Ein traditioneller Lauf im Jahr darf nicht fehlen, die Rheintalquerung ist für mich schon immer ein schönes Event gewesen zum Start in die Laufsaison. Auch wenn es Wettkämpfe gibt die noch etwas früher liegen – unter anderem wenn man in Angkor Wat oder auch in Rodgau am Start ist. Die Rheintalquerung ist von der Machart her einfach etwas ganz anderes, es geht nicht um neue Bestzeiten sondern um das gemeinsame Lauferlebnis direkt vor der Haustüre. Vor mehr als 20 Jahren fand die erste Rheintalquerung statt. Seitdem ist die Strecke nahezu unverändert geblieben – von Leutershausen an der Bergstraße geht es nach Bad Dürkheim an der Weinstraße.
Als kleine Veranstaltung mit etwas anderem Charakter ist auch das Startfeld sehr übersichtlich, in Leutershausen sind wir gerade fünf Personen die sich auf den Weg machen. Und trotz der Tatsache, dass der Lauf nun ja schon einige Jahre stattfindet gibt es etwas Neues: Wir haben zum ersten Mal eine internationale Teilnehmerin. Das Wetter ist entgegen der Vorhersage zum Start immerhin trocken, wenn auch feucht und kühl, aber insgesamt doch recht gute Bedingungen für einen Langstreckenlauf.
Einen ersten wichtigen Punkt erreichen wir in Heddesheim: Michael stößt zu uns, er ist die Strecke von daheim bis zu diesem Punkt natürlich gelaufen und wie er erzählt will er auch diesmal am Schluss noch etwas drauflegen und nicht den vollen Rückweg mit der Bahn fahren. Der Track schlängelt sich ein wenig an Heddesheim vorbei, dann geht es auch schon wieder ins Feld. Die Strecke ist mir in guter Erinnerung durch mein nicht realisierbare Teilnahme in Biel (die ich ein Jahr später nachholen durfte), damals haben wir als Gruppe eine letzte Trainingseinheit absolviert und wie damals hatte es ordentlich geregnet – an einigen Stellen müssen wir in den Acker ausweichen das der Weg überflutet ist. Aber alles kein Hexenwerk.
Nach dem „Altig-Buckel“ – einer Brücke über ein Landstraße bei Ilvesheim, geht es schnurgerade auf den ersten Verpflegungspunkt zu. Da meine Partnerin Marion in diesem Jahr krankheitsbedingt nicht fahren kann, ist Jutta dankenswerter Weise eingesprungen und bringt unsere Wechselkleidung ins Ziel und die Verpflegung an die Zwischenstationen. Auch stößt Ariane zu uns, sie will als langjährige Läuferin in meiner Trainingsgruppe einmal die Chance nutzen etwas länger als Halbmarathon zu laufen – da kommt die Rheintalquerung gerade recht.
Der Weg führt nun immer parallel am Neckar bzw. Neckar-Kanal entlang, insbesondere im ersten Abschnitt ist es weiterhin ein Slalom um die zahlreichen Pfützen. Ab der Schleuse in Feudenheim wird es besser – zusammen mit Tobias überlege ich ob wir doch einen DUV-Wettkampf aus der Rheintalquerung machen könnten, indem wir die Strecke des Herbstlaufs integrieren, das wären die fehlenden drei Kilometer zum Minimal-Ultra. In Mannheim geht es weg vom Neckar und entlang des Szene-Viertels Jungbusch zum nächsten Versorgungspunkt, direkt unterhalb der Brücke nach Ludwigshafen. Von Jutta erfahren wir, dass unsere beiden Frühstarter Anette und Michael nur wenige Minuten Vorsprung haben. Noch während wir einige Kohlenhydrate zuführen erhalten wir auch ein Foto vom Ortsschild „Ludwigshafen“ auf der Brücke von den beiden. Allerhöchste Zeit, dass wir uns auch wieder auf den Weg machen. Fast zeitgleich mit dem Loslaufen setzt leider auch leichter Regen ein. Aber auch für unsere Gruppe ist natürlich der Foto-Stop an der Orts- und Landesgrenze Pflicht.
Der folgende Abschnitt durch Ludwigshafen ist nicht unbedingt ein Hingucker und in der Frankenthaler Straße gibt es zudem eine Baustelle die uns zu einer leichten Streckenabweichung zwingt – so bekomme ich auch wieder einmal frische Eindrücke was sich rechts uns links der Strecke abspielt. Die Gruppe läuft auf Anette auf, wir unterhalten uns kurz, sie hat etwas Kniebeschwerden, will den Marathon aber dennoch zu Ende walken. Ihren Partner Michael hat sich voraus geschickt, damit ihm nicht kalt wird. Der Regen ist ein wenig stärker geworden, aber nichts was uns Sorgen machen müsste. Die schnurgerade Strecke bis Oggersheim hatte ich länger in Erinnerung als sie sich diesmal anfühlt, dennoch bin ich über die Abwechslung ab Zentrum Oggersheim froh. Als wir das Industriegebiet am Ortsende erreiche müssen wir ein wenig warten bis die Gruppe wieder beisammen ist. Allerdings hat der nachlaufende Teil auch Micheal im Gepäck, er hatte sich an der Endhaltestelle etwas im Weg vertan.
In Richtung Ruchheim laufen wir noch ein Stück gemeinsam, die Gruppe zieht sich danach etwas auseinander. Am nächsten Versorgungspukt wartet bereits Jutta wieder auf uns, wir lassen uns ein klein wenig Zeit – so kann sogar Michael noch direkt aufschließen und ein Stück Energieriegel vom Blech genießen. Bevor wir ganz auskühlen geht es weiter, entlang der Rhein-Haardtbahn und dann über die A61. In Maxdorf sind wir nur kurz an der Hauptstraße, schwenken dann aber recht bald auf eine parallele Straße dazu um, dort ist deutlich weniger Verkehr. Zudem bekommen wir ein untrügliches Zeichen, dass es um Mittag rum sein muss: Aus diversen Häusern wabern leckere Gerüche der pfälzer Küche. Maxdorf hält auch einen interessanten Rekord entlang der Strecke: Es ist das längste Dorf welches wir durchqueren – entsprechend zieht es sich ein wenig. Im Ortsteil Birkenheide sind dann immerhin wieder leichte Kurven in der Strecke und am Ortsausgang steht auch schon wieder das Versorgungsfahrzeug mit Jutta. Michael hat an Tempo zugelegt: Wir sind noch nicht ganz zum stehen gekommen, da trifft er auch schon ein.
Gemeinsam nehmen wir den letzten Abschnitt in Angriff – es geht nochmal eine lange Gerade übers Feld, angenehmer Weise lässt dabei auch der Regen nach. Am Ortsrand von Bad Dürkheim machen wir einen letzten Foto-Stop. Danach geht es entlang der Isenach in Richtung Zentrum. Ich erinnere mich daran, dass dieser Radweg bei meinen ersten Teilnahmen noch nicht existierte und wir damals noch direkt durch das Industriegebiet gelaufen sind, was sicherlich kein schöner Abschnitt war, mit dem Weg am Bach ist es natürlich wesentlich angenehmer. Für ein ganz kurzes Stück schwenken wir auf die Strecke des Weinstraßen-Marathons ein, bevor es auf direktem Wege in Richtung Saline geht. Die letzten Meter geht es dann entlang des Gradierwerks bis an die Weinstraße. Wieder einmal geschafft – sogar minimal mehr als die offzielle Marathonstrecke steht auf der GPS-Uhr, aber auf die paar Meter kommt es bei diesem Lauf ja nun auch nicht mehr an.
Für einen Teil der Teilnehmer geht es nach dem Zieleinlauf und einer kurzen Verpflegungspause zur Straßenbahn in Richtung Heimat. Ein kleiner Teil bleibt noch und nutzt das Angebot des Salinariums. Die Rheintalquerung lag genau richtig: letztes Jahr waren wir während der letzten Öffnungstage des alten Saunabereichs da und können dieses Jahr den neuen in Augenschein nehmen. Preislich hat es sich leider deutlich nach oben entwickelt. Der neue Bereich ist deutlich moderner und erst seit einigen Monaten in Betrieb – einiges muss sich noch einschwingen, das merkt man einfach. Von der Panorama-Sauna hat einen einen herrlichen Blick auf den Weg des Weinsteigs aus Bad Dürkheim hinaus bis an den Bismarkturm. Es sind noch einige Monate hin, aber mit der Rheintalquerung ist ein wichtiger Fitness-Check gemeistert.
Zum Abschluss gibt es noch ein gemeinsames Abendessen, bei diesem sind dann auch Anette und Michael mit dabei, Anette hat es durchgezogen und ebenfalls die Marathon-Distanz bewältigt.
Nochmals einen ganz herzlichen Dank an Jutta, die sehr kurzfristig eingesprungen ist und die Veranstaltung nach dem Sprung ins kalte Wasser als Shuttle souverän begleitet hat.