Eltern-Halb-Zeit

Da denkt man immer zwei Monate seien eine verflixt lange Zeit – aber ehe man es sich versieht ist schon die Hälfte der Elternzeit vorbei. Zumindest die, für die es vollwertiges Elterngeld gibt (ohne Elterngeld wäre bei uns die Elternzeit fast nicht denkbar). Daher hier mal der aktuelle Stand der Dinge in Sachen Papa 2.0. Insgesamt hat sich alles sehr gut eingeschwungen, auch die Nächte sind halbwegs ruhig, wenn man von einigen Tagen absieht an denen merkwürdiger Weise ich nachts kaum Schlaf finde.

Aktuell ist der Antrag auf Elterngeld eingereicht, ich hoffe dass ich in Kürze eine Bestätigung erhalte, denn bestimmte Zahlungsverpflichtungen wie Miete und Versicherungen nehmen da wenig Rücksicht. Immerhin: Die L-Bank hat ihr Antragsformular auf eine erträgliche Bedienbarkeit gebracht. Das war vor drei Jahren noch sehr sehr krude bis unbenutzbar (wir sind damals dazu übergegangen das Formular vollständig auszudrucken und handschriftlich auszufüllen – und ich bin was bockige Technik betrifft eigentlich sehr hartnäckig …)

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Vorweihnachtszeit und Weihnachten mit Nachwuchs

Mit der Familiengründung ändert sich vieles – manches aber auch nicht, z.B. die Termine für Weihnachten und Nikolaus. Eine Herausforderung der ganz eigenen Art für die Eltern, die es zu meistern gilt.

Es beginnt bereits eine ganze Weile vor dem Fest – Vereine, Betriebe und sonstige Gruppen in denen man sich engagiert feiern “voreilig” den Jahresabschluss, vulgo Weihnachtsfeiern. Sonst immer ein Anlass kräftig bis spät Abends zu feiern und den Glühwein zu genießen (zusammen mit den anderen Leckereien die es dazu meist gibt). Als junge Eltern ist das natürlich nicht mehr drin – Mama stillt, und der Papa fährt die Familie abends mit dem Auto heim. Experimente mit dem ÖPNV will man mit einem Kinderwagen spät Abends dann doch nicht mehr machen. Zudem haben viele Weihnachtsfeiern die ungünstige Angewohnheit, scheinbar direkt beim Weihnachtsmann vor der Haustüre stattfinden zu müssen – irgendwo im Nirgendwo, fern ab der ÖPNV-Strecken. Immerhin waren wir dieses Jahr auf allen Weihnachtsfeiern die wir besucht haben, dann doch die heimlichen Stars des Abends, jeder beglückwünscht und will unseren Wonneproppen mal sehen. Ansonsten gilt: Man muss nicht jede Weihnachtsfeier mitnehmen die sich bietet – zur Not reicht es auch wenn ein Vertreter dort anwesend ist – so haben wir es teilweise auch gemacht. Den Terminplan nur nicht zu eng schnüren, denn das ist schon im Alltag eine Illusion.

Ebenfalls beliebt sind Weihnachtsmärkte in verschiedener Ausführung. Unsere Erfahrung: Am Besten früh nachmittags oder wenn möglich gar am Vormittag besuchen, dann ist nicht so viel los. Und die Möglichkeit hat man ja, dank Elternzeit. Außerdem muss man sich dann nicht so viele komische Kommentare anhören wie etwa “Kinderwagen auf dem Weihnachtsmarkt – das würde ich nie machen….” – ganz im Gegenteil, zu diesen Zeiten sind sehr viele andere Eltern ebenfalls dort unterwegs. Ganz nebenbei schmeckt der alkoholfreie Glühwein auch nicht schlecht. Abends ist es für ein Kleinkind mit Kinderwagen einfach zu viel und auch für die Eltern ist es in den vollen Gassen einfach nur schwierig mit einem Kinderwagen zu navigieren – auch wenn eine Fahrradklingel am Griff sehr hilfreich ist.

Dieses Jahr haben wir noch auf einen eigenen Adventskalender und Nikolaus verzichtet, nächstes Jahr wird das wohl kommen. Daher haben wir auch erst einmal einen Bogen um die verschiedenen Spielwarengeschäfte gemacht – auch wenn es mich selbst natürlich wieder gekribbelt hat (und endlich hat man wieder einen glaubhaften Grund durch diese Abteilung zu schlendern, auch wenn es mit Kinderwagen und Kleinkind komisch ausschaut, wenn man in der Abteilung für 10-16 Jährige vor den Lego-Modellen steht …). Wie richtig und wichtig Zurückhaltung in diesem Fall ist, haben wir dann zum Fest gemerkt, fast wie zur Geburt ist Glen von allen Seiten mit Spielsachen und Bekleidung bedacht worden – die Gefahr, dass man dann einiges doppelt oder gar dreifach hat ist existent, aber irgendwie haben es alle Gabenbringer geschafft etwas verschiedenes zu finden – zudem alles sehr wohl ausgesucht und auf sein Alter abgestimmt.

Die Weihnachtsfeiertage über lies sich ein wenig Aufregung und Stress dann doch nicht vermeiden – auch wenn wir ganz bewusst auf die große Verwandschaftstour verzichtet haben. Die Großeltern wollten den Kleinen natürlich aber dennoch sehen – damit das nicht alles auf einmal ist, haben wir sie auf die Feiertage nach dem 24. verteilt. Den Heilig Abend haben wir ganz unserer eigenen Familie gewidmet – mit gemütlichen Abendessen und Geschenkeauspacken um den Weihnachtsbaum. Einen festen Plan dafür hatten wir bis auf die Auswahl des Essens nicht gemacht – denn wir richten uns immer noch in vielen Sachen nach den Bedürfnissen von Glen – auch wenn die häufig mit unseren etwas kollidieren, etwa weil das Essen gerade auf dem Tisch steht und er natürlich genau dann auch gestillt werden möchte. Ich habe die Warmhaltefunktion im Backofen mittlerweile echt schätzen und lieben gelernt.

Als Essen wollten wir nicht auf etwas einfaches wie Bockwurst und Kartoffelsalat zurück greifen, sondern haben ein gefülltes Hähnchen gemacht. Mit der Auswahl einer entsprechenden Füllung kann man die Vorbereitungen und die Zubereitung recht gut staffeln und auch immer wieder unterbrechen. Das Gemüse hält sich geschnitten in der Regel auch einige Stunden noch frisch, ansonsten gibt es ja Kühlmöglichkeiten. Das Zusammenstellen und Füllen geht dann recht fix, danach kommt der Vogel in den Ofen – da reicht dann gelegentlich einmal Nachschauen, ob etwas anbrennt – ansonsten hat man Zeit für die Familie.

Der erste Weihnachtsfeiertag bei den Großeltern in Mannheim war recht einfach zu bewältigen, denn in 20 Minuten ist man vor Ort. Da wir bereits öfter dort waren kennt Glen das auch schon und hat sich sichtlich gefreut, ebenso wie natürlich seine Tante, die ganz fleißig beim Babytragen war (ich bin mal gespannt wann es bei ihr soweit ist). Auch hier galt: Nicht zu spät werden lassen und sich nach den Bedürfnissen des Kleinsten richten – das Essen also in Etappen verteilen und nach jedem Gang eine Pause – ist auch besser für die Verdauung.

Für die weiteren Besuche müssen wir leider etwas weiter fahren – anderthalb Stunden mit dem Auto sind für Erwachsene kein Problem, auf der Hinfahrt war es auch für Glen kein Problem. Wichtig ist: Genügend Zeit und ein ausreichend großes Auto einplanen – damit es Abends keine hektische Heimfahrt wird haben wir mit Glen die erste Nacht außer Haus geplant. Das hat auch sehr gut geklappt. Ich habe nebenbei einen Vorgeschmack darauf bekommen wie es wohl mit Familienurlaub werden wird – gut, dass ich mir bei meinen Eltern einen Kombi ausgeliehen habe. Insgesamt die richtige Entscheidung – auch wenn die Heimfahrt dann nur in Stücken geklappt hat – Stillen während der Fahrt geht nunmal einfach nicht. Aber wir hatten noch Glück, denn wir haben einen der Unfallschwerpunkte (der auch eine Vollsperrung nach sich zog) rechtzeitig zu passieren, bevor das Wetter dann ganz übel wurde.

Abschließend kann man sagen: Nur nicht zu viel Planen, möglichst viel vorbereiten wo dies möglich ist und sich ggf. einfach auch die Zeit nehmen die man braucht – so kommt man als Familie entspannt durch die Weihnachtszeit.

 

ÖPNV im Selbstversuch

Nachdem mein Auto aufgrund eines Unfalls nicht mehr fahrbereit war, war ich die vergangenen Wochen au alternative Verkehrsmittel angewiesen – eigentlich dachte ich immer: Das Auto zu haben ist doch eigentlich nur ein Luxus, den du dir eben leistet – das allermeiste mache ich dann auch Sparsamkeit und Umweltgedanken dann doch mit dem Rad oder gar zu Fuß. Von daher: Was sollte da schlimmes passieren, wenn ich jetzt einmal notgedrungen auf den vierrädrigen Untersatz verzichten muss? Mehr als man denkt.

Erstes Hindernis war bereits der LGA-Indoor-Marathon in Nürnberg – erstens weiß ich aus eigener Erfahrung wie ungeschickt es ist mit der Bahn von Mannheim nach Nürnberg und zurück zu kommen. Da ändert auch die Tatsache des vorzüglichen Nahverkehrsnetzes in Nürnberg nichts daran. Das Netz dort kenne ich recht gut und lasse in Nürnberg auch regelmäßig mein Auto stehen – mit Bus und Bahn ist man im Stadtgebiet günstiger schneller und sicherer unterwegs. Sogar die kleine Odysee der nach der langen Sauna-Nacht im Fürther Mare ist da nicht übermäßig schlimm – man benötigt für eine Strecke die man sonst mit Rad oder Auto wohl unter 30 Minuten hinbekommen hätte etwas mehr als eine Stunde, aber es fährt immerhin ein Nightliner.

Für die Fahrt von und nach Nürnberg habe ich mir das Auto meiner Schwester ausgeliehen – da noch kein Gutachten greifbar war, ein erster Wagen zum Testen und Probefahren – auch wieder ein Corsa, nur halt eine Modellstufe weiter – viel hat sich nicht geändert – aber es fehlte mir schon die Anhängerkupplung und auch die asymmetrisch teilbare Rückbank habe ich beim Verladen einiger Teil dann doch etwas vermisst. Das war auch der erste Test für mich: Ich hatte einige ältere Geräte per ebay veräußert und die mussten nun zum Versand gebracht werden – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein schwieriges Unterfangen, wenn die Pakete um die 30 kg wiegen (ein Laserdrucker bringt das recht einfach auf die Waage).

Zur Arbeit bin ich ja auch sonst schon mit dem Rad unterwegs von daher konnte ich da das Auto gar nicht erst vermissen. Interessanter waren da schon die Besuche bei meinen Eltern in der Innenstadt – Wäsche und andere Dinge mit der Bahn ist auch eine tolle Sache, zumal wenn dann der Automat auch noch so herrlich störrisch ist und die Geldscheine nicht so recht nehmen will – mit mehreren Anläufen und Überredung gehts dann doch. Aber EC-Karte oder Kreditkarte als Zahlungsmittel – leider Fehlanzeige. Zumindest am Automaten wäre das doch wünschenswert – im Bus muss es nicht unbedingt sein.

Noch anstrengender werden die Besuche bei meiner Freundin – immerhin habe ich keine Fernbeziehung (mehr) – das macht die Sache schon mal um ein gehöriges Stück leichter. Aber der Service der öffentlichen ist im Odenwald nicht unbedingt der Hit – immerhin es gibt ihn auch Sonntags. Dennoch ist man geraume Zeit auf Achse – diverse Male Umsteigen inklusive. Praktischerweise werde ich schon in Hirschhorn am Bahnhof abgeholt – das verkürzt die Fahrzeit glatt um eine Stunde. Ich hätte auch ne Stunde eher losfahren können, allerdings musste ich noch einige Dinge an meinen Tauchpartner aus der Schweiz retournieren, die bei mir eingelagert waren – er reist praktischerweise mit der Bahn, nur die Überlappungszeiten waren etwas ungeschickt. Aber es geht alles, wenn man ein klein wenig organisieren kann.

Geduld ist dann auch am Montag Morgen gefragt – von Schriesheim nach Mannheim zum Arbeiten – eine interessante Rundfahrt mit der OEG über Weinheim und Viernheim – der Anschluss an den Bus in Mannheim ist dann weniger praktisch – daher laufe ich die letzten 800m bis an den Arbeitsplatz. Der Heimweg ist dann natürlich auch auf Schusters Rappen – auch hier bin ich wieder deutlich schneller und flexibler – zumal mir ja Laufen nichts ausmacht…

Die Woche über geht natürlich alles wieder mit dem Rad – auch wenn an einigen Stellen ein Auto hilfreich wäre – aber auch hier muss ich wieder erleben: Ein klein wenig Vorab-Planung und Organisation und schon ist es halb so wild. Zum THW gibt es ja eine praktische Fahrgemeinschaft.

Ein letztes Mal wird meine Geduld mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am Freitag auf die Probe gestellt – Ziel diesmal: Neuschloss bei Lampertheim, Waldfriedhof zur Trauerfeier eines verstorbenen THW-Kameraden. Mit dem Rad wären es ca. 30-35 Minuten, allerdings durch den Wald mit nassen Wegen und dementsprechender Sauerei auf den Klamotten – das fällt beim Edelzwirn also definitiv aus. Fast eien Stunde lang kurve ich mit Bus und Bahn über Viernheim nach Waldschloss – inklusive Kontrolle in der Straßenbahn – sowas gibt es tatsächlich noch – und wie es scheint mit recht viel Erfolg.

Freitag nachmittags ist es dann soweit: Mein Auto ist wieder fahrbereit, jetzt nunmehr mit einem grünen Kotflügel und leicht veränderter Frontschürze, aber das ist mir leidlich egal. Es ist eine wahre Wonne wieder absolut flexibel zu sein, was die Mobilität betrifft.

Fazit: In vielen Fällen funktioniert der ÖPNV ganz gut, wenn man sich vorab informiert und ein wenig organisiert. Für diverse Aktionen erweist er sich allerdings dann doch als hinderlich oder unzureichend ausgebaut. Evtl. kann man hier mit einer Car-Sharing-Lösung die Lücke füllen, aber ob sich das rechnet weiß ich derzeit nicht so recht. Mit Steuer, Versicherung, Wartungsarbeiten und Verschleißteilen komme ich auf ca. 2-3 EUR Kosten pro Tag nur dafür dass mein Auto dasteht und fahrbereit ist. Wenn ich mir die Preise für die Verkehrsmittel anschaue, dann bin ich damit in der Regel günstiger, vor allem wenn man das Autofahren sinnvoll beschränkt auf die Strecken wo es wirklich sinnvoll ist – und eben nicht gerade um mal eben zum Bäcker oder zum Shoppen in die City zu fahren.

 

Rein elektrisch Auto fahren – der I-MieV

Sprit wird immer teurer und selbst mit Gegenmaßnahmen wie Mitfahrgelegenheit lässt sich nur bedingt dagegen ankämpfen. Es ist immerhin ein probates Mittel für die Lang und Mittelstrecke – auf der täglichen Kurzstrecke hat sich das Prinzip noch immer nicht auf breiter Basis durchsetzen können. Schade wie ich finde, aber ich selbst kann daran auch wenig ändern, fahre ich doch mit dem Rad zur Arbeit – da ist das mit der Mitnahme immer so schwierig.

Nun wird ja viel über alternative Antriebskonzepte berichtet und die Entwicklung in den letzten Jahren ist ja auch ganz erfreulich, wenn es wohl auch an einigen Stellen deutlich schneller voran gehen könnte (aber das wäre ja viel zu viel Aufwand und angeblich will keiner solche Fahrzeuge kaufen).

Wie dem auch sei, mittlerweile gibt es die ersten reinen Elektrofahrzeuge, der Hybrid-Antrieb (derzeit zumeist noch in Kombination mit einem Benzin-Motor) ist ja seit dem Toyota Prius salonfähig geworden. Die Mischung hat in diesem Fall den Vorteil auch über lange Strecken effektiv voran zu kommen, wenn der Akku nicht reicht, wird der Verbrennungsmotor zugeschaltet. Für den Stadtverkehr oder das lästige Stop&Go im Stau kommt hingegen nur der Akku zum Einsatz.

Nachdem ich ja schon mal die Chance hatte Prius zu fahren, wollte ich nun auch mal den nächsten Schritt ausprobieren – ein vollständiges Elektroauto. Fündig geworden bin ich jetzt erst mal bei Mitsubischi – das Modell I-MieV (an dem Namen sollte man noch etwas feilen – macht doch ein Elektroauto nun mal eben keinen Mief …) habe ich mir für eine Probefahrt geschnappt.

Der erste Eindruck der technischen Daten hinterlässt ein gemischtes Gefühl: Nur 130km Reichweite, maximal 130km/h Spitze – nicht wirklich etwas was mich vom Hocker reist beim Lesen. Aber wenn man bedenkt, die erste Überlandfahrt von Bertha Benz von Mannheim nach Pforzheim waren auch nur etwas mehr als 100km – und damals musste (wie ja historisch belegt ist) schon in Wiesloch nachgetankt werden. Da kann eines der ersten wirklich verfügbaren Elektrofahrzeuge doch recht gut mithalten.

Der erst äußere Eindruck: Sieht aus wie ein normaler Kleinwagen. Einzig das eingesteckte Ladekabel deutet darauf hin: Hier ist der Antrieb elektrisch. Die Aufmachung an sich gefällt auch – komfortabel hoher Einstieg, gute Rundumsicht, leicht erhöhte Sitzposition (etwas das ich seit meinem LKW-Führerschein echt zu schätzen weiß). Auch der Anspruch vollwertiges Auto wird klar und deutlich betont: Kein kleines Spaß-Vehikel will der i-MieV sein, sondern ein praktisch orientiertes Fahrzeug für den Stadtmenschen von heute. Da kommen die 4 Türen auch richtig gut an.
Die Bedienelemente wissen auch alle zu gefallen – Fensterheber, Servolenkung, verstellbare Außenspiegel – alles was heute zu einem modernen Fahrzeug dazu gehört. Mit dabei natürlich auch Klimaanlage und Sitzheizung. Da gibt es aus meiner Sicht nicht zu meckern – aber ich bin in der Hinsicht ja auch ziemlich anspruchslos, fahre ich doch derzeit einen fast 15 Jahre alten Corsa, der viele der praktischen Hilfsmittel gar nicht hat.
Was mir sofort gut gefällt: die Bedienelemente für die Lüftung und Klimaanlage sind groß in der Mitte des Fahrzeugs angebracht – man kann sie nach wenigen Malen auch blind sicher bedienen – im Gegensatz zur Regelung im Passat meines Vaters – dort geht ohne Blick auf die Tasten meist gar nichts, das Gerät sitzt dort auch noch recht tief, so dass es eigentlich nur im Stand sicher zu bedienen ist – schlecht wenn man mal eben die Frontscheibenlüftung benötigt um die Scheibe am Beschlagen zu hindern. Von daher: Simpel gehalten und gut gestaltet – gefällt mir. Ebenso positiv fällt mir das im Vergleich zum Rest des Autos fast schon “billige” Autoradio auf. Nach kurzem Hinsehen wird mir auch klar warum es “billig” wirkt: Es handelt sich um ein Nachrüst-Gerät im DIN-Schacht – eine in letzter Zeit immer seltener anzutreffende Form des Autoradios. Dabei ist Einbauort genau spezifiziert – sogar inklusive der Steckerbelegung. Damit kann man jederzeit einfach ein günstiges Autoradio aus dem Zubehörhandel einbauen. Ich habe das im Corsa derzeit auch und auf diese Weise das Kasetten-Deck durch einen MP3 und USB-fähigen Autoradio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung ersetzt. Auch das gefällt mir auf Anhieb als technisches Detail.

Aber nun gehts um das eigentlich Wichtige beim Auto: Wie fährt sich so ein Ding? Klar die Kupplung fällt weg und zur Rückspeisung ist eine ausgeklügelte Steuerung notwendig, also ist das Fahrzeug als Automatik ausgeführt. Im normalen Auto bin ich davon nicht so richtig überzeugt – was auch an meinen schlechten Erfahrungen in den USA bezüglich der Qualität und Leistungsfähigkeit der dortigen Automatik-Getriebe liegen mag. Im Elektroauto finde ich das aber auf Anhieb nicht verkehrt. Gestartet wird wie üblich: Zündschlüssel einstecken und bis zum Anschlag durchdrehen. Anstelle des vertrauten Geräusch eines startenden Motors hört man nichts außer einem kurzen “bling” – zudem leuchtet die Anzeige “ready” im Amaturenbrett auf. Irgendwie ungewohnt, aber nicht unerwartet. Eine kurze Runde zum Eingewöhnen durchs Industriegebiet um die Ecke und dann fahre ich zusammen mit meinem Vater mal etwas über Land – eine knappe Stunde haben wir den Wagen.

Das Fahrgefühl ist wie üblich in einem neuen Auto – noch ist nichts ausgelutscht, die Federung ist noch schön straff und die Dämmung der Außengeräusche wieder mal deutlich besser geworden. Dabei ist es natürlich von Vorteil, dass der Motor fast keine Geräusche erzeugt, diese muss man dann auch nicht wieder aufwändig wegdämmen – das spart natürlich auch wieder Gewicht.
Die Beschleunigung ist anständig, auch wenn bei 130 oder kurz darüber sanft elektronisch abgeregelt wird. Für mich kein echtes Hemmnis – viel mehr fahre ich mit dem Corsa auch nicht, weil ich sonst die Geschwindigkeit auch an der Tanknadel bzw. aus deren Bewegung ableiten könnte.

Gemütlich gehts über Land nach Heidelberg und dort dann auch mal eine Steigung hoch: Das Max-Planck-Institut auf dem Königsstuhl ist unser Ziel. Im Stadtverkehr macht der Elektroantrieb eine sehr gut Figur – an der Ampel ist fast kein Verbrauch vorhanden, wenn man von der Lüftung und dem Auto-Radio einmal absieht. Auch der Berg ist überhaupt kein Problem – munter sprintet der kleine Hüpfer die Steigung nach oben – und auch ohne ständiges Schalten steht im Scheitelpunkt der Kurve das volle Drehmoment zur Verfügung. Zudem eben die wahrgenommene Ruhe beim Fahren – nur der Fahrtwind und das Rubbeln der Reifen ist zu hören. Kein Vergleich mit einem Sportwagen und doch erfrischend spritzig zu fahren. Auf dem Weg tauschen wir dann auch mal Fahrer und Beifahrer-Sitz – auch mein Vater ist von der Handhabung echt angetan. Durch den quälenden Stadtverkehr geht es in Richtung Autobahn und dann wieder zurück zum Händler.
Insgesamt weiß der Fahreindruck echt zu überzeugen, einziger Wermutstropfen bleibt die etwas geringe Reichweite.

Nach der Fahrt geht es noch um einige technische Fragen: Derzeit ist nur die langsame Ladestation für die Haushaltssteckdose verfügbar – damit dauert eine vollständige Ladung an die 6h. Mit einer geplanten Schnelllade-Station (dann aber mit 380V-Anschluss) sind nur 30 Minuten für 80% notwendig. Interessant sind auch die Verbrauchsdaten und die Infos zur Versicherung: Ungefähr kann man für eine Akkuladung rund 2 EUR Strom rechnen – bei etwas pessimistish gerechneten 100km Reichweite pro Ladung macht das 2 Cent pro gefahrenem Kilometer. Zum Vergleich: mit meinem Beziner brauche ich bei den derzeitigen Bezinpreisen etwa 10 Cent /km. Von der Option den Strom selbst mit Solarzellen zu erzeugen mal ganz zu schweigen.

Steuer geht derzeit noch nach Hubraum – daher kostet das Fahrzeug keine KFZ-Steuer – auch nicht schlecht. Zudem sind die Fahrzeuge noch wenig verbreitet und sprechen vor allem erfahrene Fahrer an, da der Preis nur sehr bedingt für einen Fahranfänger zu stemmen ist: rund 26.000 EUR sind halt doch ein Wort.

Fazit: Ein interessantes Auto, vor allem als Zweitwagen kann ich mir das Fahrzeug richtig gut vorstellen. Für den täglichen Pendelbedarf des modernen Stadtmenschen ist es wunderbar geeignet und sicherlich eine Alternative zum spritfressenden Benzinmotor. Der wird auf den meisten Kurzstrecken nicht richtig warm und auch im Stop&Go ist er nicht das Optimum an Effizienz. Problematisch wird es für die Langstrecke – hier ist die Technik noch nicht weit genug und ich frage mich ob es wirklich eines Tages möglich sein wird. Bis auf Weiteres bleibt für alle Strecken über 100km am Stück wohl ein sparsamer Verbrennungsmotor der effektivere Weg. Etwas nachteilig ist auch der kleine Kofferraum, dort nimmt die Batterie viel Platz weg. Aber wie häufig transportiert man schon große und sperrige Güter? Eher selten, und wenn es um den Einkauf geht so ist es bei dem Kostenfaktor auch kein Drama etwas häufiger zum Einkauf zu fahren und in Etappen einzukaufen. Wie so Vieles alles eine Sache der Gewöhnung.

Für mich und meinen Vater würde sich ein kombinierte Modell durchaus anbieten – ich persönlich benutze mein Auto immer dann wenn es um längere Strecken oder um größere Mengen geht – den Weg zur Arbeit lege ich schneller und kostengünstiger mit dem Fahrrad zurück. Mein Vater hingegen pendelt jeden Tag zur Arbeit und zurück. GGf kommen noch ein paar Kilometer extra für die Pflege des Kleingartens hinzu. Wenn man von rund 30km am Arbeitstag ausgeht (Einkaufen und die ein oder andere Veranstaltung kommt ja auch noch dazu) dann macht das eine Ersparnis von derzeit rund 3 EUR pro Tag – hochgerechnet aufs Jahr sind es ca. 700-800 EUR je nach tatsächlich zurück gelegter Strecke. Da fängt es doch langsam an sich zu rentieren.

Also: Die Zeit ist ref für rein elektrisches Fahren, so lange es um die Kurzstrecke geht – hier gibt es in meinen Augen keinen Grund mehr dauerhaft auf einen Verberennungsmotor zu setzen. Für die Fernstrecke ist wohl weiterhin ein sparsamer Dieselmotor angesagt. Für die Menschen die zwischen Baum und Borke sitzen gibt es auch eine Lösung: eine Mischung aus beiden Antriebsformen: Hybrid-Antrieb – in nicht all zu ferner Zukunft gibt es denn ja auch in Serienreife mit einem kleinen Dieselmotor. Man darf gespannt sein wo sich das alles noch hinentwickelt: Die Umwelt und den Geldbeutel wird es auf die lange Sicht wohl schonen.