Hollywood and the Beach

Heute war der letzte Tag Urlaub – morgen geht es zurĂŒck in die Heimat 🙂

Ich habe nach einem reichhaltigen FrĂŒhstĂŒck den Tag mit einer Runde Sightseeing und Shopping kombiniert. Begonnen haben wir aber mit einer familiĂ€ren Pflicht – ich habe Lucie’s und Joe’s Grab besucht und einen Blumenstrauß niedergelegt. Mögen sie in Frieden ruhen.

NĂ€chstes Ziel war dann die lokale Outlet Mall – Citadel Mall, im ehemaligen Firestone-Reifenwerk. Ich musste noch etwas Geld ausgeben, denn alles was ich direkt in bar abhebe kostet mich hier sackrich GebĂŒhren. Also habe ich das Geld in eine neue Sonnenbrille investiert, nachdem meine sich mittlerweile regelmĂ€ĂŸig in ihre Bestandteile auflöst und mich ziemlich genau seit Studienbeginn an der Hochschule begleitet hat. Ich wollte ja wieder was mit wechselbaren GlĂ€sern. Von Oakley habe ich dann auch was wunderherrlich reduziertes gefunden, leider alles Auslaufmodelle und der HĂ€ndler wollte mir die WechselglĂ€ser nicht so verkaufen. Also habe ich kurzen Prozess gemacht und mir 2 reduzierte Modelle gekauft – wie sich rausstellte bin ich damit immer noch gĂŒnstiger als nur eines zu nehmen und die GlĂ€ser nachzubestellen. Richtig gut so eine neue Brille ohne Kratzer.

NĂ€chstes Ziel beim Sightseeing – der Walk of Fame mit den Sternen und das Chines Film Theater mit den Fuß und HandabrĂŒcken der Stars im Beton. Ganz lustig, und jede Menge Touristen, Stars, TourenverkĂ€ufer – halt typisch Hollywood. Irgendwie doch nicht so ganz meine Welt.

Zum Ausklingen sind wir dann noch eine Runde an den Strand gefahren, diemal war ich also am Pazifik, und ich war auch Baden – etwas frisch aber ok. Danach noch etwas abhĂ€ngen am Strand und in der langsam weniger werdenden Sonne liegen. Noch einen Drink und dann ab Richtung Annaheim Hills.

Dort gings dann ans letzte Dinner in den USA, lecker BBQ mit Kartoffeln und saftigem Steak. WĂ€hrend das alles brutzelte habe ich mich an die Arbeit gemacht und meine Sache aussortiert, gesichtet und gepackt. Wahnsinn, es passt tatsĂ€chlich alles in die drei verfĂŒgbaren Taschen und Koffer. Nur wiegen muss ich es noch und ggf. etwas nachverteilen – dann sollte aber alles passen.

Ich denke ich werde diesen Blog hier (vielleicht unter anderem Titel) sporadisch weiterfĂŒhren. Vielleicht auch morgen noch ein kleiner Eintrag wenn ich am Flughafen Langweile haben sollte. NatĂŒrlich wird es einen Eintrag geben mit dem Ergebnis der Diplomarbeit. Verteidigung ist am 24.09. im Bau 20 in der Hochschule Mannheim – wer noch Interesse hat, bitte kurze Mail, damit ich den richtigen Hörsaal ordern kann.

Einmal Verwandschaftsbesuch

Heute frĂŒh saß ich gemĂŒtlich beim FrĂŒhstĂŒck – nichts besonders, ein wenig MĂŒsli vom Free-Food-Shelf und eine Portion Kaffee, damit kann der Tag doch starten. Nebenher kam man noch ins GesprĂ€ch mit dem Herbergsvater, bzw. dem Team, dass die Herberge jetzt demnĂ€chst ĂŒbernimmt. Richtig coole Leute, alles sehr famliĂ€r gehalten und supernett. Man erzĂ€hlt was man so erlebt hat und wo man schon ĂŒberall war. Dabei habe ich nebenher auch erwĂ€hnt, dass ich eben 2003 schon mal hier in der Gegend um LA war und auch am Lake Arrowhead, aber wahrscheinlich nicht genĂŒgend Zeit haben werde um den dortigen Teil meiner Verwandten zu besuchen. Da meinte einer nur lapidar „Du weißt aber das Lake Arrowhead hier gerade mal 45 Minuten weg ist, also fĂŒr amerikanische VerhĂ€ltnisse gerade mal eben um die Ecke.

Bis ich dann endlich losgekommen bin und auch mein Zelt und meinen Topf ans Hostel vermacht hatte (die haben sich richtig gefreut) war es dann kurz nach elf. Meinem Navi habe ich dann erst mal Lake Arrowhead eingetrichtert und versucht den Weg dorthin aus dem Kopf zu rekonstruieren, leider mit mĂ€ĂŸigem Erfolg. Ich bin einmal um den See gekurvt – richtig klasse mit der Halbautomatik. Dann habe ich doch zum Telefon gegriffen, denn ich hatte ja nur die Postfach-Adresse von Ann und Herman. So haben wir uns dann doch noch getroffen. Ich war gar nicht so verkehrt mit meiner Intuition. Aber 7 Jahre sind doch eine lange Zeit.

Wir haben uns wunderbar den Nachmittag lang unterhalten. Sowohl ĂŒber mein Praktikum als auch ĂŒber die Familie und wie es allen derzeit so geht. Nachdem ich ja der PC-Fachmann bin, durfte ich dann auch gleich noch ein paar Probleme mit Skype hier lösen. War aber nicht all zu gravierend. Zudem haben wir die Bilder meiner Reise gesichtet, wĂ€hrend ich ein wenig darĂŒber berichtet habe. Waren doch alle recht beindruckend, auch wenn ich liebendgerne vorher noch einiges an MĂŒll aussortiert gehabt hĂ€tte – aber man kann eben nicht alles haben.

Ehe man es sich versieht war es dann auch schon kurz nach sechs abends – kurz noch bei Stan und Betsy anrufen, und dann ging es auch schon wieder los – den Berg runter. Eine wahre Freude mit dem Auto – ich habe auf dem Weg nach unten allerhand BMW, Audi und Mercedes (alles Sportversionen) mit einem VW Jetta versĂ€gt – das hĂ€tte sich in Deutschland kein Fahrer bieten lassen. Aber hier bremst man ja auch im Scheitelpunkt der Kurve – außerdem habe ich halt im Gegensatz zu vielen anderen die Halbautomatik und muss nicht in die Eisen steigen um zu Bremsen – runterschalten reicht meist schon – und dann aus dem Scheitelpunkt raus beschleunigen.

Jetzt bin ich bei Stan und Betsy angekommen, wir haben gerade gemĂŒtlich zu Abend gegessen – nicht mal mehr 48 Stunden und mein Aufenthalt hier in den Staaten endet. Wahsinn wie viel Zeit vergangen ist und wie viel ich erlebt habe. Morgen noch ein wenig Sightseeing und vielleicht vom restlichen Geld auf dem amerikanischen Konto noch eine neue Sonnenbrille kaufen (meine fĂ€llt jetzt echt auseinander). Außerdem geht es morgen noch an den Pazifik und wenn möglich noch kurz an die Hall of Fame in Hollywood. Danach ist kommt dann noch die Königsdisziplin im Reisen: „Ich packe meinen Koffer“ und zwar so, dass er ohne Extrakosten mitfliegt – das wird noch lustig – aber ich habe ja nix mehr zusĂ€tzlich eingekauft, von daher dĂŒrfte das alles irgendwie machbar sein.

Grand Canyon South Rim

Wie erwartet war die Nacht wirklich frisch, erstens mal wieder im Gebirge und wie man mir heute frĂŒh dann mitgeteilt hat, wird es langsam auch Herbst hier in den Staaten. Davon merkt man tagsĂŒber angesichts der Temperaturen aber noch nichts. Meine Tricks haben sich bewĂ€hrt, es war diesmal nicht ganz so schweinekalt, auch wenn die FĂŒĂŸe ordentlich geschwitzt haben in den Hot-Socks. FĂŒrs Duschen muss man auch extra nochmal blechen, aber mit deutscher Wassersparsamkeit kommt man mit 50 Cent ganz gĂŒnstig weg. Das sind dann ingesamt 4 Minuten Wasser, zu je zwei Minuten pro Quater – auf die Idee einfach den Durchfluss zu regeln sind die hier noch nicht gekommen … wenigstens ist das Wasser richtig schön warm, das taut mich dann vollstĂ€ndig auf.

Ein karges FrĂŒhstĂŒck mit den verbliebenen Bagels und das wars denn auch schon. Am Office logge ich mich nochmal ins WLAN ein, und notiere mir die Rufnummer des einzigen Hostels auf dem Weg Richtung LA – da ist irgendwie gar nix auf halber Strecke 🙁 so sind es halt doch schon fast drei Viertel der Strecke bis nach LA. Geplant ist, dass ich den Park gegen Nachmittag verlasse und mich dann hinters Lenkrad klemme.

Im Park entscheide ich mich diesmal fĂŒr die gemĂŒtlichere Tour – nochmal in den Canyon rein will ich nicht unbedingt wandern, das hatte ich ja an der Nordseite schon, und hier ist es nicht viel anders: auch wieder jede Menge Serpentinen. Stattdessen gibt es hier etwas, das es an der Nordkante so nicht gibt: Einen Weg entlang der Kante. Bis zum Endpunkt „Hermits Rest“ sind es knappe 20km, grĂ¶ĂŸtenteils eben. Wenn ich nicht so viel Wasser und die Kamera mit mir rumtragen wĂŒrde, hĂ€tte es glatt als Trainingsstrecke durchgehen können – wĂ€re sicherlich interssant geworden, denn man ist ja immer noch auf dem Colorado-Plateau in rund 2500m Höhe. Mit diversen Fotostops habe ich dann rund 4h fĂŒr die Strecke gebraucht. Die bauen den Trail derzeit teilweise aus, damit man ihn auch fĂŒr eine Radtour nutzen kann. Wenn ich gewusst hĂ€tte wie viel davon schon fertig ist, hĂ€tte ich mir ja glatt ein Rad geliehen am Visitor Center. Aber Laufen ist ja auch nicht schlecht. Die ganzen Stockenten – Ă€h „Profi-Wanderer“ – sind ja die Trails in den Canyon runter – auf dem Trail an der Kante sammeln sich dann all die alten und Fußkranken – naja auch kein Drama – man kann ja einfach ĂŒberholen.

FĂŒr den Weg zurĂŒck habe ich dann das Shuttle genommen, das nimmt sich aber auch Zeit. Fast eine halbe Stunde bis man wieder an einem der Aussichtspunkte zum Umsteigen in das nĂ€chste Shuttle ist. Das braucht dann durch die Baustelle dann auch nochmal ne halbe Stunde … Joggen wĂ€re fast genauso schnell gewesen. Die Zeit im Bus nutze ich um den Blogeintrag fĂŒr den gestrigen Tag noch vorzubereiten.

Die Reservierung im Hostel ist ĂŒberhaupt kein Problem, auch wenn es mit 26 Dollar pro Nacht nicht zu den gĂŒnstigen gehört, aber egal. Das Navi spuckt mir etwas mehr als 6 Stunden Fahrzeit aus. Alleine bis ich aus dem Park an der I-40 bin, vergeht eine Stunde auf der Landstraße, wieder macht sich der Tempomat eigentlich ganz gut, wenn die anderen Verkehrsteilnehmer nur auch genauso konstant fahren wĂŒrden.

Echt eine Freude wieder eine vollstĂ€ndig ausgebaute Autobahn zu haben, mit mindestens 2 Spuren in beide Richtungen. Zudem das Limit in Arizona mit 75 mph – also fĂ€hrt man etwas mehr – ich habe mich dann bei 130 km/h eingeschossen, wenigstens halbwegs was Taugliches.
Gerade rechtzeitig vor Californien habe ich nochmal getankt, in Californen gibt es nĂ€mlich mehr Steuern, unter anderen eine Öko-Steuer… Dummerweise auch ein restriktiveres Speedlimit mit 70 mph – fĂ€hrt man halt nur noch 120 km/h. Ich weiß jetzt auch warum es da keine Hostels gibt – es geht durch die WĂŒste und da ist einfach gar nichts, also auch kein Hostel. Die Temperatur ist aber auch nicht von schlechten Eltern – teilweise zeigt der Bordcomputer 108°F an, also irgendwas um die 40°C – Klima-Anlage habe ich dennoch nicht eingeschalten – das wĂŒrde ja noch mehr Sprit fressen.

Das letzte StĂŒck ab Barstow ist lustig – es geht in die Berge – das hatte ich so auf der Karte gar nicht gesehen. Ich freue mich wie ein Schneekönig, dass ich eine Semi-Automatik habe. Damit machen die Kurven und Serpentienen den Berg hoch sogar richtig Freude – um so besser, als ich dann noch einen zĂŒgigen Einheimischen vorbeilasse, danach brauche ich nur hinter ihm herzufahren, der kennt die Kurven sehr genau. Ich hatte mich ja schon gefragt wozu man hier in den Staaten ESP braucht, jetzt weiß ich auch das – in einer der Haarnadelkurven habe ich es tatsĂ€chlich zum Ansprechen gebracht – die sind aber auch tĂŒckisch hier. Die nĂ€chste war dann schon wieder besser.

Das Hostel hier liegt in einem Skigebiet – richtig nett – auch wenn das Navi mit den ganzen Namen hier absolut nicht zu recht kommt – alles wird irgendwie als Brei ausgesprochen. An der Knickerbocker Road verzweifelt das Ding dann vollstĂ€ndig. Das Hostel ist richtig nett und sicherlich sein Geld wert. Ich muss jetzt mal noch schauen, wie ich morgen weiter fahre, bevor ich mich hier aufs Ohr haue – irgendwie hat mich die Fahrerei doch ziemlich geschlaucht.

Take me home country roads

Ab heute gibts nur noch zwei wichtige Richtungen: nach SĂŒden und nach Westen, immer der Sonne nach. Ich habe den östlichsten Punkt meines Urlaubs in Mesa Verde verlassen.

Morgens habe ich mit Michelle und Dave noch die Runde auf dem Plateau in Mesa Verde gemacht, eine Schleife von rund 10km, natĂŒrlich amerikanisch zum Abfahren mit dem Auto und dann diversen Stops an den Aussichtspunkten und den archĂ€ologischen Fundstellen. Bevor die Bewohner in die HĂ€nge gezogen sind, haben sie auf der Ebene gelebt, und dort auch die FĂ€higkeit des Mauerns erlernt, nachdem sie anfĂ€nglich in ErdhĂ€usern gelebt hatten, die nur wenig aus dem Boden ragten. Aus diesen RĂ€umen entwickelten sich spĂ€ter die rituellen Kiwas die auch immer unterirdisch sind und Ă€hnlich aufgebaut sind wie die ersten HĂ€user. Ganz pfiffig haben sie es mit der BelĂŒftung gelöst. Es gab so etwas wie einen separaten Kamin, allerdings fĂŒr die Frischluft, mit einem Stein davor wurd der Luftstrom zur Verwirbelung gezwungen. So hat man die Rauchentwicklung im Griff halten können. Ein Ă€hnliches Prinzip hat man in NĂŒrnberg ja auch zur BelĂŒftung und KĂŒhlung der Felsenkeller herangezogen

Das FrĂŒhstĂŒck war nicht ĂŒberragend, zumindest wenn man den Preis betrachtet. Michelle und ihr Mann haben mich ja partiell wieder ausmanövriert, wenigstens habe ich ein FrĂŒhstĂŒck fĂŒr sie zahlen können. Nach dem FrĂŒhstĂŒck haben wir uns verabschiedet – ich bin nochmal ins Museum und habe mir den Film ĂŒber Mesa Verde angeschaut, praktischerweise gab es dort auch eine Steckdose, mit der habe ich dann mein Handy soweit hochgepeppelt, dass der Akku durch den Tag hĂ€lt. Außerdem habe ich meine letzten Postkarten geschrieben – mal sehen wer eher in Deutschland ankommt.

FĂŒr die nĂ€chste Zeit war dann mein Mietwagen das bestimmende Bild. In Cortez habe ich noch einen Stop bei Safeways gemacht und mich mit Trailmix und ElektrolytgetrĂ€nk eingedeckt. Auf dem Parkplatz habe ich dann schon heimatliche GefĂŒhle gehabt: Dort stand ein umgebauter LKW deutscher Machart, ein Mercedes 1117, der ist gelĂ€ndefĂ€hig, und als Wohnmobil fĂŒr lĂ€ngere Touren ausgelegt. Richtig schick – sowas lasse ich mir dann doch gefallen, nicht diese Möchtegern-Sattelauflieger fĂŒr die Pickuptrucks oder diese anderen Wohnmobile hier. Noch interessanter war aber das Kennzeichen: Ludwigsburg, als ich wieder aus dem Supermarkt rauskam stand noch ein weiterer auf dem Parkplatz, aus Sigmariengen. Von meinem jetzigen Standort aus ist das ja wirklich schon fast daheim.

Die Straßen hier durch die WĂŒste zogen sich endlos hin, von einigen Überholaktionen mal abgesehe kann man da einfach nur den Tempomaten einstellen (praktischerwise ist der digital) und dann geht es immer dem Asphaltband nach. Einen kleinen Zwischenstop habe ich an four Corners gemacht, das ist die einzige Stelle in den Staaten an der vier Staaten direkt aneinander grnezen. So habe ich auch noch New Mexico auf die Liste der besuchten Staaten packen können.
NĂ€chster Halt war in Tuba City, Auto fĂŒttern. Die Fastfoodketten haben mir nicht sonderlich zugesagt, stattdessen habe ich wĂ€hrend der Fahrt dann Trailmix gefuttert.

In der Ferne habe ich mit etwas Sorge eine Wolke beobachtet die scheints vom Boden aufstieg, die lag irgendwie genau in der Richtung in die ich gefahren bin. Im Nationalpark wusste ich dann was es ist: Man hat einen „kontrollierten Waldbrand“ angesteckt – weil das angeblich hier fĂŒr die Vegetation besser sei. Also ich halte davon nix, denn die ganze Aussicht in den abendlichen Canyon ist vernebelt. Gegen ein natĂŒrliches Feuer hĂ€tte ich ja nichts, aber die Ammis beschweren sich immer ĂŒber die Aerosole die die Sicht im Canyon beeintrĂ€chtigen und dann machne sie sowas – naja man mĂŒsste ja sonst denken…

Nach dem Sonnenuntergang habe ich dann mein GlĂŒck am Campingplatz im Park versucht, leider ohne Erfolg. Jetzt bin ich in einem im nĂ€chsten Dorf untergekommen. Die Nacht wird wahrscheinlich wieder knackig kalt, aber ich habe ja etwas mehr improvisiert: Die Lösung fĂŒr eine Iso-Matte ist so simpel, ich stand förmlich die ganze Zeit drauf: Die Fußmatten aus dem Auto sind wunderbar fĂŒr den Fall. Und natĂŒrlich habe ich wieder allerhand angezogen. Gegen kalte FĂŒĂŸe habe ich jetzt einfach mal meine Hot-Socks (Neoprensocken) ĂŒber die Socken angezogen. Mal sehen wie sich das bewĂ€hrt.

Mesa Verde und ein unerwartetes Wiedersehen

Heute ging es weg aus Moab, dem nördlichsten Punkt meiner Reise. Den Canyonlands Nationalpark habe ich mir nicht mehr angeschaut, dafĂŒr habe ich mich entschieden die Strecke bis an den Grand Canyon etwas mehr zu stĂŒckeln, anstelle das wieder in einem Rutsch runter zu schrubben – so toll sind die Landstraßen mit ihrem Tempolimit hier denn doch nicht – Interstates sind hier in Nord-SĂŒd-Richtung leider sehr spĂ€rlich gesĂ€t. Als Zwischenziel habe ich mir Mesa Verde ausgesucht, ein Nationalpark der anderen Sorte: Dort haben bis ca. 1300 Ureinwohner in verschiedenen Bereichen gelebt, zum Teil auf dem Hochplateau, aber wesentlich interessanter sind die erhaltenen SteinhĂ€user in den HĂ€ngen. Dort haben die FelsvorsprĂŒnge effektiv genutzt um sich vor Wind und Wetter besser zu schĂŒtzen.

Die rund zwei Stunden Fahrt waren recht kurzweilig Nachdem ich mal einen passenden Sender gefunden hatte. Die Strecke an sich war nichts besonders, halt das Übliche: HĂŒgel rauf und HĂŒgel runter. Dumm nur dass die meisten Ammis mit bergab so ihre Probleme haben und immer mal wieder aprupt auf der Bremse stehen, tja mit Semi-Automaitk ist man halt fein raus, runterschalten und gegen den Motor laufen lassen. Wenn man dann in der Kurve noch ein wenig Gas geben kann macht es sogar richtig Freude. leider steht bis dahin der Vordermann meist schon wieder voll in den Eisen. Fahrkultut tut hier irgendwie zwingend Not… Ein kleines Highlight gab es denn noch: Ich kann der Liste der besuchten Staaten noch einen weiteren hinzufĂŒgen, denn Mesa Verde liegt schon in Colorado.

Am Eingang zu Mesa Verde gab es dann eine Überaschung: Im Auto hinter mir kam Michelle, die auhc bei Fraunhofer arbeitet, mit ihrem Ehemann angefahren. Da ich zu bezahlen aussteigen musste (habe ja keinen LKW oder Pickup) hat sie mich erkannt. Die Welt ist doch wirklich klein. FĂŒr den Rest des Tages haben wir uns dann zusammengeschlossen. Ich wollte noch im Hostel anrufen um mein Zimme rzu reservieren, da hieß es dann aber: Wart mal, wir haben hier im Park ein Zimmer mit 2 Doppelbetten gebucht. Mach nicht lang rum, spar das Geld und ĂŒbernachte einfach dort, und zier dich nicht so, es ist eh schon bezahlt und geht nach Zimmer und nicht nach Personenzahl. Das war eine ziemlich deutliche Ansage, also habe ich nicht mehr im Hostel angerufen.

Im Visitor Center muss man sich fĂŒr einige Touren und Besichtigungen anmelden, die gibt es nur mit FĂŒhrung durch einen Ranger. Wir haben uns fĂŒr das Balcony House und die Twilight-Spezial-FĂŒhrung am Cliff Palace entschieden. Die findet in Originalbekleidung statt. Ich habe diesmal wenigstens meinen Anteil selbst bezahlen dĂŒrfen, einladen: keine Chance.

Die FĂŒhrung am Balcony House war echt aufschlussreich, was die Lebensweise in den Hangwohnungen und der Umgebung betrifft. der Zugang ist schon kurios: eine lange Leiter nach oben und durch eine Felspalte, dann steht man mitten in dem kleinen Dorf, das man von oben dort nie vermutet hĂ€tte. Ich bin die Leiter natĂŒrlich absolut routiniert nach oben – im Passgang – so wie man es mal gelernt hat. Der Ausgang fĂŒhrt durch einen Tunnel, der eine Diagonale von rund 1,5m hat. spĂ€testens da kam ich mir dann doch sehr ans Atemschutztraining im kĂ€fig erinnert vor..

Bis zur DĂ€mmerung war es noch etwas hin und wir sind ans Museum und das frei zugĂ€angliche Spruce Tree House gefahren. Da Michelles Ehemann, Dave, nicht zu den fittesten gehört haben wir uns aufgeteilt: ich habe mich fĂŒr den Petroglyph-Trail entlang des Canyons entschieden – rund 4km eingestuft als „moderate“ – fĂŒr mich mittlerweile echt einfach, selbst die Luft in der Höhe des Palteaus von rund 2500m macht mir nicht mehr viel aus. Sehr schln gemacht, mit einem kleinen TrailfĂŒhrer und diversen Stationen entlang des Wegs die jeweils etwas ĂŒber die Natur erlĂ€utern. Mir hat es sogar noch fĂŒr einen kurzen Abstecher ins Museum gereicht, auch das ist recht gut gemacht, mit allerhand Infos zum Überleben und diversen Techniken der Ureinwohner.

Die Twilight Tour hat sich absolut gelohnt, erzĂ€hlt aus der Sicht eines Entdeckers, der eigentlich Farmer auf dem Plateau war, Mitte 1800 bis kurz nach 1900. Schon erstaunlich wie gut sich das gehalten hat in dem trockenen Klima. Inklusive einiger mumifizierter Menschen, die hatten einfach nicht genĂŒgend Feuchtigkeit um zu verotten. Eine andere Sorte Bewohner hat sich die Technik der Ureinwohner abgeschaut und nutzt die Felspalten oberhalb des Cliff Palace intensiv. Sehr zum Leidwesen der Ranger finden die Schwalben die Spalten nĂ€mlich richtig gut. Mit der entsprechenden Sauerei am Boden. Im Cliff Palce sind auch einige KultstĂ€tten (Kiwas) und Wandmalereien erhalten – sehr eindrucksvoll.

Den Abend haben wir im Restaurant der Lodge abgeschlossen, vergleichsweise edel, ich kam mir schon ein wenig deplaziert vor, immerhin hatte ich anstĂ€ndige Jeans und ein besseres T-Shirt an. Aber alles halb so wild, einige andere GĂ€ste saßen auch mit Wanderhosen und Wanderschuhen da, hauptsache oberhalb der Tischkante stimmt es halbwegs. Ich habe mich fĂŒr den Shephaerds Pie mit Bsion entschieden, zur Feier des Tages. Zwar etwas teuerer aber man kann sich ja auch mal was gönnen. Eigentlich wollte ich ja selbst bezahlen, auch das leckere Dessert aus einer Art Lebkuchen (kein Vergleich mit denen aus NĂŒrnberg) und Eiscreme. Als dann die Rechnung kam, ist sie aber erst gar nicht bis zu mir durchgedrungen, Dave hat kurzerhand die Kreditkarte gezĂŒckt und gezahlt – Widerstand zwecklos…. Jetzt werde ich morgen wenn möglich wenigstens das FrĂŒhstĂŒck bezahlen – ist zwar nett gemeint aber ich komme mir doch etwas komisch vor.

Diesen Artikel habe ich zweimal schreiben mĂŒssen, mein Handy ist nicht wirklich ideal fĂŒr solche Arbeiten – und auf der kleinen Tastatur macht es auch nicht gerade Freude. Leider hat sich der Browser an dem Text scheints etwas verschluckt gehabt. Copy und Paste wĂ€re echt wĂŒnschenswert, aber angesichts der verbleibenden Zeit von nur noch 5 Tagen bis zum Heimflug werde ich das jetzt auch noch so hinbekommen.

Arches Teil II

Gestern abend bin ich mit den drei Schweizern aus meinem Zimmer noch in die örtliche Brauerei gegangen – eine der vielen Micro-Breweries hier – deutlich besser als das was man sonst hier so als Bier verkauft bekommt. Meistens haben die auch gleich noch eine ziemlich umwerfende Anzahl an Sorten zur Auswahl. Wir haben daher dreimal einen Pitcher bestellt, der reicht jeweils fĂŒr 4 GlĂ€ser – jedesmal eine andere Sorte.
Angefangen haben wir mit dem Lizard Ale – leicht und richtig angenehm sĂŒffig. NĂ€chster Kandidat war das Porcupine Pilsener – auch nicht schlecht, halt ein Pils. Das letzte war dann ein leichter Schock fĂŒr die Geschmacksnerven: Dead Horse Ale – und der erste Schluck schmeckte auch ungefĂ€hr so. Aber im Prinzip auch nicht verkehrt wenn man sich mal dran gewöhnt hatte. Was mich etwas wunderte – die klappen hier um kurz nach elf schon die Bordsteine hoch. Wir haben unsere dritte Runde Pool aber noch zu Ende spielen können.
Musste aber feststellen: Das ist einfach nicht mein Spiel.

Heute frĂŒh habe ich mich dann wieder auf den Weg in den Arches National Park gemacht um mir den Rest von Devils Garden angeschaut – diesmal den etwas abgelegeneren und anstrengenderen Trail der mit dem Hauptrudelweg eine Schleife bildet. Hat sich aber gelohnt, richt schön und man sieht halt auch Dinge die man sonst so wahrscheinlich nicht gesehen hĂ€tte – inklusive einer kleinen Schlange (ca. 40 cm lang) – leider ist die so schnell wieder im Unterholz verschwunden, dass es nicht mal fĂŒr ein Bild gereicht hat.
Das Ende des Trails ist ein freistehender Felsblock, der sich Dark Angel nennt, weil er eine schwarze OberflĂ€che mit diversen AusbrĂŒchen hat. Ganz nett mal dort gewesen zu sein. Dann natĂŒrlich noch der der Double O Arch, das sind 2 Arches ĂŒbereinander sehr schön.
Auf dem RĂŒckweg ist mir diesmal dann erst so richtig das TrĂŒmmerfeld neben dem Weg aufgefallen – das ist der „once upon a time arch“ (es war einmal Arch) – frĂŒher nannte man den mal Wall-Arch. Martin hat glaube ich noch Bilder davon wie er mal aussah.

NĂ€chstes Ziel war das Wahrzeichen Utahs – der Delicate Arch – den findet man hier auch als Emblem auf den Auto-Kennzeichen. Da er am besten bei Sonnenuntergang sein soll, bin ich dort nachmittags rauf – wie geplant inklusive Stativ – zwar eine ziemliche Plackerei die 150 m Höhenunterschied, aber das lohnt sich wirklich. Da ich etwas zu frĂŒh drann war habe ich mir auch noch was zu Essen mitgenommen und dort oben dann erst mal Picknick gemacht und mir in aller Ruhe den Arch angeschaut. Ich konnte mir meinen Platz fĂŒrs Stativ noch frei aussuchen, als es dann gegen kurz nach sieben langsam auf den Sonnenuntergang zu ging, war das nicht mehr möglich – der ganze Rand um den Arch rum war mit Touristen und Fotografen vollgepflastert. Sogar jemand der sich die MĂŒhe gemacht hat und Bilder auf Film in 6×6 aufgenommen hat – schon lustig zu beobachten.

Auf dem Heimweg noch Tanken – Utah ist da etwas komisch, hier gibt es noch billigeren Sprit als sonstwo – nicht mal die ĂŒblichen 87 Oktan, sondern nur 85 Oktan – das mag der Jetta aber nicht – fĂŒr amerikanische VerhĂ€ltnisse sind die 3 US$ pro Gallone schon reichlich teuer, fĂŒr mich als EuropĂ€er ist das immer noch ertrĂ€glich, auch wenn der Jetta doch einiges wegschluckt – die Verwendung der Klimaanlage gestern im Park, zusammen mit den kurzen Strecken zwischen den Aussichtspunkten hat sich da negativ bemerkbar gemacht. Nach dem Abendessen bin ich nochmal in die Brauerei gelaufen und habe mir noch zwei weitere Sorten Bier angetan – ein leckeres Hefeweizen und ein dunkles Bier, das dezent an Guiness erinnert.

Ich habe jetzt gerade mal meine Planungen fĂŒr die letzten Tage hier etwas aktualisiert, da ich noch Zeit habe, werde ich morgen nach Mesa Verde fahren, das sind ein paar antike Ruinen der Ureinwohner – kein großer Nationalpark, aber es es eine gute Zwischenstation auf dem Weg an den Grand Canyon (SĂŒdseite), denn nochmal will ich die ganze Strecke nicht en block fahren.

Mal sehen wie ich das mit der Strecke vom Grand Canyon bis nach LA mache – das ist auch nochmal ein richtig langes StĂŒck und irgend ein Zwischenstopp wĂ€re interessant – aber wenn sich nichts findet werde ich das halt auch durchfahren, ggf. auch wieder durch die Nacht, da ist das Fahren hier weniger stressig.

Arches National Park

Nachdem der Vormittag ja fĂŒr organisatorisches draufgegangen ist habe ich mich gegen Mittag in Richtung Arches aufgemacht. Wie ich feststellen musste habe ich den Schweizer aus Vegas wieder getroffen. Damit die Sache gĂŒnstiger und nicht so langweilig wird haben wir uns zusammen getan.

Der Eintritt ist mit 10US$ vergleichsweise gĂŒnstig. Bis man an die ersten Bögen kommt hat man schon einige andere Formationen und Ausblicke abgeklappert.

Ein erstes Highlight ist dann der balances Rock. Ein recht wuchtiger Felsbrocken von der GrĂ¶ĂŸe eines Einfamlienhauses ruht auf einen kleinen Sockel – irgendwann wird er runter fallen, nur weiß man halt nicht genau wann. Wird sicherlich eine tolle Schlagzeile fĂŒr die lokale Presse. Wahrscheinlich wird dann auch ermittelt wer hinter diesem Anschlag auf die USA steckt…

Die ersten Arches sind dann auch richtig interessant, sie sind nach ihrem Erscheinugsbild „Windows“ getauft, passenderweise hatten wir heute auch ein paar Wolken – so sieht also die zukĂŒnftige Generation von Betriebssystemen aus – halt aus „red rock“ statt Redmond. Die AbstĂŒrze sind dafĂŒr auch seltener, dafĂŒr um so heftiger.

Das Wahrzeichen Utahs haben wir nur aus der Ferne gesehen, der Delicate Arch. Wir sind dann weiter in Devils Garden, einer ganzen Sammlung bizarrer Formen, die der Wind aus dem Gestein geschliffen hat. da es langsam auch dunkel wurde sind wir nur an den Skyline Arch, den Navajo Arch und den Partiton Arch gekommen und dann umgekehrt. Die Angabe mit 6 Stunden fĂŒr den Park taugt keinen Schuss Pulver, wenn man ein wenig mehr sehen will als nur die Aussichtspunkte entlang der Straße. Ich habe daher beschlossen einen Tag lĂ€nger in Moab zu bleiben und morgen frĂŒh die Wanderung zu den anderen Arches und durch das Hinterland zu machen und gegen Nachmittag werde ich mich in Richtung des Delicate Arch aufmachen, der soll bei Sonnenuntergang besonders schön sein. Heißt aber auf alle FĂ€lle Stativ mitschleifen, denn auch bei Dunkelheit und Sternenhimmel soll der Park reizvoll sein. Heute wĂ€re es sowieso nicht so toll geworden, der Himmel hat sich gegen Abend nĂ€mlich zugezogen, mal sehen was das morgen gibt.

Als Abendessen stand mal was gesundes auf dem Programm nach all den Tagen mit Bagels und Fertigsuppen. Maiskolben sind schon praktisch: GĂŒnstig, einfach in der Zubereitung und vor allem lecker. Die HostelkĂŒche ist etwas gewöhnungsbedĂŒrftig, aber auch nicht viel schlimmer als unsere WG-KĂŒche in College Park. Damit kann ich angesichts des Preises von nur 9US$ echt leben, das ist gĂŒnstiger als mancher Campingplatz hier und deutlich mehr Komfort als selbiger.

Es ist jetzt noch weniger als eine Woche bis ich im Flieger nach Hause sitze. Ich freu mich schon drauf, auch wenn es hier noch so viel zu entdecken gÀbe.

Grand Canyon – Nordseite

Die Nacht auf dem Zeltplatz war verdammt kalt, um nicht zu sagen Popo-kalt im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei hatte ich nun wirklich alles angezogen was irgendwie wĂ€rmt. Noch ein Grund sich abends einen besser ausgestatteten Campingplatz zu suchen. Denn auch telefonisch sah es gerade ĂŒbel aus – T-Mobile kann man hier im Hinterland echt vergessen – kein Empfang. Von daher wĂ€re mir jede Möglichkeit recht gewesen um die GemĂŒter daheim etwas zu beruhigen, ist ja nicht normal, dass ich mehr als 3 Tage nichts von mir hören lasse.
Immerhin konnte ich auf dem Handy ja die Blog-EintrĂ€ge schon vorbereiten. Ist aber doch reichlich mĂŒhsam auf der Tastatur.

Halb angefroren habe ich dann um kurz nach sechs Ortstzeit mein Zelt zusammen gepackt und das ĂŒbliche FrĂŒhstĂŒck der Champions gefuttert: Toastbrot, Marmelade und Erdnussbutter. Vieles andere verbietet sich von selbst, denn ich habe ja keine Möglichkeit die Sachen zu kĂŒhlen.
Die letzten 40 Meilen haben sich gewaltig hingezogen – mitten durchs Nirgendwo – aber immerhin abwechselungsreich und grĂŒn. Die Temperatur ist sogar noch etwas gefallen, der Bordcomputer meinte irgendwann 0°C und piepte mal wieder so von wegen: „Es könnte glatt sein“. HĂ€tte ich so nicht erwartet. Point Imperial war der erste Aussichtspunkt den ich angesteuert habe. Die Strecken sind immer noch verdammt lang – ein weiterer Aussichtspunkt sind nochmal 25 km mehr, dass habe ich dann sein gelassen. Stattdessen auf in Richtung Visitor Center. Das ist wirklich alles sehr ĂŒberschaubar hier auf der Nordseite. Der Angelsviewpoint ist recht interessant, und auch ein Blick in die Lodge ist echt beeindruckend. Die Preise leider auch. Definitiv nichts fĂŒr den studentischen Geldbeutel mit Preisen ab ca. 80 US$/Nacht. Auch was Essen scheidet aus – die Preise sind einfach nur noch unverschĂ€mt.

Im Norden gibt es nur einen Trail, den North Kaibab-Trail. Das war ursprĂŒnglich mal ein Indianer Pfad in den Canyon, den eine Erkundungsmission dann verwendet hat, weil sie im Norden vom Schnee ĂŒberrascht wurden – angesichts der Temperaturen kann ich mir das lebhaft vorstellen.
Der Trail hat es dafĂŒr ziemlich in sich, mehrere Warnungen sich gut auszurĂŒsten und vorzubereiten – inklusive jeder Menge Wasser und auch Verpflegung. Definitiv abgeraten wird von der Idee an einem Tag bis ins Tal und wieder rauf zu wandern – das sind zwar nur 12km einfache Strecke, allerdings hat das Ding denn auch an die 3000 Höhenmeter in einer Richtung. Die meisten Touristen kommen nur an den Tunnel und kehren dann um, ich habe mir den nĂ€chsten wichtigen Punkt rausgesucht, die Roaring Springs. Am Grand Canyon ist es ja etwas verkehrte Welt, was Wandern und Klettern betrifft. Sonst ist es am Anfang anstregend und geht bergauf, hier geht es erst mal nur bergab, und dann wieder hoch. Es wird empfohlen im VerhĂ€ltnis 1:2 zu planen: Doppelte Zeit um wieder rauszukommen. Ich war schon etwas spĂ€t dran, empfohlen wird, den Trail morgens gegen 7:00h zu beginnen. Bei mir war es schon 9:30h – geschĂ€tzte Zeit laut Trailplan: um die 7h – also immer noch passend vor Sonnenuntergang.

Der erste Abschnitt des Trails wird auch von gefĂŒhrten Maultier-Touren genutzt. Auf die muss man ein wenig achtgeben. Vor allem aber ist der Untergrund total sandig und laufend muss man aufpassen, dass man nicht in einen Haufen biologischen DĂŒngers tritt. Nicht gerade eine tolle Sache – ich weiß warum man in Deutschland separate Wege fĂŒr Huftiere eingefĂŒhrt hat. Der Ausblick entlang des Trails ist aber einfach gigantisch – man bekommt einen Einblick den man sonst nicht haben wĂŒrde. Der Weg ist abwechslungsreich – immer wieder sonnige und schattige Passagen. Das ist bei den Außentemperaturen nicht zu unterschĂ€tzen und ich machte mir schon Gedanken wie das bergan wohl werden wĂŒrde.

Schneller als gedacht stand ich dann auch vor dem kleinen Tunnel der unter einen Felsvorsprung vorbei fĂŒhrt. Zumindest heute war fĂŒr den Bereich keine Maultiergruppe angesetzt, und der Weg wurde insgesamt besser, weniger feiner Sand, sondern eher Schotter – von der Höhe her hatte ich etwas weniger als die HĂ€lfte zurĂŒck gelegt. Bis zu den Quellen waren es aber noch 3 Meilen. Der Pfad schlĂ€ngelt sich in reichlich engen Serpentinen den Hang runter und ist immer noch ordentlich steil.
NĂ€chstes Zwischenziel: eine BrĂŒcke ĂŒber den Teil des Canyons, praktischerweise lĂ€uft man dann auf der Westseite am Berg entlang und hat daher wenigstens etwas mehr Schatten. In einer weitlĂ€ufigen Innenkurve habe ich dann nochmal Pause gemacht und den Sand, der sich in meinen Schuhen angesammelt hatte wieder entfernt – meine Laufschuhe sehen aus wie Hund – ich bin fast am Überlegen mir einen Satz neue zu kaufen, wenn ich wieder in Deutschland bin und die Laufschuhe fĂŒr den RĂŒckflug anzuziehen.
Bis man dann endlich an den Quellen ist, zieht sich der Trail schie endlos durch die wunderschöne Landschaft – man kann auf der gegenĂŒberliegenden Seite die verschiedenen Sedimentschichten und Erosionsprozesse nachvollziehen, die hier vor Jahrmillionen stattgefunden haben. Einfach unglaublich – das in Bilder zu packen ist fast schon unmöglich, man sollte es einfach selbst erleben.
Zwischenzeitlich wird der Pfad deutlich flacher, was echt angenehm ist, und der Muskulatur eine kleine Erhohlung ermöglicht. Irgendwann kamen dann auch die Quellen in Sichtweite – anfĂ€nglich dachte ich das sei schon der nĂ€chste Punkt, weil die Strecke so ewig weit aussieht. Aber es ist tatsĂ€chlich das Toiletten-HĂ€uschen, das man da unterhalb sieht. Dort habe ich dann erst mal ausgiebig Pause gemacht, Wasser aufgefĂŒllt und mir einen Bagel samt Apfel gegönnt. An den Quellen ist es angenehm schattig und kĂŒhl, das war der Trail vorher nicht mehr wirklich, teilweise in der direkten Sonnen und rechts und links ein paar Kakteen.

Nun ging es an den anstrengenden Teil der Übung: „What goes down must come up …“ Die Gallone Wasser auf dem RĂŒcken habe ich doch deutlich gemerkt, aber lieber zu viel Wasser dabei als zu wenig. Praktischerweise kann man sich, was die Höhe betrifft, im Canyon recht gut an den Sedimenten orientieren – unten ist es eher gelblich grauer Sandstein, in der Mitte ist er vornehmlich rot in allen möglichen Schattierungen, und im oberen Bereich ist es eher weißlich bis grĂ€ulich. Die untere Sektion ist zudem nur teilweise Sandstein, ein anderer Teil ist ehre Granit oder Gneis, das merkt man auch beim Laufen, es knirscht etwas anders.
Die rote Zone ist eine der anstrengendsten. Es geht kontinuierlich wieder bergauf – mit verdammt wenig Schatten. Etwas frustrierend ist der Blick in die Ferne – man sieht Formationen und weiß genau: An der musst du vorbei kommen, und die ist noch weit weg und vor allem ein gutes StĂŒck oberhalb. Fast automatisch schaltet man in den Langstrecken-Modus den ich seit der Ulmer Laufnacht kenne, einfach einen Fuß vor den anderen setzen. Damit man nicht austrockent fĂ€ngt man mit lustigen Trinkspielchen an: Jede Kurve mit mehr als 90° heißt einen Schluck Wasser – insebsondere an den Serpentinen trinkt man so doch ganz ordentlich was. An der gleichen Stelle wie am Weg nach unten habe ich nochmal eine Pause im Schatten gemacht – einen Apfel und die Flasche am Gurt wieder auffĂŒllen. Irgendwie war ich doch ziemlich zĂŒgig unterwegs – hĂ€tte ich so nicht erwartet. Aber die Kondition ist halt einfach da – und die Beinmuskulatur ist ja einges gewohnt. Andere Wanderer haben gemeint, sie hĂ€tten zwischenzeitlich etwas Probleme mit der Muskulatur gehabt – ich nicht. Laufen ist doch der richtige Basis-Sport.

Bis zum Tunnel sind es die wirklich anstregendsten Sepertinen, stĂ€ndig bergauf mit großen Stufen die teilweise ordentlich ausgewaschen sind. Am Tunnel habe ich dann nochmal Pause gemacht, Bagels, Apfel und jede Menge Wasser. Nach zehn Minuten ging es dann an den letzten Abschnitt des Aufstiegs. Der hat zwar auch nochmal ordentlich Höhenmeter, allerdings ist er zusĂ€tzlich schwerer durch den losen Sand man lĂ€uft fast wie am Strand – auf Dauer nervt das einfach nur.

Reichlich fertig bin ich dann am Auto angekommen. Ein tolles GefĂŒhl. Erst mal frisches T-Shirt und frische Socken, den Rest zum Trocken ans Auto gehĂ€ngt. Zeit sich ĂŒber den weiteren Verlauf des Trips Gedanken zum machen. Da ich noch immer keinen Empfang hatte, habe ich kurzerhand das MĂŒnz-Telefon am Visitor-Center in Anspruch genommen und in Moab-Hostel in der NĂ€he des National Arches Park angerufen um ein Zimmer zu reservieren.
Ich hatte ja nicht geahnt wie weit das noch zu fahren ist – rund 400 Meilen … Damit ich noch vor Rezeptionsschluss dort aufschlage habe ich mich gleich auf den Weg gemacht. Die Landstraßen hier ziehen sich ewig wie Kaugummi – allerdings hat man auch noch wunderschöne Landschaften im Abendlicht – teilweise wie aus dem Bilderbuch oder der Tabak-Werbung in Deutschland – einfach nur Wahnsinn. Anstrengend wird es irgendwann aber doch – denn die Straße nimmt scheints wirklich kein Ende. Einen Berg hoch und wieder runter, und dann kommt auch bald der nĂ€chste. Die Abzweigungen hier sind auch wie aus den schlechten USA-Filmen – Mitten im Nirgendwo treffen sich zwei Straßen. Um so besser, dass ich das Navi habe, das hilft gerade Nachts. Auch in einer anderen Hinsicht ist es praktisch: Man weiß schon vorab welche Kurve da als nĂ€chstes lauert, denn hier hĂ€lt sich kaum jemand penibel ans Speedlimit – 10 Meilen mehr sind normal gelegentlich auch mehr – vor allem Nachts kontrolliert hier wohl auf den Seitentraßen keiner.

Ich habe es just-in-time ins Hostel gepackt – 10 Minuten vor 11 war ich dort. Richtig angenehm wieder im Bett zu schlafen und nicht zu frieren. Außerdem eine Dusche, Steckdosen und Internet-VerfĂŒgbarkeit.
Ich habe jetzt erst mal ausgeschlafen und das ganze organisatorische Geraffel fĂŒr die nĂ€chsten Tage erledigt. Unter anderem mal wieder etwas Ordnung im Auto gemacht. Bevor ich abfliege muss ich definitv nochmal neu packen, damit alles in den Koffer passt. Derzeit ein einziges Chaos.
Jetzt werde ich aber mal den Arches Nationalpark besuchen.

Angles Landing und Emerald Pools

Wie ich befĂŒrchtet hatte war die Nacht doch reichlich frisch. Insgesamt bin ich mit dem Fleece-Schlafsack aber echt zufrieden, wenn man noch was dickeres anzieht ist es ausreichend warm. Das Auto-Thermometer erzĂ€hlte mir denn heute frĂŒh auch was von um die 14 Grad Celcius.

Hat aber auch einen positiven Aspekt – man ist frĂŒh wach, einfach weil es zu frisch ist. DafĂŒr ist man dann unter den ersten im Park. Das vereinfacht die Parkplatzsuche doch ganz erheblich. Ich habe die freie Auswahl am Museum gehabt. Geplant hatte ich auf alle FĂ€lle mal Angels Landing und weil es sich gut verbinden lĂ€sst auch die Emerald Pools. Der Anstieg auf Angels Landing ist recht knackig, aber bis ca. eine Meile vor dem Ziel ist der Pfad schon fast highway-mĂ€ĂŸig ausgebaut. Fast durchgehend betoniert. Da kommt man dann auch recht zĂŒgig an den Scout-Point. Der Ausblick ist einfach wunderschön, stĂ€ndig neue EindrĂŒcke, die man mit der Kamera nur schwerlich gut wiedergeben kann. Ab dem Scout Point wird es dann richtig interessant, der Pfad schlĂ€ngelt sich ĂŒber den Grat und eine Senke des selbigen. Trittsicherheit absolut erforderlich, denn rechts und links geht es steil bergab bis runter ins Tal. An den etwas schwierigen Passagen gibt es dann auch Ketten zum Festhalten. SpĂ€testens an den Stellen war ich froh mein Stativ wieder im Auto gelassen zu haben, damit hĂ€tte ich echt verloren gehabt. FĂŒr die ganze Meile bis auf den Gipfel braucht man etwa 45 Minuten.
Der Blick nach allen Seiten entschĂ€digt dann aber doch fĂŒr jegliche MĂŒhen. Auf dem RĂŒckweg, kurz vor Scout-Point hat sich das Mitschleifen des Teleobjektivs dann doch noch bezahlt gemacht: Ein Condor, auf deutsch etwas in der Geierfamilie hat sich auf einem Baum niedergelassen. Man muss echt GlĂŒck haben die Tiere so nah zu sehen. Beim weiteren Abstieg kam er dann noch vorbeigeflogen und entschwand auf die andere Seite des Grats, da der nicht sonderlich hoch war, bin ich ihn hochgeklettert um noch ein paar Bilder im Flug zu erhaschen. Um so grĂ¶ĂŸer war dann die Überraschung, als der Condor eine Schleife fliegt und auf den Grat zuhĂ€lt, allerdings etwas tief um darĂŒber zu fliegen. Kurze Zeit hab ich ihn nicht gesehen, und mit einemal hockte er keine zwei Meter vor meiner Nase. Noch mehr Fotos… Zumal er ja dann auch noch angefangne hat sich in diversen Posen zu zeigen. Damit hatte sich der zusĂ€tzliche Tag in Zion echt gelohnt. Da der Weg nach unten ja so wunderbar ausgebaut ist, habe ich noch eine Jogging-Runde eingelegt. Wenn ich auch kein normales Lauftraining derzeit mache, die Muskulatur wird dennoch richtig gut belastet hier.

Nach einen Zwischenstopp am Wasserspender, hier wird man dazu aufgefordert seine Flasche mehrfach zu verwenden – dafĂŒr gibts frisches und geprĂŒft unbedenkliches Quellwasser kostenlos, ging es weiter in Richtung Emerald Pools. Das war im Vergleich einfach nur Entspannung, bis auf den oberen der drei Pools, um dorthin zu kommen muss man nochmal ein gutes StĂŒck bergan steigen, und hinterher auch wieder runter. Insgesamt hatte ich mir mehr versprochen, und die Trails sind auch recht stark bevölkert mit Familien und wniger fitten Touristen. Das macht dann nicht mehr ganz soviel Spaß wenn man die anderen Ecken kennt.
Endstation war die Zion Lodge, ein recht großer Komplex mit Ferienwohnungen, Restaurant, Souveniershop und Co. Eine praktische Einrichtung haben sie allerdings: Einen Biergarten. Auch wenn das Weizen im Plastikbecher mit 16oz (ca. 0,35l) mit 5,25 US$ doch reichlich teuer ist. Aber nach der Tour musste dann doch ein Elektrolytausgleich her.
Abschluss war dann im Museum. Ganz gut gemacht, mit einem Film ĂŒber die Geschichte des Parks. Praktischerweise hatte es auch eine frei zugĂ€ngliche Steckdose, damit habe ich dann wenigstens das Handy wieder aufladen können.
Verlassen habe ich den Nationalpark durch den Ost-Zugang, eine Serpentinenstraße inklusive Tunnel. Derzeit wir die Straße dort gemeralsaniert, teilweise einspurige VerkehrsfĂŒhrung auf Schotterpiste. Aber alles halb so wild.

Als nĂ€chstes Ziel stand die Nordseite des Grand Canyon fest. Ich habe jetzt ca. 40 Meilen vom Park entfernt einen Campingplatz genommen, in der NĂ€he von Jacob Lake. Heute gab es denn auch was warmes zu Essen, nachdem ich meinen Kocher betankt hatte. Leider hat es hier nur Toiletten, sonst nichts, ich hoffe der Akku der Spiegelreflex und des Handys hĂ€lt morgen noch durch. Außerdem brauche ich endlich mal eine Dusche. Die Nacht soll ziemlich kalt werden, „hab ich doch schon 10 Pullis an – kann mich nimmer bewegen, seh fast aus wie Startenooor…“ wird schon irgendwie gehen.

Zion Nationalpark

Ab 7 gibt es FrĂŒhstĂŒck im Hostel, kurz nach sieben bin ich wach gewesen, Zeit ein letztes Mal hier im Hostel zu Duschen und sich frisch zu machen, ich hatte noch keinen festen Plan wo ich abends ĂŒbernachten wĂŒrde. Wenn das ein Campingplatz wie in Yosemite werden wĂŒrde, dann sind da wenig bis keinerlei Einrichtugen.

Bevor ich Las Vegas verlassen habe, hab ich mich noch am 99 Cent Shop mit Material eingedeckt. Einen Schwung Fertignudeln mit Geschmackspulver, noch zwei Dosen von dem Fertighackfleisch, Äpfel, Brot und Bagels. Mehr von dem was mir so vorschwebte gab es nicht, aber fĂŒr unter 7 Dollar ist man damit doch ganz gut fĂŒr die nĂ€chsten Tage gerĂŒstet, egal ob Hostel oder Zelt.

Der Highway I-15 zog sich bis kurz vor St. George ewig fast schurgerade hin, mit Tempomat und 130 km/h effektiver Geschwindigkeit aber doch halbwegs ertrĂ€glich. Vor St. George geht es dann im Zickzack durch die Berge – in Europa hĂ€tte man sich wohl fĂŒr einen Tunnel entschieden – aber immerhin Abwechslung beim Fahren. Die Halbautomatik macht da wieder richtig Freude.

Kurz nach dem Wechsel aus die Bundestraße UT-9 in Utah habe ich etwas tolles gesehen: Eine Laufveranstaltung mitten durch die WĂŒste entlang der Bundesstraße (andere Möglichkeiten gibts hier auch nicht) das isr das RRR – Red Rock Relay – werde mich im Netz mal informieren was das genau ist. Ich habe natĂŒrlich die LĂ€ufer angefeuert und mit Musik unterstĂŒtzt ich weiß doch wie gut das tut 😉
Zwischendrin noch ein Stopp bei Walmart, zusĂ€tzliche AusrĂŒstung einkaufen: Ein kleiner Topf, einen gĂŒnstigen Fleece-Schlafsack, Apfelsaft, Erdnussbutter und Marmelade.
Wie sich rausstellte geht das Rennen bis kurz vor den Nationalpark – begleitet habe ich es mehr als einen Marathon lang. Vor den LĂ€ufern habe ich echt respekt – Ultramarathons in Deutschland bei kĂŒhlen Temperaturen oder durch die Nacht sind eine Sache, aber bei Tag und mehr als 30 Grad Celcius ĂŒber die Berge hier in der WĂŒste ist nochmal was anderes – mal sehen wann ich es selbst in Angriff nehme – vor allem brauche ich dann ein Versorgungsteam – die LĂ€ufer hier hatten alle paar Meilen einen Care-Point stehen, an dem sie von ihrem Team mit Wasser, Essen und sonstigen Dingen versorgt wurden.

Zion ist einer der teureren Nationalparks: 25 US$ fĂŒr den Wochenpass. Erste Gedanken ob man vielleicht doch lĂ€nger dort bleiben sollte kommen auf. Dank dem Zeitzonenwechsel habe ich auch noch ne Stunde „verloren“ es war also schon kurz vor eins als ich angekommen bin. Am Visitor Center habe ich dann noch eine halbe Ewigkeit gekreist, bis ich endlich einen Parkplatz hatte. Wenn man hier ja anstĂ€ndig parken wĂŒrde hĂ€tten rund doppelt so viele Autos Platz. Ich habe mir dann eine freiwerdende LĂŒcke mit jemand anderem geteilt – wenn man den heimischen Parkplatz im Hinterhof gewohnt ist, dann ist das immer noch sehr „luftig“ Amerikaner in einer deutschen Tiefgarage – ein Alptraum!

Seit 2000 ist der Statepark nur noch mit Shuttles zu besichtigen, bis dahin war er auch als „Staupark“ bekannt, weil es zu wenig ParkplĂ€tze fĂŒr zu viele Besucher gab. Der Service ist richtig gut, und es gibt eine Menge zusĂ€tzlicher Infos die man so wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen hĂ€tte.
Der erste Halt war etwas arg touristisch, japanisch angehaucht. Aussteigen, HĂŒgel hoch, Foto machen, wieder runter und mit dem nĂ€chsten Shuttle weiter. Zion Lodge habe ich mir erst mal geschenkt, das ist einer der zentralen Knotenpunkte aller Trails. Am Weeping Rock bin ich dann losgezogen in den „hidden canyon“, den sieht man vom Tal aus nicht, er liegt ungefĂ€hr auf halber Höhe des Gipfels. Ein wenig anstrengend vom Anstieg her, aber zumindest der erste Teil ist als Wanderhighway ausgelegt und durchgĂ€ngig betoniert. Danach wirds interessanter: teilweise mit FĂŒhrungskette zum Festhalten. Ab dem Moment habe ich es auch nicht mehr bereut das Stativ im Auto gelassen zu haben. DafĂŒr hatte ich mir wieder meinen Trinkgurt umgeschnallt – sehr praktisch, auch wenn die 800 ml etwas knapp bemessen sind fĂŒr die Touren hier. Der Hidden Canyon ist ein Flussbett, das man fast beliebig weit hochlaufen kann. Ich hatte die falschen Schuhe an, meine Straßenschuhe fĂŒr den Alltagsgebrauch zeigen doch deutliche Auflösungserscheinungen – Profil: Fehlanzeige. Um dennoch weiter voran zu kommen habe ich mich auf eine jahrtausende alte Tradition der Indianer besonnen: Einfach Schuhe und Socken ausziehen. Auf dem Sandstein hat man damit richtig viel Grip und die Hornhaut rubbelt sich auch noch von selbst runter – richtig angenehm.
Als ich wieder im Tal war, bin ich dann auch noch an den Weeping Rock selbst hingelaufen. Das Prinzip dieser Wasserausstritte kannte ich aus der FĂŒhrung durch die NĂŒrnberger FelsengĂ€nge: wenn das Wasser durch den Sandstein sickert und eine undurchlĂ€ssige Schicht trifft, dann verteilt es sich horizontal, wenn der Stein dann zu Ende ist tritt es aus. Die NĂŒrnberger haben sich so mit Trinkwasser versorgt. Hier im trockenen HalbwĂŒstenklima sind diese Stellen kleine Oasen an denen es satt grĂŒnt. Die Pflanzen sind alle Spezialisten, denn sie mĂŒssen auch noch entlang der Vertikalen oder auch ĂŒber Kopf wachsen. Zudem mĂŒssen sie sich sicher im Stein verankern können.
Mit dem Shuttle gings weiter zu Big Bend, der großen Kurve des Virgin River. Von dort aus hat man einen guten Blick auf Angels Landing, einen der Gipfel der fast wie die Lorelei umflossen wird, nur wesentlich höher – rund 900m ragt er auf. Nachdem schon mehrfach wĂ€hrend der Tour fĂŒr den Wanderweg dort hoch geworben wurde, hat der Anblick sein ĂŒbriges getan: Ich werde einen Tag lĂ€nger in Zion bleiben und da morgen frĂŒh hochkraxeln. Kletter hats hier auch reichlich, Jens hĂ€tte wahrscheinlich seine wahre Freude hier, der Park ist eines der beliebtesten Ziele fĂŒr Kletter in den USA.
Zum Abschluss habe ich mir noch den Oberlauf des Canyons angeschaut, eine ganze Strecke lang ist der sogar behindertengerecht ausgebaut, danach beginnt ein sehr langer Trail, bei dem man regelmĂ€ĂŸig durchs Flussbett watet. Soll sehr interessant sein, wenn man sich oberhalb absetzen lĂ€sst und dann die 13 Meilen runter wandert, setzt aber auch eine gute WanderausrĂŒstung vorraus. Da ich die nun gerade nicht habe, bin ich nur die erste Querung durch den Fluss gewatet, barfus mal wieder – echtes Verwöhnprogramm fĂŒr meine FĂŒĂŸe. Bis an den Bus habe ich die Schuhe dann auch ausgelassen, einerseits zum Trocknen, andererseits weil es einfach ein tolles GefĂŒhl ist. Ich kann die Barfus-Marathonis echt verstehen.

FĂŒr die Nacht gab es nur noch eine Herausforderung: wo ĂŒbernachten, der erste Campingplatz den ich angesteuert habe war nur fĂŒr Wohnmobile, allerdings gab es einen guten Tipp: rund 10 Meilen sĂŒdlich des Parks gibt es einen Govermental Campground. Das ist nur ein ausgewiesenes Gebiet zum Campen im Zelt, ohne jegliche Einrichtungen, die Zufahrt ist etwas holprig und sandig – gut wenn man einen Pickup oder sonstiges in der Art hat, aber mit ein wenig Geschick geht das auch mit einem normalen Auto zu fahren. Insgeheim fĂŒhlte ich mich an so diverse Jugendzeltlager mit dem THW erinnert – mit einen passenden LKW wĂ€re das um so lustiger gewesen.