Rheinradtour Tag 8 – Huningue, Neuenburg, Geiswasser

Tageskilometer: 63km Gesamt: 330km

Die erste Woche ist geschafft und wir sind guter Dinge, die schwersten Etappen hinter uns gelassen zu haben – nun geht es ja die deutlich flachere Oberrheinebene entlang. Wir lassen uns daher beim Frühstück ein wenig Zeit.

Anhand der Karte entscheiden wir uns, den Weg auf der deutschen Seite zu nehmen – dieser führt deutlich näher am Rhein entlang als die Route in Frankreich. So starten wir über die Dreiländerbrücke über die wir gestern schon gekommen sind. In Weil am Rhein fehlt einmal kurz ein Schild aber wir finden dank Karte dann doch den richtigen Weg. Kurz darauf schwenken wir auf den Rheindamm ein.

Ab nun wird die Strecke insgesamt eintönig bis langweilig – es geht fast immer nur gerade aus durch die Auenwälder. Immer mal wieder ein Schlenker um die neu angelegten Polderflächen für den Fall eines Hochwassers. Teilweise fahren wir im noch engen Rheintal direkt neben der Autobahn – die Strecke bin ich auch schon öfter gefahren.

Nach rund 20km machen wir einen Halt und überlegen zuerst in die Therme in Bad Bellingen zu radeln. Es ist ja nicht weit, dort angekommen müssen wir feststellen: Das ist ein Kurbad mit Wellness und Co, sicherlich nicht schlecht aber definitiv nichts für eine Familie mit kleinem Kind. Immerhin ist nebenan ein Supermarkt – wir decken uns also mit dem Bedarf für den Tag ein.

Auch der nächste Versuch scheint zu misslingen, wir finden das gesuchte Schwimmbad nicht, obwohl es direkt neben dem Rhein liegen soll. So wie es aussieht gehört die Bademöglichkeit zum örtlichen FKK-Campingplatz. Also auch wieder nicht gerade das was wir suchen. Ein Blick in Openstreetmap zeigt uns, dass es nur knapp einen Kilometer entfernt ein Thermalfreibad hat. Je näher wir dem Bad kommen, um so mehr beschleicht mich das Gefühl, das Bad zu kennen. Als wir davor stehen bin ich mir dann sicher: Ich kenne es und zwar vom Landesjugendlager der THW-Jugend, dass 2007 in Neuenburg stattfand. Es hat sich nicht viel verändert, es ist ein kleines Bad, vergleichsweise gut in Schuss und kostengünstig. Für den Nachwuchs gibt es ein Planschbecken und ich schwimme einige Bahnen zur Erfrischung.

Nach einem etwas verspäteten Mittagessen brechen wir dann auf, geschätzt liegen noch etwa 20km vor uns. Nach rund 8km kommen wir tatsächlich an der Rheinwiese vorbei auf der damals das Jugendlager stattfand. Hier hat sich einiges verändert. Es wurde ein Naturlehrpfad eingerichtet, der Weg auf dem Deich um einige Meter weiter landeinwärts verlegt. Ein Lager wäre immer noch problemlos machbar.

Es folgt wieder eine recht lange Strecke auf dem Damm, es geht fast nur gerade aus, gelegentlich ein Hügel. Diese finde ich mit zunehmender Strecke recht lästig, denn mit dem Anhänger kosten die immer richtig viel Kraft. Bis auf die größere Abzweigung nach Griesheim ändert sich für die nächsten Kilometer nichts an der Strecke. Beim Blick auf den Tacho werde ich langsam skeptisch, aber da taucht endlich die Brücke nach Fessenheim auf.

Es geht über die Rheininsel und dann über die Brücke an der Schleuse. Dort ist ein kurzer Hinweis auf das Wasserkraftwerk aufgestellt. Über das naheliegende Atomkraftwerk wird kein Wort verloren. Mit ein wenig Glück erblicke ich die beiden Reaktorgebäude ganz kurz durch eine Baumlücke. Wenn man es nicht weiß wird man sie wohl für Silos halten.

Nun folgt ein recht langes Stück auf der französischen Landstraße bis nach Geiswasser, die Strecke zieht sich wie Kaugummi. Wir überschreiten den Wert für die bisher längste Etappe. Am Ende stehen 63km für den Tag auf dem Tacho – unsere Königsetappe war also erst heute … irgendwo haben wir uns wohl vermessen.

Eigentlich hatten wir vor in Geiswasser noch etwas zu Abend zu Essen, aber der Ort hat noch nicht mal einen Bäcker, geschweige denn eine Gastätte. Gut, dass wir noch Reis, Bohnen und Fertigsauce dabei haben. Nochmal losfahren wollen wir nach der Etappe einfach nicht mehr.

Rheinradtour Tag 4 – Von Altnau nach Schaffhausen Langwiesen

 

Tageskilometer: 59km Gesamt: 130

Die Nacht war etwas unruhig, es gab gleich mehrere Gewitter, aber die gute Nachricht: Das Zelt ist dicht.

Am Morgen hat es dann immer noch leicht genieselt und es hat gegenüber dem Vortag deutlich abgekühlt. Ein deutliches Zeichen, die Sachen zu packen und dem guten Wetter hinterher zu fahren.

Das Frühstück haben wir kurzerhand in die Scheune am Campingplatz verlegt – dort haben wir die vergangengen Tage schon die Räder und den Anhänger untergestellt. Während wir frühstücken geht ein weiterer kräftiger Regenguß nieder. Als wir gegen halb elf auschecken und uns auf den Weg machen, hat sich das Wetter wieder etwas beruhigt. Es ist aber weiterhin noch ziemlich bedeckt.

Die erste Etappe ist mittlerweile ja fast schon in Fleisch und Blut übergegangen, bis nach Konstanz ist alles bekannt. Wir steuern auch nochmals das Einkaufszentrum an, um uns mit dem Notwendigsten für den Tag einzudecken – Brötchen und Belag für die Mittagspause und Chili mit Reis für das Abendessen.

Die Abfahrt aus Konstanz ist reichlich chaotisch – die Beschilderung hilft uns da auch nicht wirklich weiter. Durch Zufall finden wir dann doch noch den Rheinradweg und den passenden Grenzübergang. Insgesamt bleibt mir Konstanz wohl leider wegen seiner choatischen Verkehrsverhältnisse und weniger wegen seiner schönen Altstadt im Gedächtnis.

Kurz hinter Ermatingen machen wir eine Rast, direkt am Ufer des Sees – das Wetter könnte besser sein, aber immerhin gibt es auf der Weide nebenan Schafe für Glen zu bestaunen. Da die Wege nur teilweise geteert sind, sieht der Anhänger und das Fahrrad samt Taschen ziemlich übel verspritzt aus. Insgesamt ist die Streckenfürhung recht gut, auch die engen Ortsdurchfahrten sind gut zu bewältigen.

Die Strecke führt nun fast immer parallel zur Bahnstrecke auf der Schweizer Seite des Untersees entlang. Leider ist sie nicht so eben wie die Bahntrasse, sondern hat deutliche Wellen. Eine kurz vor Eschenz hat es ganz unerwartet und ordentlich in sich – weder ist sie in der Karte verzeichnet, noch ist in bergrichtung ein Hinweisschild angebracht – in talrichtung steht eine klare Tafel: 13% Gefälle … In Eschenz gibt es nochmal einen kurzen technischen Halt. Es ist nun ja auch nicht mehr weit bis Stein am Rhein.

Mittmp_21580-IMG_20160809_1559151427292452 viel Schwung geht es nach Stein am Rhein hinein, der Schwung reicht eigentlich bis weiter als das Ende der Brücke, aber leider ist dort eine Ampel und die ist natürlich rot. Wir machen eine kurze Stadtbesichtigung und gönnen uns eine heiße Schokolade – auf ein Eis haben wir bei der Witterung keine Lust. Immerhin hat es nicht durchgängig oder länger anhaltend geregnet – aber auch die leichten Schauer von Zeit zu Zeit gepaart mit dem frischen Gegenwind gehen einem irgendwann gegen den Strich.

Bevor wir Stein verlassen machen wir noch einen Abstecher in der Tourist-Information. Die sind sehr freundlich und rufen sogar am Campingplatz in Schaffhausen an. Geht alles klar – noch jede Menge freier Plätze für einzelne Zelte und Radfahrer. Zudem gibt es noch einen Tipp: Ab Gailignen auf die linke Rheinseite wechseln, damit spart man sich die Schleife durch Schaffhausen.

Vor Gailignen liegt allerdings erst einmal die Bergwertung des Tages: In der Karte sind diese Anstiege explizit vermerkt. Kurz nach einem Aussiedlerhof beginnt der Anstieg auf eine Kuppe – im Wald nach einer Kurve geht es dann nochmal steiler weiter – ich nutze was das Fahrrad an Gängen hergibt: vorne klein und hinten so groß als möglich. Ich muss nicht absteigen, aber es wird mir bewusst, dass ich mit dem Anhänger wohl mal häufiger den weißen Stein oder den Königsstuhl daheim hochradeln sollte, um passende Kondition zu bekommen. Ich empfange Marion mit Glen und Bananen zur Stärkung. Ein wenig erinnert mich die Umgebung an das „Restaurant Wadenpicker“ vom Chrufranken-Trail – dort waren die Steigungen ähnlich und das Wetter nochmal deutlich schlechter.

Nach den Mühen gibt es aber bald eine Belohnung: Es geht richtig gut bergab bis Gailingen – zwischenzeitlich habe ich samt Anhänger mehr als 45km/h auf dem Tacho stehen. In Gailingen geht es über die historische Holzbrücke wieder in die Schweiz. Wir verlassen damit die Hauptroute des Rheinradwegs. Dennoch ist die Strecke weiterhin gut ausgeschildert. Allerdings häufen sich auf den nunmehr letzten acht Kilometern die Steigungen.

In St. Katharinenthal geht es unvermittelt nocheinmal sehr steil den Berg hoch – gefühlt wird der Anhänger mit jeder Steigung nun schwerer. Kein Wunder – stehen doch mittlerweile mehr als 50km zu Buche. Immer wieder überholen wir einen Vater, der mit seinem Sohn ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist – wenn wir eine kurze Pause machen holen sie uns jedesmal wieder ein. Die beiden sind schon seit 10 Tagen unterwegs, begonnen in Regensburg bis Donaueschingen, einmal um den Bodensee und nun als Fernziel Basel. Auch eine respektable Leistung.

Die letzte große Steigung des Tages haben wir kurz nach der Klosteranlage Paradis – man könnte auch meinen nach der Vertreibung aus dem selbigen. Nur noch durch Langenwiesen durch, dann taucht auch das ersehnte Hinweisschild auf den Campingplatz auf. Der ist recht groß und gut ausgestattet – es gibt sogar kostenloses WLAN auf dem gesamten Gelände.

Frankreichurlaub – erste Woche

Endlich Urlaub. Dafür war es höchste Zeit – einfach einmal die Arbeit Arbeit sein lassen und wieder zur Ruhe kommen. Auch Marion hatte die letzen Tage vor dem Urlaub noch einiges zu erledigen – klar, denn fast direkt danach beginnt für Sie der Mutterschutz – ergo muss die Übergabe vorher erfolgen. Ich habe mir dabei überlegt was ich alles übergeben und beschreiben müsste – ich will da gar nicht dran denken.

Erster Tag – Abreise über Karlsruhe nach Gambsheim

DSC07442Vor dem Urlaub gibt es leider noch etwas zu erledigen – Marion muss noch ein paar Kleinigkeiten packen und ich habe noch eine Verpflichtung bei der DJK – dort steht der jährliche Platzputz an und ich habe zugesagt mit Anhänger und weiterem Gerät auszuhelfen. So entrümpeln wir eines der Lager, das sich im Laufe des Vereinslebens gefüllt hat – und bei den letzten Starkregenfällen mal wieder nasse Füße bekommen hat. Am Ende ist der Anhänger voll mit Altpapier und Sperrmüll. Zwischenzeitlich helfe ich noch bei der Gartenpflege aus – eigentlich dachte ich es ginge nur um Heckenschnitt und ggf. den ein oder anderen Ast einmal ein wenig zurück zu schneiden – denkste! Am Ende bin ich doch
mit der für den Notfall ausgeliehenen Kettensäge zu Gange und schneide einige Bäume kräftig zurück die zu weit über den Platz ragen.

Gegen Nachmittag verabschiede ich mich dann endlich in den Urlaub. Abends wollen wir zur Einstimmung noch mein Geburtstagsgeschenk einlösen: Ein Konzert von Tri Yann in Karlsruhe. Davor mache ich noch mehrere Runden den Packesel – es dauert einige Zeit bis alles im Auto verstaut ist – den mittleren Rückspiegel kann ich für den Urlaub auch vergessen, aber beim LKW gibt es den ja auch nicht. Das Konzert ist absolut spitze, wenn ich noch etwas mehr verstehen würde, wäre es noch besser – aber der Urlaub soll ja auch noch ein wenig Sprachreise sein – wir haben uns vorgenommen ab der Grenze nach Möglichkeit nur noch Französisch zu sprechen. Die letzte Etappe des Tages führt uns zu Marions Mutter nach Gambsheim – dort haben wir die erste Übernachtung eingeplant, das liegt praktischerweise am Weg gen Süden. Noch hapert es etwas mit dem Französisch aber ich bin guter Dinge.

Tag zwei – Durch die Schweiz wieder nach Frankreich

Wir lassen den Urlaub gemütlich beginnen mit einem ordentlichen Frühstück, bevor wir aufbrechen. Gegen kurz vor Mittag kommen wir los – der nächste Stopp ist nicht weit – wir schauen noch bei Marions Stiefmutter in Auenheim auf der deutschen Seite vorbei – eigentlich wollen wir nur ein Geschenk für ihre Nichte abgeben, aber ehe wir uns versehen haben wir uns festgequatscht und einen Kaffee getrunken.

Es ist späterer Nachmittag bis wir uns langsam wieder in Richtung Schweiz bewegen – da keine Staus angekündigt sind, fahren wir auf der deutschen Seite des Rheins bis in die Schweiz – was für mich den Vorteil hat, dass wir weiterhin Deutsch sprechen … Den Weg durch die Schweiz kennen wir zumindest bis Biel – und ich bin schon fast versucht anzuhalten und einen Trainings-100er als Laufeinheit zu beginnen, aber dann kämen wir wohl viel zu spät am Campingplatz an. Die Schnellstraße und teilweise Autobahn ist gut ausgebaut und gepflegt – typisch für die Schweiz besteht sie gefühlt zu 50% nur aus Tunnels – dabei haben die Schweizer doch auch eine schöne Landschaft.

Bei Genf geht es wieder über die Grenze nach Frankreich – unser Ziel Nantua liegt ca. 70 km weiter mitten in den Voralpen. Der Campingplatz ist gut zu finden und hübsch gemacht – da wir nicht zum Einkaufen gekommen sind, nehmen wir das Angebot für Frühstück am nächsten Tag wahr. Das Wurfzelt baut sich praktischerweise fast von selbst auf – nur noch Heringe in den Boden – fertig. Doch irgendwie anstrengend die Fahrerei – zur Stärkung kochen wir noch eine Suppe mit Nudeln bevor es in den Schlafsack geht.

Tag drei – Nantua bis Lyon

Diesmal sind wir recht früh wach, auch weil ich im TraIMG_1414n 8:30 h als Wunschfrühstückszeit angegeben hatte – aber so bleibt uns nach einem leckeren Happen zum Frühstück noch genügend Zeit den Ort zu besichtigen – die Umgebung hat einiges an Wanderwegen zu bieten und auch viele Möglichkeiten zur Besichtigung – dafür bleibt uns leider nicht genügend Zeit.

IMG_1458Die Zeit zum Mittagessen nehmen wir uns dann aber – in einem Restaurant probieren wir die lokale Spezialität: Quenelles de brochet (Knödel mit Hecht-Geschmack) – sehr fein, dazu ein leckeres Eis als Nachspeise. Wir rollen eher zum Auto als das wir gehen. Als Ausgleich machen wir im nächsten Ort noch die als „leicht“ beschriebene Wanderung zu den dortigen Wasserfällen – offizielle Angabe: Familientauglich, ca. 1,5h Wanderzeit, 200 Höhenmeter. Klingt halb so wild, aber die Strecke hat es in sich. Marion schnauft ganz schön, aber sie muss ja auch für zwei den Berg hoch – aber wir haben ja Zeit und die Aussicht und die Wasserfälle entschädigen dann doch wieder – außerdem ist das Mittagessen dann garantiert wieder abgebaut. Nach den Wasserfällen geht es fast nur noch bergab wieder ins Tal ans Auto – uns kommen noch weitere Familien entgegen, die auch etwas durch die Strecke überrascht sind.

Über die Landstraßen geht es nun auf Lyon zu – viele schöne Kurven und dankenswerter Weise wenige LKW oder Traktoren auf der Strecke – so kommen wir zügig voran. Der Campingplatz liegt diesmal nur etwas außerhalb von Lyon, die Stadt wollen wir am nächsten Tag besichtigen. Das Navi lotzt uns zuverlässig durch Lyon hindurch – ohne Navi wäre das wohl um einiges schwieriger, denn die Streckenführung und der Verkehr sind doch recht abenteuerlich. Aber ich habe ja auch Edinburgh erfolgreich durchfahren, dort war es ähnlich und noch dazu Linksverkehr.

Auf der Strecke hatten wir bereits einige kräftige Regengüsse, auf dem Campingplatz stehen daher die reinen Zeltplätze voll Wasser – eher eine Sumpflandschaft denn ein Campingplatz. Aber es besteht ja freie Platzwahl und so stellen wir das Zelt auf einen der Plätze die normalerweise für Wohnmobile gedacht sind – mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass der Boden superhart ist und wir die Heringe nicht in den Boden bekommen – das Zelt steht aber auch so recht gut.

Tag vier – Lyon

IMG_1474In Lyon haben wir einen längeren Stopp eingeplant – es entfällt also ersteinmal das Zelt abzubauen, was dann doch recht angenehm ist. Wir nutzen die Möglichkeit einmal richtig auszuschlafen – bis wir mit dem Frühstück fertig sind, ist es kurz nach zwölf. Aber dafür hat man ja Urlaub. Mit dem Bus geht es direkt ab dem Campingplatz ins Zentrum bzw. an die Metro – sehr praktisch, denn einen Parkplatz in Lyon zu suchen stelle ich mir recht anstrengend vor. Wir besichtigen Notre Dame de Fourvière, diese liegt auf einem kleinen Berg oberhalb der Saône und ist mit einer Seilbahn zu erreichen. Das Verkehrssystem ist super ausgereift, sogar die Seilbahn ist inklusive. Das kennnen wir von anderen Reisen wesentlich schlechter … Die Basilika ist neueren Datums aber dennoch sehr eindrucksvoll. Im Anschluss besichtigen wir noch die beiden Amphitheater bzw. das was davon noch steht.

IMG_1489Nun geht es erstmal wieder den Berg runter – durch den Rosengarten unterhalb der Basilika, in Richtung Altstadt. Die Siedlung dort gab es schon zur Römerzeit und war eine der wichtigsten Städte für die Verwaltung der gallischen Regionen – mit Ausnahm eines kleinen Dorfes … Das Stadtviertel ist heute sehr touristisch geprägt aber immer noch nett anzuschauen. Anstelle eines Mittagessens machen wir eine Pause in einem Eiscafé (Terre adélice) mit 96 verschiedenen Sorten Eis, davon rund 50 Sorten aus ökologisch nachhaltig produzierten Rohstoffen. Entsprechend sind die Preise, aber die Sorte sind einfach zu verlockend. Ich lasse mir vier verschiedene Sorten auf der Zunge zergehen, darunter unter anderem
Roquefort und Ingwer – beides nicht gerade die typischen Sorten, aber einfach nur lecker.

Die letzte größere Station ist die Insel mit der modernen Innenstadt. Wir besichtigen den „Place Bellecour“ der zweitgrößte Platz in Frankreich überhaupt – er ist tatsächlich riesengroß, aber auch leider etwas arg steril, einizige  Auflockerung bringt die Statue des Namensgebers in der Mitte. Über den Jakobinerbrunnen schlendern wir zum Rathaus – im Gegensatz zur Altstadt finden sich hier die ganzen Designer-Läden und vor allem Ketten. Das ist eigentlich schade, denn man braucht nur durch eine europäische Innenstadt gelaufen zu sein und man kennt fast alle Geschäfte – unterschiedliche regionale Angebote gibt es dann natürlich nicht.

IMG_1509Vor dem Rathaus machen wir nochmal kurz Pause, werfen einen abschließenden Blick auf die Rhône bevor wir mit U-Bahn und Bus zurück an den Campingplatz fahren. Die Strecke kennen wir ja schon, aber im Bus spüren wir diesmal jedes Schlagloch irgendwie umso mehr – die Straßen sind auch nicht besser als in Deutschland.

Tag fünf – Vichy

Wir bauen unsere Lager in Lyon ab und setzen Kurs auf Vichy, das unter anderem berühmt ist für seine Heil-Quellen. Auf dem Weg zur Fernstraße machen wir noch einen Einkauf – die französischen Supermärkte überwältigen mich jedesmal wieder aufs neue. Von der Größe her kennt man das in Deutschland aufgrund der Übermacht der Discounter kaum noch. Real und Marktkauf kommen noch am ehesten an das Angebot heran, aber das Sortiment ist gefühlt um ein Vielfaches vielfältiger, alleine das Angebot an frischem Gemüse und Obst. Natürlich darf auch eine gut sortierte Fischtheke nicht fehlen. Das Sortiment an Käse (insbesondere Weichkäse wie Camenbert) ist gigantisch. Ich wage den Selbstversuch und kaufe eine Portion Maroilles (den Käse aus „Willkommen bei den Sch’tis“).

IMG_1526Vichy ist ein ganz nettes Städtchen – vergleichbar für mich am ehesten mit Bad Dürkheim (inklusive einer Spielbank für die Kurgäste). Das Tourismusbüro ist gut versteckt und wenn man der Beschilderung folgt, läuft man erst einmal um den Kurpark und hat damit schon die Hälfte der Innenstadt gesehen. Dennoch gehen wir die beiden kostenfreien Besichtigungstouren ab – diese sind ganz klar an die Kurgäste gerichtet und nicht sonderlich lang. Das Wasser der Celestinen-Quelle probieren wir auch – nicht so wirklich mein Geschmack, an die anderen kommt man leider nicht heran.

Bis an unsere Übernachtung bei Evaux les Bains (auch wieder ein Kurort) sind es noch einige Kilometer. Diesmal ist es kein direkter Campingplatz sondern „Camping à la ferme“ also Camping auf der Farm. Bauerhöfe liegen in Frankreich meist irgendwo weit abseits und so werden die Straßen am Ende immer schmaler und die Umgebung immer ländlicher. Ohne Navi wäre das wohl spannend, aber mit moderner Technik findet man wirklich auf Anhieb bis vor die Haustüre. Die Anfahrtsbeschreibung der Farm liest sich dennoch etwas abenteuerlich: Nach dem Bahnübergang die erste links und dann einen Kilometer gerade aus. Das Angebot wird rege genutzt ist aber nicht überlaufen. Nachts ist es angenehm ruhig.

Tag sechs – Limoges

Nachts ist es ruhig, aber morgens gibt es einen ganz tollen und nicht urlaubstauglichen Wecker auf der Farm: Es gibt gleich mehrere Hähne, die machen sich ab Sonnenaufgang gegenseitig den Rang streitig. Anfänglich empfindet man es vielleicht noch als Landidyll aber irgendwann denkt man nur noch daran, wie man so ein Hähnchen wohl am besten zubereitet. Wir passen eine kurze Regenpause ab um zu frühstücken.

IMG_1537Als Zwischenziel haben wir Limoges ausgewählt. Die Stadt ist für ihr Porzellan bekannt. Auf dem Weg dorthin regnet es eine ganze Weile, aber je näher wir dem Ort kommen, umso besser wird das Wetter. In Limoges selbst ist es dann wieder richtig schwül und heiß. Gut, dass wir im Auto eine Klimaanlage haben. Ausgangspunkt unserer Erkundung wird ein Einkaufszentrum, dort lassen wir das Auto im Parkhaus, dazu gibt es gratis Toiletten.

IMG_1551Wir beginnen die Suche nach dem „Office de Tourisme“ – und laufen prompt daran vorbei nachdem wir schon beim Vorbeifahren das Gebäude nicht wahrgenommen haben. Eigentlich ist es nicht zu übersehen. So sehen wir bereits vorher das herrliche Rathaus der Stadt mit dem prunkvollen Brunnen davor. Im dritten Anlauf finden wir dann das Informationszentrum. Ausgerüstet mit einem Plan besichtigen wir die Kathedrale (die wievielte war das diesen Urlaub eigentlich schon?) und die Gärten, bevor wir an den Fluss Vienne hinunter steigen. Dort geht es über die alte Pilgerbrücke. Früher endete hier die Flößerei der Baumstämme für die Porzellanherstellung. Wir gehen entlang des Ufers zur zweiten mittelaterlichen Brücke um dort den Fluss wieder zu kreuzen. Auf dem Weg sehen wir wieder einmal jede Menge Hinweise auf den Jakobsweg, der hier durch viele Städte in Richtung Santiago de Compostella führt.

IMG_1569Vom Fluss geht es steil bergan in die Altstadt, nochmal vorbei am Rathaus. Wir streifen kurz durch das ehemalige „Schlachterviertel“ – dort fühle ich mich natürlich gleich irgendwie heimisch. Von der Alstadt führt uns unser Weg noch zum Bahnhof der Stadt, welcher für seine Architektur bekannt ist. Wir lassen uns dabei Zeit, denn Marion trägt doch recht schwer an unserem Nachwuchs. Die Stopps bieten aber auch immer wieder die Möglichkeit Details der Stadt besser wahrzunehmen.

Von Limoges aus nehmen wir Périgueux als Fernziel, dort soll die Hochzeit stattfinden, um die wir die Reise herum geplant haben. Einquatiert haben wir uns wieder in einem Camping à la ferme, diesmal mit Gänsen als Haupterwerbsquelle. Die machen auch ganz schön Krach, wenn sie wollen, aber Nachts sind sie im Stall untergebracht. Die Anfahrt ist auch hier wieder reizvoll – das Navi führt uns zielsicher über verschiedenste kleine Straßen bis in den Zielort. Der Ort ist so klein, dass man keine weiteren Straßenangaben braucht, und noch dazu ist alles bestens ausgeschildert.

Tag sieben – Périgueux

Dank der Gänse sind wir recht zeitig auf den Beinen. Da am Tag der Hochzeit wahrscheinlich keine Zeit mehr bleiben wird die Stadt zu besichtigen, haben wir dafür einen Tag extra eingeplant. Neben den touristischen Attraktionen wollen wir auch herausfinden, wo das Rathaus mit dem Standesamt ist, nicht dass wir das tags drauf erst suchen müssen. Auf dem Weg geht es wieder mal durch einen Supermarkt, Vorräte auffüllen. In der Stadt selbst finden wir direkt ein passendes Parkhaus – das kostet zwar etwas, aber angesichts der engen und teilweise gesperrten Altstadt ist das wesentlich einfacher. Zudem ist das Parkhaus direkt am Tourismusbüro, auch wenn die Angebote dort nicht übermäßig sind.

IMG_1598Wir folgen stattdessen unserem Instinkt und der Empfehlung des Reiseführers: Einfach quer durch die Altstadt, verlaufen kann man sich angesichts der Größe kaum. Die Hauptkathedrale finden wir so auch recht schnell – diese hat im Laufe der Zeit einiges mitgemacht – teilweise nicht fertig gebaut, teilweise geplündert und abgerissen oder auch einfach im Stil der Zeit und nach Geldbeutel repariert. Dennoch ist der Bau natürlich eindrucksvoll zu betrachten.

Wir schlendern gemütlich durch die kleinen Gassen der Altstadt, über die vielen kleinen Plätze und natürlich auch durch die Rue de Limoges – der Touristenstraße mit den ganzen Souvenierläden rechts und links der Straße. Überall wird das Foie-Gras angeboten – Stopfleber, wahlweise von der Ente oder von der Gans. Marion mag diese Pastete und darf sie derzeit aktuell aber nicht essen, was sie etwas fuchst. Die Suche nach dem neuen Rathaus gestaltet sich etwas schwieriger, aber mit etwas Glück finden wir es dann doch ohne neuerlichen Abstecher ins Office de Tourisme. Es ist nur wenige Gehminuten von unserem Parkhaus entfernt, wir werden es also auch morgen wieder nutzen.

IMG_1606Es fehlt noch etwas die Außenbezirke mit der ehemaligen Hauptkirche St. Etienne – auch diese war einmal größer, heute fehlen zwei der insgesamt vier Kuppeln aus denen das Gebäude in byzantinischem Stil einmal bestand. In der Kirche ist es angenehm kühl im Gegensatz zur Schwüle außerhalb, die macht Marion noch mehr zu schaffen als mir. Dennoch verlassen wir das Gebäude und gehen zu den Wurzeln der Stadt aus der Römerzeit über: In einem Park gibt es die spärlichen Überreste des Amphitheaters der römischen Blütezeit zu sehen. Ebenso zerfallen zeigt sich das Chateau de la Barrière – das Gebäude besteht fast nur noch aus den Wänden und bietet ein eher trauriges Bild. Der Rückweg führt uns über das Gallo-Römische Museum am Tour de Vésone vorbei – auch dieser ist nicht mehr vollständig erhalten – als Baumaterial für einen Verteidigunswall benötigt wurde, bediente man sich einfach am Turm aus römischer Zeit.

Da sich am Himmel langsam aber sicher ein Gewitter zusammenbraut, beeilen wir uns zurück ans Auto zu kommen, das klappt als hätten wir es so geplant: Als wir mit dem Auto aus der Garage herausfahren regnet es. Bis an den Campingplatz hört es zwar wieder auf, aber es holt uns doch wieder ein. Der erste Versuch an der Gastätte im Ort, la vieille Forge (zur alten Schmiede) ist etwas entäuschend, es ist alles dunkel und die Gastätte scheint geschlossen zu haben – wir fahren zurück an den Campingplatz um die restlichen Alternativen vom schwarzen Brett abzulesen – diese sind allerdings alle etwas weiter weg. Auf Verdacht fahre ich durch den Regen nochmals am Restaurant vorbei – mittlerweile hat es offen. Durch den heftigen Regenguß laufen wir vom Parkplatz an den Eingang. Wir sind die ersten Gäste und ich lerne, dass man in der Region doch eher sehr spät isst: Das Restaurant öffnet erst gegen 19 Uhr 30 am Abend.

Das Essen ist vorzüglich – wir genehmigen uns ein mehrgängiges Menü, beginnend mit einer Vorspeise aus Foie-Gras für mich, begleitet von einem leckeren Apéritif des Hauses. Nach weiteren kleinen Vorspeisen wie einer Tasse Fischsuppe geht es an den Hauptgang – Fisch des Tages (ein Merlan) auf feinem Gemüse. Der Koch versteht sein Handwerk – es ist alles spitzenmäßig zu genießen und jeder Gang ist mit viel Liebe zum Detail angerichtet. Nach der Käseplatte folgt noch ein Dessert, für Marion Pfirsisch, für mich eine Schokoladenvariaton. Günstig ist der Spaß nicht, aber der Preis ist absolut gerechtfertigt und das Restaurant ein echter Geheimtipp.

 

Die 100 Kilometer von Biel

 

Nachdem der letzte Versuch in Biel die 100km zu Laufen im wahrsten Sinne des Wortes ins (Elbe-Hoch)-Wasser gefallen ist, und ich freundlicherweise einen Freistart für 2014 erhalten habe, war es nun endlich so weit: Die Bieler-Lauftage 2014 standen an. Mit jeder Menge Trainings-Einheiten und Vorbereitungsläufen (Rodgau 50km, Rennsteig 72,9km und Mannheim 42,2km) habe ich mich auf die Ultra-Distanz vorbereitet.

IMG_1030Die Anreise in die Schweiz ist kein Thema, auch wenn wir reichlich im Reiseverkehr feststecken und die ersten 50km schon mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen. Kurz vor Biel bereiten wir uns auf den Endanflug vor – gar nicht so leicht wie sich heraus stellt, denn das Kartenmaterial im Netz und in der Ausschreibung ist für einen Neuling nur bedingt tauglich. Die ganzen Umleitungen und Sperrungen sind auch nicht eingezeichnet. So wird es nervenaufreibend bis wir in der Nähe des Kongress-Zentrum uns aufteilen – Marion wartet am Auto, ich suche nach dem Anmeldeschalter. Dort bekomme ich dann auch die Info wo man eigentlich Zelten und Parken könnte (Expo-Gelände). Marion hat derweil das Parkhaus am Bahnhof mit brauchbaren Preisen entdeckt. Das liegt so gut, dass wir erst gar nicht mehr nach einer anderen Alternative suchen. Ich ziehe mich auch direkt am Auto um. Danach letzte Planungen für die Fotos an der Strecke und die Treffpunkte (wo und wann ungefähr).

IMG_1034So richtig entspannen und vorher noch einige Stunden schlafen, wie ich das in Ulm gemacht habe, klappt leider nicht. Kurz vor 22h sind wir dann am Start. Es ist deutlich voller als in Ulm, die Stimmung ist gut, aber nicht so locker und gelöst wie ich es aus Ulm kenne. Punkt 22h kracht dann auch der Startschuss. Es geht auf die erste Runde durch Biel hindurch, einmal Stadtbesichtigung im Schnelldurchlauf – da die Marathonstrecke auch hier entlang führt steht jeden Kilometer ein Schild. Ich versuche nicht zu schnell unterwegs zu sein, aber das will mir nur teilweise gelingen – der Puls ist etwas zu hoch und die Geschwindigkeit gefühlter Maßen auch – GPS habe ich ja immer noch nicht. Die Stimmung ist an einigen Stellen richtig gut, aber es gibt auch gleich zu Beginn Streckenabschnitte an denen fast nichts los ist.

Nach Kilometer 4 geht es aus der Innenstadt hinaus durch die Vororte – dort stehen reihenweise Menschen und vor allem Kinder zum Abklatschen rechts und links. Es geht auf den ersten Anstieg zu – Port heißt der Ort und ist auf dem Höhenprofil eigentlich nichts dramatisches, aber irgendwie zieht sich der Hügel (von Bergen kann man bei 495 Höhenmetern insgesamt ja nicht sprechen) verdammt in die Länge – noch jogge ich das recht gut.

Nach Port geht es weiter in Richtung Kappelen – die Bebauung lassen wir hinter uns, und es geht in die dunkle Schweizer Nacht, gut das ich meine Kopfleuchte dabei habe, ohne die wäre es jetzt schwierig. Auf dem Weg taucht dann auch das erste größere Motivationsschild auf – 10km liegen bereits hinter uns. In Kappelen wartet Marion auf mich und feuert mich an, für Bilder ist es leider zu dunkel. Vorher mache ich noch einen kurzen Stop an der Versorgung –  es gibt Brot, Riegel, Banane und Iso-Getränk – ich bin mal gespannt wie gut ich das angebotene Produkt vertrage – rebellierender Magen über 100km macht keine Freude.

Ins Dunkel entschwinden wir dann auch wieder, es geht entlang des Landstraße – dort steht wieder ein Schild:15km. Ich habe das Schild nur wenige Minuten passiert, da gibt es Rufe von hinten – die Spitze des Marathons, der eine Viertel Stunde nach uns gestartet ist, und noch dazu eine Extra-Runde in Biel laufen durften nähert sich. Von nun an überholen uns häufiger Marathonis und Halbmarathonis – denn die sind deutlich schneller unterwegs.

Für die Kurzdistanz Halbmarathon ist dann auch schon bald das Ziel in Sicht. In Aarberg geht es über die historische Brücke, eine tolle Holzkonstruktion. Es stehen jede Menge Menschen an der Strecke und die Stimmung ist absolut spitze. Für die Halbmarathonis ist auf dem Marktplatz das Ziel errreicht. Für alle anderen geht es wieder aus der Stadt raus, vorbei an der nächsten Versorgung. Zwischen Aarberg und Lyss haben wir dann auch endlich die 20km erreicht.

In Lyss warten die Begleitradler auf ihre Läufer, denn wie in Ulm begleiten die Radler erst, wenn sich das Feld etwas aufgelockert hat. Es geht im Ort eine Steigung hoch, die etwas steiler ist, ich bin anfänglich noch versucht zu joggen, aber die Ultra-Erfahrung sagt ganz klar: nichts überstürzen und langsam angehen lassen, Kräfte richtig einteilen, also die Steigung gehen.

Das nächste Ziel für mich ist Amerzwil – dort wartet Marion wieder auf mich zum Unterstützen. Dort steht auch wieder eine Versorgungsstation. Kurz nach Lyss steht im Wald eine Kontrollstelle – einmal Stempel auf die Startnummer und weiter geht es. Vor der Versorgung geht es nochmal zwei Steigungen nach oben. Ich nutze die Gelegenheit und trinke meine Flasche leer. An der Versorgung mache ich etwas langsam und nutze einen Mauervorsprung um einen Mitreisenden der unliebsamen Art los zu werden – auf dem Waldweg hatte ein Steinchen den Weg in den Schuh gefunden. Marion steht eine Kurve weiter und gibt mir seelische Nahrung für die nächsten Kilometer.

Es geht durch Grossafoltern und dann durch die Felder zum nächsten Verpflegungspunkt in Scheunenberg. Kurz davor steht ein wichtiges Motivationsschild, 30km habe ich bisher zurück gelegt, fast ein Drittel. Nach der Verpflegung, an der ich wieder Riegel, Banane und Iso auftanke geht es eine schier endlose Gerade entlang, wenn man von einigen Verschwenkungen an den Kreuzungen absieht. Es geht beständig ganz leicht bergauf, das Gegenteil von dem was gerade in meinem Kopf geschieht – dort fahre ich gefühlsmäßig Achterbahn, demenstprechend schlecht läuft es sich auch, denn jeder Langstreckenlauf beginnt im Kopf. Aber noch kann ich ohnehin nicht aussteigen. Also mache ich mal weiter. Marion kündigt per SMS den nächsten Treffpunkt an.

Die Strecke an sich wird fast nur von Läufern und Begleitradlern gefüllt, Besucher sind fast keine mehr an der Strecke zu finden. Für Motivation sorgt das 35km Schild. Zudem steht für die Marathonis das Schild für den Endspurt – 40km haben die schon in den Beinen. Dafür sind sie aber auch bald im Ziel. Das liegt im Ort Oberramsern – ich freue mich hingegen auf die nächste Versorgung, die sich direkt nach dem Marathonziel befindet. Im Ort findet dann auch endlich ein Richtungswechsel statt und es geht ein wenig bergab.

Marion erwartet mich im nächsten Ort, Mülchi, kurz vor dem Ort überschreite ich dann auch de 40km Marke. Von Marion gibt es Spezial-Nahrung für Ultra-Läufer: Gummibärchen, zudem lasse ich mir noch etwas Wasser geben, denn trotz Auffüllen an der Versorgung habe ich die Flasche schon wieder gelehrt. Noch immer fährt der Kopf ein wenig Achterbahn, aber es geht langsam etwas besser. Passend dazu ist die Strecke „the only way is up“ es geht nach dem Ort recht steil bergauf. Ich hole einen Läufer ein, der ebenfalls geht. Er ist der Meinung es sei viel zu früh zum Gehen, aber da ich die Strecke nicht kenne, macht mir das überhaupt nichts.

Nach der Steigung geht es erst mal wieder flacher weiter – ich schalte wieder auf Joggen um, zumindest bis Etzelkofen, dort raus geht es wieder über einen Bergkamm drüber. Auch diese Steigung bewältige ich wieder im Gehen, wie jetzt auch viele andere Läufer um mich herum. Klar, denn mittlerweile sind nur noch 100km Läufer oder Staffeln unterwegs – die Staffelläufer haben noch Kraft und können sich ihre Kräfte anders aufteilen. Im nächsten Gehöft steht wieder eine Versorgung bereit, zum ersten Mal erspähe ich Brühe bzw. Bouillon, leider frisch angerührt mit kaltem Wasser – geschmacklich absolut grauenhaft, aber ich weiß wie wichtig das Salz beim Langstreckenlauf ist. Also trinke ich doch gleich zwei Becher. Zum Abgewöhnen dazu gibt es dann Pepsi-Cola und Iso.

Es geht wieder durch den Wald, und es ist nun auch richtig dunkel, ohne Stirnlampe geht nichts. Ein wenig erinnert mich das Stück an die ersten Kilometer in Ulm, es fehlt anfänglich nur das Kilometerschild (in Ulm das für 10km), aber selbst das gibt es hier, 45km zeigt es. Also schon fast Halbzeit. Irgendwo auf der Strecke ist auch der innere Schweinehund im Kopf dann endlich weg, scheinbar habe ich ihm irgendwo einen Tritt verpasst, dass er sich endlich in seine Ecke verzogen hat und mich nicht mehr weiter beheligt.

In Jegenstorf gibt es schon weider etwas zu Essen und zu trinken – diesmal ist die Bouillon sogar warm, da schmeckt sie gleich mal viel besser. Die Kilometer ziehen sich nun scheints ewig, aber es geht vorran. Kurz vor dem nächsten Treffpunkt mit Marion in Kernenried ist die Halbzeitmarke überschritten. Wesentlich unspektakulärer als in Ulm, wo man zur 50km-Marke ins Donaustadion einläuft. Hier nur ein schlichtes Kilometerschild mitten im Nirgendwo. Kurz nach dem Foto-Shooting steht auch Marion bereit. Es gibt wieder Gummibärchen für mich. Marion wird nun erst einmal etwas Pause machen und wir wollen uns kurz nach Kilometer 70 wieder treffen. Für mich sind es bis dahin ja nur 20km, ich schätze vorsichtig auf 2 Stunden.

Nun habe ich ersteinmal die nächste große Versorgungsstation im Blick, Kirchberg – nicht zu verwechseln mit Iller-Kirchberg in Ulm wirklich viel gemeinsam haben die Orte dann auch nicht – Kirchberg liegt nicht auf dem Berg sondern im Emme-Tal (wobei mir endlich einmal bewusst wird wo der berühmte Käse herkommen muss). Kurz nach dem Schild für 55km überqueren wir den Fluss.

An der Versorgung greife ich überreichlich zu, zu viel wie ich wenige Meter später merke, ich verschlucke mich und wenn man schon mal am Husten ist, dann meinte der Magen auch noch seine Meinung zur bisherigen Ernährung abzugeben. Also hänge ich etwas auf halb-acht in der Botanik, danach geht es allerdings auch gleich wieder und ich laufe weiter.

Es folgt ein Stück, das liebvoll der Hô-Chi-Minh-Pfad genannt wird. Die Radler sind auf diesem Teilstück außen vor, anfänglich will ich das noch nicht so recht verstehen, denn die Strecke entlang der Emme bzw. dem Emmedamm ist ganz ähnlich dem was Ulm von Kilometer 50 bis ca. 55 zu bieten hat – grob geschottert und flach, wenn auch nicht ganz so breit. Nach einigen Kilometer wird es dann allerdings richtig übel – der Pfad läuft die ganze Zeit auf dem Damm und ist rechts und links von Wald umgeben. Überholen ist fast nicht möglich – ich reihe mich hinter einem Läufer ein. Der Untergrund ist absolut uneben und man muss höllisch aufpassen, dass man sich nicht den Knöchel vertritt.

Der Trail zieht sich scheinbar endlos hin – an einer etwas breiteren Stelle mache ich etwas langsamer und informiere Marion über den aktuellen Stand, noch liegen rund 10km bis zum nächsten Treffpunkt vor mir, ungefähr die Hälfte davon auf dem schwierigen Trail. Ich hänge mich nach der kurzen Erhohlungsphase wieder an eine Läufergruppe an, begleitet wird das von der erwachenden Vogelwelt rund um den Damm in den Büschen – es zwitschert von allen Seiten. Kurze Zeit später gibt es die nächste Versorgung, direkt unter einer Brücke – eine interessante Location, das muss man lassen. Danach wird es von der Strecke etwas besser – der Damm ist nun erst mal asphaltiert, aber immer noch recht schmal. Auch die Kulisse ist nicht unbedingt ein Augenschmaus, es geht vorbei an einer Papierfabrik, inklusive dem dazugehörigen Klärwerk.

Kurz vor der nächsten Verpflegung erfolgt die Wiedervereinigung von Läufern und Radlern, diese warten am Streckenrand und feuern jeden Läufer an der vorbei kommt, das ist echt sympathisch. Die Versorgung ist dann auch das Ende des Trails. Eine schmale Brücke überspannt die Emme, noch wenige hundert Meter geht es dann entlang des Flusses, dann geht es mit einer leichten Steigung aus dem Tal heraus. In Biberist gibt es eine Haarnadelkurve, diese leitet den Heimweg ein, nun geht es fast konsequent gen Westen nach Biel.

Die Strecke führt nun durch die Felder, immer entlang des kleinen Dorfbach, in der Ferne ist schon bald der nächste Ort zu erkennen, Lohn heißt er. Man könnte es auch als Lohn der Mühen im Emmetal bzeichnen. Kurz nach der Überquerung des Bachs gibt es wieder ein wichtiges Schild: 70km liegen hinter mir, es ist also fast nur noch eine normale Samstags-Trainingseinheit die vor mir liegt, also sollte das alles machbar sein. Weg sind die Gedankenspiele vom Anfang, es gibt nur noch eines: Nach vorne blicken, es sieht gut aus und das Ziel in machbare Nähe gerückt.

IMG_1039Nach dem Bahnübergang in Lohn geht es weiter auf den nächsten Treffpunkt mit Marion in Lüterkofen zu. Kurz vor dem Treffpunkt kündigt sich eine lästige Pflicht an – nachdem ich ständig Kalorien und Flüssigkeit in mich hinein geschoben habe, muss ich nun langsam aber sicher auch an die Entsorgungsproblematik denken, mein Verdauungstrakt macht da im wahrsten Sinne des Wortes mächtig Druck. Gut das auf einer Baustelle am Rand ein Dixi bereit steht – unverschlossen und sauber, das muss dann erst mal herhalten. Natürlich meldet sich Marion etwas besorgt genau nachdem ich gerade die Türe verschlossen habe. Ich lasse die Antwort sein, und laufe weiter, denn es kann sich nur noch um einige Minuten handeln bis wir uns sehen. Tatsächlich, nach der nächste Kurve auf einem großen Parkplatz steht Sie und freut sich, dass ich auftauche. Nochmal Gummibärchen, dann geht es weiter. Noch eine leichte langezogene Steigung, dann geht es etwas bergab an die nächste Versorgung.

Ich trinke reichlich Wasser, Iso, Cola und wieder Brühe. Auch die Flasche wird wieder aufgefüllt. Nun folgen ca. 5km relativ eben bis nach Bibern. Was mir nunmehr auch zu schaffen macht ist die Sonne, diese sorgt für angenehme Temperaturen, aber mit der Zeit wird es auch unangenehm warm. Ich ziehe die Jacke aus und binde sie mir um die Hüfte. Anfänglich noch etwas frisch gewöhne ich mich recht bald an das Laufen ohne Jacke. In Bibern erwarten uns jede Menge Menschen an der Strecke, dort ist auch die letzte Wechselstation für die Staffeln. Die Staffeln sind auch die Teilnehmer, die noch genügend Kraft haben die anstehende Steigung zu joggen. Die Ultra-Läufer um mich herum gehen alle und haben sich an der Theke noch etwas zu Futtern mitgenommen. Marion kündigt an, dass sie im nächsten Ort an einer Gefällestrecke steht. Das motiviert natürlich, und das Gefälle beginnt dann auch bald. Zudem steht nach einigen Kilometern noch ein Motivationsschild, 80km habe ich nun in den Beinen. Ich muss an Ulm denken, dort befindet sich dieser Kilometermarker an der Wilhelmsburg gemeinsam mit einer Versorgung – hier steht er, wie schon die Halbmarke irgendwo einfach an der Strecke.

IMG_1047Der nächste Ort ist Arch, irgendwie hat man im fortgeschrittenen Ultra-Marathon-Stadium komische Assoziationen, in Ulm ist es der Ort Lehr, hier Arch. In Ulm fühlt man sich leer, in Biel ist man einfach im Allerwertesten. Da hilft auch der Gedanke, dass die größeren Steigungen nun endlich hinter mir liegen nicht viel. Schon interessanter ist die Uhr an einer Tankstelle im Ort – sie zeigt kurz vor sieben Uhr in der Frühe. Das weckt Ambitionen ob es doch noch möglich ist unter 11 Stunden ins Ziel zu kommen, allerdings weiß ich auch, dass die letzten 20km noch einmal richtig Kraft kosten werden. Aber dafür steht ja Marion bereit – sie versorgt mich nochmals mit Gummibärchen, bevor es an die nächste Versorgung geht, dort greife ich auch nochmal zu, Wasser, Iso, Cola, Tee und Brühe, dazu nochmal Bananen und Müsli-Riegel. So gestärkt geht es dann an die Aare, entlang dieses Flußes oder dessen Kanal verlaufen die letzten Kilometer der Strecke bis Biel.

Auf dem Feldweg durch die Auen hänge ich mich an einen Läufer und dessen Begleitung, wir pushen uns gegenseitig Kilometer um Kilometer, für mich ist es teilweise recht hart und ich lasse ihn auch teilweise ziehen, nur um ihn kurz später dann doch wieder einzuholen. Zwischenzeitlich passieren wir Kilometer 85. Zudem gibt es eine etwas trickreiche Brücke – zwei Läufer bringen die ziemlich genau in Resonanz, was dann zu unliebsamen Effekten führt, denn entweder kommt der Boden einem beim Auftreten zu früh oder zu spät unter den Fuß, beides ist nicht so wirklich gut für die Gelenke.

In Büren gibt es wieder etwas zu trinken, es ist mittlerweile derart warm, dass meine Flasche immer gerade so von Station zu Station reicht. Dankbar fülle ich diese auf, wie üblich ungefähr 80% Wasser und 20% Iso-Getränk. Das Iso-Getränk ist mir sonst immer deutlich zu süß und geschmacklich ist es auch nicht unbedingt mein Fall. Wir queren die Aare, und es folgt eine lange Strecke immer enlang des Kanals. Sie erinnert mich an die „Schlachtergerade“ im Nürnberg, sie ist fast genauso lang. An der vorletzten Versorgung wartet nochmal Marion auf mich, ich greife nochmal Getränke und Essen ab, und schiebe mir etwas Traubenzucker und ein Bonbon in den Mund um den Zuckerspiegel hoch zu halten – nicht das mir jetzt auf die letzten Kilometer noch etwas anbrennt. Es sind jetzt weniger als 10, die noch zu laufen sind.

Die Kilometer ziehen sich gefühlt übermäßig zäh hin, im Gegensatz zu Ulm gibt es nicht die letzten 10km schon jeden Kilometer Hinweisschilder, so freue ich mich natürlich um so mehr, als ich das Schild für 95km und wenige hundert Meter später die letzte Versorgung erreiche. Die Streckenposten und einige Menschen an der Strecke motivieren – nur noch 4,5km bis ins Ziel. Das hört sich richtig gut an – und die Strecke ist noch immer flach. Ich laufe weiter, mahne mich allerdings zur Vorsicht – denn auch wenn es nur noch so wenig Kilometer sind, einbrechen kann man immer noch, wenn man sich verschätzt. So geht es wohl vielen entlang der Strecke, ich sammle immer mehr Läufer ein und werde nur noch selten von einigen flotten Staffel-Läufern überholt. Zur Sicherheit gebe ich mir nochmal einen Zuckerschub in Form eines Bonbon und Traubenzucker, noch während ich auf dem Zucker herumkaue kommt das Kilometerschild 96 in Sichtweite – noch 4km.

IMG_1064Biel ist schon mal erreicht, es geht schon durch die Vororte – noch immer entlang der Aare, ein weiteres Schild kündigt an: noch 3km bis ins Ziel. Ich mahne mich, dennoch jetzt nur nicht zu beschleunigen, denn irgendwie schwant mir, dass da noch etwas lauern könnte. Mein Bauchgefühl behält recht, kurz nachdem man von der Aare abgezweigt ist, geht es nochmal über eine Brücke – diesmal gehe ich die Steigung nicht und sammle dabei nochmal allerhand Läufer ein. Das gibt einen richtigen Schub, jedesmal wenn man noch an jemandem vorbeiziehen kann, egal wie entkräftet man eigentlich schon ist. Nach der Brücke geht es durch die Bebauung – einige Leute stehen an der Strecke und feuern an. Es geht nochmal einen knackige Steigung hoch, ich ärgere mich erst ein wenig, denn das muss ja nun nicht sein, noch auf den letzten Kilometern irgendwelche Höhenmeter-Ambitionen, aber es gibt mir ja auch nochmals die Chance einige Läufer zu überholen. Es geht entlang der Bahnstrecke, nur noch 1km liegt jetzt vor mir, runter vom Bahndamm, unter der Bahn durch, die letzten Höhenmeter des Laufs, dann wird es flach. Die letzten drei Kehrungen durch Biel hindurch ziehen sicIMG_1069h scheinbar endlos, obwohl ich laut Pulsuhr deutlich flotter laufe. Immerhin habe ich mittlerweile wieder Orientierung und sehe den markanten Turm des Kongress-Zentrums: Da muss ich hin! Nach der vorletzten Kurve stehe ich dann auch schon vor dem Turm, eine Kurve trennt mich noch vom Ziel – vorher noch durch das Bierzelt mit der Kantine wo es schon herrlich nach Essen duftet – aber egal, jetzt nochmal die Beine in die Hand genommen und durchgespurtet – nur nicht von der Zeitmessmatte täuschen lassen die da im Zelt liegt, noch war da keine Ziellinie oder eine Medaillen-Ausgabe. Das alles kommt zusammen mit dem Ziel-Tor-Bogen nach der letzten engen Kurve ins Blickfeld – nochmal Tempo steigern und dann ist es auch geschafft – 100km. Ich kann es selbst kaum glauben. Marion steht am Zieleinlauf und hat reichlich Fotos gemacht. Ich genehmige mir erst einmal zwei kühle isotonische alkoholfreie Weizenbier – lecker und erfrischend nach der ganzen Lauferei.

Jetzt ist erstmal Zeit zum Ausruhen, vor dem Congress-Zentrum verschnaufe ich etwas und versuche zu entspannen, aber die Muskulatur rächt sich nun für die ganzen Kilometer – weniger mit Krämpfen als mit Muskelkater. Nach einer Viertelstunde mache ich mich dann ganz langsam auf den Weg in Richtung T-Shirt-Ausgabe, Medaillengravur und Duschen. In der Halle ist es etwas chaotisch, aber am Ende habe ich alles was ich brauche – zwei Urkunden und ein T-Shirt. Die Medalliengravur fällt scheinbar aus, die zuständige Firma hat den Veranstalter wohl im Stich gelassen. Immerhin ist man bemüht und notiert sich die Starternummer, die Medallie soll dann nachgeschickt werden. Da man das aber noch nicht versprechen kann, soll ich meine ungravierte erst einmal behalten – zwei Medalien für einen Lauf – auch mal was neues. Mit meiner Zielzeit von 11:09:29 bin ich absolut zufrieden – persönliche Bestzeit in Biel sowieso und noch dazu deutlich schneller als in Ulm. 243. in der Gesamtklassierung von 845 angekommenen Männern, und 18. in meiner Alterklasse, in der 53 Läufer ins Ziel gekommen sind.

Die Duschen befinden sich im Untergeschoss – ich bin natürlich nicht zimperlich und nehme die Treppen, auch wenn das etwas schmerzhaft ist, aber der Schmerz vergeht ja bekanntlich, der Stolz bleibt.

Fazit zum Lauf: Biel ist mittlerweile sehr bekannt und berühmt – in diesem Jahr wurde der Abwärtstrend bei den Teilnehmern insgesamt und auch bei den 100km gestoppt – insgesamt waren 1360 Teilnehmer am Start, die 100km erfolgreich absolviert haben 1013 Läufer innerhalb des Zeitlimits. Das ist eine ganz andere Veranstaltungsklasse als Ulm, das muss man ganz klar anerkennen – mit der steigenden Läuferzahl steigt logischerweise auch der logistische Aufwand den man als Veranstalter betreiben muss.

Von der Strecke her lassen sich die beiden Läufe finde ich sehr schwierig vergleichen – ich denke jede hat ihre Berechtigung, ihre Mankos und Längen, aber eben auch echte Highlights. Biel ist insgesamt etwas urbaner geprägt als es bei der Laufstrecke in Ulm der Fall ist. Man läuft doch mehr Kilometer in dicht besiedeltem Gebiet und hat gefühlt auch etwas mehr Industrie und Kläranlagen entlang der Strecke. Ulm kann hier einige Pluspunkte mit einer eher ländlichen Strecke gut machen. In Biel ist ein Großteil der Strecke sehr gut ausgebaut – die allermeiste Zeit sind es Straßen oder breite Feldwege, oftmals sogar asphaltiert oder zumindest befestigt. In Ulm sind die meisten Wege zwar auch befestigt, aber es sind mehr Anteile die eher einem Trail-Lauf gerecht werden enthalten, was auch seinen Reiz hat. In Biel ungünstig gelöst finde ich den Emmedamm – auch in Ulm gibt es ein Stück das ähnlich ist (ab ca. 50km bis ungefähr 55km), jedoch ist das noch deutlich angenehmer da nicht ganz so dunkel und mit genügend Möglichkeiten zum Überholen und Überholen-Lassen. Der Ho-Chi-Minh-Pfad ist hingegen so schmal, das dies nicht geht, noch dazu ist es aufgrund der Auenbewaldung an einigen Stellen stockduster.

Was mir auch aufgefallen ist: In Ulm wurde mit sehr viel Liebe zum Detail die Strecke ausgestaltet und wichtige Kilometermarken mit entsprechenden Versorgungsstationen ausgestattet – klassiche Punkte sind hierbei das Donau-Stadion bei Kilometer 50 oder auch die Wilhelmsburg als Augenweide bei Kilometer 80. In Biel liegen die Kilometer irgendwo mitten im Nirgendwo – für die Strecke an und für sich unerheblich und auch ob die Versorgung nun einige Kilometer früher oder später liegt ist im Prinzip nachrangig, aber es motiviert einfach deutlich besser wenn man an solchen Punkten auch etwas zu erleben hat.

Die Versorgung ist auch deutlich unterschiedlich – während man in Ulm auf etwas wie am Rennsteig setzt, also durchaus „feste“ Nahrung mit Kuchen, Schokolade und Wurst (ganz zu schweigen vom Aufgebot bei Kilometer 75 – jeder der dort einmal gelaufen ist kennt den Punkt auch als Schlemmer-Buffet), am Rennsteig war das Angebot leicht anders aber auch abwechslungsreich und mit genügend Auswahl für jeden Geschmack. Biel hingegen gibt sich hier sehr purisitisch – Iso in zwei Varianten, Tee, Wasser, Cola, Brühe, dazu jedesmal Riegel, Banane, Äpfel. Das geht auch, was mir gut gefallen hätte wäre etwas Salz pur gewesen, so muss man das über die Brühe aufnehmen. Wenn die Brühe dann auch noch kalt ist, macht das den Geschmack nicht unbedingt besser.

Ich bin dieses Jahr ohne Begleitradler unterwegs gewesen, Marion wollte urpsrünglich als Radler mitmachen, aber schwanger so lange Strecken radeln ist einfach ein No-Go. Die punktuelle Versorgung hat auch so sehr gut geklappt.

Mittlerweile ist Montag, der Muskelkater hat sich nach dem Lauf erstaunlich in Grenzen gehalten, auch wenn ich nach dem Lauf einigen Stunden an einem Rastplatz einfach nur geschlafen habe vor lauter Erschöpfung. Treppensteigen geht schon Sonntags wieder recht gut, ein wenig merke ich es auch heute noch, aber es ist kein Vergleich zu früheren 100km-Läufen. Das Training mit der Gruppe PULT hat mich dann doch entsprechend abgehärtet.  Auch die knappe Abfolge von drei Wettkämpfen in sechs Wochen und regelmäßigem Training unter der Woche hat keine negativen Auswirkungen gehabt.

Ob ich den Lauf jedes Jahr machen möchte weiß ich noch nicht, das muss ich erst noch sehen, wie sich die Laufambitionen fürs nächste Jahr entwickeln – außerdem muss ich ab Oktober ja auch auf meinen anstehenden Nachwuchs Rücksicht nehmen. Das erschwert die Teilnahme an Wettkämpfen dann doch ein wenig. Aber man wird sehen.

 

Trocken-Tauchen in der Schweiz

Im September soll es dieses Jahr nach Scapa-Flow gehen – ein lang ersehnter Urlaub und wohl der zeitlich umfangreichste bei mir in diesem Jahr. Von der kreativen Seite her wird es dringend Zeit für etwas Erholung – momentan tröste ich mich mit dem Gedanken, dass es ja nicht mehr so lange hin ist, und eine kurze Abwechslung steht ja schon Anfang August für anderhalb Wochen ins Haus, da ist mal weniger Kopfarbeit sondern tatkräfitiges Zupacken beim Bundesjugendlager angesagt.

Da das Wasser in Scapa-Flow alles andere als Wohlfühltemperatur hat (ca. 12-14°C werden dort schon als „warm“ gehandelt) – habe ich mich dann doch unter die Weicheier / Techtaucher begeben und mir Anfang des Jahres einen Trockentauchanzug zugelegt. Nun ist es mit der Anschaffung ja nicht getan, auch der sichere und routinierte Umgang mit der Ausrüstung will geübt sein. Auch mein Tauchpartner Raimund ist noch nicht all zu lange trocken unterwegs – da wir in Schottland zusammen tauchen wollen heißt es auch gemeinsam üben. Daher versuchen wir seit Jahresbeginn ungefähr jeden Monat ein Wochenende zu finden an dem wir verschiedene Seen unsicher machen. Raimund lebt und arbeitet derzeit in der Schweiz – daher ist auch mal etwas Abwechslung bei den Tauchgängen geboten. Die heimischen Seen in Mannheim und Umgebung sind aber auch immer mal wieder nett.

Am letzten Wochenende war ich dann mal wieder an der Reihe mit Reisen – wie schon einmal mit dem großen elterlichen Auto – da klebt die Plakette für die Schweizer Autobahn drin und außerdem transportieren sich zwei Tauchausrüstungen im Kombi leichter als in einem Kleinwagen. Leider ist das mit der Anreise erst mal zusätzlicher Stress – auf Arbeit früher weg ist ja positiv zu sehen um den angefallenen Überstunden Herr zu werden, aber entspannend ist eine Autofahrt auf der A5 gen Basel derzeit mit Nichten. Immerhin für die Hinfahrt war ich voll besetzt mit Mitfahrern und so war doch für etwas Ablenkung gesorgt, während ich mich von Stau zu Stau von Baustelle zu Baustelle gekämpft habe.

Erster Halt in Freiburg – Mitfahrer absetzen und mal kurz etwas verschnaufen – die meisten engen Baustellen liegen da bereits endlich hinter mir, aber sie haben auch ordentlich Konzentration gefordert. Mit frischem Schwung geht es dann weiter in Richtung Basel – badischer Bahnof, dort setze ich den letzten Mitfahrer ab – den Rest der Strecke bin ich alleine. Ich reihe mich wieder brav in den Stau auf der Autobahn ein und zuckle Bern entgegen. Nach Basel wird es etwas besser, aber ein paar Stücke zäher Verkehr und Stau sind immer wieder dabei. Am Ende brauche ich knapp 5:45h für die nicht ganz 400km – fast so lange wie ich teilweise für 600km zu meiner verflossenen Freundin nach Dresden gebraucht habe. Entsprechend k.o. bin ich bei der Ankunft. Dennoch fahre ich noch am Supermarkt vorbei – ich habe einem Kumpel versprochen seinen Lieblings-Apfelsaft (Ramseier Suessmost) mit zu bringen, der ist leider in Deutschland nicht erhältlich.

Den Abend lasse ich gemütlich mit Raimund ausklingen – ein wenig Gemüse und Fleisch auf den Grill als Abendessen – jetzt fängt das Wochenende wirklich an. Die Arbeit ist weit weg, jetzt steht erst einmal die Entspannung und das Tauchvergnügen im Vordergrund.

Für Samstag haben wir uns zum wiederholten Mal den Thuner See vorgenommen. Wir steuern wieder den gleichen Tauchplatz wie beim letzten Mal an, in der Hoffnung dass die Sicht diesmal besser ist und das Wasser ein klein wenig wärmer als im April. Wichtigstes Ziel: Ausrüstung checken, Konfiguration testen. Bei den vergangenen Tauchgängen waren wir nämlich nur „halbtrocken“ – sowohl bei mir als auch bei Raimund waren die Trockentauchhandschuhe vollgelaufen. Zudem hatte ich noch eine etwas suboptimale Gewichtsverteilung. Mittlerweile hat sich das deutlich verbessert: Es bleibt alles trocken und wir stoßen entlang des Seegrunds auf 40m vor – von dem versprochenen schönen Bewuchs bzw. dem „Unterwasser-Alpenpanorama“ leider keine Spur. Aber die Ausrüstung passt – das ist ein gutes Zeichen.

Nach dem Tauchgang stellt Raimund einen weiteren Ausfall fest: Die Batterie seines Tauchcomputers hat sich verabschiedet – aber im nächsten Ort ist der nächste Tauchplatz und auch ein Tauchgeschäft – sehr praktisch. Die Batterie ist schnell gewechselt und wir bereiten uns auf den nächsten Tauchgang vor. Die Sicht ist etwas besser, aber dennoch ist der Tauchplatz nicht so richtig überzeugend – man taucht über eine alte Schutthalde mit diversen netten Dingen wie einer Parkbank, jeder Menge Abfälle und trifft schlieslich auf eine kleine versenkte Jolle. Technisch ganz ok, aber nicht unbedingt der Highlight-Spot an dem ich jedes Mal wieder tauchen möchte. Zudem ist hinterher gleich noch ein Abstecher in den Tauchladen notwendig – der Tauchcomputer taucht nämlich nicht bzw. die Dichtung taugt nichts mehr – das Batteriefach ist vollgelaufen. Der Service-Techniker ist bemüht, kann aber auf die Schnelle das Problem nicht beheben. Für den nächsten Tag füllen wir noch zwei Flaschen, bevor wir zum Essen ins Restaurant neben dem Einstieg gehen. Die Aussicht mit dem Alpenpanorama ist schön, das Essen ist gut – was will man außer einem trockenen Tauchcomputer noch mehr.

Am Abend werfen wir wieder den Grill an und unterhalten uns noch bis spät in die Nacht, dennoch: Tauchen macht irgendwie auch müde – das muss der Sport-Anteil am Sporttauchen sein. Dennoch planen wir für den nächsten Tag noch einen Tauchgang – nicht im Thuner See sondern diesmal in den Schiffensee bei Düdigen/Kleingurmels – die Aussichten sind laut Tauchführer nicht sonderlich gut „oftmals schlechte Sicht“, aber wir lassen uns nicht abschrecken.

Nach etwas Suchen finden wir denn auch den Einstieg in den See – das Wetter spielt so überhaupt nicht mit – über Bern haben wir noch herrlichen Sonnenschein, beim Anziehen müssen wir schon schauen, dass es uns nicht in den Trockentauchanzug regnet während wir uns anziehen. Immerhin: Der Parkplatz am Anleger ist kostenfrei – eine Seltenheit in der Schweiz.
Direkt nach dem Einstieg wissen wir auch warum: Die Sicht ist nicht nur gering oder schlecht, sie ist misserabel. Bereits beim ersten Abtauchversuch sehen wir uns gegenseitig nicht mehr. Also wieder an die Oberfläche, diesmal nehmen wir uns eine Boje an deren Verankerung geht es abwärts. Immerhin velieren wir uns nicht gleich, aber entspanntes Tauchen und etwas entdecken sieht anders aus. Nach einigen Versuchen brechen wir den Tauchgang dann ab – Raimund hat Probleme mit einem Ventil, ich habe beim Zusammenbau und dem Anziehen die Schläuche etwas ungünsitg ineinander verheddert – dazu noch die nicht besser werdende Sicht – auch auf 12m Tiefe wird es nur unwesentlich besser – zwar etwas klarer aber es fehlt noch immer das Licht, das kommt durch die Schwebeteilchen oberhalb einfach nicht so recht durch.

Den Heimweg zu Raimund fahren wir mal nicht über die Autobahn – die Landstraßen in der Schweiz haben auch ihren Reiz – mit schönen Serpentinen geht es Berge rauf und runter. Die Landschaft ist herrlich idyllisch.

Gegen Nachmittag heißt es dann schon wieder Abschied nehmen – nach einem kurzen Imbiss mache ich mich früher als geplant auf den Weg – da ich keine Mitfahrer habe, ist es egal wann ich loskomme. In der Schweiz ist teilweise noch etwas Stau und stockender Verkehr an den bekannten Engstellen, aber auch das geht vorrüber. Ärgerlicher finde ich das Verhalten meines Handys, das ich auch zur Navigation benutze – der Bellchen-Tunnel bringt den GPS-Empfänger völlig aus dem Tritt – erst als ich schon fast in Basel bin gelingt es ihm wieder sich zu lokalisieren – da hatte ich mehr erwartet.

Stau gibt es keinen, dafür eine Vollsperrung der A5 bei Karlsruhe – aber die Umleitung ist gut ausgeschildert. Zwischenzeitlich immer wieder der bange Blickt auf die Reichweiten-Anzeige des Bordcomputers – anfänglich passt das noch recht gut zur verbleibenden Strecke – ich habe guten Grund zur Annahme, dass die Tankfüllung bis Mannheim reichen sollte. Am Kreuz Walldorf dann der Schock – nach der Kurve meint der Rechner: noch 0km Restreichweite. Aber das Auto fährt noch … Vorsichtshalber fahre ich aber an den Rasthof am Hockenheimring und tanke für 5 EUR (schweineteuer der Sprit dort) – immerhin reicht es den Rechner zu besänftigen – mit etwas mehr als zwei Litern will er nunmehr 70km weit kommen (und das bei einem Durschnittsverbrauch von 6,5l/100km – irgendwie passt das nicht zusammen…). Auf alle Fälle reicht es bis Mannhei an eine günstigere Tankstelle.
Abends noch das Tauchgepäck in den elterlichen Keller und den Autotausch retour bevor ich dann gegen 22:30h endlich daheim bin.

Fazit: Der Ausflug hat sich zwecks Equipment-Check auf alle Fälle gelohnt. Die Sichtweiten könnten besser sein, aber das kann man ja vorab selten erahnen.