Stadtlauf Nürnberg 2022

Es ist 3. Oktober, Tag der deutschen Wiedervereinigung und für ganz viele auch endlich wieder Stadtlauftag in Nürnberg. Der ist traditionell immer am 3. Oktober und das zumindest seit ich 2007 das erste Mal dran teilgenommen habe. Meine Serie ist dank Corona leider “abgerissen” – bis 2019 war ich jedes Jahr dabei. 2020 fiel komplett ins Wasser wegen Corona und 2021 wurde der Lauf kurzfristig abgesagt – für mich wäre es eine interessante Kombination geworden, denn am 2.10.2021 war ich ja am Rennsteig. Aber es ist ja nur ein Halbmarathon, den kann man durchaus am Tag nach dem Supermarathon als “Lockerungseinheit” einplanen. Man dürfte ggf. nur keine gute Zeit oder Platzierung erwarten. So ist der Lauf aber bei mir auch wieder in Vergessenheit geraten, um so erstaunter war ich dann Mitte September über die Teilnehmer-Info zur Ausgabe 2022. Man hatte freundlicher Weise einfach meinen bezahlten Startplatz auf 2022 umgebucht.

Was da nicht auf der Rechnung stand, war meine Fortbildung zum C-Trainer, die ich in diesem Jahr endlich in Angriff genommen habe. Einer der Wochenendtermine: 30.09. bis 2.10. – genau passend eigentlich. Auch wenn ich ungern die Fahrt nach Nürnberg nur für einen Tag mache, auch das habe ich in der Vergangenheit einige Male gehabt. Verlängern geht aufgrund mittlerweile schulpflichtiger Kinder nicht mehr. Leider hat sich nach der Pandemie noch eine weitere Änderung in den Ablauf eingeschlichen: der Halbmarathon ist vom Nachmittag auf den Vormittag gewandert und auch die Kinderläufe sind gefühlt deutlich nach vorne gerückt. So finde ich mich kurz nach der Rückkehr vom Trainer-Lehrgang am Sonntag Abend schon wieder auf der Autobahn in Richtung Nürnberg. Mit dabei auch ein ordentlicher Muskelkater aus dem Lehrgang, denn wir haben einige Muskelpartien angesprochen, die ich sonst eher nicht nutze.

Die Unterkunft ist diesmal auch wieder in direkter Nähe zum Start, es gab noch günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Für eine kurze Nacht sind wir da auch nicht übermäßig wählerisch. Etwas weniger geplant verläuft unsere Anreise auf den letzten Metern. Eigentlich hatte ich das Parkhaus in Röthenbach als Park&Ride-Punkt ausgewählt, nur leider ist das nicht mehr, vollständig abgerissen. Im benachbarten Parkhaus des Einkaufszentrums darf man aber nur 3h stehen. Kurzerhand fahren wir eben doch mit dem Auto bis ans Hotel (das direkt an der U-Bahn-Haltestelle liegt), wir haben Glück und finden sogar noch einen Parkplatz in der Seitenstraße der an Sonn- und Feiertagen kostenfrei ist.

Der Feiertag beginnt recht früh, bereits um kurz vor 8h laufe ich mit den Jungs ans Opernhaus und wir holen dort unsere Unterlagen ab. Etwas enttäuschend finde ich, dass es selbst für den 1,7km Lauf gibt es keine Zeitmessung gibt. Für den Bambinilauf kann ich das noch nachvollziehen, hier steht das Ankommen und das Erlebnis im Vordergrund, aber für Schüler bieten wir selbst bei unserem Herbstlauf über 1,2km eine Zeitmessung. Ich löse derweil noch ein Problem mit meinen BOA-Schuhen – da ich keine klassischen Schnürsenkel habe, muss ich den Chip kurzerhand mit Sicherheitsnadeln am Schuh befestigen. Nach einem kurzen Frühstück geht es dann auch für den Jüngsten in Richtung Startblock – zur Sicherheit begleitet der große Bruder – so können die Eltern an der Strecke stehen oder hinterher laufen. Am Endes des Feldes treffe ich dann natürlich auch den langjährigen Besenläufer: Erwin Bittel ist wie jedes Jahr wieder mit von der Partie.

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Halbmarathon Heidelberg 2022

Zumindest gefühlt ist die Pandemie auf dem Rückzug, ein untrügliches Zeichen dafür sind die wieder angebotenen Laufwettkämpfe. Unter anderem war der Heidelberger Halbmarathon zwei Jahre lang ausgefallen. Um so ärgerlicher für eine Laufkollegin, dass sie sich kurz vor der Veranstaltung doch noch angesteckt hat. Teilnahme unmöglich – so bin ich kurzfristig und auch etwas ungeplant zu einem Startplatz beim Halbmarathon gekommen – ob ich jetzt einen Trainingslauf über 15km mache oder einen Halbmarathon laufe, das macht für mich wenig Unterschied. Zudem ist man beim Wettkampf natürlich immer etwas motivierter als wenn man nur seine übliche Trainingsrunde abspult.

Der Lauf in Heidelberg hat zudem den Vorteil, dass es keiner langen Anreise bedarf. Ich war fast schon versucht die Strecke zum Lauf mit dem Rad zurück zu legen, entscheide mich dann aber ob des etwas kühlen und nebligem Wetter doch für das kostenlose ÖPNV-Ticket. Die Organisation ist auch nach den Ausfällen in den letzten Jahren sehr gut eingespielt – bereits am Bahnhof stehen erste Helfer die den Läufern den Weg zum Shuttle-Bus weißen. Auch die Ummeldung ist recht fix erledigt, fast schon schneller als gedacht bin startklar. Heißt aber auch noch ein wenig warten bis zum Start. Mit dem dritten Startblock geht es erst um 9:25h auf die Reise – 10 Minuten nach den Profis, aber da mache ich mir ja ohnehin keine Illusionen. Continue reading

Halbmarathon beim 34. Oggersheimer Berglauf

Recht kurzfristig habe ich mich entschieden am Halbmarathon in Oggersheim teilzunehmen, meine übliche sonntägliche Trainingsgruppe ist aus verschiedenen Gründen nicht zusammen gekommen und alleine Laufen macht bekanntlich weniger Spaß und man kann sich schwerer überwinden doch etwas zu machen. Die Idee mit der Teilnahme kam mir gerade noch rechtzeitig – rund 15 Minuten vor Anmeldeschluss habe ich mich registriert. So knapp war es seinerzeit noch nicht einmal beim Nürnberger Stadtlauf 2014, aber auch dort kam eine gute Zeit raus. Der Preis für den Lauf ist mit 10 EUR echt human, vom EUR/km-Quotienten liegt er fast so gut wie Pyramides Noir.

Die Anfahrt nach Oggersheim ist nicht weit, das ist ein absoluter Vorteil bei Läufen in der Region. Dennoch verfahre ich mich prompt auf dem Weg zur Turngemeinde Oggersheim 1880. Just-in-time erreiche ich den Start – noch rund 10 Minuten bleiben um die Startnummer abzuholen und sich bereit zu machen. Im Startbereich unterhalte ich mich dann recht gut mit einigen anderen Läufern. Aufgrund der Pandemie müssen wir mit Abstand starten und wer hohe Startnummern hat wie die Nachmelder startet eben recht weit hinten. Die Strecke hatte ich mir vorab nur grob angeschaut und die Veranstaltung heißt ja eigentlich auch “Berglauf” wobei der höchste Punkt der Michaelsberg mit sagenhaften 125 m üNN. ist, die Rheinebene rund um Mannheim Ludgwigshafen liegt ungefähr auf 100 m üNN. (mal etwas mehr mal etwas weniger), also bei weitem kein Anstieg wie am Rennsteig oder in Kapstadt. Continue reading

Stadtlauf 2019 in Nürnberg

Der Sommer ist vorüber, es geht langsam gegen Herbst und mit dem langsam kühleren Wetter nähert sich auch der Termin des Stadtlaufs in Nürnberg. Mittlerweile ist es die 13. Teilnahme für mich. Das hätte ich mir 2007 nicht träumen lassen.

Das Abholen der Unterlagen ist mittlerweile schon eine Routine-Übung, seit letztem Jahr muss ich aber auch daran denken, nicht nur die Unterlagen für den Halbmarathon abzuholen, sondern auch einen der Beutel für den Bambinilauf über 600m. Dabei gibt es diesmal einen ersten Minus-Punkt: Obwohl wir vorangemeldet haben, sind für die Kinder nur noch Lauf-Trikots in XL verfügbar – für unseren Ältesten immer noch deutlich zu groß – mehr Nachthemd denn Laufshirt. Continue reading

Weltkulturerbelauf Bamberg 2019

Es ist mal wieder ein ungerades Jahr, somit gibt es wieder einen Weltkulturerbelauf in Bamberg. Praktischerweise findet der Weinstraßen-Marathon ebenfalls immer nur jedes zweite Jahr statt und das in den geraden Jahren. Da beide im ungefähr gleichen Zeitfenster liegen bin ich immer wechselweise in Bamberg oder an der Weinstraße am Start. in Bamberg gibt es zudem immer ein Wiedersehen mit Helgas Lauffreunden, den Laufgruppe aus Nürnberg bei damals Lucent Technologies, wo meine ganze Lauferei ihren Anfang genommen hat.

Seit einigen Jahren hat sich einiges geändert, bin ich früher noch einfach sehr früh in Mannheim aufgebrochen und nach dem Lauf auch direkt wieder nach Hause gefahren. Mit der Familie geht das natürlich nicht mehr so ohne weiteres, das hat uns bereits der erste Familiendurchlauf 2015 (noch dazu bei durchgängig strömendem Regen) gezeigt. Bei der letzten Durchführung hatten wir daher eine Ferienwohnung etwas außerhalb, das hatte sich eigentlich bewährt, aber dieses Jahr war ich etwas zu spät dran. Daher sind wir diesmal mehrere Tage in der Jugendherberge direkt im Zentrum Bambergs untergekommen. Die Unterkunft ist von der Laufstrecke recht gut eingeschlossen, bereits bei der Anreise sehe ich die Kilometerschilder und einige Bereiche rund um die Herberge kommen mir auch recht vertraut vor.

Am Tag vor dem Lauf meint es das Wetter absolut nicht gut, es regnet fast ununterbrochen. Mit dem Shuttlebus fahren wir zur Abholung der Unterlagen – rund um die HDE-Halle ist mal wieder ein heiloses Chaos ausgebrochen was die Parkplätze betrifft. Mit etwas Abstimmung treffen wir Helga und Heinrich in der Halle. Ich besorge meine Unterlagen und einen original Muskelkater (Plüschtier) für Yann. Danach machen wir uns gleich wieder los. Normalerweise verteilt sich die Läuferschaft auf dem Gelände etwas, aber aufgrund des Regens muss man in der Halle die Läufer fast stapeln (immerhin ausreichend Hochregale wären vorhanden).

Eigentlich wollten wir zum Mittagessen beim Rixx vorbeischauen und uns eine leckere Currywurst schmecken lassen. Leider ist das Restaurant derzeit wegen Renovierung geschlossen. Daher ziehen wir mit Helga und Heinrich etwas weiter und landen im Restaurant Zeis. Sehr leckere fränkische Küche mit allerlei Leckereien, schön dass man nicht unbedingt auf die Kalorien achten müssen – die müssen am Wettkampf ohnehin wieder dran glauben. Etwas überraschend zahlen Helga und Heinrich dann für alle (was so nicht geplant war), daher auch hier nochmal: herzlichen Dank für die Einladung – wir müssen mal einen ansprechenden Lauf im Rhein-Neckar-Raum finden um uns zu revanchieren. Vielleicht wäre ja der Weinstraßenlauf im kommenden Jahr eine Option.

Helga und Heinrich fahren zurück nach Nürnberg (das ist ja nur ein Katzensprung im Vergleich zu unserer Fahrzeit nach Mannheim), da es immer noch regnet machen wir uns auf den Weg ins Bambados – dem Hallen- und Freizeitbad der Stadt Bamberg. Das kann sich echt sehen lassen, die Kinder haben definitiv ihren Spaß dabei. Meiner Erkältung hilft der Schwimmbadbesuch wahrscheinlich eher nicht, immer erhalte ich beim Toben mit dem Nachwuchs die ein oder andere unfreiwillige Spülung der Nebenhölen…. Continue reading

Bamberg Halbmarathon – Weltkulturerbelauf

Fast genau 2 Jahre ist es her, dass ich angefangen habe zu laufen.
Mit der hervorragenden Unterstützung durch die Laufsportgruppe “Helgas Lauffreunde” bei (damals noch) Lucent Technologies. Bei meinem Einstieg in die Laufwelt trainierten die Mitglieder intensiv für den Weltkulturerbelauf in Bamberg. Ein Kollege konnte am Lauf nicht teilnehmen und bot seinen Startplatz an, allerdings war mir ein Halbmarathon nach nur 4 Trainingswochen absolut nicht geheuer, schon gar nicht nachdem ich das Höhenprofil angeschaut hatte. Aber ich musste versprechen: “Bei nächsten Mal bin ich in Bamberg dabei”.

Also hatte ich mich gleich nach der Freischaltung der Anmeldung angemeldet für den 03.05.2009 in Bamberg. Ohne es zu bemerken hatte ich mir mit dem MLP-Marathon am 09.05.2009 eine sehr intensive Laufwoche zusammengestellt. Aber ein Versprechen zu brechen, das kommt nicht in Frage. So machte ich mich am 03.05.2009 frühs auf den Weg ins Frankenland. Der Wetterbericht war sich nicht einig, und während der Anfahrt hatte sich schon alles geboten – von intensivem Sonnenschein bis Regen und Nebel. Doch je näher ich Bamberg kam, um so besser wurde das Wetter.

Nachdem der kostenfreie Shuttle-Service ab dem P+R-Parkhaus Breitenau reibungslos verlief (ein paar zusätzliche Hinweisschilder wären dennoch hilfreich gewesen) hieß es erst mal warten: Der “Premiumlauf” startete natürlich als krönender Abschluss erst um 15:30 Uhr. Also mehr als genügend Zeit, um Kohlenhydrate in Form von “Kloß mit Soß” einzulagern und mich am Treffpunkt mit “Helgas Lauffreunden” einzufinden und Erfahrungsaustausch zu betreiben.

Kurz vor halb vier ging es endlich in den Startblock. Rappelvoll war es und erst 6 min. nach dem Startschuss der Böller-Kompanie konnte ich die Startlinie überqueren. Auf dem ersten Kilometer nichts Ungewöhnliches: Ein paar Leute überholen und so ganz langsam wurde das Feld um mich herum freier. Kurz nach km1 gings dann ans Eingemachte: Die erste Steigung hinauf zur Altenburg. Kurzer Blick auf den Pulsmesser? Alles OK für den Anstieg.

Einige Mitläufer gingen bereits und es wurde richtig anstrengend für mich, da ich ständig Mitläufer überholen musste. Kurze Erholung und etwas Blasmusik vor der nächsten Steigung. Schotter, Kopfsteinpflaster und Asphalt wechselten sich als Untergrund ab. Nicht ganz einfach zu Laufen aber der Blick ins Maintal entschädigt doch für einiges! Hinter einer Haarnadelkurve lauerte auch schon die nächste Steigung. Zäh zog es sich bergauf. Kurz danach Kontrastprogramm: Steil bergab und gleich darauf wieder aufwärts. Kurz vor dem Wald noch mal ein schöner Blick nach vorne in Richtung Burg. Dann durch den Wald richtig steil bergauf und schon stand man auf dem Vorplatz der Burg. Diesen schwierigsten Teil hatte ich erstaunlich gut überstanden.

Jetzt ging es mehrere Kilometer kräftig bergab, sehr zur Freude meiner Oberschenkel und zum Frust meiner Waden und Knie. Immer im Kopf: Nur nicht zu schnell, sonst wird das nix mit dem Zieleinlauf. Ein kurzer Plausch mit einem Mitläufer und schon kommen wir am km7-Schild vorbei. Das erste Drittel lag hinter uns, und die Steigungen waren fürs erste beendet. So dachte ich zumindest.

Richtig umfangreich waren die Steigungen dann ja nicht mehr aber die Kombination mit dem Kopfsteinpflaster erforderte volle Konzentration. Durch die zahlreichen Zuschauer wurden wir tatkräftig mit Applaus unterstützt, was einen alle Schmerzen vergessen lies. Nur nicht blamieren.

Nach einem Abstecher an die Regnitz und die Brücken darüber ging es durch den reizvollen Stadtpark. Auch hier viele Zuschauer, die das Laufen zu einem wirklichen Genuss machten. Das schöne Wetter trug den Rest zur guten Laune bei.
Schneller als gedacht tauchte der Wendepunkt am Ende des Stadtparks auf. Von nun an ging es wieder Richtung Innenstadt, immer entlang des Main-Donau-Kanals. Und alles dankenswerter Weise ohne große Steigungen. Ach ja ein wichtiges Kilometerschild kam auch noch: 14 km! Zwei Drittel, so langsam könnte ich zum Endspurt ansetzen?

Etwas mehr als 1kmer später ging es dann weg von der Regnitz, rein in die Altstadt. Überall Menschen die uns anfeuerten! Ein echt gutes Gefühl. Dazu die Kulisse der engen Straßen Bambergs: Echt berauschend.

Das dicke Ende kam noch: Die heftige Steigung zum Dom hoch, die sich ein gutes Stück hinzog. Aber dank Unterstützung der Trommler am Rande der Strecke und den Anfeuerungsrufen wurde ich fast den Berg hoch getragen. Neben den Erfrischungen durch zahlreiche Gartensprenger und Wasserschläuche gab es jetzt auch noch den Segen des Himmels dazu. Ein leichter Schauer zog über den Domberg hinweg. Doch angesichts der Steigung eine willkommene Erfrischung. Wenn da nicht das Kopfsteinpflaster wäre, das dann rutschbahnähnliche Eigenschaften hat…

Dann kam das wichtigste Schild kurz nach der Kuppe: „noch 1 km“. Zeit für meinen Endspurt. Menschenmassen an der Strecke… Es läuft sich wie in Trance… Ein letzter sanfter Hügel über die Brücke und da vorne ist das Ziel. Wow! Was für ein Lauf. Und angesichts der Steigungen eine respektable Zeit für mich (1:46 h). Passt.

Eines ist klar: 2011 will ich wieder dabei sein! Jetzt heißt es aber erst mal Muskelkater auskurieren, und Kohlenhydrate einschaufeln. Der Marathon in Mannheim ist in 6 Tagen. Aber dem kann ich gelassen entgegen sehen. Schaffen werd ich ihn auf alle Fälle, ob er an die Stimmung in Bamberg rankommt?

SAS Halbmarathon in Heidelberg

Eigentlich hatte ich mir ja nach dem Wettkampf an der Weinstraße vorgenommen, etwas Regeneration zu machen – also etwas ruhigere Trainingseinheiten. Durch Verletzungspech eines anderen Teilnehmers bekam ich aber kurzfristig die Möglichkeit am Halbmarathon in Heidelberg teilzunehmen. Ob ich nun eine Trainingseinheit mache oder ob ich nach Heidelberg fahre und dort teilnehme nimmt sich ja nicht all zu viel.

Luftlinie sind es rund zehn bis zwölf Kilometer zwischen meinem Wohnort und dem Start. Wie ich leider bei der Prüfung der Option ÖPNV feststellen muss, liegen scheints aber doch Welten dazwischen – die meisten der vorgeschlagenen Verbindungen brauchen etwas mehr als eine Stunde für die Distanz. Da kann man es ja fast laufen oder mit dem Rad fahren. Am Ende entscheide ich mich dann für den kombinierten Verkehr: Mit dem Rad an einen günstig gelegenen S-Bahnhof und ab dort dann mit der Teilnahmebestätigung. Alles sehr gut organisiert und ausgeschildert. Am Start treffe ich dann auch Micha und Frank, sie haben für mich am Vortag schon die Unterlagen abgeholt und die Ummeldung vorgenommen. Bevor es losgeht laufen wir uns noch einige Meter warm – wobei warm ist mir auch so – es ist kurz nach neun und die Sonne strahlt vom blauen Himmel mit aller Kraft. Continue reading

Stadtlauf Nürnberg 2017

Drei Viertel des Jahres sind rum, und für mich dieses Jahr damit auch die Wettkampf-Saison beim Laufen. Der letzte Wettkampf für mich war der Stadtlauf am 3. Oktober in Nürnberg. Mittlerweile ist dies ein echter Traditionslauf bei mir geworden. Diesmal war ich schon zum elften Mal in Folge dabei. Über die Jahre haben sich einige Veränderungen ergeben, sowohl bei der Organisation als auch bei mir. Daher gleicht bisher kaum ein Jahr dem anderen. Bei den ersten Teilnahmen gab es noch eine manuelle Zeitmessung mit “ungefähr”-Zeitangaben und gedruckten Urkunden im Zielbereich. Mittlerweile ist seit mehreren Jahren eine professionelle Zeitmessung am Start. In diesem Jahr bin ich einmal wieder alleine in Nürnberg, auch wenn sich der 3.10. als genereller Feiertag diesmal sogar für ein verlängertes Wochenende angeboten hätte. Aber mit einem Säugling und einem kleinen Kind wäre das insgesamt in Stress ausgeartet, also fahre ich einmal wieder mit meinem Altfahrzeug die altbekannte Strecke wie zu Studentenzeiten. Stilecht bin ich natürlich wieder ökologisch korrekt unterwegs und habe meine Fahrt per Mitfahrzentrale angeboten.

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Weltkulturerbelauf Bamberg

Ungerade Jahreszahl – daraus folgt: Es findet ein ganz besonderer Lauf statt: Der Weltkulturerbelauf in Bamberg. Heuer war ich zum 5. Mal dabei, der Lauf ist mittlerweile fest im Kalender eingeplant. Einplanen muss man unter Anderem auch die Anmeldung. Die Teilnehmerzahl ist stark limitiert, für den Halbmarathon als Königsdistanz sind nur 3000 Startplätze verfügbar. Pünktlich nur wenige Minuten nach der Freischaltung der Anwendung merkt man das auch ganz deutlich: Der Server ist total überlastet – immerhin muss man heute keine Nachtschicht mehr einlegen um ab 0:00h die Registrierung zu starten – ab 6h in der Frühe ging es diesmal los.

Die letzte Teilnahme habe ich in wenig guter Erinnerung, was nicht an den Organisatoren lag sondern vielmehr am Wetter. Es hat damals genau einmal am Tag geregnet – von morgens bis Abends ohne irgendwie auch nur aufhören zu wollen. Für die Fans natürlich absolut bescheiden, zumal Marion damals zum ersten Mal ausprobiert hat wie es mit Kinderwagen und kleinem Kind klappt eine Laufveranstaltung zu besuchen. Alles andere als angenehm, zumal auch die vielen Cafés und Restaurants dann natürlich zu hatten, der Lauf ist ja Sonntags.

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Stadtlauf Nürnberg 2016 – 10 jähriges Jubiläum

img_8501Kaum zu Glauben, es ist schon wieder Oktober. Und ebenfalls kaum zu Glauben: Seit mehr als 10 Jahren laufe ich. Angefangen hat alles 2007 in Nürnberg mit Helgas Lauffreunde, damals noch bei Lucent Technologies. Einer der ersten Wettkämpfe über die Halbmarathondistanz war dann klar: Stadtlauf Nürnberg. Seither war ich jedes Jahr am 3. Oktober dabei. Davon konnten mich weder meine Diplomarbeit (ich habe meine Rückkehr aus den USA extra so eingerichtet, dass ich zum 3.10. wieder in Nürnberg sein kann) noch die bevorstehende Geburt meines ersten Kindes abhalten können (die sportliche Herausforderung war in diesem Fall gerade noch rechtzeitig zum Start zu kommen – passiert ist in der Zeit dann doch nichts). Dieses Jahr bleibt sogar noch Zeit sich kurz mit Erwin von Team Bittel zu unterhalten.

img_8495Entgegen meiner langjährigen Erinnerungen meint es dieses Jahr das Wetter nicht gut mit der Veranstaltung – ich hatte zwar auch mal Hagel bzw. ein kurzes Schneetreiben bei sehr frischen Temperaturen, aber diesmal ist das Wetter einfach nur erbärmlich. Es regnet vor dem Lauf schon eine ganze Weile, die 10km Läufer (unter anderem Heinrich) tun mir richtig leid – sie laufen in einer Regenpause los, dann aber direkt in einen Wolkenbruch hinein.

Ich flüchte mit Marion und Glen in ein Café um halbwegs trocken zu werden – aus dem Hotel haben wir schon ausgechecked, das wäre in direkter Nähe zum Start. Kurz nach eins mache ich mich dann auf den Weg zum Start – mit sehr gemischten Gefühlen: Glen ist wegen des Wetters nicht wirklich gut gelaunt und auch Marion ist etwas angekratzt. Immerhin der Regen hat zwischenzeitlich aufgehört – aber schönes Wetter ist immer noch anders.

img_8469Pünktlich um 13:30 kracht der Startschuss und es geht los. Ich habe mich mal optimistisch in den vorderen Startblock bei ca. 1:40h Zielzeit eingereiht. Damit entfällt diesmal das lästige Überholen langsamerer Läufer, auch wenn ich mir ob meines eher geringen Trainings (momentan läuft bei uns der Vorbereitungskurs zum 10km Herbstlauf – da bin ich als Trainer und Begleiter gefragt) nicht sicher bin, ob ich das überhaupt durchhalten kann. Zudem habe ich noch immer kalte Zehen und Finger.

Auf den ersten Kilometern wird mir dann langsam warm – Marion hat sich auch an der Strecke, in Höhe des Hauptbahnhofs postiert. Zügig gehen die Kilometer vorrüber und ehe ich es mich versehe sind wir kurz nach Kilometer 3 schon am Altenheim am Ufer des Wöhrder Sees, die erste Versorgungsstation. Ich greife mir einen Becher Iso, trotz Regen habe ich reichlich Durst. Der Kaffee vorher rebelliert noch etwas im Magen.

Ich richte den Blick nach vorne, immerhin ist der Wendepunkt ja nun nicht mehr weit weg. Über die Brücke geht es langsam bergan auf die andere Pegnitz-Seite. Die Zuschauer in diesem Bereich halten sich ob des Wetters in Grenzen. Kurz nach der Brücke liegen auch schon 5km hinter mir – fast ein Viertel.

img_8516Die Strecke führt nun entlang der Pegnitz wieder in die Stadt hinein, ich merke dabei, dass wir ganz ordentlich Gegenwind haben, am Hochhaus kurz vor der Wöhrder Wiese pfeift es ganz kräftig um die Ecke. Dafür sind jetzt auch wieder mehr Besucher an der Strecke. Es folgt die nächste Versorgungs-Station, ich greife beim Iso zu. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt: Alles im Lot, auch wenn ich keine direkte Angabe per GPS habe, im Kopf überschlagen bin ich deutlich unter 5 min/km. Kurz vor der Insel Schütt steht Marion und macht fleißig Bilder.

img_8522Es folgt die erste Bergwertung der Strecke (und eigentlich auch die einzige wirklich heftige Steigung): Es geht hinter der Lorenz-Kirche den sogenannten Nonnensteig nach oben. Ich erinnere mich, wie mich der bei der ersten Teilnahme ziemlich eiskalt überrascht hatte – heute bin ich gut darauf vorbereitet. Zudem steht am Fuß noch ein Motivationsschild: 8km liegen bereits hinter mir.

Nach der Steigung heißt es für mich: Tempo wieder aufnehmen, auch wenn ich gefühlt in der Steigung nicht viel langsamer geworden bin. Vor der Kirche ist richtig viel los, das Wetter zeigt sich nun von der schönen Seite. Es geht eine Schleife durch die Fußgängerzone Nürnbergs – in den Cafés stehen die Menschen und feuern kräftig an. Das gibt Schwung und schon erreiche ich den Stadtgraben unterhalb des Opernhauses. Hier geht es hinunter bis auf U-Bahn-Niveau und kurz vor dem Start-Zielbereich dann auch wieder nach oben und eine 180°-Kehre. Nicht optimal, aber auch an diese “Spezialität” habe ich mich gewöhnt.

Beim Durchlauf durch den Start/Ziel-Bogen läuft “Gangstas paradise” – mein Kopf dichtet spontan Textzeilen um “we’ve been running most of live, running in the gangstas paradise …”.  Die Uhr zeigt 46 Minuten brutto an, die 1:30h kann ich mir somit nicht mehr vorstellen, aber ich bin deutlich schneller als ich gedacht hatte. Jetzt heißt es konstant bleiben in der zweiten Runde.

Diesmal geht es nicht oben am Prinzregenten-Ufer entlang der Pegnitz sondern auf dem etwas schmaleren Weg direkt am Ufer. Das Feld hat sich mittlerweile derart auseinander gezogen, dass genügend Platz für jeden Läufer ist. Teilweise habe ich doch recht ordentliche Lücken zu überbrücken bis die nächste Gruppe eingeholt ist. Aber ich kann noch immer überholen. Gelegentlich kommen auch schnellere Läufer von hinten. Am Altersheim gibt es nochmal Iso. Kurz davor ist Kilometer 13 erreicht und noch bevor es auf die Brücke über die Pegnitz geht, sind zwei Drittel der Strecke geschafft.

Die Zeit ist immer noch absolut im Rahmen, ich fühle mich noch immer richtig fit, also lasse ich es weiter laufen. Nach der Brücke gab es früher noch eine kleine Extra-Schleife, diese ist seit einigen Jahren mit einigen kleinen Streckenmodifikationen aber weg gefallen. Am östlichsten Punkt der Strecke steht auch das nächste Kilometer-Schild. Noch 6km liegen vor mir. An der Strecke ist nun etwas weniger los als auf der ersten Runde – kein Wunder, das Wetter zieht sich wieder etwas zu und es ist schon als Läufer recht frisch, zumal ich mittlerweile meine Windjacke um die Hüfte gebunden habe. An der Wöhrder Wiese gibt es nochmals Iso für mich, bevor es an die letzten 5km geht.

Im Kopf hake ich Kilometer für Kilometer und wichtige Streckenstücke ab – “noch 5km, ein Nonnensteig und einmal U-Bahn-Station”. Der Nonnensteig ist das nächste “Highlight” der Strecke – irgendwie zeitigt aber mein seltenes Bergtraining mit den Ultra-Läufern dann doch noch etwas Wirkung: Ich kann die Steigung auch beim zweiten Durchlauf recht gut hochjoggen ohne viel Tempo herausnehmen zu müssen. Das Beschleunigen um die Lorenz-Kirche herum ist etwas kraftraubend, aber auch das klappt recht gut. Noch zwei Kilometer liegen vor mir.

img_8574Wie auch schon bei der ersten Runde steht Heinrich kurz vor dem Stadtgraben bereit und macht Fotos – laut ihm bin ich mal wieder viel zu schnell. Noch etwas weniger als ein Kilometer (und eine U-Bahn-Station) … Auf Höhe der Station steht eine Samba-Band und heizt den Läufern nochmal richtig ein. Marion steht auf einer der Brücken und macht noch einige Fotos. Jetzt gibt es nicht mehr viel zu verlieren – ich sauge mich so gut es geht immer an den nächsten Läufer heran. Insbesondere nach der Spitzkehre ist das gar nicht so einfach, aber das Ziel ist ja in Sichtweite. Nochmal lächeln fürs Foto und dann bin ich auch schon im Ziel. Etwas mehr als 1:33h stehen auf der Uhr als brutto-Zeit. Für mich ist da schon fast klar: Es müsste zumindest für eine neue persönliche Bestzeit gereicht haben. Die Netto-Zeit beträgt am Ende 1:32:59. Nicht ganz die Traummarke von 1:30h aber auf die müsste ich wohl doch etwas mehr trainieren.

Kurz nachdem ich im Ziel bin, fängt es dann auch wieder erst leicht, dann immer heftiger an zu regnen. Ich futtere reichlich Bananen und lasse mir trotz des Wetters das angebotene alkoholfreie Hefeweizen schmecken. Der Platz vor der Oper ist schon fast menschenleer als dort auf dem Weg zur Gepäckrückgabe und zu den Duschen vorbei komme. Eines hat sich auch die letzten Jahre nicht geändert – der Boiler in der Schulumkleide ist chronisch überfordert, es gibt für mich zum Abschluss also nur eine kalte Dusche, passend zum Wetter.

Am Abend geht es noch mit Helga und Heinrich zum Kohlenhydrate-Auftanken – diesmal nicht in die Pizzeria, sondern gut fränkisch in den “Doktors Hof” – Helga ist ebenfalls mit ihrer Zeit von ein klein wenig mehr als 2:10h sehr zufrieden und auch Heinrich hat mit sehr guten 1:08 die 10km bewältigt.