Carmague II und Heimfahrt

Für den letzten Tag im Süden haben wir uns noch ein paar Kleinigkeiten aufgespart: Unter anderem besuchen wir den Markt in Arles. Eigentlich hätten wir einen Markt im Sinne von Obst, Gemüse und Lebensmitteln erwartet. Was wir vorfinden ist eher ein Bazar – von Matrazen über Handyzubehör bis Bekleidung gibt es alles. Zudem gibt es auch tatsächlich noch einen Abschnitt mit Lebensmitteln.

Weiteres Ziel für den Tag ist der Ost-Teil der Carmague, dieser ist stärker landwirtschaftlich geprägt und an der Südspitze befindet sich eine große Saline mit riesigen Becken zur Salzgewinnung. Je weiter man die Strecke fährt um so abenteuerlicher und kleiner werden die Straßen. Nicht gerade praktisch, dass wir mit dem Jeep ein sehr großes Mietfahrzeug haben. Immerhin für die langgezogenen Strecken erweist sich der Tempomat als nützliches Feature. Über die Saline gibt es einen Aussichtspunkt mit einer kurzen Erläuterung, leider keine Führung.

Wir verbringen noch einige Stunden am Sandstrand. Der sandige Parkplatz ist das Einzige im Urlaub, das ansatzweise den Jeep rechtfertigt, aber auch hier hätte es ein kleiners Fahrzeug getan, wie die Einheimischen vormachen. Der Nachwuchs buddelt fleißig im Sand und es ist angenehm warm. Zum Schwimmen ist das Wasser leider immer noch zu kalt, es bleibt bei einem erfrischenden Fußbad.

Auf dem Rückweg nehmen wir die Strecke nochmal durch die verschiedenen Randgebiete der Camargue, mit Aussicht auf einen Schwarm freilebender Flamigos. Der Besuch im Salzmuseum und auch im Reismuseum fallen leider aus, da diese geschlossen haben.

Dafür entdecken wir auf der Rückfahrt noch einen Hofladen, in dem man den lokalen Reis kaufen kann, zudem baut der Hof auch Wein an und ist Mitglied der Vigneron indepandant, der Vereinigung die in Strasbourg jedes Jahr die Weinmesse veranstaltet. Da Marion derzeit nichts trinken darf und die Regale im heimischen Keller schon an der Kapazitätsgrenze sind, verzichten wir auf eine Verkostung.

Da wir leider feststellen mussten, dass die Preise für eine Kugel Eis durchgängig bei 2,50 EUR pro Kugel beginnen, machen wir noch einen Abstecher ins Einkaufszentrum – dort bekommen wir dann auch kleines Eis am Stiel, sechs Stück für gerade mal 2,38 EUR – vielleicht nicht ganz so exklusiv wie handgemacht, aber von der Portionsgröße genau passend.

Da wir noch jede Menge Lebensmittel übrig haben, gehen wir diesmal abends nicht essen sondern reduzieren die Menge Brot und Belag im Hotel. Das hat auch den Vorteil, dass wir zeitig ins Bett kommen. Die meisten Restaurants öffnen leider erst um 19:30h, bis man dann gegessen hat, wird es immer recht schnell zehn Uhr abends.

Der Wecker wirft uns pünktlich um 7:00h in der Frühe aus dem Bett – immerhin haben wir noch eine gute Stunde Fahrt bis nach Marseille zu bewältigen um unseren Zug zu erwischen. Die letzte Nacht war nicht gerade erholsam, in der Nähe des Hotels war eine Nachtbaustelle, die man trotz der guten Isolierung deutlich gehört hat.

Es gibt nur wenig Stau auf der Strecke nach Marseille. Schwieriger gestaltet es sich da schon eine passende Tankstelle zu finden. Wir geben zielsicher einen der großen Supermärkte an. Dummerweise ist ein Baustelle und das Navi kommt dabei ganz ordentlich ins Straucheln. Wir gewinnen also noch ein Fahrt durch enge Gassen und unkartiertes Gebiet. Immerhin ist der Preis am Supermarkt entsprechend günstig. Bis an den Bahnhof funktioniert das Navi dann wieder zuverlässig.

Der Zug ist pünktlich und wir können fast schon 45 Minuten vor Abfahrt einsteigen, das macht es doch recht entspannt. Weniger entspannend ist es hingegen ein kleines Kind während der 6h Zugfahrt zu beschäftigen. Eigentlich hatten wir gedacht, es sei einfacher, weil man ggf. etwas durch den Zug spazieren kann. Das klappt zwar leidlich aber zum Mittagsschlaf muss man den Kleinen auf den Schoß nehmen, das ist im Auto praktischer. Der TGV kommt aber immerhin pünktlich in Strasbourg an, Fahrtzeit insgesamt etwas mehr als 6h, das wäre mit dem Auto kaum möglich (oder ggf. sehr teuer weil man ständig jenseits aller Speedlimits unterwegs ist).

Zeit etwas Bilanz zu ziehen bezüglich dieser Form Urlaub. Eines ist sicher: Die Bahn ist eine brauchbare Option, insbesondere für längere Strecken, die man eher nicht mit dem Auto fahren möchte. Auch preislich ist man mit früh gebuchten Tickets sehr günstig unterwegs. Jedoch haben sich die Erwartungen nicht ganz erfüllt, die normalen Sitzplätze sind definitiv nicht sonderlich geeignet. Mit zwei Kindern möchte ich das nicht machen. Ob es besser klappt wenn man ein Familienabteil bucht (daran haben wir nicht gedacht) müsste man ausprobieren.

Ein weiterer Nachteil ist definitiv die Mobilität vor Ort – mit dem Zug kommt man sehr gut von Zentrum zu Zentrum, aber danach ist man erst einmal auf den ÖPNV angewiesen oder man braucht einen Mietwagen. Was man an der Langstrecke gespart hat, legt man hier ggf. schnell wieder drauf, denn Kindersitze sind scheinbar vergoldet, jedenfalls wenn man nach dem Preis geht. Mit dem eigenen Auto hat man ihn zwangsläufig mit dabei.

Insgesamt ist es mit Städte-Urlaub auch eher schwierig wenn man Nachwuchs dabei hat – das fängt mit den Hotels an. Wir haben zwar Glück gehabt mit den Doppelzimmern bzw. den Angeboten der 3er Zimmer, aber insgesamt ist es doch sehr beengt. Auch sind die Preise meist doch recht saftig und man hat wenig Möglichkeiten auf Selbstversorgung zu setzen. Daher sind Ferienwohnungen wohl für Familien doch eher eine Option. Noch keine rechte Option waren die Jugendherbergen, das könnte ich mir interessant vorstellen wenn man mit etwas größeren und auch selbstständigeren Kindern unterwegs ist.

Mit einer Ferienwohnung wäre man da oftmals eben nicht mehr in der Stadt und hätte etwas Wege auf sich zu nehmen. Allerdings haben wir die Stadtnähe in der Form wie wir sie bisher zu schätzen wussten gar nicht übermäßig genutzt. Abends mal noch etwas ins Nachtleben eintauchen ist mit Nachwuchs einfach nicht drin, teilweise war es schon schwierig passend geöffnete Restaurants zu finden.

Was das Equipment betrifft: Ich habe gemerkt, dass es nicht immer nötig ist die umfangreiche Foto-Ausrüstung mit mir herum zu tragen. An einigen Stellen wäre sie hilfreich gewesen (unter Anderem für die Flamingos) aber wirklich vermisst habe ich sie nicht. Auch hier ist Überlegung mit einer Ferienwohnung als “Zwischenlager” eine Idee wert, im Zug habe ich es aus Gewichts- und Platzgründen vermieden die Ausrüstung mitzunehmen. Beim eigenen Auto wäre sie wohl mitgekommen.

Für die Spaziergänge bis Wanderungen hat sich der faltbare Kinderwagen bzw. Buggy als brauchbarer Kompromiss herausgestellt: In der Innenstadt ist man damit gut bedient und im Zweifel ist er schnell zusammengelegt. Sobald es etwas in die Natur geht, wird es allerdings schwierig – mit den kleinen Rädern war es am Strand oder auf Frioul nicht wirklich gut zu schieben. Für solche Fälle wäre es besser einen entsprechenden Gelände-Kinderwagen dabei zu haben. Mit zwei Kindern wird sich hier wohl auch unser Fahrradanhänger anbieten. Wobei Glen mittlerweile den Kinderwagen gar nicht mehr übermäßig benötigt und vielfach selbst laufen wollte.

Fahrräder sind ein gutes Stichwort – für etwas größere Strecken im Nationalpark wären sie ein passendes Vehikel gewesen. Leider gab es auch keine Möglichkeit sich vor Ort ggf. Räder zu leihen. Wobei es dann mit Kindersitz oder Anhänger wohl auch wieder spannend geworden wäre.

Dinge die wir vergessen haben: Ein Messer zum Schneiden und Bestreichen von Brot, das haben wir unterwegs nachgekauft.

Was würden wir beibehalten: Den ÖPNV (egal wie schlecht er war) für den Transport innerhalb der Stadt und die Stress-Reduktion durch Weglassen von Zielen und Besuchen. Zwar ist es ggf. etwas ärgerlich auf Besichtigungen von historischen Stätten oder Museen zu verzichten, aber mit kleinem Kind macht das ohnehin wenig Freude. Zudem haben wir es geschickt vermieden den Urlaub von vorne bis hinten durchgehend zu verplanen. Das hat uns die notwendige Flexibilität und Entspannung gebracht.

Camargue und Saint-Maries-de-la-Mer

Südlich von Arles liegt ein umfangreiches Naturschutzgebiet um eine große Bucht herum. Das Gelände ist stark durchfeuchtet und wir daher nur teilweise landwirtschaftlich genutzt.

Für heute haben wir uns den westlichen Teil der Bucht vorgenommen. An dessen Südende liegt das Dorf St Maries de la Mer. Ab dort geht es nur noch mit dem Rad oder zu Fuß weiter ins Naturschutzgebiet.

Auf dem Weg halten wir kurz am Naturkundemuseum an. Mit etwas mehr als einer Stunde, die man einplanen sollte, ist das aber definitiv zu lange für Glen. Daher schauen wir uns nur den frei zugänglichen Teil an. Das alte Gehöft wurde umfassend renoviert, die Rekonstruktion erinnert mich teilweise an das Projekt “Neolith-Haus” des Reiss-Engelhorn-Museums.

St Maries de la Mer ist absolut toruistisch geprägt, aber wir sind ja noch außerhalb der Saison, es ist also vergleichsweise ruhig in den Straßen und am Strand. An vielen Restaurants und Läden wird noch fleißig repariert um für die Saison fit zu sein. Etwas abseits gibt es sogar kostenlose Parkplätze. Von dort aus starten wir unsere Fußtour entlang des Strands. Am Ende der Siedlung bietet sich einer der Strände zum Picknick an, immerhin ist es schon wieder deutlich nach Mittag, Zeit zum Essen.

Um das Gebiet besser erkunden zu können, wären jetzt Fahrräder oder mehr Zeit hilfreich – die Wanderungen sind teilweise mit bis zu 8h angegeben. Deutlich zu viel für uns. Zumal wir ja noch den Kinderwagen dabei haben, der nicht wirklich geländetauglich ist. Wir gehen daher nur einige Kilometer entlang des Deichs und etwas in das Naturschutzgebiet hinein. Immerhin werden wir mit einer Schaar frei lebender Flamingos belohnt. Der Matsch an den Rädern des Kinderwagens verliert sich später im vielen Sand auf dem Weg größtenteils wieder von alleine.

Der Stadtkern ist absolut touristisch geprägt, ein Souvenir-Laden neben dem anderen, zudem wieder absolut heftige Preise. Wir haben bisher im gesamten Urlaub noch keine Eisdiele mit tauglichen Preisen gefunden, eine Kugel kostet mindestens 2,50 EUR – also absolute Wucherpreise.

Die Kirche, welcher der Siedlung den Namen gegeben hat ist ganz nett anszuschauen im romanischen Stil. Besonders berühmt ist sie für ihre Wallfahrt zur heiligen Sara. Die Reliquien werden dort in einem besonderen Schrein aufbewahrt, der zweimal jährlich von der Decke herabgelassen. Insbesondere Roma nehmen an der Wallfahrt teil. Diese belagern auch jetzt schon die Touristen um die Kirche herum. Ein absolutes Unding in meinen Augen, gegen die Anwesenheit hat ja niemand etwas und jeder darf glauben was er will, aber die aufdringliche Belästigung ist schon heftig.

Auf dem Rückweg fahren wir noch am Einkaufszentrum vorbei, das notwendigste für die kommenden Tage einkaufen. Abendessen planen wir dann im L’Entrevue ein. Das marokanisch geprägte Restaurant bietet eine ansehnliche Auswahl der hiesigen Einwandererküche. Unter anderem die Nachtisch-Auswahl ist sehr zu empfehlen.

Arles

Heutiges Etappenzziel: Arles. Wir starten im nahegelegenen Einkaufszentrum und deecken uns für den Tag ein. Zudem gibt es ein kurzes Frühstück.

Auf dem Weg nach Arles kommen wir zufällig an der Fabrik von le Roy René vorbei. Inklusive Einkauf und Museum, das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Der Einblick in die gläserne Fabrikation ist schon spannend. Vor allem der Roboter, der die Callisons in ihre Verpackung steckt ist ein echter Hingucker. 300 dieser kleinen Süßigkeiten verpackt er in einer Minute. Dabei kommen die ohne große Sortierung auf einem Fließband vorbei und müssen exakt in ihre Transportform gesetzt werden.

Die Fahrt nach Arles über die Landstraßen ist etwas anstrengend – vor allem weil es ständig den Liebling aller französischen Verkehrsleitsysteme gibt: Es vergehen im Schnitt keine 10 Minuten ohne das man einen Kreisverkehr oder gleich mehrere davon durchfahren hat.

Das Hotel liegt praktischerweise direkt an der Autobahnzufahrt nach Arles, wir checken gleich ein und machen etwas Pause nach der Fahrt. Mit der Abendsonne gehen wir noch einen kleinen Spaziergang durch Arles machen. Die App des Tourismus-Büros ist zwar angeblich offline-Fähig, aber so richtig funktioniert sie leider nicht. Gut angedacht, aber schlecht umgesetzt. Unter andrem wären ja einige kurze Erläuterungen zu den Stationen entlang der Führung echt hilfreich.

Aix en Provence

Heute geht es raus aus dem Hotel in Marseille, Ziel für den Abend ist Aix-en-Provence. Ich wuchte die Koffer nach unten ans Auto und ägere mich mal wieder über den “Glücksgriff Jeep” den wir gelandet haben: Mit viel Mühe finden die Koffer und der Kinderwagen in dem Wagen Platz. Über Ladungssicherung muss man nicht nachdenken, denn es ist alles nach allen Richtungen formschlüssig gesichert.

Die Fahrt sind gerade mal 40km, dank Navi stehen wir zielsicher im Zentrum. Wir machen einen ausgiebigen Spaziergang durch die Altstadt – teilweise hat sie noch ihren alten Charme, aber in vielen Straßen findet man eine High-End-Shopp-Kette neben der anderen – originell ist das nicht. Um so besser, dass heute Sonntag ist und die Läden größtenteils zu haben.

Vor dem Rathaus legen wir eine Pause ein, es wird gerade der Blumenmarkt abgebaut, der hier sonntags stattfindet. Nach einem Kaffee als Stärkung geht es weiter durch die Gassen, zurück ans Auto. Die Tiefgarage ist relativ geräumig, dennoch muss ich reichlich kurbeln um mit dem Schiff aus der Parklücke zu kommen.

Da es noch recht früh ist, machen wir noch einen Abstecher ans Aqueduc de Rouquefavour, welches die Wasserversorgung von Marseille sicherstellt. Das historische Ende der Wasserleitung am Wasserschloss “Palais Longchamp” haben wir bereits besichtigt.
Glen ist auf der Fahrt eingeschlafen und schläft auch noch weiter als wir am Aquädukt ankommen. Wir nutzen die Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen. Viel zu sehen gibt es leider nicht, kein Hinweisschild, kein Wanderweg mit Erklärugnen, einfach gar nichts.

Unser Hotel haben wir bereits entdeckt und steuern es zielsicher an. Die Suche nach einem Restaurant in der Umgebung ist nicht erfolgreich. Wir halten uns daher an eine Empfehlung aus dem Reiseführer. Leider ist dort nicht beschrieben wo man parken kann oder sollte. Ich quäle mich daher durch die engen Gassen der Altstadt. Das Navi ist hier auch keine große Hilfe, es berücksichtigt leider nicht, dass man aufgrund der Größe des Fahrzeugs manche Kurve gar nicht nehmen kann. Am Ende parken wir im Parkhaus uns laufen den Rest. Das Jacquou Le Coruqant ist ein kleines Restaurant und durchaus zum empfehlen. Von den Menüs wird man auf alle Fälle satt.

Ausflug nach Casis

Es regnet wie aus Eimern. So haben wir uns den Urlaub im Süden nicht ganz vorgestellt. Nach einem Frühstück im Hotel fahren wir zum Bahnhof, ein letztes Mal Metro. Es geht noch nicht heim, aber wir holen unseren Mietwagen ab. Wir haben ob des Kinderwagens diesmal explizit etwas in der Kombi-Klasse bestellt. Bekommen haben wir einen Panzer – einen Jeep Renegade. In meinen Augen potthässlich, aber nix zu machen. Kindersitz müssen wir auch zusätzlich zahlen, dieses für Familien essentielle Zubehör lassen sich die Vermieter echt vergolden. Der Inneneindruck ist gemischt: eine gefühlt riesige Schnauze und eine Windschutzscheibe die im Vergleich zu den sonstigen Autos eher einer Schießscharte gleicht. Als absolut untauglich erweist sich das Fahrzeug spätestens beim Verladen des Kinderwagens: Der kommt ohne größere Umstände in einem Kleinwagen unter – im Jeep muss man die Rücksitzbank umlegen. Soviel zur Größe des Fahrzeugs.
Das Monster macht sich natürlich auch im engen Stadtverkehr nicht wirklich gut. Erste Herausforderung ist die Hoteltiefgarage – gebaut für Kleinwagen – ohne enges Rangieren geht nix.

Nachdem der Regen immerhin etwas nachgelassen hat, machen wir uns auf den Weg nach Casis. Die Bergstraße schlängelt sich schön entlang der Küste und an vielen Stellen kann man noch die Spuren des letzten Waldbrandes sehen: Es sieht aus wie eine Mondlandschaft. Nachdem der Nachwuchs noch schläft machen wir einen kleinen Umweg über den lokalen Supermarkt und decken uns mit Proviant für den Nachmittag ein. Danach geht es an die Halbinsel mit dem Port Miou, dem längsten Calanque in der Umgebung. Die Calanques sind eine Art Fjord, allerdings nicht durch Gletscher entstanden, sondern durch Kalk-Erosion vergleichbar der schwäbischen Alb.

Eigentlich wollte ich ja eine Tour etwas in den Nationalpark hinein machen, aber vom Parkplatz aus machen wir erst einmal die kleine Runde “Chemin de petit prince” – der Weg des kleinen Prinzen. Dieser führt einmal über die kleine Halbinsel, wobei ich den Fehler gemacht habe und den Kinderwagen mitgenommen habe, im unwegsamen Gelände trage ich den bald häufiger als dass ich ihn schieben kann. Glen meistert aber tapfer die meisten der Stufen und Hügel.

Das Zentrum von Cassis ist im Vergleich zu Marseille herrlich herausgeputzt. Am Hafen wird derzeit noch ordentlich gebaut. Insgesamt ist der Ort vollkommen auf Touristen eingestellt – inklusive dem ganzen Souvenir-Ramsch und überteuerten Preisen. Glen freut sich besonders über die großen Wellen am Strand bzw. am Hafeneingang.

Da es zum Heimfahren noch zu früh ist, entschließen wir uns die malerische Pass-Straße nach la Ciotat, auch Route des Cretes genannt. Wir sind genau passend zum Sonnenuntergang unterwegs – damit ergeben sich jede Menge stimmungsvolle Bilder. Die Straße ist recht anspruchsvoll zu fahren, zahlreiche Haarnadelkurven und entweder rechts oder links geht es den Abhang runter. Auch hier wäre ein handlicheres Auto deutlich angenehmer als der Panzer von Jeep. Kaum dass man das Gaspedal nicht nur anschaut sondern auch einmal etwas Leistung verlangt, schnellt der Spritverbrauch in schwindelerregende Höhen. Nächstes Mal buchen wir defintiv wieder ein Economy-Fahrzeug, falls wir nicht ohnehin mit dem eigenen Fahrzeug vor Ort sind.

Die vielen Kurven haben Glen in den Schlaf gewiegt. Wir treten daher die Rückfahrt parallel zur Autobahn an, denn diese ist hier noch mautpflichtig. Das Navi lotst uns zielsicher auf diversen Nebenstraßen bis kurz vor Marseille, dort fängt es dann wegen verschiedener Verkehrsmeldungen an, verrückt zu spielen. Die Streckenführung ist teilweise abenteurlich und sicherlich nicht unbedingt eine die man selbst gewählt hätte.

Als Abschlussessen in Marseille gehen wir zu “le Citronier” einem auf verschiedenen Portalen sehr gelobtem Restaurant. Es ist noch nicht mal einen Kilometer von unserem Hotel entfernt und wenn man es nicht weiß übersieht man es wohl einfach. Es gibt nur eine Tageskarte, aber diese hat es in sich: Alles frisch zubereitet und natürlich in einer Spitzenqualität. Marion geniest ein Lamm in Kräuter-Kruste, ich nutze die Gelegenheit um zum ersten Mal Strauß zu essen. Sehr lecker, ich muss unbedingt mal schauen, dass wir auch daheim mal von dieser Vogelart etwas zubereiten.

Urlaub in Marseille II

Eigentlich sollte das Wetter heute schon schlechter werden. Aber als wir losziehen ist es noch erträglich. Wir wollen die Chance nutzen, noch einige der Outdoor-Besichtigungen zu machen. Erstes Ziel ist aber der Vieux Port – genauer gesagt eine Seitenstraße: Dort gibt es laut Reiseführer ein leckeres Frühstück. Leider ist der Reiseführer an dieser Stelle nicht mehr aktuell – wir finden zwar die Adresse aber von dem Restaurant keine Spur.

Wir laufen über den Place des Huiles in die Rue Francis Davso. Dort finden wir mehrere Bäckereien und Cafés. Einige davon sind auch im Reiseführer und auf diversen Portalen zu finden. Kurzerhand nehmen wir ein kleines Frühstück ein. Glen flutet dabei den Tisch mit heißer Schokolade, aber alles halb so wild.

Nächstes Ziel ist die Basilika Notre Dame de la Garde – diese trohnt auf einem Felsen über der Stadt. Da wir mit dem Kinderwagen nicht nach oben laufen wollen und das Metroticket ohnehin bezahlt ist, wollen wir mit dem Bus nach oben. Leichter gesagt als getan, denn wir wissen zwar, dass wir die Linie 60 suchen, aber nicht wo diese entlang führt. Kurzer Stop an der Touris-Info, dort erfahren wir dann: Am Hafen ist der Haltepunkt. Diesmal haben wir richtig Glück, wir kommen an die Haltestelle und der Bus fährt ein.

Nun beginnt ein abenteuerliches Gekurve durch die engen Gassen nach oben. Also wer hier Busfahren kann, der kommt überall durch. Der Fahrstil ist rasant bis ruppig – die Hupe selbst für Busfahrer ein wichtiges Hilfsmittel.

Die Basilika bietet vor allem eines: Treppen in Hülle und Fülle. Ich trage tapfer den Kinderwagen die Stufen nach oben – alternatives Training nennt man sowas … Die Basilika ist reich geschmückt mit Mosaiken an fast allen Wänden. Zudem hängen mehrere Schiffsmodelle von der Decke – klar, denn die Kirche galt als Schutzpatronin der Seefahrer und Fischer.

Als wir die Crypta verlassen wollen regnet es wie aus Eimern – jetzt also doch schlechtes Wetter. Wir essen kurzerhand im Restaurant an der Basilika, dieses wird von Nonnen geleitet und gleicht eher einer Kantine. Das Angebot ist bodenständig, die Preise entsprechen dem Umfeld, sind aber nicht überzogen. Unser Nachwuchs ist mal wieder über den Zeitpunkt seines Mittagsschlafs hinaus, dementsprechend quengelig ist er. Noch nicht einmal die Portion Pommes mag ihn irgendwie zu erheitern.

Immerhin: Nach dem Essen ist der Regenguß erst mal durch, und wir nehmen den Bus zurück in die Stadt. Das Brummeln des Fahrzeugs beruhigt Glen soweit, dass er einschläft. Wir fahren bis an die Endstation, vor der Kathedrale la Major. Wir nutzen das gute Wetter aus und wenden uns daher erst der Altstadt, “le Panier” zu. Durch die engen Gassen geht es recht steil bergauf. Treppen meiden wir soweit es geht, denn mit dem Kinderwagen machen die einfach keine Freude. Auch in Sachen Souveniers werden wir fündig: In einem kleinen Laden gibt es handgemachte Seife, eines der wichtigsten Produkte aus Marseille.

Am Abend suchen wir diesmal nach einer schnellen und kostengünstigen Möglichkeit zum Abendessen. In direkter Nähe zum Hotel finden wir eine Pizzeria, die macht zwar nur Essen zum Mitnehmen, aber die Pizzen sind super. Auf dem Weg dorthin hat es bereits etwas genieselt, als wir die knapp 500m Weg zurück antreten geht ein ziemlich satter Regenguß nieder, wir werden völlig durchnässt. Es hört dann natürlich typisch vor dem Hotel wieder auf mit dem Regen.

Für den Freitag sind weiterhin Regenschauer angekündigt, wir suchen daher nach Sehenswürdigkeiten “im Trockenen” – erster Stopp ist die Kathedrale “la Major” die wir am Vortag ausgelassen hatten. Die Kirche ist richtig groß, sie hat näherungsweise die Abmaße des Petersdoms in Rom.

Direkt daneben bzw. unterhalb gibt es ein größeres Einkaufszentrum, das sich teilweise in einem der alten Lagerhäuser am Hafen befindet. Dort finden sich verschiedenste kleiner Läden mit interessanten Produkten, zudem gibt es eine recht umfangreiche Auswahl an Cafés und Bistros. Dort finden wir dann auch etwas zum Mittagessen. Im benachbarten Neubau ist es weniger beschaulich, hierbei handelt es sich um ein ganz traditionelles Einkaufszentrum mit einen Kettenladen neben dem anderen. Immerhin, die große Terrasse zum Hafen hin ist offen zugänglich. Bei wärmerem Wetter könnte man dort sicherlich noch eine ganze Weile schauen was sich im Hafenbecken davor abspielt. Aber mit dem auffrischenden Wind ist es dann doch etwas frisch.

Als letzte Station für den Tag wollen wir uns noch den Park du Pharo anschauen, das bringt uns in den Genuss eines reinen Elektrobusses der uns einmal um den Hafen bringt. Leider ist der Park wegen Sturmwarnung nicht zugänglich. Der dort stattfindende Kongreß hingegen schon – wenn man nicht gerade mit einem Kinderwagen unterwegs ist kann man sich also doch “reinschleichen” – konsequent und transparent ist etwas anderes. Ein weiterer Malus-Punkt für die Stadt.

Ein Blick in den Reiseführer bietet noch eine Alternative – wir spazieren einfach weiter am Meer entlang bis an die nächste Bucht. Dort befindet sich der kleine Hafen, Vallon des Auffes, direkt neben dem Kriegerdenkmal für die Armee des Orients. Ganz nett anzuschauen, aber der Wind hat tatsächlich noch zugenommen, einige Böen haben beim Lesen der Hinweistafeln den leeren Kinderwagen umgeworfen.

Zum Abendessen ist es noch etwas zu früh, daher fahren wir mit dem Bus und der Tram noch ein Stück Strecke ab, dass wir noch nicht kennen, unter anderem vorbei am Place Castellane mit der Siegessäule und dem imposanten Brunnen.

Nach einem Pit-Stopp am Hotel geht es nochmals in Richtung alter Hafen, wir essen in einem kleinen Burger-Restaurant, le Bon Burger. Sehr empfehlenswert und preislich absolut im Rahmen. Leider ist Glen heute gar nicht so gut auf Essen zu sprechen, Burger sind sonst kein Problem bei ihm. Mit etwas Mühe isst er einen Teil eines Probierburgers. Es bleibt also wieder reichlich etwas für Papa zusätzlich übrig. Gefühlt nehme ich jetzt schon zu, da wir der sportliche Ausgleich fehlt. Da hilft auch das häufige Kinderwagenschieben leider nur sehr wenig.

Womit wir beim Laufen wären – wie ich feststellen musste, habe ich den Marseille-Marathon nur sehr knapp verpasst, der fand am 19. März statt, also zwei Tage bevor wir eingetroffen sind. Schade, dass müssen wir beim nächsten Urlaub etwas  besser planen.

Kurzes Resumee der Dinge die wir wohl nächstes Mal anders machen werden: Es ist definitiv ratsam mit Familie eher auf Ferienwohnungen oder Pensionen etwas außerhalb zu setzen, sowohl preislich als auch was die Vereinbarkeit von Urlaub und Familie betrifft: In einer Ferienwohnung kann man eher auch mal einen verregneten Tag drinnen verbringen als im Hotelzimmer. Zudem ist die Selbstversorgung mit Nachwuchs ein echter Vorteil, nicht nur preislich. Man kann sich noch so sehr bemühen und die Restaurants mögen noch so kinderfreundlich sein, man ist doch immer irgendwie ein ungewollter Hingucker.

Nachts erwartet uns dann noch eine unliebsame Überraschung – ein Gast hat sich im Hotel nicht das Rauchverbot gehalten und prompt den Feueralarm in voller Ausführung ausgelöst. So stehen wir um um kurz nach drei Uhr in der Frühe in der Lobby – nachdem wir den Nachwuchs drei Etagen über die Feuertreppe getragen haben. Pikantes Detail: Die Feuerwache ist direkt nebenan – von der Feuertreppe schaut man auf deren Hinterhof. Leider ist der Portier schnell genug gewesen und hat die Weitergabe des Alarms unterbunden. So kommen wir leider nicht in den Genuss eines vollständigen französischen Löschzugs. Etwas betrüblich stimmt mich, dass wir nach mehr als fünf Minuten nur ganze sechs Personen in der Lobby sind. Was wohl im echten Brandfall passiert mag ich mir da gar nicht erst ausmalen.

Urlaub in Marseille

Endlich Urlaub. Bevor im Sommer die Familie um ein Mitglied größer wird, wollten wir nochmal etwas in den Süden.

Ausgewählt haben wir diesmal Marseille – im Gegensatz zu den Neu-England-Staaten erwarten wir diesmal deutlich wärmeres Wetter. Als Verkehrsmittel nutzen wir den Zug – in der Hoffnung, dass es mit Nachwuchs einfacher ist als die vielen Stunden im Auto. Preislich ist das Frühbucher-Angebot ein echter Hingucker: Für 50 EUR hin und zurück, da kämen wir mit Diesel und Maut deutlich teurer.

Partiell erfüllt sich der Wunsch nach stressarmen Reisen dann auch tatsächlich. Nur gegen Ende der Fahrt (immerhin dauert es trotz Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h noch 6h Stunden) wird der Kleine langsam gelangweilt bis genervt.

Nächste Herausforderung ist der öffentlich Nahverkehr: Die Metro stammt aus den 1970ern mit einigen Verlängerungen über die Jahre. An den Ausbau der alten Stationen hat dabei kaum einer gedacht. Nur die neueren Stationen an den Außenästen sind barrierefrei ausgebaut. Das barrierefrei auch Familienfreundlichkeit beinhaltet ist noch nicht ganz hier im Süden angekommen. So quälen wir uns über die Rolltreppe und durch die Eingangsschleusen – absolut kein Spaß. Immerhin können wir den Kinderwagen über eine der Barrieren heben. Am Ziel ist das nicht möglich. Der Versuch, die vorgesehene breite Tür zu nutzen, schlägt mit der Auskunft fehl: “Das ist nur ein Notausgang, den können wir nicht öffnen, viel Erfolg”. Wir bekommen es dann mit etwas Aufwand auch so hin. Aber der erste Eindruck in Sachen ÖPNV ist gründlich ruiniert: Setzen, sechs!

Stufen vor der Rolltreppe – vielleicht sind das ja die zu kurz geratenen Rolltreppen des BER

Für den kommenden Tag ist noch halbwegs brauchbares Wetter angesagt, also nutzen wir die Gelegenheit auf die vorgelagerten Frioul-Inseln zu fahren. Diesmal versuchen wir uns mit der Straßenbahn, diese ist moderner und laut Auskunft auch vollständig barrierefrei. Beim Einsteigen stimmt das noch, am Ziel im Tunnel sieht es dann schon wieder anders aus: Zumindest der von uns gewählte Ausgang ist es nicht. Was uns auffällt: Die Planer der Station müssen wohl auch am Flughafen BER tätig gewesen sein: an einigen Stationen sind die Rolltreppen zu kurz geraten, an anderen muss man vom Straßenniveau erst einmal drei Stufen nach oben gehen, bevor es mit der Rolltreppe in die Tiefe geht.

Die Überfahrt auf die Insel ist kurzweilig, auch weil es reichlich Wellen gibt. Der Nachwuchs freut sich darüber ganz besonders. Die Fähre ist aber ausreichend groß und die Wellen insgesamt recht flach. Das kenne ich von Tauchausfahrten deutlich ruppiger. Die Fahrt führt auch vorbei am berühmten Château d’If, das vor allem durch den Roman “der Graf von Monte Christo” bekannt geworden ist. Ich suche verzweifelt nach der passenden Schwesterinsel in der Nähe: Es müsste doch auch ein Château d’Else geben….

Als erstes Ziel haben wir uns den Nordwestarm der Insel vorgenommen. Wir unterziehen den Klappkinderwagen einer ultimativen Belastungsprobe – wobei ich mich frage wer mehr belastet wird: Das Gefährt oder der schiebenden Papa hintendran. Der ist ja bekanntlich einiges gewohnt, aber auf den nicht befestigten Wegen mit einigem Geröll rollen die kleinen Räder einfach verdammt schlecht. Aber ich will mir gar nicht ausmalen was für ein Drama es gewesen wäre den Baby-Jogger mitzunehmen – der ist ja noch mal unhandlicher, damit wären wir in der Metro definitiv gescheitert.

Die Insel war lange Zeit mitlitärisches Sperrgebiet und stark befestigt. Das sieht man auch an fast jeder Ecke – überall Gräben und alte Geschütz-Stellungen. Das Wetter spielt immerhin noch halbwegs mit, der Wind hat aber schon deutlich aufgefrischt als wir uns auf den Rückweg zum Hafen machen. Von dort aus erkunden wir auch noch den Weg zum ehemaligen Krankenhaus der Insel – momentan wird es restauriert – es diente unter anderem als Quarantäne-Station während der Gelbfieber-Epidemie. In einer Bucht unterhalb mache ich noch einen wichtigen Test: Das Wasser ist definitiv noch zu kalt zum Baden. Allenfalls für ein kaltes Fußbad zu empfehlen.

Die Rückfahrt ist vom Wind geprägt – es ist merklich kühler geworden, wir stehen etwas ungünstig in der Schlange – die Sitzplätze im windgeschützten und geheizten Innenraum sind schon belegt als wir an Bord gehen. Aber es dauert ja nicht lange bis wir im Hafen von Marseille ankommen.

Nun beginnt eine etwas abenteuerliche Suche nach einem passenden Restaurant für den Abend. Laut Reiseführer sei der Cours Julien zu empfehlen. Der Weg dorthin führt uns vom alten Hafen zu den weniger malerischen Vierteln – zwischenzeitlich komme ich mir vor wie in Klein-Instanbul. Von Restaurants weit und breit keine Spur. Am Cours Julien sieht es dann schon wieder besser aus, allerdings sind wir mit den südländischen Essenszeiten konfrontiert: Vor 19:30 macht fast kein Lokal auf. Das ist für uns mit dem Kleinen einfach eine Nummer zu spät – immerhin müssen wir ja noch ans Hotel und ihn ins Bett bringen.

Am Ende gibt es eine Runde Crêpes, und wir merken wie fertig unser Nachwuchs ist – völlig quengelig. Auf dem Weg zur Metro noch kurz in den Supermarkt vorbei, denn satt sind wir von dem Abendsnack noch nicht so ganz. Metro diesmal mit Umsteigen – selbst hier sind die Hürden mit Kinderwagen erheblich. Es gibt nicht einmal innerhalb der verschiedenen Ebenen durchgängige Rolltreppen.

Der Abend wird zur Geduldsprobe: Glen ist dermaßen überdreht, dass er nicht einschlafen kann und Mama und Papa noch eine ganze Zeit auf die Nerven geht bis er unter heftigem Protest endlich einschläft.

Insgesamt reift die Erkenntnis, dass Städte-Tripps mit einem kleinen Kind im Schlepptau nicht optimal sind. Es ist sicherlich möglich einen Tag oder auch zwei in einer Stadt zu verbringen und Besichtigungen zu machen. Aber insbesondere die Abendgestaltung ist doch reichlich eingeschränkt, vom reichhaltigen Abend- und Nachtprogramm hat man leider nicht viel.

 

Rheinradtour Tag 15 – Mechtersheim, Speyer, Schwetzingen

Tageskilometer: 33,4km Gesamt: 650km

Letzter aktiver Urlaubstag. Leider war die Nacht alles andere als erholsam, dank des “Schnokemon-Go”-Spiels sind wir zwar frühzeitig im Zelt, aber beim Einsteigen kommen etliche der Tierchen mit ins Zelt – man kann es also im Innern erst einmal weiter “spielen”. Zudem beeinträchtigt eine Feier in der nahen Gaststätte die Nachtruhe. Der Morgen verheißt dann auch nichts gutes, während wir Abbauen gibt es einen ersten leichten Regenschauer. Daher gibt es das Frühstück im schon fast leergeräumten Zelt. Immerhin ist es der erste Tag des Urlaubs an dem wir derartig schlechtes Wetter haben.

In einer Regenpause brechen wir auf – erstes Fernziel ist Speyer, wobei fern absolut übertrieben ist: Laut Beschilderung sind es gerade einmal 14km bis an den Dom. Als der schon in Sichtweite ist, beginnt es wieder zu regnen. Diesmal sogar vergleichsweise stark. Als wir das Technik-Museum erreichen ist es immerhin schon wieder etwas weniger geworden. Nun gilt es die letzte große Steigung auf dem Weg nach Hause zu bewältigen: Die Salier-Brücke in Speyer. Im Vergleich zu den ersten Tagen in der Schweiz ist das aber recht harmlos was den Anstieg betrifft, er ist nur vergleichsweise lange.

tmp_25325-IMG_20160820_132036778317299Auf der anderen Seite steht dann auch schon ein Motivationsschild – noch 12km bis nach Hause. Marion hat scheinbar auch den Stallgeruch vernommen, denn wir sind vergleichsweise flott unterwegs. Wahrscheinlich ist es aber auch das nahende Zwischenziel: Der Johannes-Hof bei Ketsch. Dort essen wir nochmal in aller Ruhe zu Mittag, wie immer ist das Lokal sehr gut besucht. Wir schlagen ganz ordentlich zu beim Essen – von Vorspeise bis Nachtisch. Hinterher rollen wir schon fast zum Rad, so viel haben wir gefuttert. Aber das Essen ist dort auch immer gut und reichhaltig.

Nun laufen die letzten Kilometer auf bekannter Strecke nach Hause – über Ketsch geht es nach Schwetzingen. Bei Ketsch fahren wir zum letzten Mal direkt an einem Altrhein-Arm entlang, bevor es durch die Felder geht. In der Ferne sind schon die markanten Hochhäuser zu erkennen. Eine letzte Steigung ist die Brücke über die Autobahn, aber die nehmen wir nach mehr als 640km schon gar nicht mehr wahr. Im Wohnviertel muss ich dann doch noch eine Ehrenrunde drehen – es fehlen einige hundert Meter bis zur 650km-Marke, aber auch die bekommen wir noch voll. Kaum dass wir alles abgepackt haben, beginnt ein dauerhafter Regenguß von mehreren Stunden, das haben wir also recht gut erwischt.

Geschafft! – Von Konstanz bis Schwetzingen in 15 Tagen und 650km. Wir haben eine Menge gesehen und sehr viel erlebt. Die Technik hat bis auf kleinere Dinge sehr gut durchgehalten.

Rheinradtour Tag 14 – Lauterbourg, Rülzheim, Mechtersheim

Tageskilometer: 59,3km Gesamt: 617km

Nachts hat es noch leicht geregnet, aber mit dem Morgen wird auch das Wetter wieder besser. Da wir heute nur eine kürzere Etappe geplant haben, lassen wir es gemütlich angehen und unterhalten uns noch eine ganze Weile mit eine australischen Familie, die mit zwei Kindern unterwegs ist. Gerne geben wir natürlich Tipps weiter, was man in der Umgebung und in den nächsten Tagen besichtigen kann – immerhin sind wir ja schon fast daheim. Die Ortsnamen sind mittlerweile schon deutlich vertrauter.

Vom Campingplatz aus geht es diesmal direkt an der Straße ins Industriegebiet von Lauterbourg und danach direkt an den Rhein. Der Radweg ist gut ausgebaut und asphaltiert, wir kommen sehr zügig voran. Zwischenzeitlich bin ich schon fast irritiert durch die Anzeige meines Kilometerzählers: Mehr als 20km/h im Schnitt – und das mit der Beladung und dem Anhänger.

Kurz nach Lauterbourg überqueren wir die unscheinbare Grenze nach Deutschland – nicht einmal ein Willkommenssschild oder ähnliches steht da – man merkt es nur an der Sprache der Beschilderung. Der Weg windet sich weiter entlang des Damms. Unser erstes Ziel für heute ist die Gockelburg, ein kleines Restaurant in Maximiliansau bei Wörth am Rhein. Dort wollten wir seit langem einmal Essen gehen, allerdings hat die Gaststätte nur unter der Woche auf. Gut, dass Freitag ist. Denken wir zumindest so lange bis wir vor der verschlossenen Tür stehen: Betriebsferien bis am Montag. Also wieder ein Satz mit X – war wohl nix. Stattdessen kaufen wir im nahegelegenen Einkaufszentrum das Notwendigste für ein Picknick ein. Immerhin merken wir, dass es gegen Ende der Reise geht – wir kaufen weniger ein und es gibt langsam wieder Platz in den Taschen. Kurz hinter Wörth am Rhein machen wir an einem Spielplatz halt – der Nachwuchs kann sich austoben und es gibt etwas zum Mittagessen.

tmp_17507-IMG_20160819_1537331774544568Kurzerhand entscheiden wir uns bei der Mhou-Farm in Rülzheim vorbei zu radeln. Ein klein wenig ab von der Strecke aber sicherlich sehenswert und vor allen Dingen etwas Abwechslung für Glen. Die Beschilderung über Jockgrim lässt teilweise etwas zu wünschen übrig und wir haben mal wieder ein Stück schwer passierbarer Strecke vor uns. Danach wird es besser, auch wenn von der Beschilderung nichts mehr zu finden ist. Dafür kommen wir fast direkt an der Straußenfarm aus dem Wald heraus in Rülzheim an. Es sind schon imposante Tiere, diese flugunfähigen Vögel. Zudem legen wir eine weitere Pause in der Farm-Wirtschaft ein.

Danach machen wir uns auf zu unserem Tagesziel, ein Campingplatz bei Mechtersheim. Der Weg führt uns von Rülzheim über Hördt nach Germersheim. Die Beschilderung ist hier wiederum sehr gut. Sogar eine Umleitung wegen einer Baustelle bei Germersheim ist vorbildlich ausgezeichnet. Beim Verlassen von Hördt überschreiten wir die 600km für die Gesamtour – ungeplanterweise sind das bei der Tagesetappe genau 42,2km geworden. Bis an den Campingplatz sind es dann noch etwas mehr als 15km.

Der Campingplatz an und für sich ist ganz ok und vergleichsweise preiswert. Die Duschen sind sehr sauber und frisch renoviert. Nach dem Duschen versuchen wir etwas zu essen, aber wir sind doch sehr mit einem neuartigen Spiel beschäftigt: “Schnokemon-Go” – “gotta batsch them all”, es handelt sich hierbei um die kurpfälzische Variante des derzeit so beliebten Augmented Reality-Spiels. In der Abenddämmerung wimmelt es nur so von diesen lästigen Blutsaugern – selbst Kerzen mit Zitronendunft halten die Biester nicht wirklich fern. Während wir essen sind wir durchgängig damit beschäftigt weitere “Angreifer” zu erschlagen, am Ende kann man auf der Decke vor dem Zelt anhand der Ablagerungen erkennen wo Gegenstände lagen oder wir gesessen haben … So übel hatten wir das an keinem Campingplatz vorher.

Rheinradtour Tag 13 – Gambsheim – Lauterbourg

Tageskilometer: 52,4km Gesamt:558km

tmp_22652-IMG_20160818_111359-1306987114Nach dem Erhohlungs- und Waschtag hieß es heute wieder: Packen, Aufsatteln und los. Immerhin ein Superstart – direkt aus der Garage neben unserem Schlafzimmer geht es los.

Die ersten Kilometer sind etwas weniger schön, es geht entlang der Landstraßen und relativ weit weg vom Rhein. Aber die Straßen sind praktischerweise nicht so übermäßig befahren. Auch die Ortsdurchfahrten sind erträglich. So fliegen die ersten 20km schon fast an uns vorbei. Zwischenzeitlich gibt es sogar immer mal wieder Passagen mit einem parallel geführten und gut ausgebauten Radweg. Selbst eine Umleitung kann uns nicht wirklich schocken: Sauber beschildert führt sie uns um die Baustelle großräumig herum.

tmp_22652-IMG_20160818_124033124353111Kurz vor Roppenheim machen wir unsere Mittagspause, danach ist der Packsack deutlich leichter, da wir eine ganze Menge Mitgegebenes verfuttert haben. Bei Beinheim geht es dann auf den Rheindamm und danach immer auf diesem entlang. Vorbei an der Fähre Plittersdorf. Es geht fast immer gerade aus und die Radwegqualität ist super – durchgehend asphaltiert und ohne größere Wellen. Für den Nachwuchs sind natürlich auch die Kieswerke entlang der Strecke superinteressant – immerhin stehen dort auch immer richtig große Radlader.

Deutlich früher als geplant erreichen wir Lauterbourg – das kennen wir sonst nur von der Durchfahrt mit dem Auto. Die letzten Kilometer sind dann nochmal Feldweg angesagt bis an den Campingplatz – inklusive einer zu engen Durchfahrt an einer Schranke. Mit vereinten Kräften wuchten wir den Anhäger durch dieses Hindernis.

Der Campinplatz macht auch gerade auf, als wir ankommen. Nach dem Aufbau des Zelts geht ein ganz leichter Regenschauer nieder, aber nichts was uns wirklich schocken könnte.

tmp_25325-IMG_20160818_2034531653346422Abends kommt dann noch Marions Mutter in Lauterbourg vorbei und wir gehen gemeinsam lecker Flammkuchen essen.