Nachdem wir am Tag der Anreise ja schon einen ersten Eindruck der Strände und auch der Radwege bekommen haben, geht es diesmal an die weitere Erkundung der Insel, insbesondere des Nordens. Vom Campingplatz aus können wir den markanten Leuchtturm an der Nordspitze bereits sehen, zum Hinradeln sind es nur wenige Minuten. Um den Turm herum gibt es einen herrlich angelegten Garten in Form einer Windrose. Da die Schlange recht lange ist und es immer nur in Gruppen nach oben geht, entscheiden wir uns kurzerhand, online zu buchen und am Abend nochmal wieder zu kommen.
Unser nächstes Ziel ist St. Denis, einer der größeren Orte. Bis dorthin sind es nur wenige Kilometer mit dem Rad. Es ist gerade noch Markt, als wir dort eintreffen. Wir nutzen die Chance und kaufen noch einige frische Dinge ein, unter anderem Oliven und frischen Fisch. Zudem gibt es Salz aus lokalen Quellen mit verschiedenen Gewürzen, auch hier decken wir uns ein. Was wir auf dem Markt nicht bekommen, finden wir dann im Supermarkt nebenan.
Da wir keine Kühlmöglichkeit haben, müssen wir die „bar de ligne“ bereits zum Mittagessen verarbeiten. Der Weg zum Campingplatz ist dann etwas abseits der Veloroute, deren Beschilderung ist noch ausbaufähig. Die Zubereitung halten wir bewusst einfach und grillen den Fisch. Wir müssen uns bei Gelegenheit einmal ein Kochbuch zum Thema Fisch zulegen (vorzugsweise natürlich mit Rezepten, die auch im Camping machbar sind, wobei wir ja schon gut ausgestattet unterwegs sind: Seit wir einmal den Luxus eines Schnellkochtopfs im Camping hatten, nehmen wir ihn regelmäßig mit – nur bei den Langstreckenradtouren habe ich das aus Gewichtsgründen bisher nicht gemacht).
Nachmittags geht es dann nochmal nach Saint Denis, diesmal aber an den Strand. Dieser liegt auf der ruhigen Seite der Insel, der Île de Ré zugewandt. Vom Strand aus können wir auch das bekannte Ford Boyard erkennen. Die Jungs haben Spaß beim Sandspielen (ja wir haben auch dieses Mal wieder Eimer und Schäufelchen dabei…). Ich kann mich dann auch einer etwas angestaubten Kulturtechnik widmen und tatsächlich ein Stück meiner Reiselektüre lesen. Ich bin es fast nicht mehr gewohnt,
tatsächlich ein Buch zu lesen, das meiste lese ich mittlerweile doch digital.
Das Zusammenräumen klappt mal wieder etwas leidlich. In der Folge ist die Fahrt mit dem Rad bis zum Leuchtturm dann doch (wieder einmal) etwas hektisch. Aber wir sind exakt pünktlich zur Besichtigung und gehen direkt durch zum Eingang. Danach gibt es immerhin ein wenig Sport für mich (nachdem ich die letzte Woche es nicht geschafft habe mein Lauftraining irgendwo unterzubringen): 224 Stufen geht es nach oben zur Aussichtsplatform. Der Ausblick auf die Umgebung ist gut und auch die Windrose am Fuß des Turms ist gut erkennbar. Auf dem Weg zum Ausgang nehmen wir auch noch das Museum im Turm mit. Dieses beschäftigt sich nicht nur mit dem Leuchtturm und dessen Technik, sondern auch den unterschiedlichen Methoden des „passiven“ Fischfangs (pêche à pied, wörtlich: Fischfang zu Fuß). Natürlich wird nicht nur Fisch gefangen, auf der Insel werden auch Austern gezüchtet – mehr als 50% der Austern in Frankreich kommen vom Oléron-Marennes-Becken.
Nach dem umfangreichen Mittagessen gibt es anschließend eher ein Abendbrot,
Auch den nächsten Tag lassen wir eher gemütlich angehen. Wir wollen diesmal ein wenig mehr Wellen am Strand haben, daher gehen wir wieder auf die Außenseite der Insel. Allerdings fahren wir diesmal mit dem Fahrrad etwas weiter als nur nach Les Huttes, sondern einen Ort weiter nach Domino. Die Radwege werden etwas besser, aber es geht auch ein gutes Stück direkt an der Straße entlang. Immerhin ist wenig Verkehr.
In Domino ist auch gerade wieder Markt. Das nutzen wir, um uns noch mit verschiedenen Dingen einzudecken, auch besorgen wir uns noch einige Mitbringsel und Getränke, es gibt auf der Insel Weinanbau und auch mehrere Brauereien. Damit sind wir für die kommenden Tage gerüstet, vielleicht finden wir auch noch die Zeit, die örtliche Winzergenossenschaft (vignerons d’Oléron) zu besuchen. Das ist aber definitiv ein Thema, wenn es weniger sonnig ist. Daher geht es weiter in Richtung Strand. Auf dem Weg gibt es noch einen Fahrradladen, dort ersetzen wir die gestern an Marions Rad verlorene Schraube, welche den Gepäcktrager fixiert – ein deutliches Zeichen für die Qualität der Wege.
Der Strand heißt nicht umsonst „la grande plage“ – er erstreckt sich über mehr als einen Kilometer. Man sieht hier auch deutlich, dass sich die Insel auf umweltfreundliche Verkehrsmittel ausrichtet: es sind ausreichend Fahrradstellplätze vorhanden und im Vergleich zum Auto kommt man deutlich näher an den Strand heran. Als wir eintreffen, ist die Ebbe gerade vorrüber und das Meer ist wieder im Steigen begriffen. Sehr zur Freude der Jungs, denn dann kann man jede Menge Sandburgen bauen und schauen, wann diese überflutet werden. Das Wasser ist frisch und es hat vergleichsweise hohe Wellen. Ein Teil der Höhe ist auf die Überreste des Hurrikans Erin zurück zu führen, dessen Tiefdruckgebiet und somit eine ordentliche Regenfront wird in den kommenden Tagen auch entlang der französischen Atlantikküste erwartet.
Nach einem schönen Tag am Strand fahren wir einen etwas längeren Weg zurück zum Campingplatz, etwas weiter durchs Inselinnere – in St. Georges machen wir noch einen kurzen Einkaufsstopp, während Marion den Supermarkt plündert gehe ich direkt gegenüber in die Kirche des Orts – diese ist in ihrem mittelalterlichen Ambiente erhalten geblieben, imposant sind vor allem die Deckengewölbe, welche aus Holz gefertigt sind – in gewisser Weise eine vertraute Bauweise, denn die verwendete Technik und Bauform ist die gleiche, wie die eines Schiffrumpfs.
Der weitere Rückweg führt uns durch eines der Naturschutzgebiete der Insel, dieses dient insbesondere Zugvögel als Rastplatz. Das Gelände ist ein typisches Marschland, feucht und mittlerweile durchzogen von Kanälen. Hier zeigt sich auch zum ersten Mal, dass man es mit dem Radverkehr auch ernst meinen kann, die Radwege sind gut anglegt und auch ordentlich befestigt und befahrbar – kein Vergleich zu dem, was man in der Nähe des Campingplatz als Radweg bezeichnet. Der weitere Heimweg erlaubt uns einen direkten Vergleich. Ich kann nur hoffen, dass in den kommenden Jahren der Ausbau des Netzes noch etwas voran getrieben wird. Die Nutzung ist mittlerweile schon sehr ordentlich, es sind viele Radfahrer und auch viele Famlien im Urlaub auf den Wegen unterwegs. Man darf gespannt sein, ob die Insel irgendwann für den Autoverkehr teilweise gesperrt wird. An einigen Stellen gibt es noch deutliches Potential, insbesondere einige Straßenquerungen sind immerhin markiert und mit Tempolimits belegt, aber richtig radfreundlich sind diese noch nicht.