Sommerurlaub 2021 – Nürnberg Tierpark und Barfußpfad Windelsbach

Das Wetter hat sich etwas gebessert, es regnet zumindest nicht mehr ständig. Eigentlich wollten wir den Tag mit dem schönen Wetter nutzen um in den Playmobil Funpark zu fahren. Da wir allerdings nicht genau abschätzen konnten wann denn das Wetter besser wird, versuchen wir es kurzfristig mit einer Buchung der notwendigen Tickets. Ergebnis: Leider keine Chance mehr noch Tagestickets zu bekommen. Daher planen wir um und gehen stattdessen in den Nürnberger Tierpark.

Die Fahrt zeigt uns nochmal sehr eindrücklich die Umgebung auf der fränkischen Alb – immer wieder Hügel rauf und Hügel runter – dazu jede Menge Kurven. Es ist fast schon langweilig als wir auf der Autobahn ankommen und es dann nur noch gerade aus geht. Vor allem geht es flott voran: ohne Anhänger sind wir nicht auf 80 km/h limitiert. Auf dem Weg entdecken wir noch den Ort Leutershausen – den gibt es hier auch, Marion hofft, dass ich nicht auf die Idee komme die nächste Rheintalquerung in diesem Leutershausen zu starten sondern bitte weiterhin das bei Weinheim dazu hernehme.

Der Tiergarten ist auch recht gut besucht, aber die Menschenmengen verteilen sich recht gut, der große Spielplatz ist für die Kids natürlich genauso spannend wie der eigentliche Zoo mit den diversen Tieren. Leider gibt es coronabedingt derzeit keine kommentierten Fütterungen. Aber auch ohne Kommentar ist die Fütterung der Robben und Seelöwen ein echter Hingucker. Continue reading

Urlaub Riedenburg 2020 – Tag 5&6

Für den Mittwoch planen wir auf alle Fälle den Besuch der Greifvogelschau auf der Rosenburg ein, da wir gemütlich in den Tag starten, reicht es uns nicht mehr zur 11 Uhr Vorstellung. Stattdessen nutzen wir die Chance einige verbliebene Einkäufe für den Rest der Woche zu erledigen. Während Mama durch den Supermarkt huscht, gibt es sogar etwas für die Kids zum Anschauen. Ein großer LKW mit Kran kommt vorbei um die auf dem Parkplatz stehenden Glascontainer zu leeren. Damit kann man wunderbar die Wartezeit überbrücken und ein wenig Technik zum Anschauen gibt es obendrein.

Die Zeit bis zum Mittag überbrücken wir dann mit einem Besuch am Klangweg entlang des Main-Donau-Kanals – hier können sich die beiden Jungs einmal so richtig austoben und nach Herzenslust Geräusche erzeugen – vom Wabbel/Blubberblech über einen musikalischen Doppel-T-Träger bis hin zu einer überdimensionalen Gebetsmühle (eine alte Wäschetrommel gefüllt mit einigen Steinen) gibt es allerlei zu erlauschen. Auch findet sich am Klangweg eine passende Bank fürs Mittagessen.

Derart gestärkt nehmen wir den Anstieg zur Rosenburg in Angriff. Direkt in Riedenburg geht es gleich einmal sehr steil die Burgstraße nach oben. Ich bin mit Anhänger und kleinstem Gang gut dabei – Marion und Glen bewältigen den ersten Abschnitt schiebend. Danach wird es erst mal ein Stück flacher und Glen kann mit Marion im Follow-Me (Nachläufer) ein gutes Stück der Steigung bezwingen bevor es wieder etwas steiler wird. Wir nehmen aufgrund der Steigung nicht den Fußgänger-Weg sondern die Fahrstraße, in der Hoffnung, dass diese etwas flacher ist. Als wir am Großparkplatz unterhalb der Burg ankommen, bin ich schweißgebadet, aber ich habe nicht absteigen müssen. Bleibt nur noch der letzte Anstieg bis zur Burg, der hat es nochmal in sich. Oben applaudieren dann einige Passanten, wie sich herausstellt stammen sie aus Norddeutschland und für sie wären derartig steile Berge überhaupt nicht mit dem Rad bezwingbar. Für mich war es nur anstrengend, aber nichts unmögliches – da gibt es andere Steigungen vor denen ich mit Anhänger dann doch kapitulieren musste. Continue reading

Frankreichurlaub – zweite Woche

Tag acht – Hochzeit in Périgueux

IMG_1722Heute ist der große Tag, zwar nicht für uns aber für Marions Cousin Bruno und sein Frau Cécile. Vorab gibt es ein Treffen mit Marions Mutter in der Altstadt von Périgueux. Wir nehmen nur einen kleinen Snack zu uns, verschiedene Crêpes. Leider funktioniert das Wifi in der Gaststätte nicht wie angekündigt. So wissen wir immer noch nicht ob wir den Campingplatz bei Tours reservieren konnten oder nicht. Die standesamtliche Trauung findet am Nachmittag statt. Schon interessant sich das ganze Prozedere einmal in einer fremden Kultur anzuschauen. Immerhin kann ich den Ausführungen doch recht gut folgen – wenn ich daran denke, dass so mancher Französisch-Lehrer an mir bald verzweifelt ist. Meine Kenntnisse brauche ich dann auch im Laufe des späteren Abends immer wieder – denn die meisten Gäste sprechen eben französisch, was ich ihnen auch in keinster Weise verübeln kann. Aber dennoch ist die gesamte Veranstaltung multilingual – wir sind nicht die einzigen deutschen Vertreter und es gibt auch einige Leute aus Großbritannien und Spanien.

Die Location (Domaine de Montplaisir) bei Brantôme ist recht nett gemacht, etwas abgelegen – was unser Navi dazu verleitet uns in einen absolute Sackgasse zu schicken und dann steif und fest zu behaupten, der Acker wäre befahrbar wie eine normale Straße. Ich frage bei Marion nach ob das Gerät nicht versehentlich in den THW-Modus oder den Modus für Unimog-Liebhaber verfallen ist.

IMG_1732Das Essen ist lecker – es gibt als Vorspeise Foie-Gras und Rillettes (eine Pastete von der Ente), und etwas was mir sehr gut schmeckt: gebratene Entenherzen – wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich mir mal wieder ein Kilo Hühnerherzen besorgen für auf den Grill – das ist einfach lecker. Da ein Teil der Familie im Champagner-Gewerbe tätig ist, gibt es natürlich keinen einfachen Sekt … Alternativ dazu gibt es einen Süßwein aus der Region Monbazillac, da es etwas dauert bis alle Gäste den Weg gefunden haben (wir erfahren nebenbei auch, dass einige in die gleiche Sackgasse geschickt wurden…) kann ich beides probieren.

IMG_1890Der Hauptgang wird begleitet von verschiedenen Aufführungen der Familie und der Freunde, unter anderem eine gestellte Lehrer-Konferenz (beide Ehepartner sind Pädagogen) oder eine gestellte Gerichtsverhandlung. Ebenfalls gut kommt die Variation von “Wer wird Millionär?” an – in diesem Fall mit Cécile als Kandidatin und als Show-Name “Qui veut gagner un Bruno ?” (Original: Qui veut gagner des millions ?) – Hauptpreis ist natürlich Bruno der von einem seiner Kumpels auf die Bühne getragen wird…

Zu recht fortgeschrittener Stunde machen wir uns daran unser Nachtlager aufzuschlagen – auf einer Wiese neben dem Gebäude stehen bereits einige Zelte – daher machen wir so wenig wie möglich Lärm (was auch bedeutet, dass die Luftmatrazen-Pumpe aus bleibt und ich das gute Stück mit der Lunge aufpuste …). Es ist bereits nach halb zwei Nachts als wir dann endlich ins Bett fallen.

Tag neun – weiter Feiern, Brantôme, Bergerac, Monbazillac

Am Morgen schlafen wir soweit es geht etwas aus – die anderen Camper und Übernachtungsgäste sind bereits wach. Es gibt ein kleines Frühstück mit Croissants und jeder Menge Kaffee, damit ich langsam wieder auf Touren komme. Das Wetter ist immer noch unangenehm feucht und schwül – auch ein Besuch der Dusche bringt dabei kaum Linderung. Ab 13h ist ein Art “Nachfest” geplant – ich habe eigentlich etwas kleines wie ein “Reste-Essen” erwartet, stattdessen gibt es nochmal recht festlich aufgetischt verschiedene Salate, frisches Brot und nochmals reichlich Gäste, die wieder vorbeikommen.

Im Laufe des Nachmittags verabschieden wir uns dann, denn wir haben eine Reservierung für den nächsten Campingplatz in La Réole – bis dorthin sind es nur rund 150km zu fahren, aber wir wollen ja auch noch einige Dinge entlang der Strecke besichtigen.

IMG_1967Erstes Ziel ist Brantôme, das kleine Städtchen wollen wir uns nicht entgehen lassen. Die ehemalige Abtei direkt am Kalkfelsen zusammen mit den beiden Flussarmen, die den Alststadt-Kern umspülen, ist die Stadt recht nett anzuschauen, wenn auch mittlerweile sehr touristisch geprägt mit sehr vielen Souvenierläden, die ihren Plunder an den Mann bringen wollen. Nächster Stopp ist Bergerac, auch das eher eine kleinere Stadt mit einem gut erhaltenen historischen Kern. Ehemals war der Ort ein wichtiger Umschlagsplatz, denn die Dordogne ist nur bis dorthin mit großen Schiffen befahrbar. Hier wurde früher dann auf kleinere Schiffe umgeladen. Ebenso berühmt ist der Wein aus der Umgebung, dem ein eigenes Museum gewidmet ist. Auch der Tabak spielt in dieser Region eine wichtige Rolle, daher gibt es auch dafür ein eigenes Museum.

IMG_2003Die letzte Besichtigungsstation für den Tag ist Monbazillac – der Ort ist wie bereits beschrieben für seinen Wein bekannt – im Office de Tourisme stellt jeden Tag ein anderer Winzer der Umgebung seine Weine zur Verkostung – ich probiere und wir nehmen gleich noch eine Kiste mit, wenn man schon mal da ist. Das ist allemal günstiger als die Angebot direkt am Chateau. Das Gebäude aus der Renaissance ist ganz putzig und thront auf dem Berg über dem Tal der Dordogne.

Nun müssen wir uns etwas beeilen nach La Réole zu kommen, denn dort ist der Campingplatz nur bis 18h geöffnet. So fliegen mal wieder etliche Kilometer Route Nationale und Route Départmentale an uns vorbei – immer wieder unterbrochen von den obligatorischen Kreisverkehren. In La Réole stellen wir dann fest, dass die notierte Angabe und die telefonische Information fehlerhaft waren. Bis 22h hätten wir einchecken können.

Tag zehn – Mont de Marsan, Saint Sever

IMG_2017Wir lassen den Tag gemütlich beginnen mit einem ausgedehntem Frühstück – viel haben wir für den Tag nicht geplant – in der Hauptsache wollen wir noch ein gutes Stück voran kommen auf unserem Weg in Richtung Küste. Die Besichtigung von La Réole beschränken wir daher auf die Ferne – die Stadt durchfahren haben wir ja bereits am Vortag. Auf verschiedenen Nationalstraßen geht es fast immer Richtung Westen.

IMG_2022Einen kleinen Umweg machen wir: Entlang der Route gibt es einen Ort namens “Marions” – da muss Marion natürlich vorbei und ein Bild machen. Als Besichtigung haben wir Mont de Marsan vorgesehen, die Stadt, die am Midou und an der Douze liegt, noch in der Stadt vereinigen sich die beiden Flüsse zur Midouze. Der Ort an sich hat nicht all zu viel zu bieten, wie auch dem Reiseführer zu entnehmen war. Etwas besser als beschrieben fällt es dann doch aus. So schlimm sind die klassizistischen Gebäude nun auch wieder nicht anzuschauen – und der Park nördlich der Douze ist eigentlich auch recht gelungen. Wir machen dort etwas Pause bevor es weiter nach Saint Sever geht.

In Saint Sever steuern wir zielsicher den Campingplatz an – wir sind verhältnismäßig zeitig vor Ort und sind vergleichsweise wenige Kilometer gefahren – aber irgendwie schlaucht mich die Fahrerei dann doch etwas. Als Erholung nehmen wir das Angebot der kostenlosen Schwimmbad-Nutzung an. Mit dem Campingplatz bezahlt man auch gleich den Eintritt ins öffentliche Freibad. Das ist recht schlicht gehalten, aber es erfüllt seinen Zweck. Einige Bahnen schwimmen um die Verspannungen vom vielen Sitzen etwas zu lockern – das tut richtig gut.

Das Abendessen gestalten wir recht aufwändig – es gibt grüne Bohnen mit Minuten-Schnitzeln von der Pute an Pellkartoffeln – spätestens jetzt wissen wir weshalb wir zwei Kocher dabei haben, sonst ließe sich das Gericht nur schwerlich zubereiten. Wobei auch das Anbraten der Schnitzel einiges an Geschick verlangt – wenn man sich nicht saumäßig die Pfoten verbrennen will. Das Alugeschirr leitet die Wärme dann doch besser als gedacht. Auch sollte man während des Zubereitens nicht an die Reinigung der Pfanne im Nachgang denken – aber dafür schmeckt es auch einfach gut. Lehre für mich: Derartige Speisen sollte man nur bedingt auf dem Benzinkocher zubereiten – der macht zwar gut heiß aber die Regelung im unteren Bereich ist nicht gerade präzise.

Tag elf  – Saint Sever, Messanges

IMG_2025In Saint Se(r)ver gibt es am Campingplatz einen super Service: Man bekommt das bestellte Gebäck zum Frühstück direkt an den Platz gebracht. Da wir ja Urlaub haben, lassen wir uns auch wieder Zeit – es hetzt uns ja keiner und bis an das vorläufige Ziel unserer Reise sind es nur noch wenige hundert Kilometer. Da wir es am Vorabend nicht mehr gemacht haben, schauen wir uns auch den Ort noch an – natürlich ist es schon wieder gegen Mittag und die meisten Geschäfte haben geschlossen. Die Kirche wollen wir eigentlich besichtigen, aber es findet gerade ein Gottesdienst statt, den wir natürlich nicht stören. Saint Sever an sich ist ein putziges kleines Städtchen, das sich reichlich Mühe gibt nicht im Tourismus-Kitsch unter zu gehen, aber dennoch auf die Geschichtsträchtigkeit zu setzen. Nachdem ich schon auf der Anreise nach Saint Sever gewitzelt hatte, dass dem Ort ein “R” im Namen fehlt (ganz im Sinne von “wo ist denn das U in
Ambulance?” aus “Nichts zu verzollen”) improvisiert Marion kurzerhand ein Blatt mit einem “R” und ich stelle mich damit für ein Foto ans Ortsschild …

IMG_2031Nachdem wir am Vorabend noch im Reiseführer gestöbert haben, fahren wir noch einen Abstecher an die Notre Dame du Rugby. Rugby ist in der Region ein wichtiger Sport und nachdem die Radfahrer in der Nähe auch schon eine Kapelle zu Ehren des Radsports haben, gibt es auch eine für Rugby. Die kleine Kapelle ist liebevoll gestaltet, zusammen mit einer kostenlosen Ausstellung der Rugby-Teams Frankreichs mit Fokus auf die Region. Ein echter Hingucker – vor allem die Fenstergläser bei denen verschiedene biblische Szenen im Rugby-Stil ausgestaltet wurden – ein Jesuskind, das eine Erdkugel hält sucht man hier vergeblich – es gibt doch so viel besseres Spielzeug (z.B. einen Rugby-Ball).

Von nun an ist das Ziel klar: Messanges, der Ort an der Atlantikküste, an dem wir mehrere Tage bleiben werden und nicht jeden Tag das Zelt wieder ab und aufbauen müssen. Genausowenig habe ich noch richtig Nerven weitere Tage auf der Landstraße zu Fahren. Auf dem Weg in Richtung Dax ist diese immerhin als Schnellstraße ausgebaut – so kommt man zügig voran. Ab Dax sind es dann noch etwas mehr als 40 km bis Messanges – die Straßen werden wieder etwas schmaler bis wir den Ort erreichen und natürlich gibt es nochmal kurz vor unserer Ankunft einen Kreisverkehr. Wenn mich jemand nach einem typischen Bewegungsablauf am Steuer in Frankreich fragen würde, wäre es wohl: Abbremsen, rechts einschlagen, links dagegen kurbeln um dem Kreis zu folgen, und wieder nach rechts um aus dem Kreisverkehr wieder heraus zu kommen. Wie viele ich im Laufe der Strecke durchfahren habe weiß ich nicht mehr …

Zur Erholung fahren wir abends noch mit dem kostenlosen Shuttle an den Strand – leider ist es arg windig und es herrscht daher Badeverbot – auch will so recht kein Strandfeeling aufkommen – es ist bedeckt und einfach zu kühl.

Für den Abend ist leider sehr windiges und regnerisches Wetter angekündigt – wir sichern unser Zelt zusätzlich mit einer Plane ab – das Auto haben wir zwar einmal entladen aber nur um es anschließend angesichts der Unwetterwarnung wieder neu zu packen – immerhin wieder etwas geordneter.

Tag zwölf – Messanges

Unseren Monatstag beginnen wir angenehm entspannt – die Nacht war zwar stürmisch und regnerisch, aber es hat alles gehalten und wir haben auch kein fließend Wasser im Zelt gehabt, wie ich das von Zeltlagern her eigentlich gewohnt bin. Aber das brauche ich nicht jedesmal beim Zelten.

Wir versuchen es gleich am Morgen nochmals am Strand, aber es ist immer noch rot geflaggt und nach einem kräftigen Schauer blasen wir erst einmal zum Rückzug. Da der Bus gerade nicht kommt, machen wir eine Wanderung durch den Wald von Messanges – laut Prospekt sind es zwei Kilometer vom Zeltplatz bis an den Strand – vermutlich aber Luftlinie gemessen. Aber immerhin mache ich dann mal wieder einige Kilometer zu Fuß, Laufsachen habe ich zwar eingepackt aber bisher noch nicht zum Einsatz gebracht. Regeneration muss auch mal sein.

Nachmittags fahren wir in den Nachbarort Vieux Boucau – der Ort ist sehr stark touristisch orientiert, und stark frequentiert. Aber gesehen haben sollte man auch das einmal. Wir machen Mittagspause während der nächste Regenschauer niedergeht. Immerhin endlich einmal Fisch auf dem Tisch, dafür dass wir so nah am Meer sind.

Da das Wetter besser wird, machen wir uns auf an den Strand von Vieux Boucau – es ist zwar Badeverbot aber immerhin bleibt es sonnig und wir entspannen in der Sonne. Gerade noch rechtzeitig treffen wir im Supermarkt ein, dort ist noch richtig Betrieb rund fünf Minuten vor Schluss. Aber von deutscher Gründlichkeit ist da nichts zu spüren – zwar wird der Eingang pünktlich dicht gemacht, aber jeder Einkäufer hat noch genügend Zeit alle Sachen einzupacken und zu bezahlen – ganz ohne große Hektik. In Deutschland unvorstellbar.

Zum Abendessen fahren wir nach Moliets – dort kennt Marion von ihren letzten Besuch noch ein Restaurant, weniger High-End, aber mit leckeren Burgern. Moliets ist am Strand fast schon amerikanisch – ein breiter Boulevard mit Fressbuden und Restaurants rechts und links. Dazu noch schrille Neonwerbung, das Restaurant an sich ist dann doch etwas gemütlicher und die Américains (Burger im Baguette mit samt den Pommes als Belag) sind super lecker.

Tag dreizehn – Biarritz

IMG_2040Da das Wetter weiterhin unbeständig sein soll, machen wir zur Abwechslung eine Besichtigung, Biarritz bietet sich hierfür an – rund eine Stunde Fahrzeit bis man dort ist. Auch hier gibt es Abwechslung – wir tauschen für die Kurzstrecke Positionen: Marion fährt, ich übernehme die Navigation.

IMG_2058In der Stadt halten wir uns an den Ratschlag aus dem Reiseführer und Parken etwas außerhalb kostenlos am Parking Floquet. Von dort aus geht es mit dem kostenlosen Shuttlebus bis ins Zentrum, fast direkt bis an den Strand der Stadt. Der ist natürlich total überlaufen, wie auch die ganze Küste des Ortes. Dennoch muss natürlich ein Besuch des berühmten Rocher de la Vierge (Felsen der Jungfrau Maria) sein. Dort geht es sogar – die Massen halten sich in Grenzen und es ist nicht einfach nur ein “Durchschieben” an den Aussichtspunkt.

Das Aquarium schauen wir uns nicht an, dafür ist der Eintritt empfundener Maßen zu teuer – zudem schreckt eine lange Schlange von Besuchern ab. Stattdessen schlendern wir etwas durch die Stadt, Marion ersteht noch ein Paar schöne Ohrringe. Ich hingegen kaufe etwas rein praktisches ein: Mit einem weiteren Satz Unterhosen vervollständige ich meinen geplünderten Kleiderschrank und wir sparen uns zudem am Campingplatz waschen zu müssen…

In der Innenstadt setzen wir uns noch gemütlich in einen Pub – und dort klappt es dann endlich einmal: Es gibt das unbürokratische Angebot das WLAN dort nutzen zu können. Ein Service, den in den USA jedes noch so kleine Café einfach anbietet und der auch in Deutschland mittlerweile einfach dazu gehört, ist hier in Frankreich gerade erst in den Startlöchern. Die e-mail-Flut fällt wie erwartet recht wuchtig aus, aber die wichtigsten sind schnell heraus gesucht – wobei nichts dabei ist, worüber ich mir Sorgen machen müsste. Außerdem schreiben wir nebenher noch die Ansichtskarten, in der Hoffnung dass sie vor uns wieder in der Heimat eintreffen.

Tag vierzehn – endlich Strand und Baden

Endlich spielt da Wetter einmal mit, wir nutzen den Sonnenschein und die warmen Temperaturen, um an den Strand zu gehen. Gehen ist dabei wörtlich zu nehmen, denn bis wir auf den Bus gewartet hätten, sind wir kurzerhand an den Strand gewandert, die Strecke kennen wir ja schon und Bewegung an der frischen Luft schadet ja nie.

Diesmal ist nur gelb geflaggt, und der Strand ist auch wegen des Feiertags gut gefüllt – noch enger wird es dann im ausgezeichneten Badebereich – immerhin einige Wellen kann ich so mitnehmen, aber richtig weit rausschwimmen darf man nicht – die Badeaufsicht ist da recht streng und greift direkt durch – die Trillerpfeife ruht selten für mehr als fünf Minuten.

Aber so ein Tag am Meer ist auch so richtig angenehm – ich komme endlich einmal dazu wieder ein Buch zu lesen (Danke an Helga und Heinrich für die beiden Lauf-Thriller Boston Run und New York Run) – erst gegen Abend machen wir uns wieder auf den Heimweg – diesmal mit dem Bus. So einen Ruhetag sollten wir uns wohl auch daheim öfter einmal gönnen – Aktion-Urlaub brauche ich weniger – denn Aktion habe ich dank meiner Hobbies dann doch mehr als genug…

Tage fünfzehn – nochmal Strand und Entspannung

Nachdem die Vorräte doch etwas dezimiert sind, beginnen wir den Tag mit einem Einkauf im Supermarkt, nach unserer Erfahrung in St. Sever wollen wir nochmal etwas ausgiebiger kochen – Marion kauft noch eine neue Gas-Kartusche, ich fülle beim Tankstop meinen Brenner mit Diesel auf – da es ein Multifuel-Brenner ist und Diesel als Brennstoff gelistet ist, mache ich mir da keine großen Gedanken.

Den Tag verbringen wir dann am Strand – immerhin im Kopf mache ich dabei noch einen Marathon – ich lese die beiden Bücher “Boston Run” und “New York Run” von Frank Lauenroth zu Ende – beides unterhaltsame und spannende Thriller die sich um die beiden Läufe abspielen. Einige technische Details sind nicht realistisch – aber das fällt nur auf, wenn man in der Materie etwas tiefer drin steckt. Ansonsten verrate ich mal nichts, sonst ist die Spannung raus.

Abends erleben wir dann das “doppelte Kocher Desaster” – mein Kocher, ein Whisperlite von MSR, will mit Diesel einfach nicht so richtig rund laufen. Teilweise klappt es, aber selbst dann rußt der Brenner fürchterlich – der Topf sieht dementsprechend bald gut geschwärzt auf – wie viel Ruß das ist fällt mir erst beim Schrubben am kommenden Tag auf. Auch Marions Gasbrenner macht Probleme: Die erste Kartusche ist leer – kein Problem wir haben ja eingekauft. Aber irgendwie muss das eine fehlerhafte Charge sein – das patentierte Ventil, das man normalerweise mit dem Brenner beim Montieren öffnet und das beim Demontieren automatisch wieder schließt, lässt einfach kein Gas aus dem Behälter. Im Taschenlampenlicht erkenne ich dann, dass das Ventil bei der neuen Kartusche tiefer sitzt als bei der alten. Somit kommt der Stift des Brenners nicht bis ans Ventil um es zu öffnen…  Bleibt also nur den Rest auf dem Whisperlite zu Ende zu kochen. Die Würstchen, die wir in der Pfanne machen wollten bekommen wir so aber wohl nicht gegart. Immerhin die Kartoffeln und der Brokkoli sind durch.

Auf Verdacht schaue ich am nahen Grillplatz vorbei. Dort glimmen noch Reste der Holzkohle, mit der Taschenlampe erkenne ich aber, dass noch reichlich Kohle vorhanden ist, die nicht verbrannt ist. Kurzentschlossen hole ich aus dem Auto die elektrische Luftpumpe für die Luftmatratze und halte ordentlich in die Glut. Mit Erfolg – bereits kurze Zeit später habe ich eine anständige Glut und wir können die Würstchen direkt grillen – ohne Kohle kaufen zu müssen. Zwei Jungs sind von der Methode total fasziniert – Grill anmachen ohne das man Streichhölzer oder Grillanzünder braucht. Wenn die wüssten, wie gut es auch mit einer Heißluft-Pistole geht, alternativ tut es auch die Pressluftflasche vom Tauchen mit einem Druckminderer – kein langes Pusten und Wedeln mehr …

Immerhin klappt es dann doch noch mit dem Essen – einzig die geplanten geschmorten Champignons müssen wir auf einen anderen Termin verschieben.

Tag sechzehn – relax, do nothing … eat …

Nachdem gestern der Tag der leeren Brenner war, gesellt sich am Morgen noch der Soda-Sprudler zu den nachfüllbedürftigen Geräten. Immerhin klappt es hier ohne Probleme, die Kartusche hatten wir auf Verdacht eingepackt.

Das Schrubben der Töpfe vom Vortag zieht sich etwas – ich hatte zwar gemerkt, dass der Brenner gerußt hat, aber so sehr hätte ich nicht erwartet – aber mit viel Spülmittel und Stahlwolle werden die Kochutensilien auch wieder sauber. Den Brenner packe ich erst mal weg. Beim Frühstück gibt es diesmal auch keinen Kaffee oder Tee, denn mit kaltem Wasser wird das eben nichts.

So richtig Lust irgendwas anzuschauen haben wir auch heute nicht – stattdessen nutzen wir nochmal den kostenlosen Shuttle bis an den Strand. Diesmal ist gelb geflaggt und man kann ein wenig rausschwimmen – ganz so spannend wie in Portugal finde ich das nicht, aber man kann die Strände auch nicht vergleichen – in Messanges ist es eben ein klassischer feiner Sandstrand mit vorgelagerten Sandbänken und ordentlich Strömung – die bekomme ich sogar im überwachten Schwimmbereich zu spüren.

Da wir nicht nochmal Lust haben unser Glück mit dem Kocher zu probieren, gehen wir in Messanges am letzten Abend nochmal essen. La Hitillère ist ein kleines Restaurant, das nur in den Sommermonaten geöffnet hat und Bio-Gerichte anbietet. Wir lassen es uns gut gehen – als Vorspeise eine Longdrink, bevor wir zu den Moules Frites (Muscheln mit Pommes) kommen. Abgeschlossen wird das Essen mit dem Gateau Basque (eine Spezialität der Region) – alles sehr lecker und sehr reichlich.

Tag siebzehn – Dune du Pilat bis Mansle

IMG_2071Es ist Zeit an die Heimfahrt zu denken – auf dem Weg wollen wir noch an Europas höchster Düne vorbei – das liegt fast am Weg – die Dune du Pilat. Die Anfahrt ist etwas beschwerlich, auch wenn Marion dankenswerter Weise die erste Etappe bis zur Düne fährt. Die Ortsdurchfahrten sind jedesmal eine Qual für sich. Einige Stellen umfahren wir geschickt nach Karte. Auch insgesamt muss ich sagen, haben wir die richtige Richtung zum Anfahren der Düne gewählt. In der Gegenrichtung ist ein riesiger Stau von der Autobahn bis zum Parkplatz bzw. dem Kreisverkehr vor dem Parkplatz. Wir können uns dort direkt einfädeln und nach etwas Suchen finden wir auch einen Parkplatz auf dem Gelände. Die Parkgebühr hält sich in Grenzen – 4 EUR für 4h – dafür wird das Naturschutzgebiet gepflegt und die Ankommenden mit Informationen versorgt. Die Toiletten sind stark frequentiert – aber es ist noch erträglich.

Mit dem Anstieg auf den aktuell 112m hohen Kamm der Düne mache ich seit Beginn des Urlaubs endlich mal wieder etwas Training – Marion nimmt die befestigte Treppe, ich gebe mir das Original-Feeling und erklimme den Sandwall – auf der Hälfte der Strecke hätte ich jemanden brauchen können der Wasser, Iso, Cola oder sonstige Läuferversorgung anbietet …. gefühlt macht man 2 Schritte vorwärts und dabei einen zurück, weil man so tief in den Sand einsinkt.

Auf der Düne machen wir nochmal Pause und lassen uns den Wind des Atlantik um die Nase wehen – zeitlich reicht es uns leider nicht mehr die Düne in ihrer Gesamtheit zu erlaufen – das wären 2,7 km einfach.

Nach der Besichtigung geht es heimwärts – bis Bordeaux ist die Autobahn kostenfrei. Vor der Mautstrecke machen wir nochmal Stopp in einem Supermarkt – im Einkaufswagen laden verschiedene Leckereien, die man in Deutschland nicht so einfach bekommt – unter anderem eine größere Menge Maronen-Marmelade. Mit dem WLAN im Supermarkt prüfen wir ein letztes Mal: aber der Campingplatz aus Tours hat sich nicht gemeldet – also wird das wohl nichts. Außerdem wäre das noch ein gutes Stück zu fahren. Stattdessen wollen wir sehen, wie weit wir kommen und dann auf gut Glück einen Campingplatz oder andere Übernachtung suchen.

Der Autobahnring um Bordeaux ist fast an der Überlastgrenze – immer wieder stockt es – aber man kommt irgendwann durch – anstelle der mautpflichtigen Autobahn nehmen wir die ausgebaute Route Nationale (N10) – bis auf einige wenige Kilometer ist sie vollständig vierstreifig ausgebaut, zudem ist die Strecke etwas kürzer als über die Autobahn.

Kurz nach Angoulême fahren wir von der ausgebauten Straße ab, auf der Suche nach einem Campingplatz – gleich im ersten Ort Mansle haben wir Erfolg – der Campingplatz ist fast leer und wir schlagen ein letztes Mal unser Zelt auf.

Abends gibt es dann noch ein echtes Highlight – ein dumpfer Schlag reist mich aus dem Schlaf – schnell ist klar: auf dem benachbarten Sportplatz wird ein Feuerwerk abgebrannt – herrlich anzuschauen – für lau und direkt in der ersten Reihe, direkt aus dem Zelt. Was ein Abschluss für unsere Camping-Reise.

Tag achtzehn – Mansle nach Cumières

Nun sind wir vollkommen im Reisemodus angekommen – noch etwa hundert Kilometer bis Poitiers geht es zum Warmwerden über die Landstraße, ein letzter Stopp im Supermarkt und zum Tanken, dann geht es auf die Autobahn. Zwar hatten wir auch in Erwägung gezogen die Maut zu umfahren – aber das Navi spuckt uns hierzu recht abenteuerliche Routen und Reisezeiten aus. So lauten die Ziele Tours, Orléans, Sens und Troyes entlang der Autobahn. Dabei nutzen wir die recht neue A19 (unser Navi kennt sie nur in Bruchstücken ohne Zufahrten) und umfahren somit den Großraum Paris großräumig. Das Fahren auf der Strecke ist absolut entspannt 130km/h maximal und die Straße ist top gepflegt – da kann man echt nicht meckern – auf der gesamten Strecke bis Troyes haben wir nicht ein einziges Mal eine Baustelle – und das sind fast 500km!

Zum Abschluss geht es noch durch die Champagne – genauer Cumières bei Epernay. Dort übernachten wir bei Marions Verwandten – ich werde also auch noch mit dem Rest der Familie vertraut gemacht – einige haben es nicht zur Hochzeit geschafft. Wir werden freundlich empfangen und genießen das gemeinsame Abendessen. Dazu gibt es natürlich jede Menge Produkte aus dem Weinbau. Unter anderem einen Rotwein, der sich als Ratafia entpuppt. Den genießen wir dann zur Käseplatte.

Außerdem lerne ich Marions Großmutter kennen – weit jenseits der 90 Lebensjahre aber immer noch fit. Von Ihr erhalten wir reichlich Gemüse aus dem eigenen Garten.

Tag neunzehn – Heimreise

In den Vormittag starten wir mit einem guten Frühstück. Als letzte Besichtigung steht die Besichtigung der familieneigenen Winzerei bzw. Champagner-Herstellung an. Ein Besuch bei Geoffroy in Aÿ lohnt sich auf alle Fälle. Das Gebäude (welches erst vor einigen Jahren bezogen wurde) ist der Wahnsinn. Mehre Stockwerke – von der Traubenpresse bis zu Lagerung. Verbunden mit einer privaten Führung und einer kurzen Verkostung ein würdiger Abschluss des Urlaubs.

Nach dem ausgiebigen Mittagessen steht das letzte Ziel der Reise an: Mannheim. Ziemlich spät am Abend kommen wir dann auch dort an – ein schöner Urlaub ist zu Ende. Aber ich werde mir noch einiges in Frankreich anschauen – wir haben ja gerade mal die Oberfläche angekratzt.

 

Weinstraßen-Marathon 2014

Nur alle zwei Jahre findet der Weinstraßen-Marathon in der Pfalz statt. Nachdem ich schon einmal dabei war, und mir der Lauf sowohl landschaftlich als auch von der Stimmung an der Strecke her sehr gut gefallen hat, war klar: Da mache ich wieder mit. Nicht so ganz eingeplant waren bei der Anmeldung zwei Faktoren: Einerseits der kurze zeitliche Abstand zum Urlaub (nur ca. 1,5 Wochen) und eine Verletzung am Fuß, knapp eine Woche vor dem Event. Dennoch habe ich mich nicht abhalten lassen. Um es gleich klarzustellen: Ich habe auf Doping verzichtet – entweder es geht oder ich gebe auf, das war die Prämisse.

Auf alle Fälle war mir von vorneherein klar: Es wird ein Genußlauf und kein Lauf um eine Bestzeit, das konnte ich angesichts der Vorbereitung, der Verletzung und auch dem Höhenprofil der Strecke auch nicht erwarten.

Die Anreise ist sehr kurz, in knapp 30 Minuten bin ich am Parkplatz, von dort aus geht es mit dem Shuttle nach Bockenheim an den Start. Startnummer und Unterlagen abholen, Tasche abgeben und schon ist man startbereit. Im Gegensatz zum letzten Mal gibt es diesmal Startnummern mit integriertem Chip, anstelle des Championchips – das merke ich allerdings erst als ich mich mit einigen Leuten am Start unterhalte. Bleibt nur zu hoffen, dass die Zeitmessung durch den Championchip nicht durcheinander kommt, aber es laufen ja auch genügend andere Läufer mit, die ihn dauerhaft im Schuh eingebunden haben.

Pünktlich um 10:00h steigt eine weiße Rauchsäule vor der dem Haus der deutschen Weinstraße auf – der Startschuss. Ich habe mich vorsichtshalber weit hinten angestellt, von daher dauert es noch gefühlt eine kleine Ewigikeit bis ich die Startlinie überquere. Ganz bewusst lasse ich mich nicht gehen, sondern laufe gezielt im Pulk langsam mit – ein wenig macht sich der Fuß bemerkbar, aber die gute Stimmung an der Strecke macht das locker wett.

Es geht durch die enge Hauptstraße von Bockenheim auf das Ortsende zu, dort ist der erste Weinberg, sprich die erste Steigung in der Strecke. Hier kommt es zur ersten nennenswerten Umsortierung des Feldes – ich fühle mich gut und arbeite mich nach vorne durchs Feld. Trotz der Verletzung kann ich mein Tempo auch in der Steigung ganz gut halten, wobei ich auch immer mal wieder einen Blick auf die Pulsuhr werfe, zu klar und deutlich sind mir die Bilder von vor zwei Jahren im Kopf, bei denen ich mich am Anfang habe verleiten lassen um kurz nach der Hälfte einen herben Einbruch zu erleben. Als Richtwert laufe ich um die 5:30-5:40 – also deutlich langsamer als ich einen Marathon im Flachen angehen würde, aber auch deutlich schneller als ich es bei den 100km Läufen angehen lasse.

Kurz nach Kilometer 2 treffe ich meine Vereinskollegin Lore, sie macht heute nur einen Halbmarathon und lässt es auch gemütlich angehen. Immerhin wirbt der Lauf ja auch damit ein Genuß-Marathon zu sein. Auch ich nehme mir das zu Herzen und lenke meinen Blick immer mal wieder weg von der Strecke in die Landschaft. Im Vergleich zum Urlaub vor rund 14 Tagen in den USA ist die Natur hier bereits deutlich weiter – die Bäume blühen in allen Farben und das herrliche Wetter mit Temperaturen im zweistelligen Bereich – so kann man den Lauf wirklich genießen.

Nach der ersten Kuppe geht es nach Asselheim, die berüchtigte Asselheimer Wand hinunter, die es am Ende auch wieder hochgeht – abwärts ist die aber noch kein Problem, zumal ja gerade mal etwas mehr als 3km gelaufen sind. In Asselheim selbst steht schon die erste Versorgungsstation, ich lasse das Gedränge rechts liegen und bezwinge die langgezogene Steigung durch den Ort. An deren Kuppe ist man schon in Grünstadt und es geht langsam wieder bergab ins Zentrum.

Kurz vor der nächsten Versorgung hole ich Jürgen ein, mit ihm laufe ich regelmäßig Samstags durch den Odenwald. Er begleitet seinen Bruder über den Halbmarathon, an der Versorgung machen die beiden Pause, ich laufe weiter. Den Durst stille ich erst einmal aus meinem Gürtel. Aus Grünstadt raus gibt es etwas seltenes entlang der Strecke – sie ist ausnahmsweise mal fast eben, bis es kurz nach der Autobahnunterquerung wieder hügelig wird.

In sanften Wellen geht es durch die Weinberge, die Steigungen spürt man zwar, aber sie sind nicht dramatisch. Kurz vor Kleinkarlbach geht es steil bergab. Am Ende des Gefälles steht eine wichtige Entscheidung an – Halb- oder Vollmarathon. Ich biege rechts ab, ich mache heute keine halben Sachen. Der Fuß gibt seit einigne Kilometern Ruhe, das ist ein gutes Zeichen. Kurz nach der Trennung führen die Strecken nochmal zusammen an einer Versorung vorbei. Ein Wechsel ist hier zwar möglich, allerdings nur mit Disqualifikation, denn im Vergleich zur Marathonstrecke müssen die Halbmarathonis ein Schleifchen mehr durch Kleinkarlbach laufen, etwa einen Kilometer. Nach der Versorgung ist die endgültige Trennung angesagt. Ich kenne die Kreuzung noch vom letzten Mal: nach links weg als Marathoni und man steht vor der nächsten steilen Steigung. Das Ortsschild spricht Bände: Es geht nach Bobenheim am Berg.

Nachdem Bobenheim erreicht ist, wird es wieder etwas flacher, man ist auf dem Berg und es geht weiter mit Bergen: Der nächste Ort ist Weisenheim am Berg. Dort wartet auch schon wieder ein Team an der Versorgungsstation – ich greife ordentlich zu bei Banane und Apfelstückchen. Apfel mag ich zwar eigentlich, aber irgendwie liegen mir die hinterher für einige Kilometer doch etwas im Magen. Ich laufe mit einer kleinen Gruppe die sich kurz vor Leistadt wieder zerstreut. Mittlerweile sind die Abstände dann doch etwas größer geworden, man läuft bei weitem nicht mehr so beengt wie zu Beginn im Feld. So erreiche ich Leistadt – dort fülle ich nochmal Wasser nach, 15km habe ich jetzt geschafft. Mehr als ein Drittel und noch läuft es sich sehr angenehm.

Nach Leistadt muss man ein wenig aufpassen – es geht bis zum südlichen Wendepunkt der Strecke in Bad Dürkheim eigentlich nur bergab, und das auch noch nahezu konstant. Wer nicht gewohnt ist lange abwärts zu laufen bekommt es hier in den Oberschenkeln zu spüren. Ich selbst achte darauf nicht schneller zu werden, auch wenn die Strecke es ja eigentlich gut hergeben würde – ich weiß dass der anstrengende Teil noch vor mir liegt, ganz getreu dem Motto: “What goes up must come down”, gilt hier das Analoge: “Was man runter läuft muss man hinterher auch wieder hoch …”. Die Strecke liegt relativ frei zwischen den Weinbergen und die Sonne heizt mir auch ganz schön ein – ich nutze die entspannte Phase des Laufens zum Trinken. In Bad Dürkheim gibt es einen kleinen Anstieg in der Innenstadt bevor man die Versorgung erreicht. Dort greife ich wieder Energie und Wasser ab.

Nun folgt ein sehr unterhaltsamer Abschnitt der Strecke: Es geht durch den Kurpark von Bad Dürkheim – dort sind jede Menge Menschen unterwegs – und machen richtig Stimmung, an jeder Bank sitzen Leute und feuern die Leute an, mit Klatschen, Klopfen, Laola-Wellen und Kuhglocken. Richtig klasse. Ab dem Gradierwerk wird es dann wieder etwas ruhiger – ich muss mich ein wenig konzentrieren, nicht das ich wie bei der Rheintalquerung jetzt ins Schwimmbad zur Sauna und Entspannung abbiege. Mit dem Ende des Gradierwerks ist auch die Halbmarathon-Marke erreicht. Diesmal ist der Umbau am Kurpark fertig, man muss also nicht mehr durch eine Baustelle laufen.

Was nun folgt ist eine weniger schöne Teilstrecke, entlang der Bundesstraße gilt es ein Schleifchen von ca. 4 km zu bewältigen. Alles relativ flach, die höchste Erhebung ist die Brücke über die Bundesstraße. Nach dieser Brücke gibt es schon wieder eine Versorgungsstation, ich greife dankbar zu, denn bald geht es ja wieder bergauf, da ist jede Energieform recht. In Sichtweite des Gradierwerks geht es dann wieder weg von der Bundesstraße, anfänglich noch flach, aber spätestens wenn man in Ungstein ankommt merkt man die Steigung. Die Hauptstraße zieht sich scheinbar endlos den Berg hoch. Es ist keine starke Steigung, aber eben lang. Als Krönung gibt es kurz vor Kallstadt noch einmal Nachschlag und die Strecke wird deutlich steiler. Dafür kann man im Ort auch wieder auftanken – die Versorgungstationen stehen immer dann bereit wenn man sie braucht und auch aufnahmefähig ist. Ich könnte während einer langen Steigung keine Banane essen, jetzt wo es einigermaßen flach ist.

Das ändert sich nach dem Ortsausgang natürlich gleich wieder – in der Ferne kann man schon die Halle der Winzergenossenschaft Herxheim am Berg sehen – die steht oben auf dem Berg und mahnt einen gleich: Da musst du auch noch hoch … Ich denke zurück an den letzten Marathon hier, und fühle mich richtig gut: Im Gegensatz zu damals kann ich noch joggen, wenn auch langsam. Gegenüber der Winzergenossenschaft gibt es nochmal was zu trinken – nicht wie man erwarten könnte heimischen Wein oder Traubensaft – nur Wasser. Aber auch das erfrischt. Auf den Wein muss man noch etwas warten – etwas mehr als 2 km. Mit einem kleinen Schlenker geht es durch den Ort Dackenheim – es geht ganz leicht bergab, das lässt sich angenehm laufen. Kurz nach der Versorgung in Dackenheim, auf der Kuppe am Golfplatz steht dann der Eimer mit dem Highlight der Strecke: Der Riesling-Schwamm. Letztes Mal ging es mir so schlecht, da wollte ich das nicht riskieren – diesmal greife ich zu. Ergebnis: Lecker, aber das Trinken aus dem Schwamm muss man vorher wohl noch üben, so einfach ist das nicht und wenn man nicht aufpasst landet ein Teil ungewollt auf dem Trikot.

Derart gestärkt überschreite ich die 32km Marke – jetzt sind es nur noch 10km, also kein Drama mehr was die Streckenlänge betrifft. Es geht wieder ganz leicht abwärts in den nächsten Ort an der Weinstraße: Kirchheim. In einigen Zacken geht es durch die Bebauung, und wieder auf Kleinkarlbach zu. Kurz nach dem Ortsausgang steht die Feuerwehr vor ihrem Gerätehaus und sperrt die Straße, es geht wieder in die Weinberge – erstmal runter bis an den Eckbach und natürlich nach der Brücke auch wieder bergauf. Viele Läufer müssen hier gehen. Ich kann noch langsam joggen und sammle immer wieder Läufer ein, was mich irgendwie innerlich motiviert. Noch dazu steht mitten in der Steigung das Schild für Kilometer 34 – was weiter motiviert. Bald darauf ist man wieder auf der Strecke die ich vor einigen Stunden in die Gegenrichtung entlang gekommen bin. Noch einen knappen Kilometer weiter kommt die Wiedervereinigung mit der Halbmarathon-Strecke – es riecht schon förmlich nach Zieleinlauf, auch wenn es noch fast 6km sind.

Langsam füllen sich die Straßen mit Schaulustigen, mit jedem Schritt den man in Richtung Grünstadt-Zentrum tut werden es mehr. Im Zentrum ist die Stimmung dann auf dem Hochpunkt, ich tanke nochmal Iso-Getränke und Banane bevor es wieder etwas einsamer wird an der Strecke. Es geht nun wieder, man ahnt es schon: bergauf – eine langgezogene Steigung führt an den Ortseingang von Asselheim. Bis an die Asselheimer Wand geht es dann wieder konstant abwärts – vorbei an Kilometer 39 – “noch 3km und eine Steigung lautet mein Mantra”. Nachdem das Wasser aus der Versorgung getrunken ist, ist sie auch schon da, die Asselheimer Wand – der berüchtigte Anstieg rund 2,5km vor dem Ziel. Viele müssen hier gehen, ich will mich aber nicht unterkriegen lassen und jogge stoisch weiter – immer die Kuppe und die Straßenmarkierungen im Blick. Endlich erreiche ich die Abzweigung auf die Bundesstraße – alles was jetzt an Steigungen folgt sind nur noch “Scheinbuckel” und werden bei der Betrachtung der Strecke nicht weiter beachtet. Zudem sind es nur noch 2 km die es jetzt zu laufen gilt.

Diese laufe ich so entspannt wie möglich, die Steigung hat doch ihren Tribut gefordert, aber auch die Sonne macht sich auf der offenen Strecke nun um so mehr bemerkbar – gut das ich an der Versorgung nochmal meine Gürtelflasche aufgefüllt habe. Eigentlich erwarte ich meine Familie und meine Freundin kurz vor dem Ziel. Aber diesmal stehen sie schon bei Kilometer 41, direkt am Ortseingang in Bockenheim. Kurze Motivation, ein “High-Five” und weiter geht es – meine Getränkeflasche fällt mir bei der Aktion aus dem Gürtel, aber sie wird gleich eingesammelt – so erleichtert laufe ich den letzten Kilometer ins Ziel. Die Anzeige lässt mich hoffen: 4:03h lese ich aus der Entfernung ab – bis ich im Ziel bin sind es etwas mehr 4:04:11 brutto – ich hoffe, das mein Start weit hinten mich doch noch die 4h-Marke knacken lässt. Wie sich später herausstellt leider nicht – ganze 36 Sekunden zu langsam – das schmerzt etwas, aber egal der Lauf war landschaftlich einfach toll und unter den gegeben Vorraussetzungen bin ich einfach froh es geschafft zu haben.

Duschen und Massage sind wieder hervorragend organisiert, da es deutlich weniger Marathonis als Halbmarathon-Läufer waren ist der große Ansturm auch schon durch als ich dort vorbeikomme. Frisch geduscht geht es mit meiner Freundin zurück ans Auto – ein Stück weit fahren wir noch die Strecke des Laufs ab um den Tag dann in Bad Dürkheim in einer Winzergaststätte ausklingen zu lassen. Natürlich mit Riesling-Schorle und den drei wichtigen Pfälzer Spezialitäten: Leberknödel, Saumagen und Bratwurst. Dazu Kartoffelbrei und Sauerkraut – alles was dem Läufer wieder Energie gibt. Wenn alles gut läuft bin ich in zwei Jahren auch wieder dabei!