Marathon deutsche Weinstraße 2026

Es sind schon wieder zwei Jahre vergangen, regelmäßige Leser wissen bereits: in geraden Jahren ist Weinstraße, in ungeraden Jahren geht es nach Bamberg. Also dieses Jahr wieder einmal an die Weinstraße zum Marathonlauf. Immerhin habe ich mich bereits sehr frühzeitig angemeldet – selbst auf die Marathondistanz war die Veranstaltung dieses Mal frühzeitig ausgebucht.

Das Wetter ist für Läufer diesmal eigentlich optimal – rund 12 Grad hat es am Start. Es fühlt sich aber ob des Windes teilweise etwas frisch an, daher laufe ich mit Jacke. Die Logistik ist absolut vorbildlich, man merkt, dass es nicht die erste Durchführung ist. Mit dem Shuttle geht es zum Startbereich, dort noch flugs Startnummern und Präsent abholen und meine Tasche abgeben. Wir sind reichlich früh dran, daher habe ich noch etwas Zeit im Startblock. Dort treffe ich auf Dietmar, der seit längerem einmal wieder bei einem Marathon am Start ist. So fit wie er möchte ich im Alter echt bleiben – es muss ja nicht jeden Monat ein Marathon oder Ultra sein, wie ich das im letzten Jahr gemacht habe.

Pünktlich um 10 Uhr wird gestartet – es dauert etwas, bis sich das Feld in Bewegung setzt und in der engen Hauptstraße in Bockenheim dauert es dann auch noch etwas, bis sich alles sortiert hat – zwischenzeitlich witzeln wir, dass sich wohl erst der Läuferkorken aus der Marathonflasche lösen muss. Direkt am Ortsausgang geht es die erste Steigung hoch. Meine Pace pendelt sich bei etwas mehr als 5 min/km ein – das ist wesentlich flotter, als ich mir das vorgenommen hatte. Nach Asselheim rein geht es schön abwärts, diese sogenannte Asselheimer Wand geht es in rund 35km auch wieder hoch – einige Erstteilnehmer sind etwas erstaunt darüber, aber die Schilder an der Strecke sprechen eine eindeutige Sprache.

In Asselheim geht es bergan und an der ersten Versorgung vorbei – weiter geht es dann nach Grünstadt hinein – in der Fußgängerzone ist richtig Stimmung und auch schon wieder eine Versorgung – ich greife eine Portion Iso ab und versuche sie zu trinken. Dabei kippe ich mir die Hälfte ins Gesicht – Iso im Auge ist nicht so dolle. Aber aufhören oder langsamer machen ist auch keine Option. Zudem steht einige hundert Meter weiter meine Support-Crew an der Strecke. Nach der Fußgängerzone geht es wieder aus Grünstadt hinaus und nach der Autobahnunterquerung dann auch in die Weinberge. Natürlich gibt es dann auch wieder Höhenmeter. Da mir mittlerweile doch etwas warm ist, binde ich mir die Jacke um die Hüfte. Der Wind ist etwas frisch und vor allem fällt mir auf, dass wir ihn aktuell noch im Rücken haben.

In Kleinkarlbach ist eine wichtige Weiche: Marathonis nach rechts, Halbmarathonis nach links. Die Halbmarathonis dürfen noch eine kleine Extraschleife nach Kirchheim laufen, für die Marathonis geht es direkt in den Ort hinein. Direkt nach der Versorgung im Ortskern ist dann auch die endgültige Trennung der beiden Läufe. Aus dem Ort hinaus geht es verdammt steil nach oben, das kenne ich ja schon und bin daher mental darauf vorbereitet. Gehen will ich noch nicht, also beiße ich mich die Steigung hoch – der Blick auf die Pace zeigt: ja es geht gut berg hoch.

Die kommenden Ortsnamen tragen alle ein „am Berg“ im Namen – das ist auch im Wortsinn zu verstehen: ohne Steigung geht nichts. In Weisenheim gibt es nochmal etwas zu trinken – diesmal greife ich nur beim Wasser zu. Mit Leistadt erreichen wir dann auch den höchsten Punkt der Strecke. Der Ort zieht sich gefühlt etwas länger hin, als ich ihn in Erinnerung habe. Aber am Kreisverkehr schwenken wir dann auf die etwas längere Gefällestrecke ein. Mehrere Kilometer geht es bergab auf Bad Dürkheim zu. Ich mahne mich etwas zur Vorsicht, denn meine Geschwindigkeit liegt nun doch deutlich unter 5 min/km.

In Bad Dürkheim selbst geht es erst noch ein Stück entlang der Talstraße – ich muss ein wenig aufpassen, denn wir laufen direkt an einer Abzweigung zum Weinsteig vorbei – der würde auch nach Bockenheim führen, ist aber erst im Okotber wieder fällig – zudem wäre es nochmal deutlich länger und intensiver, was die Höhenmeter betrifft. Es geht dennoch etwas bergauf, bis wir an der Wechselstation in Bad Dürkheim sind, ich greife an der Versorgung zu – diesmal auch beim Riesling – allerdings ist der nicht ganz meine Geschmacksrichtung, er schmeckt sehr sauer und deutlich nach Traubenstrunk. Auf den nächsten flachen Kilometern bereue ich den Riesling ein wenig, denn er rumort im Magen. Auch jetzt heißt es wieder aufpassen, denn die Strecke ist identisch mit einem Teil der Rheintalquerung, wenn auch in umgekehrter Richtung – jetzt nicht aus Übermut noch eine Schleife nach Leutershausen anfügen.

Xiaomin, eine Teilnehmerin der Rheintalquerung überholt mich dann auch flotten Schrittes rund einen Kilometer später – ich versuche erst gar nicht, mich dranzuhängen. Die Strecke führt dann auch weg von der Umgehungstraße gen Ungstein – ab jetzt ist Schluss mit flach, die Stecke wird wieder deutlich anspruchsvoller. Ich kann mich erinnern, dass ich in Ungstein auch schon einmal die Steigung hochgegangen bin – diesmal klappt es laufend. In Kallstadt ist dann auch erst einmal eine Kuppe erreicht und es wird wieder etwas flacher. Ich greife an der Versorgung nochmal Wasser und Iso-Getränk ab. Der nächste Ort trägt wieder ein „am Berg“ im Namen – diesmal Herxheim – der Anstieg hat es auch wieder in sich – aber auch hier lasse ich diesmal nicht locker.

Fast schon entspannt und leicht abwärts geht es dann auf Dackenheim zu – an der dortigen Versorgung mache ich tatsächlich kurz halt – es gibt Obst und Schokolade und natürlich einen Schluck Riesling dazu, der ist deutlich schmackhafter – dennoch gehe ich kauend die nächsten hundert Meter und ziehe mir auch die Jacke wieder über – der Wind kommt von vorne und es fühlt sich doch etwas frisch an – zudem komme ich so ans Handy heran und kann der Supportmannschaft meine aktuelle Position mitteilen. Zudem weiß ich nun auch, wo ich sie erwarten kann: Gar nicht mehr weit – im nächsten Ort: Kirchheim und dort direkt unterhalb der Brücke der Umgehungsstraße.

In Kirchheim selbst ist nochmal richtig Stimmung, an der Versorgung steht eine Samba-Band und heizt nochmal richtig ein. Es folgen ein paar kleine Zick-Zacks durch den Ort in Richtung Umgehungsstraße – diese führt auf einer Brücke über das Tal – für die Läufer heißt es aber: einmal ins Tal und drüben auch wieder raus. Da ich diese Steigung ja gut kenne, laufe ich nur den ersten Anteil und gehe dann den Rest zügig nach oben – wie ich sehe die richtige Taktik, denn viele der verbissenen Läufer kommen nach dem Anstieg nicht mehr so recht in Schwung. Bald sind wir dann auch wieder auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg. Kilometer 34 liegt hinter mir, es sind also nur noch etwas mehr als acht zu bewältigen. Dabei fällt mir um so mehr auf, dass meine GPS-Messung von den Schildern doch etwas Abweichung hat – fast 300 vor den jeweiligen Schildern meldet die Uhr den Vollzug eines Kilometers. Aber klar: maßgeblich ist nur die offizielle Angabe.

An der Strecke in Grünstadt ist nicht mehr so viel los wie zu Beginn, aber es stehen immer noch Leute an der Strecke und feuern an oder feiern mit Nachbarn im Garten. Ich freue mich, als ich endlich in die Fußgängerzone einschwenke – es läuft sich langsam etwas zäh und ich mache auch an der dortigen Versorgung nochmal etwas langsamer. Bis nach Asselheim geht es nur wenig bergan, auch wenn die Strecke nicht gut für den Kopf ist: Die gut ausgebaute Straße zieht sich verdammt lang hin, bis man endlich an der Kuppe ist.

Ich nehme nochmal den Schwung mit, den man in Asselheim selbst aufsammeln kann. Am Ortsende ist dann auch die berühmt berüchtigte Asselheimer Wand erreicht – anfänglich jogge ich noch, schalte dann aber doch auf Gehen zurück – vor allem die Duo-Marathonis können hier nochmal gut überholen, klar, die haben auch nur knapp die Hälfte der Kilometer in den Beinen. Im Gehen treffe ich Simon, auch er geht die Steigung nach oben. Wie ich erfahre, hat auch er die letztjährige Ausführung des Weinsteigs mitgemacht – wir unterhalten uns ein wenig und deuten auf den Bergrücken – dort verläuft die Strecke. Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel ist dann auch der Anstieg geschafft und wir nehmen wieder Tempo auf. Ich kann tatsächlich nochmal die 5:30 min/km laufen, die ich anfänglich einmal eingeplant hatte.

Es geht bergab nach Bockenheim rein und am Friedhof steht dann auch die 41km-Marke. Ich pusche mich mit Simon stetig vorwärts in Richtung Ziel – auch wenn wir beide wissen, dass wir eigentlich keine Kraft mehr haben. Rund hundert Meter vor dem Ziel kann ich dann nochmal mehr Kräfte mobilisieren – vor allem weil ich die große Uhr im Blick habe – ich möchte unter 4h bleiben und es ergibt sich, dass es sogar für unter 3:55 reicht. Es reicht somit für Platz 230 gesamt, bei den Männern bin ich auf Platz 203 (das grämt ein wenig, zumal es weniger als 40 Sekunden getan hätten für einen Platz unter 200). In der Altersklasse erreiche ich Platz 36 von 91 gestarteten Teilnehmern, somit verfehle ich seit längerem einmal das vordere Drittel. Insgesamt sind 757 Marathonis ins Ziel gekommen.

Im Ziel bin ich total ausgepowert, gut, dass es ausreichend leckere Getränke gibt: Alkoholfreies Weizen, aber natürlich darf beim Weinstraßenlauf im Ziel auch ein Riesling-Schorle nicht fehlen. Insgesamt wieder ein sehr gut organisierter und schöner Lauf – die Strecke kenne ich ja hinlänglich. Mein Training war alles andere als präzise auf dieses Event ausgerichtet und das habe ich deutlich zu spüren bekommen, für die nächsten Wettkämpfe in diesem Jahr muss ich da wohl etwas fokussierter trainieren. Das gilt sowohl für den Streckenumfang, als auch für die Höhenmeter.

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