ganz ok.

Ich lasse mir Banane und alkoholfreies Weizen schmecken währen die ersten weiteren Bittelaner auch ins Ziel kommen. Von Erwin noch keine Spur – er hat ja auch noch Zeit. Eigentlich will ich ja warten und anfeuern, aber in der nassen Kleidung und dem Wind wird es dann doch etwas kühl – also auf zum Auto, vielleicht sehe ich ihn ja dort auf der Strecke … aber Fehlanzeige. Damit mir wieder warm wird lasse ich die nassen Socken und Schuhe gleich am Auto und begebe mich dann in die Duschhalle. Ein etwas kurioses Konstrukt aber es hat sich bewährt. Nur fallen diesmal die Umkleidemöglichkeiten vor dem Zelt sprichwörtlich in Wasser – die Wiese ist einfach zu aufgeweicht.

Unter der Dusche höre ich dann den Zieleinlauf von Erwin – mittlerweile ist es etwas über 2h seit dem Start – passt also. Auf dem Parkplatz treffe ich Erwin dann und erhalte meine Kamera zurück, die den Regenschauer schadlos überstanden hat. So ein Hut hält halt doch einiges an Regen ab 😉

Gemeinsam gehts zur Massage – ein super Angebot, dass ich nicht mehr missen möchte nach einem langen Lauf, bei etwas zu Essen und einem Weizen lassen wir den Tag ausklingen, bevor wir uns auf den Heimweg machen.

Fazit: Der Lauf um den See wird immer beliebter und professioneller, kann aber sein familiäres Flair noch recht gut halten. Und so ein Regenschauer kann einen Läufer auch nicht aufhalten.