Alles Schlechte hat auch seine guten Seiten, so kann man die Situation wohl derzeit zusammenfassen: Vor rund zwei Wochen hatten wir einen Auffahrunfall mit unserem Familienvan. Nicht selbst verschuldet, aber die Anhängerkupplung ist laut Gutachten nicht mehr zu nutzen und der Fahrradträger, den wir dabei hatten, ist ebenfalls nicht mehr zu benutzen. Erst einmal ist die Geschichte reichlich ärgerlich und verursacht bei mir zusätzlichen Aufwand – insbesondere da ich gerade rund um den Herbstlauf natürlich auf das Zugfahrzeug und den Anhänger angewiesen bin – rund 90% der größeren Transporte im Rahmen der Veranstaltung lösen wir normalerweise mit dem Gespann Peugeot 5008 samt Personal plus eben den Anhänger – sei es zum Antransport der notwendigen Materialien, als auch für viele Arbeiten rund um die Strecke. Für den Lauf selbst wurde mir dann erst ein Audi A3 in Aussicht gestellt, allerdings habe ich es gemeinsam mit dem Personal der Mietstation nicht hinbekommen, die Anhängerkupplung zu aktivieren. Kurzerhand hatte ich dann eine Mercedes C-Klasse, ganz nett aber eben auch nur auf Zeit. So richtig überzeugen konnte mich das Fahrzeug nicht. Was jetzt weniger daran lag, dass es nicht hochwertig verarbeitet und gut gemacht war – es ist schlichtweg nicht mein Stil von Fahrzeug. Insbesondere kann ich mit der Limousinen-Bauform mit Stufenheck einfach nichts anfangen – was vor allem daran liegt, dass ein Fahrzeug immer Mittel zum Zweck ist und ich von Kindesbeinen an die Kombibauform mit Steilheck erleben durfte. Mein erstes eigenes Auto hatte denn ja auch ein Steilheck, auch wenn es kein Kombi war.
Nachdem die erste Runde Mietwagen abgeschlossen war, aber da Fahrzeug noch nicht repariert war und ich für das nächste verlängerte Wochenende ein Zugfahrzeug benötigte, ging es in die zweite Runde. Leider war die Versicherung nicht kooperativ bzw. hat sich nicht gemeldet, weder auf meine Nachfrage, noch auf die meines Anwalts. Daher habe ich mich selbst um ein Fahrzeug gekümmert, mit dem ich den Anhänger bis 1,6 Tonnen auch gefüllt mitführen kann. Unseren Peugeot habe ich dann am Freitag auch der Werkstatt übergeben können, so dass dort die Reparaturen starten können – vorab war keine Kapazität vorhanden und auch die Ersatzteilbeschaffung zog sich etwas in die Länge.
Bei der Abholung war ich schon gespannt, was es wohl diesmal werden würde: Angekündigt war ein entsprechend großer SUV wie z.B. ein Tiguan. Angesichts der Bauform nicht gerade mein Favorit, denn ich bevorzuge weniger schwülstige und eher praktisch ausgelegte Fahrzeuge. Um so erfreuter war ich bei der Abholung über die Frage, ob ein Elektrofahrzeug ein Problem wäre, natürlich mit Anhängerkupplung und ausreichender Anhängelast. So ist es denn ein id.7 geworden, gewisser Maßen der Nachfolger des VW Passat, was mir natürlich gelegen kommt, denn in einem derartigen Fahrzeug habe ich nach der Fahrschule meine ersten größeren Strecken und Erfahrungen gesammelt. Noch dazu darf ich feststellen: Das Fahrzeug ist ein Neuwagen, noch nicht einmal 200km hat er auf der Uhr, als ich ihn übernehme. Die Bedienung der Anhängerkupplung lasse ich mir vorsichtshalber zeigen, aber das ist sehr elegant gelöst.
Am Freitag Nachmittag hole ich dann meinen Anhänger ab, der wurde zwischenzeitlich beladen – die erste Strecke führt nur bis nach Hause, aber bereits da merke ich: Das geht erstaunlich einfach mit dem Elektroauto und auch der Anhänger bereitet keinerlei Probleme. Natürlich ein etwas erhöhter Verbrauch, aber das ist beim Diesel ja auch nicht anders. Unsere erste Strecke führt uns dann ins Elssas in die Nähe von Strasbourg – ab dort wird es leichter werden, denn der Transport mit dem Anhänger endet dort – auf dem Rückweg aus dem Wochenende werden wir ihn dann wieder abholen.
Die Fahrt hat den Akku gut entleert, aber es ist kein Grund zur Sorge. Allerdings gestaltet sich die weitere Aktion etwas schwierig: eigentlich gibt es in der Nähe eine Ladestation, allerdings geht die nur mit einem RFID-Chip oder eigentlich per QR-Code. Aber genau der fehlt an dieser Station. Somit keine Lademöglichkeit. Immerhin gibt es im Ort noch eine zweite – dort gäbe es auch den entsprechenden QR-Code. Allerdings habe ich dann doch keine Lust, im Dunkeln bei widrigem Wetter die rund zwei Kilometer bis zur Unterkunft zu laufen. Daher vertagen wir das Laden auf den folgenden Tag. Erstes Fazit: Wenn Elektroauto, dann sollte man entsprechende RFID-Tags besitzen, zumindest einmal für die Stellen, an denen man häufiger aufladen möchte.
Am nächsten Tag nutzen wir dann einen Supercharger im Nachbarort – während wir einkaufen, wird das Auto geladen. Etwas langsamer als gedacht, was daran liegt, dass ich die Batterie-Konditionierung zu spät aktiviert habe – merke: die braucht aus dem kalten Zustand rund 30 Minuten Vorlauf. Innerhalb von 30 Minuten ist der Akku dann wieder voll geladen. Der Preis hält sich in Grenzen: 51 Cent pro kWh sind zwar deutlich teurer, als andere Lademöglichkeiten, allerdings sind eben auch bis zu 180 kW und somit ein zügiges Laden möglich.
Nun geht es ohne Anhänger auf die Autobahn – somit fahren wir auch etwas schneller, was natürlich einen entsprechend höheren Verbrauch mit sich bringt – wir pendeln uns bei ca. 20 kWh/100km ein, das entspricht je nach Steigung oder Gefälle ca. 120km/h, was eine akzeptable Reisegeschwindigkeit und ein guter Kompromiss zwischen Reichweite und Vorankommen ist. Unser Ziel ist ein Familien-Event in der Champagne – das Auto ist gut beladen und mit 5 Personen voll besetzt. Kurz nach Verdun machen wir dann einen weiteren Stopp zum Laden.
Der ist im ersten Moment nicht so erfolgreich, wie wir uns das wünschen: die beiden großen Ladesäulen sind belegt und wir nehmen trotz zusätzlicher Gebühren erst einmal mit dem 22kW Lader vorlieb. Muss man eben zweimal die Anschlussgebühr zahlen, wenn man umsteckt. Das Laden klappt auch nicht so ganz auf Anhieb über die Sixt-App – erst im zweiten Versuch bekommen wir eine Verbindung und die Ladung beginnt – natürlich sehr langsam im Vergleich. Es wäre jetzt auch nicht übermäßig schlimm, denn wir benötigen im Prinzip nur einige wenige kWh zusätzlich, um ans Ziel zu gelangen. Auch gibt es wieder einen Lerneffekt: Wie entriegle ich den Stecker am Fahrzeug? Geht über die Zentralverriegelung. Zudem wichtig: erst am Fahrzeug abziehen und dann an der Ladestation. Wieder was gelernt, aber ich verbuche das einmal unter dem Thema: irgendwann muss man einmal mit dem Thema Laden anfangen. Nachdem die stärkere Ladestation frei wird, tut sich natürlich auch beim Laden etwas. Wir nutzen die Möglichkeit, noch im Supermarkt einzukaufen, während das Auto lädt. Insgesamt finde ich das eine sehr pragmatische Sache: Während ein Verbrenner beim Warten auf dem Supermarktparkplatz nur rumsteht, kann ein Elektrofahrzeug etwas sinnvolles tun, nämlich in aller Gemütlichkeit den Akku auffüllen.
Einen etwas nervigen Fehler haben wir denn allerdings: Das Infotainment-System spinnt ein wenig: trotz mehr als 100km/h ist es der Meinung man möge doch bitte das Fahrzeug starten. Das ändert sich auch bis zum Ziel nicht mehr, immerhin funktionieren Radio und Navigation weiterhin. Nach dem Ausladen gehe ich auf die Suche nach einer günstigen Lademöglichkeit – die gibt es tatsächlich gar nicht so weit entfernt – definitiv fußläufig zu erreichen. Die Location ist etwas komisch, denn die Ladestation befindet sich in einem Hof, der des Nachts durch ein Tor verschlossen wird. Wir erfahren, dass das Restaurant im Hof bis 2h geöffnet hat, bis dahin kann uns auf alle Fälle jemand das Tor öffnen. Der Ladebeginn braucht wieder einmal zwei Anläufe – ärgerlich ist, dass man die Steckdose nicht anhand der Beschriftung mit der Steckdose in der App zuordnen kann. Wir essen gemütlich zu Abend und holen danach vorsichtshalber das Fahrzeug ab, denn am Folgetag benötigen wir es deutlich vor den Öffnungszeiten des Restaurants. Die Ladestation ist keine schnelle, maximal 22kW sind möglich, aber für die anstehenden kurzen Fahrten in die Nachbarorte reicht das günstige Nachladen auf alle Fälle aus.
Am Sonntag machen wir uns auf die vielen kurzen Distanzen des Tages – hier spielt der Elektromotor natürlich seine Vorteile voll aus: Direkt startklar und keine Phase des Aufwärmens bis zum optimalen Betriebspunkt, den man bei Kurzstrecken ohnehin fast nicht erreichen kann. Während die anderen einkaufen, klicke ich mich ein wenig durch die zahlreichen Optionen, das Infotainment hat sich über Nacht wieder gefangen, ich habe aber auch nachgeschlagen wie man es ggf. zum Reboot zwingen kann.
Am Abend nach der Feier geht es zurück zur Unterkunft und dann wieder an die Ladestation, diesmal ist das Tor schon zu, aber man lässt uns dankenswerter Weise dennoch ein – auch diesmal klappt es mit dem Laden leider erst auf den zweiten Anlauf. Am Montag ist der Parkplatz dann auch bereits wieder in der Frühe offen, daher entfällt diesmal die Abholung und das Fahrzeug kann in aller Ruhe über Nacht laden. Irgendwann in den frühen Morgenstunden soll der Akku dann voll geladen sein, für uns auf alle Fälle ausreichend.
Montags packen wir zusammen, das Auto ist über Nacht voll geladen worden. Das Tor ist offen, die Schranke aber zu. Dankenswerter Weise hat man uns den Code an die Ladeklappe geklemmt. Mit einem Verbrenner wäre ich wohl versucht gewesen der Maschine zu Liebe das Gepäck zum Auto zu tragen – so holen wir es kurzerhand an die Wohnung und wenige Minuten später steht es wieder an der Ladestation. Da hat auch den Vorteil, dass wir uns die Parkgebühren sparen, dafür kostet das Laden nochmal Anschluss und natürlich einige wenige kWh, aber im Vergleich zu den Parkplätzen oder der Tiefgarage ist es die wesentlich günstigere Alternative. Mittagessen gibt es bei Petit Fourmeau das Restaurant kenne ich schon vom Sparnatrail im letzten Jahr – leckere Kartoffelgerichte und wir haben auch unseren Spaß mit der etwas holprigen Übersetzung der elektronischen Speisekarte.
Die Rückfahrt ist dann fast schon Elektro-Routine: Über die Landstraßen an die Autobahn, ab dort Tempomat einstellen und einfach rollen lassen. Das Fahren auf der französischen Autobahn ist ohnehin immer sehr entspannt und mit 120 km/h ist man dort auch gut aufgehoben. In Freyming machen wir dann nochmals etwas länger Halt zum Laden. Dort muss man wieder etwas aufpassen: Es gibt in direkter Nachbarschaft mehrere Ladesäulen und die erste ist eine sehr teure Alternative, die eigentliche liegt etwas versteckt vor einem Hotel. Wir laden diesmal voll auf, damit sind wir auf der sicheren Seite, dass wir sowohl bis nach Gambsheim, als auch danach mit dem Anhänger nach Mannheim kommen.
Es ist bereits sehr spät Abends bis wir daheim sind, es zeigt sich noch ein weiterer Punkt beim Elektroauto: Wie bei einem Mietwagen muss man den natürlich voll geladen zurück geben. Bei einem Verbrenner kein Thema: ran an die Tankstelle, auffüllen und zur Station fahren. Beim Elektroauto muss man da noch etwas mehr Zeit einplanen. Auch fällt mir auf, dass es deutlich günstiger ist in Frankreich zu laden denn in Deutschland. Fast schon ein wenig wehmütig bringe ich den Mietwagen zurück zur Station.
Fazit: Reichweitenangst braucht man heute nicht mehr zu haben und die Ladezeiten sind auch erträglich. Man muss etwas anders planen, aber gerade bei unseren längeren Urlaubsfahrten kann man ja auch die Pausen sinnvoll nutzen. Besonders gut gefallen hat mir die Kombination mit dem Einkauf – dort steht das Fahrzeug ohnehin und in der Regel braucht man ja doch eine Viertelstunde zum Einkaufen und Einladen. Für das Laden über Nacht kommen durchaus die Ladesäulen mit weniger Leistung in Betracht. Das reicht vielleicht nicht für das vollständige Laden von unter 10% bis 100%, aber die allermeisten Strecken wir zurück legen sind deutlich geringer und somit auch kein Problem. Für die private Anschaffung wäre aber auf alle Fälle der Wunsch nach einer privaten Wallbox vorhanden. Wie üblich sind die Stationen direkt an der Autobahn keine gute Wahl, es lohnt sich fast immer abzufahren und dort zu laden. Das Auto selbst kann sich sehen lassen, auch wenn das Infotainment zwischenzeitlich einen Hänger hatte, ich vermute das wird mit einem der nächsten Updates dort behoben. Ladekapazität ist gut und auch das Thema Anhänger ist heute eigentlich keines mehr – Mehrverbrauch hatte man ja auch schon mit dem Verbrenner. Für mich ist um so klarer: das nächste Auto wird wohl kein Verbrenner mehr werden. Noch sind die Preise aber für mich zu hoch, ich schätze in einigen Jahren wenn wir die Entscheidung treffen müssen gibt es auch brauchbare Angebote auf dem Gebrauchtmarkt. Das Gefühl im Neuwagen war dennoch natürlich super.